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Ende der 1970er durfte man in unserer Republik noch an unumstößliche Werte glauben: Marius glaubte „an die Deutsche Bank, denn die zahlt aus in bar“ – und wer an einen nach schwäbischen Sorgfaltstugenden gebauten Oberklassewagen glauben wollte, fand diesen ab 1979 in der Mercedes S-Klasse W126 verwirklicht. Was bleibt heute davon übrig?

Wer sich heute für eine S-Klasse der Baureihe W126 interessiert, sollte sich das zeitpsychologische Umfeld vor Augen halten, in das die Baureihe hineingeboren wurde. Die erste Ölkrise war noch prominent genug, um auch bei Neuentwicklungen in der Oberklasse zu spürbaren Kraftstoffeinsparungen zu zwingen, der Kanzler (Helmut Schmidt) einer überschaubaren Bundesrepublik saß mit seiner Regierungstruppe noch längst in der etwas piefigen, aber soliden Kleinstadt Bonn am Rhein und eine Wiedervereinigung mit der DDR lag noch in unvorstellbarer Ferne. Es gab ehrliche handgemachte Rockmusik von Deep Purple & Co. und ehrliche Schlager einer gewissen Gitte Haenning. Und jemand, der in der Teppichetage beim Daimler auch nur laut gedacht hätte, man könne ja vielleicht mal einen französischen Renault-Kleinlieferwagen einfach in einen Mercedes umetikettieren, wäre ungeachtet der juristischen Folgen vom damaligen Mercedes-Vorstandsvorsitzenden Joachim Zahn persönlich per Fußtritt auf die Straße befördert worden.

Es waren eben ziemlich andere Zeiten. Durch diese Brille sollte man deswegen das Wesen der Oberklasselimousine W126 betrachten. Nein, nicht „Luxusklasse“, denn zum Luxusfahrzeug wurde auch eine S-Klasse damals erst durch Ankreuzen von mindestens 20 schwer aufpreispflichtigen Mehrausstattungen.

In der Basisausführung waren lediglich die Grundfunktionen für komfortables Reisen mit üppigem Raumgefühl, gepaart mit Mercedes typischer Solidität, inbegriffen.

Unser Referenzfahrzeug aus dem Hause des Lüneburger Oldie-Händlers „Carracho Classics“ kommt kaum auf eine so hohe Zahl an Zubuchoptionen und verbrachte die überwiegende Zeit seines inzwischen 33-jährigen Lebens unter französischer Sonne, wo sich sicher jemand ganz bewusst für deutsche Markenqualität entschieden haben wird. Auf Protz und überflüssigen Tinnef legte der Erstbesitzer offenkundig keinen Wert, denn man findet weder ein Schiebedach noch eine Klimaanlage, und auch die Leder-Innenausstattung wurde dem Wagen mit der sicher interessanten Historie erst viel
später zuteil.

Dazu passt auch das dezente Erscheinungsbild des Wagens, das zwar noch die (auch hier authentischen) „Barockfelgen“ der insgesamt barocken Vorläuferbaureihe W116 trägt, das mit seiner schnörkellos-eleganten und funktional durchdachten Karosseriegestaltung allerdings als das Meisterstück von Bruno  Sacco, dem damaligen Leiter der „Hauptabteilung Stilistik“, und von Werner Breitschwerdt als Direktor des Bereichs Pkw-Aufbauten gelten darf. Zwar wurden auch die in der ersten Serie noch geriffelten, später glatten Kunststoffplanken („Sacco-Bretter“) als doch etwas zu profan für ein solches Auto kritisiert, aber die Schmährufe waren doch nicht ansatzweise so laut wie beim verfetteten Nachfolger W140, der wohl nicht grundlos wesentlich häufiger mit der „Kohl-Ära“ im Kanzleramt in Verbindung gebracht wird und mit dem Mercedes erstmals im großen Stil Oberklassekunden an die Münchner Konkurrenz verlor.

Aber der W140 kam ja auch 1991, als unsere Nation schon wieder sehr groß geworden war. Der W126 war nicht „in Rufweite hinter der Mode“, wie es ein einstiger Styling-Leitspruch bei Mercedes forderte. Er war so wenig modisch, dass er auch heute noch nicht unmodern aussieht – jedenfalls nicht nach einer bald 40 Jahre alten Autoentwicklung.

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Sie sehnen sich nach einem Youngtimer der 90er Jahre, der potente Technik mit überlegenen Fahrleistungen und einer üppigen Coupé-Karosserie kombiniert? Dann haben wir zwei ganz heiße Tipps für Sie

Sportwagen sind Ihnen zu hart und Limousinen zu gewöhnlich, zu langsam? Dann sind BMW 850i und Ferrari 456 GTA vielleicht die Lösung. Beide bilden zwei monumentale Höhepunkte des ausklingenden automobilen 20. Jahrhunderts, schüren ganz oben, wo die Luft seit jeher verdammt dünn ist, eine neue Lust auf große Ausfahrten.

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Beide sind extrem schnell, äußerst exklusiv – und teuer. In ihren Lastenheften vereinen sie wesentliche gemeinsame Schlüsselreize: Zwölf Zylinder und mindestens 300 PS treiben sie an, vier außergewöhnlich mondäne Leder-Einzelsitze erwarten auserwählte Fahrgäste. Diese High-End-Rezepturen garantieren Gänsehaut. Wer sich für einen der beiden Boliden entscheiden darf, der tut dies aus purer Leidenschaft. Jede Kaufberatung wäre ein Missverständnis, was uns daher bleibt ist die Vorstellung zweier höchst charismatischer Charaktere.

