Beiträge

Es lohnt sich, bei Aston Martin Works in Newport Pagnell hereinzuschauen:
Hinter neuen Mauern werden die aktuellen Sportwagen verkauft, gewartet und repariert, hinter alten Backsteinen aus David Browns Zeiten die Klassiker aufbereitet. Perfekt wird der Aston-Besuch zum 100. Geburtstag, wenn man dann noch die neuesten Traumwagen Vanquish und
DB9 Volante fahren kann

Tradition hat bei AM Tradition

Ein Teil der Nordseite der Tickford Street im beschaulichen Ort Newport Pagnell, Buckinghamshire, sieht nicht mehr sehr einladend aus. Ein paar dürre Birken sprießen aus einem ungepflegten Gelände, ein unscheinbares Gebäude mit einst nettem Balkon gammelt verlassen vor sich hin, flankiert von ein paar wenigen alten Backsteingebäuden. Dass dieses mal ein bedeutender Ort war, lässt sich nur durch die Nachbarschaft erahnen: Das futuristische Gebäude auf der südlichen Straßenseite und die davor parkenden Edel-Sportwagen auf dem gut 14.000 Quadratmeter großen Gelände lassen erahnen, dass sich hier einst das Headquarter von Aston Martin Lagonda Ltd. befand. In den 50er Jahren war das verfallene Balkongebäude die Hauptverwaltung, dahinter wurden DB2 bis DB6 montiert. Nachdem Brown 1972 ausstieg, wurde von der darbenden Firma gerade mal noch ein Auto pro Woche produziert, aber sie blieb am Leben. Es folgte der V8, bis Ford einstieg, den DB7 in Bloxham produzierte und das neue Top-Model, den Ur-Vanquish (gebaut von 2001 bis 2007), hier von Hand dengeln ließ – zwischen Eimern, die das durch das marode Dach leckende Regenwasser auffingen. Newport Pagnell ist der Geburtsort von immerhin insgesamt rund 15.000 Autos – bis 2007 die Fabrik in Gaydon öffnete.

Echte Handarbeit: Bei Aston Martin Works wird in der Klassiker-Abteilung noch manuell gefertigt, nachgebaut, repariert und gedengelt

 

Nun ist die ehemalige Fabrik abgerissen bis auf ein paar Gebäude, und der Platz wartet auf eine neue Bestimmung – in Newport Pagnell munkelt man etwas von einem unwürdigen Supermarkt. Gegenüber aber war schon immer – und bleibt auch – Aston Martin Works, die Service-Abteilung. Neu ist, dass AM hier sogar selbst als dem einzigen Standort weltweit mit Neuwagen handelt. Aber dahinter wird geschraubt.

In der klinisch sauberen und aufgeräumten Haupthalle mit den aktuellen Modellen ist Gucken erlaubt – fotografieren nicht. Und zwar nicht deshalb, weil ein Aston nicht kaputtgehen darf, sondern weil man eventuell an den Nummernschilder den Besitzer erkennen kann. Und das wollen die meistens nicht – der durchschnittliche Aston-Martin-Besitzer ist ein eher introvertierter Typ. Gehen wir also weiter, widerwillig das Supercar One-77 missachtend, das unter eine Plane ruht und nicht enthüllt werden darf. Aber die weiteren Hallen versöhnen uns wieder.

Künstler sind erst im Chaos wirklich kreativ – das scheint auch für die Schrauber in der Klassik-Abteilung bei AM zu gelten. Hauptsache, sie selbst finden da durch

 

Denn nach der scheinbar virenfreien Vorzeigewerkstatt und dem ebenso sagrotangetauchten Lackierbereich kommen wir in die Abteilung, die sich um die wirklich alten Autos kümmert. Und hier scheint nicht nur der Geist von David Brown herumzuspuken – man könnte sich auch nicht wundern, würde er höchstselbst hier auftauchen. Da stehen Modelle vergangener Zeiten, halb oder ganz ausgenommen, wunderschöne DB4 auf Hebebühnen, daneben ein Haufen Speichenräder. Als würden hier die Freigeister arbeiten, die man einfach machen lassen muss, weil sie nur so kreativ sein können und die Arbeit erledigen, die für andere zu diffizil ist. Jedes Chaos hat schließlich seine Ordnung, und es reicht ja, wenn es der versteht, der es angerichtet hat.

Vergaser werden hier noch per Hand eingestellt, natürlich mit Schraubendrehern, die Holzgriffe besitzen, weil solche aus Plastik nicht sensibel genug sind. Der Bau eines Türgriffes kann schon mal eine Woche dauern, ein neuer Grill für einen DB4GT Zagato entsteht in 60 Arbeitsstunden.