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Die mutige dritte Generation von Chevrolets Kunststoff-Sportwagen wird gern zusammen mit dem Design einer Colaflasche oder den ausladenden Hüften einer Frau in einem Satz genannt: Koffein für ein rasendes Herz und Formen für lüsterne Blicke bietet sie reichlich. Und noch einiges mehr: Wir haben einen 1969er Stachelrochen durch den Weserhafen gejagt

Nehmen wir die Dachhälften raus?“ Ja, na klar. Wusste gar nicht, dass das geht. Die Sonne steht hoch oben hinter Schlierenwolken (oder ist das Smog?) und lässt dieses goldene, respekteinflößende Gerät matt und wachsam schimmern. Die Metapher mit dem auf der Lauer liegenden Tier ist allerdings aus mindestens zwei Gründen nicht angebracht. Zum einen ist sie ausgelutscht und abgegriffen („der Jaguar setzt zum Sprung an“ – gähn – „der Cougar wetzt die Krallen“ – schnarch), zum anderen steht hier zur Abwechslung mal nicht ein Vertreter der ausklingenden Muscle-Car-Ära, der erstnamentlich der wilden Fauna zuzuordnen wäre: Corvette. Einfach so.

Amerikas erster Nachkriegs-Großserien-Sportwagen stand in seiner Urversion 1953 schon in den Startlöchern, als noch immer hunderte Menschen Namen für das Straßenschiff vorschlugen. Der Zeitungsfotograf Myron E. Scott machte mit seiner Idee das Rennen, indem er den Jungs bei General Motors die historische Bezeichnung von schnellen, wendigen Kampfbooten auf den Tisch legte. Die französische Kriegsmarine entging schon in den 1670ern mit ihren kleinen „Corvetten“ dem trägen Kanonenfeuer der Kriegsschiffe, und im zweiten Weltkrieg wurden seitens der Briten schnelle, wendige Corvetten gegen die fiesen, aber trägen deutschen U-Boote eingesetzt. In Amerika gab es nur acht Jahre nach dem Krieg eine Menge Veteranen, die sich noch gut an diese Zeiten erinnerten, und der Name schlug dementsprechend ein wie eine Unterwasserbombe.

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Schon die zweite Baureihe von 1962 bis 1967 bekam dann doch einen fischigen, animalischen Beinahmen, nach ihrem Aussehen mit der breiten Haube und dem geteilten Heckfenster nannte man sie „Sting Ray“, übersetzt „Stachelrochen“. Diese Bezeichnung sollte leicht anders geschrieben in die folgenden Generationen übernommen werden, auch wenn das stachelrochige Äußere nicht mehr nachzuvollziehen war. Im Gegenteil. Das schon 1965 von Chevrolet vorgestellte „Mako-Shark“ Showcar – oh je, noch ein Fisch – basierte in vielen Teilen auf einem Entwurf von Bertone aus den 50er Jahren und hatte derart sexy Linien plus eine höchst attraktive Taille, dass davon viele Elemente von Designer David Holls in die dritte Generation C3 übernommen wurden. Einiges nicht. Das futuristische viereckige Lenkrad zum Beispiel – man sollte ihm dafür heute noch dankbar sein. Als Fahrwerk diente in alter amerikanischer Tradition weitestgehend der robuste und bewährte Kram aus dem Vorgänger C2.

Die C3 ging in die Werksgeschichte ein als die Corvette mit der längsten Bauzeit. In den 15 Jahren (von 1967 – 1982) entstanden mehr als 540.000 Exemplare. Die fast schon übertriebenen Formen trafen den Geschmack der Muskelfans, die mit diesem Auto ein Stück amerikanisches Industriedesign erwerben konnten. Die Stingray (eigentlich ja „der“ Stingray, aber sorry, das Gerät ist definitiv weiblich) ging den meisten Menschen mit ihrer Höhe von nur 1,21 Metern gerade mal bis zum Gürtel und entwickelt, wenn man erst einmal in ihr drin sitzt, nahezu wollüstige Bilder im Kopf. Die Fachpresse unkte dementsprechend, man habe die praktische Seite eines Automobils zu sehr im Sinne des Designs vernachlässigt.

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Die unter einer Abdeckung versenkten Scheibenwischer blieben bei Frost einfach, wo sie waren. Game over. Wenn‘s dagegen mal zu heiß wurde, bekamen die Motoren Kühlungsprobleme, weshalb heute viele C3-Fahrer dicke E-Lüfter nachgerüstet haben. Insgesamt ließ die Verarbeitungsqualität gerade der ersten Jahre zu wünschen übrig, aber das störte die Amerikaner nicht. Sie kauften die Corvette, als gäb‘s keine Alternativen. In dieser Preisklasse, und rechnet man noch einen gewissen Nationalstolz ein, stimmte das damals sogar.

Bis 1977 gab es, einzigartig bei Serienfahrzeugen, die herausnehmbaren Dachhälften. Dieses „T-Bar-Roof“ oder „T-Top“ machte aus dem Wagen fast ein Cabrio. Das als solches gab es ihn natürlich auch. Nach und nach wich aber der Spaßfaktor den weltweit anziehenden Sicherheitsbestimmungen, ab 1975 wurde das Vollcabrio nicht mehr angeboten. Auch das T-Top entfiel 1978 und wurde durch eine Art Fastback-Heck mit einer kuppelförmig gewölbten Glasscheibe hinter der B-Säule ersetzt. Was dem ziemlich geilen Aussehen der Corvette nur bedingt Abbruch tat. Im Gegenteil: Sie wurde sogar wieder etwas „rochiger“.