Wir dürfen in ein weiteres Gebäude – das ist wirklich aus den 50er Jahren. Innen ist es dämmrig und noch viel chaotischer als in dem Raum zuvor. Hier ist die Zeit komplett stehen geblieben: Hartgesottene AM-Handwerker dengeln an alten Geräten Aluminium-Häute, zwei andere stellen Rohre für einen Gitterrohrrahmen her. Der soll unter einen DB3S. Vom Original ist nur ein mageres Rohr übrig geblieben – in England kein Grund, den Wagen nicht zu „restaurieren“ und ihn später als Original zu betiteln. Andererseits – wäre es besser, wenn die Welt um so ein wunderschönes Modell ärmer wäre?

AM in Newport Pagnell: Gegenüber dem neuen Niederlassungsbebäude (oben links) steht noch der alte Verwaltungsbau (oben rechts), dahinter wurden die Wagen gebaut (links). Daneben ein Luftbild vom Gesamtkomplex Ende der 90er Jahre

Wenn sich die Piloten beim Goodwood Revival um die Hauben fahren, hilft manchmal nur noch, dreimal auf Holz zu klopfen – mit schonendem Umgang von klassischem Automaterial hat das nicht viel zu tun. Aber das macht den weltgrößten Kostümball mit Gas geben ja gerade so spannend

Weiß der Geier, mit welchem Fuß Richard Shaw an diesem Morgen aus dem Bett gestiegen ist, aber es muss der falsche gewesen sein. Der Typ im BMW 700 fährt nicht mit einem Messer zwischen den Zähnen – das ist schon eine Machete. Wie ein Berserker pflügt er durch das Feld der „St. Marys Trophy“ auf dem ehrwürdigen Asphalt der Rennstrecke in Goodwood, Südengland. Als würde er in irgendeinem finsteren Tower angekettet, wenn er nicht gewinnt.

Reine Rennwagen sind beim Revival in der Minderheit – aber nicht minder faszinierend

Immer einen Besuch wert: Der Parkplatz mit Besucher-Klassikern. Dort wird auch sehr englisch gepicknickt

Ach diese „St. Marys Trophy“ – so ein sanfter Name für so ein wildes Rennen. Denn hier schlagen sich unter anderem Mercedes 220S, Borgward Isabella TS, Jaguar Mk VII, Ford Prefect 107E, Austin A35, Standard Ten, Alfa Romeo Giulietta Ti, MG Magnete ZB, Riley 1.5, Sunbeam Rapier, Morris Minor, Renault 4CV, Rover 100 P4 und sogar GAZ Wolga M21 sowie Tatra T603 die Stoßstangen ein. Am Steuer Rennlegenden wie Martin Brundle, Jürgen Barth, Vern Schuppan, Rauno Aaltonen, Derek Bell, Indy-500-Sieger Kenny Bräck, Rob Huff, Christian Horner und auch Comedian Rowan Atkinson. Viele von Ihnen eingekauft vom Fahrzeugeigner, um einen Pokal nach Hause zu bringen. Koste es, was es wolle.

Ernest Praag (links) und Ron Donders (rechts) sind ein regelrechtes Erfolgsgespann. Die Stärken der beiden Niederländer sind ein profundes Wissen und ausgezeichnete Kontakte. Hinzu kommt ein ausgesprochenes Faible für historische Fahrzeuge

Oldtimerkäufe in den benachbarten europäischen Ländern werden immer beliebter. Eine Beobachtung, die nicht nur Branchenkenner machen, sondern auch die Händler. „Bereits heute kommen rund 25 Prozent unserer Kunden aus Deutschland. Und die Tendenz ist weiter steigend,“ berichten Ernest Praag (44) und Ron Donders (43) von der niederländischen Firma E & R Classic Cars. Im südniederländischen Dongen, knappe 100 Kilometer von Aachen und 15 Kilometer von Belgien entfernt, betreiben beide einen Handel mit klassischen Autos.
Schwerpunkte sind britische Roadster und US-Cars aus den 60er Jahren, vorzugsweise Ford Mustang der ersten Serie (1964 -1968). Aber auch Fans anderer Hersteller kommen bei E & R Classic Cars aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Fotos: Gareb Aepler, Andreas Aepler

Wer schon einmal an einer ADAC-Rallye teilgenommen hat, erzählt hinterher in drei Kapiteln: 1. Wo ging’s lang? Wie stressig war’s? Wer saß daneben? Bevor wir die Antworten geben, wollen wir grundsätzlich festhalten: Bei den ADAC-TRÄUME-WAGEN-Rallyes handelt es sich grundsätzlich nicht um Hochgeschwindigkeits-Rundkurse, in denen aufgemotzte Autos möglichst schnell und Schlamm spritzend zwischen Strohballen in Richtung Etappenziel ballern – unsere Rallyes sind zum Spaß, zur Unterhaltung und zum gemeinsamen Beisammensein von klassischen Autos und ihren Fahrerinnen und Fahrern ersonnen worden.