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Er heißt Continental Mark V, ist fast sechs Meter lang und füllt sieben Liter Hubraum mit Benzin. Trotzdem passen in das Coupé bequem nur zwei erwachsene Menschen hinein. Die haben jedoch eine Menge Spaß – zumindest bis zur nächsten Kurve oder Tankstelle: Besuch bei einem der letzten herrlich überheblichen Full-Size-Dinosaurier

Der Tyrannosaurus Rex war ein wahrhaft großer Fleisch- und Aasfresser, stark und Ehrfurcht einflößend. Er stapfte durch die Wälder und fraß, was sich ihm in den Weg stellte. Keine Menschen, denn die gab’s in der jüngsten Stufe der Oberkreide noch nicht. Aber hätte es sie gegeben – sie wären mächtig beeindruckt gewesen.

Die Chance, aus dem Staunen nicht mehr heraus zu kommen, bewahrten sich die Menschen bis letztmalig 1966. Da zogen erste Exemplare des Continental Mark III ähnlich erhaben durch den urbanen Dschungel. Sie waren ungefähr so groß wie ein T-Rex und fraßen ähnliche Mengen wie er – allerdings in Form von kleinen Schalentieren und Muscheln, die zuvor jahrmillionenlang unter dem Druck der Gesteinsschichten verbrachten, dann als schwarze Brühe nach oben gepumpt und aufwändig zu etwas raffiniert wurden, was man anzünden kann: Benzin.

Die Namensgebung ist typisch amerikanisch und deswegen mehr als verwirrend: Die Continental Division war von 1955 bis 1960 eine eigenständige Ford-Konzerntochter und bot den Continental Mark V als hochwertiges Luxusfahrzeug an. Das hier vorgestellte Modell wurde von der Lincoln-Mercury-Division der Ford Motor Company gebaut, aber nicht als Lincoln Continental in den Annalen geführt, denn der Lincoln Continental lag seit 1961 unterhalb der Continental-Mark-Serie und hatte technisch mit ihr nichts zu tun. Als Hommage der damaligen Luxuskarossen trug er demnach nur die Modellbezeichnung „Continental Mark V“ als Nachfolger der Mark-III und -IV-Modelle.

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Diese automobilen Dinos waren die Antwort der Ford Motor Company auf den gerade erfolgreich vorgestellten Cadillac Eldorado und wollten vor allem groß und luxuriös sein. Und groß. Und luxuriös. Vor allem aber groß. Naja, auch luxuriös. Allein die Motorhaube war mit 1,80 Metern Länge nur geringfügig kürzer als ein moderner Smart. Beide Fahrzeuge boten zwei Personen einigermaßen Platz, jedes auf seine Weise, die Insassen des Continental aber verspürten dabei diese Ehrfurcht, wie der T-Rex sie ausstrahlen konnte. Allein schon deshalb, weil eine tiefe Erkenntnis ein paar Minuten braucht, bis sie sich in Hirn und Herz voll entfaltet.

Hirn: Du sitzt in einem unfassbar großen Pkw, vielleicht in dem größten, in dem du jemals gesessen hast. Wie kann es sein, dass es hier drin nur unwesentlich mehr Platz als im Smart gibt? Ist das einer der Gründe, warum so etwas ausgestorben ist? Wir werden es erkunden. Herz: Erweck mal das Triebwerk zum Leben, leg mit dem Hebel am Lenkrad die Fahrstufe ein und lass dieses lange Ding losgleiten. Und denk nicht so viel nach.

Man ist sich heute nicht ganz sicher, ob nun vor zig Millionen Jahren ein Meteorit eingeschlagen ist, eine Eiszeit kam oder die großen Viecher einfach alles aufgefressen haben. Jedenfalls waren die Dinos plötzlich weg. Und was da gegen Ende der Kreidezeit passierte, wiederholte sich Anfang der 70er Jahre ähnlich: Die erste große Ölkrise. In Nordamerika, was nicht für seine ökonomischen Kleinwagen bekannt war, erlegten sich alle Hersteller Sparzwänge auf, weil plötzlich niemand mehr den Durst der dicken „Gas Guzzler“ akzeptierte: Dank OPEC verdoppelte sich der Preis für einen Liter Kraftstoff.

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Bullis sind Kult – je älter, desto mehr. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Wer sich frisch mit dem Thema befasst und beispielsweise einen der bis 1967 gebauten T1 sucht, wird sich die Augen reiben. Selbst absolute Grotten werden fünfstellig gehandelt, bei Top-Exemplaren hängen sechsstellige Preisschilder hinter der geteilten Frontscheibe

Auf den Ladeflächen der ersten Bulli-Generation wurde in den 1950ern längst nicht nur das deutsche Wirtschaftswunder kutschiert. Die aus einer Idee des Niederländers Ben Pon hervorgegangenen robusten Kleintransporter, Lieferwagen und Busse waren bald in der ganzen Welt so erfolgreich wie sein kleiner Ahn, der Käfer, mit dem er sich auch weitgehend die technische Basis teilt.