'ADAC TRÄUME WAGEN KLASSIK 2013' weiterlesen

Luftgekühlt muss er sein. Und deshalb haben wir nur DIESE Baujahre zum Sechszylinder-Boxer-Event des Jahres zugelassen, die dieses Kriterium auch erfüllen. Es ist der Sound. Es ist die Form. Es ist die Passion und der Mythos Porsche.

Folgen Sie uns über die Aircooled Classics und ihre Stationen, veranstaltet vom Porsche Zentrum Hamburg und TRÄUME WAGEN. Und teilen Sie ein bisschen von dem Geist, den nur diese alten und wunderschönen reinen Sportwagen transportieren können.

Youngtimer-Coupé statt Business-Limousine – Über den Abschied vom Neuwagendiktat der Masse und das Leben in automobiler Freiheit

Purer Drivestyle: BMW 3.0 CSI und Porsche 924, in unschuldiges Weiß gehüllt

Sie sind Hamburger Musikproduzenten mit eigenem Studio, haben in den letzten Jahren bereits diverse TopTen-Produktionen auf den Weg gebracht und neben dem Feeling für Rhythmus und Beats eine gehörige Portion Benzin im Blut: Tilmann und Keller. Ihr topgepflegtes und konsequent analoges Vintage-Equipment ist in Fachkreisen bereits legendär.
Vintage? Klingt gut. Liegt es nicht nahe, diesen Gedanken konsequent auf Autos zu übertragen? Keller: „Es gibt Momente in unserer Zusammenarbeit, da bin ich hinten auf dem Sofa und  Tilmann sitzt vorne am Mischpult und mischt. Wenn alles gut gelaufen ist, muss ich da wirklich nur noch sitzen und zuhören. Tatsächlich ist nebenbei immer der Laptop mit Ebay an, wegen Equipment und so. Da rutscht man dann irgendwann automatisch mal zu Mobile rüber und träumt: Ey geil, guck mal hier! Was für ein Schiff!

Treffer! 15 Meter Winnebago-Wohnmobil. Einfach mal losfahren, Ende offen.“
Tilmann ist nicht markenfixiert, mag Klassik und Skurriles: „70er-Jahre-Porsche sind der Kracher. Und dann so ein AMC Pacer, den müsste man auch mal haben.“ Keller ergänzt spontan: „Oder ein alter Audi 100 als Coupé, tolle Form. Und natürlich einen fetten Granada!“ Tilmann: „So ein Opel GT ist aber auch scharf.“ Keller reagiert verzückt: „Oh ja!“

Kleine Stadtrundfahrt: Tilmann und Keller fahren auf automobile Vintage-Nummern ab

Weiß als Lifestyle

Alte Autos funktionieren bei dem dynamischen Duo als Lebensgefühl. Sie stehen für Sehnsüchte und wollen beschützt werden, um im digitalen Zeitalter in einem puristisch-analogen Reservat weiter zu existieren. Wenn es vom Studio in Hamburg-Altona zu Geschäftsterminen auf große Fahrt geht, verlässt keine fettleibige neue Businesslimousine die Tiefgarage. Die beiden Hanseaten setzen im Alltag voll auf ihre klassischen 2+2-Sitzer aus deutschen Landen. Tilmann fährt einen lässigen Porsche 924 2.0 Targa, Keller einen coolen BMW 3.0 CSi. Beide sind komplett unrestauriert und strahlen in weißen Erstlackkleidern um die Wette. Der Kontrast ist großartig, wenn die zwei Coupés gemeinsam durch Hamburg flanieren: Kleine Zwischensprints, knackige Gangwechsel und als Belohnung ein sanfter Druck im Kreuz, nur um im nächsten Moment wieder abzubremsen und sich auf die Wiederholung zu freuen. Diese Form des automobilen Workouts mag vielleicht anachronistisch sein, doch als Endorphingarantie funktioniert sie bestens.

Männer mit leuchtenden Augen, einen abgefahrenen technischen Gimmik in der Hand, sind das tägliche Geschäft von Martina Topf, denn ihr Laden macht Träume wahr

am132011_7031_maenner-traeume00Die meisten Männer, sagt man, sind im Grunde ihres Herzens große Jungs geblieben. „Stimmt“, sagt Martina Topf, Inhaberin des Ladengeschäftes Männerträume in Hamburg Uhlenhorst. Aber sie hat volles Verständnis dafür. Mehr noch: bei ihr dürfen sie ihren  Spieltrieb ungeniert ausleben. In ihrem Geschäft in der Papenhuder Straße hat sie viele Dinge zusammengetragen, die die Herzen kleiner und großer Jungs höher schlagen lassen. Der Unterschied zwischen beiden ist eigentlich nur der Preis ihrer Spielzeuge.