In den 1960ern entdeckten ihn die Amis als kuscheliges Campmobil für zwei, in dem Heerscharen von Hippies in Woodstock und anderswo Liebe statt Krieg machten. In vornehmen zweifarbig lackierten Samba-Bussen mit Faltschiebedach und getönten Dachfenstern „wie bei den Großen“ (Reisebussen) wurden Gäste vom Flughafen ins Hotel geshuttelt oder auf die Messe gefahren, und für Großfamilien mit mehr als drei Kindern, die damals noch nicht so selten waren wie heute, gab es eigentlich auch kaum eine echte Alternative.

Diese Zeiten liegen lange zurück, aber sie sind hauptverantwortlich für den Bulli-Kult. Dazu kommt das begeisternde Design der ersten Bulli-Generation mit der Fahrerkabine im Flugzeugkanzel- oder Lokomotivenlook und der schicken „oVo“-Frontmaske, die ein überdimensionales VW-Emblem ziert. Allerdings haben eine intensive gewerbliche Nutzung und eine fehlende Korrosionsvorsorge den größten Teil der frühen Bullis längst hinweggerafft, bevor sie den Liebhaberstatus erreichten.

am1214_kaufberatung_vw_bus_04Angesichts der aktuellen T1-Preise könnten Menschen mit etwas handwerklichem Geschick auf die Idee kommen, dann eben eine „Grotte“ wieder fahrfähig zu bekommen, aber denen sei gesagt: Die Grundrestaurierung eines T1-Bullis zählt zu den aufwändigsten Vorhaben, die man sich im Oldtimerbereich überhaupt aufhalsen kann. Dafür ist nicht die simple, käferverwandte Technik verantwortlich, sondern das marode Blech. Das liegt nicht allein an der schieren Größe des Wagens oder einer schlechten Ersatzteilsituation – mittlerweile ist bei den freien Händlern erstaunlich vieles wieder in erstaunlich guten Qualitäten als Katalogware verfügbar. Es ist vielmehr der Umstand, dass bei den meisten Restaurierungsobjekten die unteren 50 Zentimeter der Karosserie oft nur noch fragmentarisch vorhanden sind. Dazu zählen auch alle Rahmenteile und Bodenbleche, wobei erschwerend hinzukommt, dass sich die Bodengruppe abweichend von der des Käfers nicht durch Schrauben vom übrigen Aufbau trennen und separat sanieren lässt. Eine Bulli-Restaurierung ist deshalb sicher nicht das ideale Projekt für Anfänger, weshalb Bullis unter 20.000 Euro für diese Klientel praktisch ausscheiden. Selbst im Preisbereich bis 50.000 Euro ist es seit einiger Zeit schwierig, einen wirklich tollen „Fenster-Bulli“ zu finden. Solche bestuhlten Busse (8- oder 9-Sitzer) und original erhaltene und nicht verwohnte Werks-Wohnmobile von Westfalia – sind die gesuchtesten und teuersten Fahrzeuge, wobei der „Samba“ Luxusbulli die preisliche Spitze markiert.

Günstiger, obwohl noch seltener, sind lediglich Kastenwagen, Pritschenbullis, Doppelkabinenbullis oder die Sonderfahrzeuge von der Feuerwehr, dem Roten Kreuz oder mit Spezialaufbauten wie Hydraulikkipper etc. Das hängt einfach mit ihrer deutlich eingeschränkteren universellen Nutzbarkeit zusammen, wobei sich auch um solche Fahrzeuge ein harter Kern sehr engagierter Sammler gebildet hat.

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Der Name „Galaxie“ spielt auf den Wettlauf ins All an. Man könnte ihn aber auch als Metapher auf das Raumgefühl im Inneren der Full-Size-Limousine sehen, die aus einer Zeit kommt, als das Leben noch ein wenig übersichtlicher war. Mit dem kleinsten damaligen Big Block, drei Cruise-O-Matic-Gängen und einem Haufen Flair der 60er cruisen wir los und entkommen der Hektik der Welt

Der Weltraum. Unendliche Weiten….
*orchestrale Musik, Erzähler spricht* Wir befinden uns in den 60ern, das „Space Race“ ist in vollem Gange. Das Rennen um die technische Überlegenheit der beiden Supermächte verlagerte sich mehr und mehr auf den Weltraum. Die mit buntem Metallgekröse hoch dekorierten Generäle fanden den Gedanken sexy, Raketen weit über den Köpfen des Gegners zu parken, ohne dass dieser etwas dagegen machen kann. Die Sowjets hatten bereits vor Jahren „Laika“ in den Weltraum geschickt. Laika war eine Hündin und überlebte den Flug nicht. Die Amerikaner legten 1962 mit John Glenn, einem Astronauten nach. 1963 umkreiste „Walentina“ 70 Mal die Erde. Walentina war keine Hündin und kein Astronaut, sondern die erste Frau im All, sie überlebte im Gegensatz zu Leika auch den Ausflug und landete als „Heldin der Sowjetunion“ wieder auf der Erde. Da, wo Autos gebaut werden.

Logbucheintrag Nummer 1
Raumschiff Galaxie Captain Jens
*Fröhlicher Rock‘n Roll*

Wir bewegen uns in spannenden Zeiten. So spannend für die am Boden bleibenden, dass Raketendesign und orbitale Namensgebung sehr werbewirksam Einzug in Produkte des täglichen Lebens halten. Ford nennt Ende der 50er das Luxus-Upgrade seiner Fullsize-Modellreihe Fairlane zusätzlich „Galaxie“ und bietet alles an, was der amerikanische Freund von großen Autos sich wünscht: Zweifarbig lackierte Blechplanken im Format einer Trägerrakete; üppiger, sternengleich funkelnder Chromschmuck; imposante Doppelscheinwerfer wie gleißende Sonnen; eine Panoramascheibe wie das Cockpit der Enterprise (auch wenn die erst ein paar Jahre später abhob); und respekteinflößende Flossen am Heck. Eben gerade so wie ein Raumschiff, dafür gebaut, in die Weiten der Galaxie vorzustoßen. Ab 1960 wird der Galaxie eine eigenständige Modellreihe (aber bitte nicht mit „y“ hinten, denn das führt dann zu einem Fahrzeug, was niemals den Weg in unser Magazin finden wird…).

Diese Weitläufigkeit zeigt sich beim auf das Concept Car „Quicksilver“ aufbauenden neuen Ford schon in den äußeren Dimensionen. Seine Breite knackt die magische US-Grenze von 80 inch (das sind mehr als zwei Meter wohlgemerkt), deshalb benötigt man in einigen Bundesstaaten einen vorläufigen „One year pass“, um das Auto so zu verkaufen, wie es gebaut wird. Andernfalls müssen orange Positionslichter auf dem Dach nachgerüstet werden, wie bei Trucks… Was aber das weltraumbegeisterte Volk auf der anderen Seite des Atlantiks sicherlich auch noch mitgemacht hätte.

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Mehr Größe und Luxus als in einem Oldsmobile Ninety Eight ging 
fast nicht in den rockigen und rolligen 50er-Jahren – ein Auto, das 
seinen eigenen Markennamen überlebt hat. Sven Timm besitzt 
einen zweifarbigen 4-Door Holiday Hardtop – der bietet der Vergänglichkeit auch heute noch die Stirn. Zum Beispiel beim Fotoshooting am Friedhof Ohlsdorf in Hamburg

Wenn man erstmal infiziert ist, stehen die Chancen schlecht, jemals wieder von einem Ami weg zu kommen. Auch Sven Timm aus Norderstedt hat sich nur kurz gewehrt, als er von einem Freund im 55er Chevy Pick-up abgeholt wurde. Gemeinsam mit der Dame, die in wenigen Minuten seine Frau werden sollte, teilte er das Sofa vorn und blickte verliebt über die lange Haube. Solche Momente bleiben wohl auch aus anderen Gründen im Gedächtnis hängen. Eine Braut hatte er nun, einen eigenen Klassiker aus den USA aber noch nicht. Letzteres ließ sich einfach ändern – in Duisburg kaufte er einen nicht fahrbereiten Chevy und begann, ihn mit dem neuen Schwiegerpapa zu restaurieren. Die Freude war kurz: Ein Haus musste her, der Wagen musste gehen – auch wenn er inzwischen fuhr.

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Der Ami-Virus sitzt tief

Drei Jahre lang bekämpfte Timm die Ami-losen Symptome,
kurierte aber nicht die Ursache. In nur 50 Kilometern Entfernung fand Timm einen 56er Buick Special Coupé, natürlich ohne ihn gesucht zu haben. Und ohne B-Säule. Dafür in einem fahrbereiten, akzeptablen Zustand. Der Wagen passte erstaunlich gut in ein Leben mit Frau und Kind, und trotz seines hohen Alters entpuppte sich der „Special“ als zuverlässiger Daily Driver. Bis zwei Jahre später Timms Firma erweitert werden sollte. Da musste auch der Buick wieder gehen. Obwohl er super fuhr.

Die Einschläge kamen nun im doppelten Sinne näher. 
Diesmal dauerte es keine sechs Monate, bis Timm einen dicken Oldsmobile fand, und diesmal stand der Wagen sogar im Nachbarort. Also keine fünf Kilometer entfernt. Der Preis war für Timms Budget viel zu hoch, aber wie das beim Ami-Virus so ist: Angucken kostet nix. Also nahm er auf Anraten seiner Frau, die noch immer die gleiche war, einen 
Bekannten aus der Szene mit zum Besichtigungstermin. Dieser Kumpel galt als erfahren und kritisch, leider hatte er mit den Kisten der 50er nichts am Hut. Mit dieser beruhigenden Emotionslosigkeit im Nacken hoffte Timm, vom Schlimmsten abgehalten zu werden. Aber das ging voll in die Hose: In dem Moment, wo er vor General Motors zweifarbig lackierter Krönung der Oberklasse stand, verliebte er sich unsterblich.

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Klar kennen die meisten Sportwagenfreunde die kultigen Roadster der britischen Traditionsmarke Morgan. Und doch haben viele diese urigen Autos bei der Zusammenstellung ihrer automobilen „wishlist“ vermutlich nicht auf der Pfanne. Zu Unrecht, wie wir nachfolgend am Beispiel des aktuellen Plus 8 zeigen werden

Um es vorwegzunehmen: Eine gewöhnliche Kaufberatung mit der Aufdeckung alterstypischer Gebrechen wird es diesmal nicht, denn der Gegenstand unserer Betrachtung ist ein Neuwagen, den Sie so noch aus dem Katalog bestellen können. Auch wenn er nicht so aussieht. Genau das wird auch der Hauptgrund sein, weshalb heutige Sportwagenfreunde der über hundertjährigen Automanufaktur in der Pickersleigh Road im mittelenglischen Malvern (Grafschaft Worcestershire) nicht noch mehr die Tür einrennen als sie es sowieso schon tun, denn für Morgan-Neufahrzeuge gibt es Lieferfristen von drei bis sechs Monaten, selten kürzer. Wenn es gut läuft. Es können aber auch bis zu 18 Monate sein.

Das erinnert beinahe an die Trabant-Neuwagenzuteilung in der alten DDR, wenngleich die natürlich nie auch nur annähernd dasselbe Begeisterungspotenzial aufbauen konnte. Aber mehr als drei bis vier Autos täglich schaffen die Handwerker in Malvern einfach nicht.

2013 wurden immerhin 1000 Exemplare gebaut – verdammt viel für die rund 180 Beschäftigten. Die Verknappung führt zu einer außerordentlichen Wertstabilität auch bei den Gebrauchtwagen.

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Britischer Automobilbau mit Tradition

Vielleicht müssen wir doch noch ein paar Worte über die skurrile Fertigungssituation verlieren, in der Morgan-Automobile entstehen, denn dieses Wissen gehört einfach dazu, wenn man über einen solchen Kauf nachdenkt – auch wenn es am Ende ein Gebrauchter sein soll. Die „Fabrik“ in Malvern, die nach wie vor als Familienunternehmen geführt wird (wenn auch ohne einen Mr. Morgan als CEO), besteht im Wesentlichen aus zwei Backstein-Hallenkomplexen, die unmittelbar gegenüber einem Reihenhaus-Wohngebiet liegen. Man kann dabei sein, wenn das eigene Auto entsteht – gefertigt wird ausschließlich auf Bestellung – und einige Kunden tun das auch. Aber auch so lohnt es sich, die Traditionsstätte beim nächsten Englandbesuch mit auf den persönlichen Routenplan zu nehmen.

Außer der reinen Produktion gibt es inzwischen ein kleines Werksmuseum, das jährlich von rund 25.000 Besuchern frequentiert wird. Über weite Strecken der Fertigung könnten Besucher den Eindruck gewinnen, in einer Schreinerei oder Schlosserei zu sein. Ein Fließband sucht man vergebens: Die ausschließliche Handarbeit ist es, die Morgan-Käufer so fasziniert – vergleichbar nur mit maßangefertigter Kleidung oder von Uhren mit Manufaktur-Kaliber. Es hat deshalb auch seinen Grund, weshalb man den Morgan 4/4 als einziges Automobil über den Edel-Versandhändler für neue alte Dinge „Manufactum“ bestellen kann.

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Fußballfans denken bei der 96 an Hannover, Autofans an Schweden: Diese Zahl trägt einer der erfolgreichsten Saab aller Zeiten. Das Exemplar von Nico Gasparatos aus dem Jahr 1971 ist dem Wettbewerbswagen von Stig Blomqvist nachempfunden – 
und deshalb stärker und vielleicht auch schöner als jeder Serienwagen

Okay, es ist nicht ganz das Original. Das steht im Saab-Museum in Trollhättan. Aber das Exemplar von Saab-Spezi Nico Gasparatos aus Hamburg sieht zumindest so aus wie der Rennwagen von Stig Blomqvist. Mit Käfig, Sperrdifferenzial, Gruppe-2-Fahrwerkskomponenten, Fächerkrümmer, und alles eingetragen in FIA-Papiere. Sogar die Sticker stimmen exakt überein.

Nur der Motor, der stimmt noch nicht ganz: „Zurzeit ist ein leicht getunter Serienmotor installiert, der 90 PS leistet,“ sagt Gasparatos, denn der Rennmotor wartet noch auf seinen Vollendung. „Der Vorbesitzer des Saab 96 hat das Aggregat einfach nicht dicht bekommen…“ Das Problem: die Abdichtung des Zylinderkopfes. Aber wenn Gasparatos das richtet, ist sein alter Schwede ein Sahnestück mit einem Gruppe-2-Motor, der mit Hilfe eines Weber-Doppelvergasers 130 PS aus 1.750 Kubik zaubert.
Den jüngsten Auftritt konnten die Norddeutschen beim Hamburger Stadtparkrennen 2013 genießen – da durchpflügte der finnische Rennfahrer Simo Lampinen das Feld mit Gasparatos’ Saab. Und der mag Drehzahlen.

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5.000 Umdrehungen, auch mal 6.000, erlaubt Gasparatos bei der Ausfahrt vor den Toren Hamburgs. Nur dann zieht der Motor gut. Dass der Wagen auf Sportlichkeit ausgelegt ist merkt man aber schon beim Einsteigen: Ein Schalensitz mit Vierpunktgurt empfängt den Piloten, und ebenso ein dickes, dreispeichiges Lenkrad. Das ist ganz oben markiert, damit man bei wildem Kurbeln die Geradeausstellung besser findet. Mittig auf der Lenksäule thront der Drehzahlmesser, und mehr braucht man eigentlich nicht – höchstens noch die Lenkradschaltung, deren Gangführung gelernt sein will.

Ungewöhnlich auch die nach rechts versetzten Pedale, der schmal werdenden Front geschuldet. Ebenso gewöhnungsbedürftig die Motorhaube, die komplett abnehmbar ist und deshalb mit einem Lederriemen gesichert wird. Darunter befindet sich der V4, der noch längst nicht den möglichen Platz im Motorraum einnimmt. Vorne dran hängen vier Zusatzscheinwerfer – unmissverständliche Hinweise auf die sportlichen Gene.

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Fast fertig für die nächste Rallye: Sportmotor, Sportlenkrad, Sportsitze

 

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Der W116 symbolisiert wie kaum ein anderes Auto Macht und Status der 70er Jahre in Deutschland. Und es war das absolute Lieblingsauto von Kay Paffraths Vater. Grund genug für den Sohn aus Hamburg, sich so eine Trutzburg als 280 S in Weiß zu besorgen – und damit eine andere Trutzburg an der Elbe zu besuchen

Sein Vater war ein Sternenjünger. Er hatte sich klassisch hochgearbeitet, fuhr Strich-8 sowie mehrere 123er von der Wanderdüne 200D bis zum 230E. Und dann sollte es die erste Oberklasse werden.

Es muss so um 1979 gewesen sein, als der alte Herr Paffrath bei Mercedes-Benz in Hamburg-Wandsbek seinen weißen 280 SE kaufte. Die Familie inklusive Sohn Kay zeigte sich begeistert vom nahezu verschwenderischen Platzangebot, dem kommoden Komfort der blauen Karositze und dem seidenweichen Geflüster des doppelnockigen Reihensechsers.

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Und Geld sollte die riesige Limousine auch noch einbringen – der Herr Papa nutzte den umlackierten Wagen noch bis 1986 in Hamburg nebenberuflich als Taxi. Tatsächlich besaß man hier plötzlich eine ganz neue Klasse, in den Werbeprospekten erstmals „S-Klasse“ genannt. So viel unangezweifelte Autorität sollte nie wieder eine S-Klasse ausstrahlen. Wahrscheinlich deshalb blieb das weiße Schlachtschiff stets im Kopf des Hamburgers Kay Paffrath hängen. Wie alle anderen Jungen der 70er hatte auch er mindestens ein Matchbox-Auto dieses Typs oder ein größeres Plastikspielzeug mit Kabelfernbedienung.

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2012 findet er im Internet eine S-Klasse, die fast genau so aussieht wie die seines Vaters – allerdings ohne das E hinter dem S, also „nur“ der kleine Reihensechser mit Vergaser unter der Haube. Der Wagen war im Norden unterwegs und bis 2002 lückenlos bei einem Mercedes-Benz-Partner im schleswig-holsteinischen Elmshorn gewartet worden. Da der Motor nicht anspringt, geht die Zeitmaschine für relativ kleines Geld an den Hamburger Unternehmer, der nach einer Woche Herumprobieren den Fehler findet: Die Vorwiderstände der Zündspule sind defekt. Er tauscht sie – und der für die Ewigkeit gebaute Motor springt nach der ersten Anlasserumdrehung an.

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Der österreichische Hotelier Johann Schneider besitzt einen der nur 55 mal gebauten Bentley Blower. Wer mitfahren will, muss ins Hotel Arlberg nach Lech

Wer das Hotel Arlberg im österreichischen Lech besucht, wird sich sicher wohl fühlen zwischen Bibliothek, hauseigenem Kräutergarten, Weinkeller, Spa und Tennisplatz. Dazu kommen privat organisierte Rallyes wie die Arlberg Classic, einen Transfer im Maybach, und dank einer Kooperation mit Daimler kann man sich im Sommer ein Mercedes-Cabrio für etwa 45 Minuten kostenfrei ausleihen. Die Sonne wird unter anderem die Seele wärmen, der Schnee im Winter das Mütchen kühlen. Und die Familie Schneider, die das alles gegen eine angemessene Menge Euronen möglich macht, wird alle Hebel in Bewegung setzen, um einen außergewöhnlichen Aufenthalt zu garantieren.

Naja, fast alle Hebel jedenfalls. Denn Familienoberhaupt Johann Schneider, Kommerzialrat seines Zeichens, lässt niemanden an die Hebel seines Goldstücks: ein Bentley Blower. Für diejenigen, die das Auto nicht kennen: Baujahr 1936, erdacht von dem Bentley Boy Tim Birkin, der den 4,5-Liter-Bentley mehr Siegchancen in den damaligen Rennen wie Le Mans verschaffen wollte, indem er ihnen einen Kompressor verpasste. Nur 55 Stück entstanden, gewonnen hat nie einer, Birkin machte Pleite. Das alles störte nicht bei der Entwicklung des Blowers zu einem der begehrtesten Vorkriegsklassiker, für den – mit nachweisbarer Rennhistorie – inzwischen bis zu sechs Millionen Euro gezahlt werden. Kein Wunder also, dass die Schneiderschen Hotelgäste den Blower nur dann zu Gesicht bekommen, wenn der Schneiderjohann ihn Gassi führt.

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Dem anglophil veranlagten Arlberger („Ich mag die englische Lebensart, die Einstellung, gute Traditionen am Leben zu erhalten den Humor und die Art, sich zu kleiden…“) fiel der Wagen beim Goodwood Revival vor etwa vier Jahren auf. Zwei Jahre lang ließ er ihn nach Erwerb beim Spezialisten Bob Petersen aufbauen, wobei Chassis und Motor original sind. Dazu muss man wissen: Die Bentley wurden auch damals schon ständig verändern, so dass es heute fast kein Auto mit „matching numbers“, also allen Originalteilen, gibt.

Heute heißt Schneiders Blower „Leopold“ und ist eine Hommage an seinen Großvater Leopold Schneider, der einst das erste Automobil in Lech besaß „und von dem ich das Autovirus geerbt habe.“ Schneider bewegt seinen „Leo“ immer mal wieder, zum Beispiel bei Rallyes (im vergangenen Jahr etwa bei der legendären Nuvolari Classic), zu normalen Sommerausfahrten oder als Hochzeitsauto. Die Silvretta Classic macht er mit, ebenso die Ennstal Classic. „Aber ich freue mich auch, wenn Hotelgäste Interesse zeigen – dann gibt es immer mal wieder Mitfahrgelegenheiten.“

Übrigens: „Leopold“ ist nicht Schneiders einzige automobile Schwäche. Seit einiger Zeit besitzt er auch noch einen Aston Martin DBR2 – ein Modell, das natürlich ebenfalls in Le Mans zu Ruhm und Ehre kam. Sein neuestes Projekt, das er restaurieren lässt, ist dagegen gänzlich anderer Natur: ein VW Käfer. „Ich habe zwei linke Hände beim Schrauben, das lasse ich lieber machen,“ sagt der Autofan. Solange er die technischen Hintergründe versteht, ist er zufrieden. Aber nicht gefeit vor weiteren automobilen Versuchungen: „Konkretes ist zwar nicht geplant, aber ich habe die Erfahrung gemacht: Suche nicht nach Deinem Fahrzeug, denn es findet dich.“

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Wer „Corvette“ hört, sollte auch sofort an Marilyn Monroe denken: Die Grazie ließ sich gern mit dem Ur-Meter des amerikanischen Sportwagens ablichten. Heute verursacht jede Generation dieses klassischen Straßenrenners Gänsehaut, da benötigt es keine verführerischen weiblichen Formen. Aber fast hätte die Corvette ein viel zu früher Tod ereilt – ähnlich wie es mit der unglücklichen und sehr blonden Norma Jean passierte. Grund genug, mit der Corvette C1, der Variante nach dem rettenden Facelift, durch die wohlgeformten Hügel im Harz zu rocken

„Ja nun, dann bauen Sie doch mal einen Sportwagen mit einer sehr leichten Karosserie aus Fiberglas…“ Die Idee ist toll und lässt den Machern in Michigan vor ziemlich genau 60 Jahren viel Gestaltungsfreiraum, um den ganzen schon vorhandenen Baukasten-Teilekram aus den Chevrolet-Regalen unter der Kunstharzschicht preisgünstig zu verklappen. Die Presse ist begeistert von den aufregenden Formen, schließlich wirkt der erste echte amerikanische Sportwagen neben den ausladenden und behäbigen Dickschiffen der Nachkriegszeit bei seiner Präsentation im Waldorf Astoria wie ein zum Sprung bereiter Haifisch auf die Journalisten.

Man versäumt leider, diesem Hai auch einen bissigen Motor einzupflanzen. Der gemütliche Blue-Flame-Reihensechszylinder aus dem Chevrolet-Lkw-Programm mit 110 kW (150 PS) bringt den Wagen einfach nicht auf Sportwagenniveau, und die Vette ist erheblich teurer als die Image-Modelle von Jaguar und Cadillac. Außerdem gestaltet sich die Produktion der Kunstharzkarosserie aufwändiger als angenommen. Die anfangs begeisterten Fans reagieren verhalten und bestellen im ersten Jahr nicht einmal die Hälfte der produzierten Fahrzeuge. Der Fehlstart eskaliert regelrecht in roten Zahlen, als im zweiten Produktionsjahr statt der geplanten 10.000 Einheiten nur rund 3.600 Stück von den Bändern der neuen Produktionsstätten in St. Louis laufen, von denen wiederum 1.100 nicht einmal einen Käufer finden.

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Sachlich und schlicht, wie es sich für einen Sportwagen gehört. Die Farbe selbst ist allerdings nicht gerade zurückhaltend – eher schnell: Fragen Sie einen Stier Ihres Vertrauens…

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Vier Gänge und ein PS pro cui reichen, um den anderen davon zu fahren. Für ein Auto aus den 50ern ist die Corvette geradezu verboten schnell

Steigerung? Möglich, aber in die falsche Richtung. 1955 werden nur noch dramatische 700 Corvetten gebaut, und parallel bringt Konkurrent Ford den Thunderbird auf den Markt – von Anfang an mit V8. Und 3.500 verkauften Exemplaren allein in den ersten zehn Tagen (siehe TRÄUME WAGEN 9/13: „No Angry Birds“).

Sündiges Erdbeerrot

Der Aufschrei im Todeskampf ist nicht laut, aber er erreicht dennoch General Motors Automotive Executive Ed Cole und den neuen Chefingenieur, die Rennfahrerlegende Zorka Arkus-Duntov. Die Karosserie wird geglättet und „schneller“ gemacht, das Meisterwerk von Heckflossen-Erfinder Harley Earl bekommt ausgestellte Einzelscheinwerfer und in die sündigen Hüften integrierte Rücklichter, außerdem eine wild geschwungene Panoramascheibe ohne Seitenfenster. Die Kunden können erstmals eine Zweifarben-Lackierung ordern und endlich einen V8. Der Small Block mit 4,3 Litern Hubraum entwickelt 143 kW (198 PS), und das verhältnismäßig leichte Auto wird 1956 von Duntov selbst in Daytona auf 241 km/h beschleunigt – Hut ab.

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