Klar, dass Martina Topf vor allem technisches Spielzeug zu bieten hat. Modelle von Autos. Eisenbahnen und Schiffen;   echte Oldtimer, an denen sich schon mehrere Kinder-  und Männer-Generationen erfreut haben. Neben altem Blechspielzeug warten etwa auch flugfähige Hubschrauber darauf abzuheben. Ein weiteres verbreitetes Merkmal männlichen Spiel-triebs ist der Wunsch es richtig zischen, krachen und explodieren zu lassen. Für diese Bedürfnisse hält der Laden funktionsfähige Dampfmaschinen, historische Motoren oder auch Ganzjahres-Feuerwerk bereit. Mittlerweile wurde der Handel auch auf echte Oldtimer auf zwei und vier Rädern ausgeweitet.

am132011_7031_maenner-traeume01Dennoch muss man bei Männerträume nicht immer tief in die Tasche greifen. Witzige Geschenke gibt es schon für ein paar Euro. Hochwertige, antike Spielwaren, z.B. von Märklin, Schuco, Bing etc. können dagegen auch Höchstpreise erzielen.

Insofern ist „Männerträume“ auch der richtige Ansprechpartner für den sprichwörtlichen Fund auf Dachboden und bietet zwischen Ankauf, Auktion und Kommission verschieden Möglichkeiten.

Warum betreibt eine Frau einen solchen Laden? Ist doch klar: So kennt sie sich mit den Schwächen des starken Geschlechts besonders gut aus und ihre Kundinnen verlieren auf der Suche nach einem Geschenk für den Liebsten ihre Berührungsängste mit der ungewohnten Materie.

Weitere Infos unter:

www.männerträume-norderney.de

Bilder: Martina Topf

Nach vielen Jahren der erfolgreichen Teilnahme an der ADAC Hamburg Klassik Rallye ist die TRÄUME WAGEN  dieses Jahr Namensgeber und Sponsor der Oldtimerrallye. Auch 2012 schicken wir unsere verwegensten Piloten mit in ein Rennen, bei dem es nicht um Höchstgeschwindigkeiten, sondern um den geschickten Umgang mit den historischen Fahrzeugen geht. Ich hatte geglaubt, das wird eine wunderbare, geschmeidige  Schnitzeljagt. Wie damals auf den Kindergeburtstagen, wir sehen ein bisschen von der Landschaft, haben Spaß, hier und da ist ein Pfeil aufgemalt und am Ende gibt es einen großen Topf voller Naschis. Da eine echte Rallye alles andere als ein Sonntagsausflug ist, sollen wir vorher die Schulbank drücken…

Noch einmal die Schulbank drücken

Noch einmal die Schulbank drücken

Schnitzeljagt sowieso schon mal gar nicht.
Der MSC Trittau e.V. im ADAC hat ins malerische Forsthaus Seebergen bei Lütjensee in Schleswig-Holstein geladen, um den verschiedenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der in diesem Jahr anliegenden Motorsportveranstaltungen einige Einblicke in die Welt der Rallyevokabeln und Rallyeabläufe zu gewähren. Also lasse ich den Samstag Samstag sein, parke mein Auto in bewaldeter Idylle und folge dem Ruf des Seminars. Wenn man die anstürmenden Massen an großen Gänsen und ähnlichem Geschnattere auf dem Fußweg dorthin überlebt hat, sitzt man bei Kaffee und Cola im Hörsaal und fühlt sich ein bisschen wie in den allerbesten Schulzeiten.

Vortrag in Bild und Ton

Vortrag in Bild und Ton

Vorn spricht ein Dozent, ein alter Hase, vor dem man Respekt haben sollte. Statt einer Kreidetafel sehen wir PowerPoint Präsentationen. Und man muss sich auch benehmen und still sein. Denn wir haben es hier auf den Stühlen mit akribischen Piloten und Copiloten zu tun, die ihre Aufgabe sehr ernst nehmen und gewillt sind, der Konkurrenz auch noch auf dem letzten Meter ein paar Millisekunden abzuknöpfen!

Auch Profis sind nicht immer einig

Auch Profis sind nicht immer einig

Erste Stunde: Die Sprache lernen. Mein Glück: Ich sitze zwischen unserer Bente Heyer (Beifahrerin im Mustang Mach 1 vom Chef) und der wunderbaren Alexandra Lier (Speedseekers, 1967er Plymouth Barracuda) und bin somit geflankt von zwei wissbegierigen jungen Damen, fest entschlossen, den Pott zu holen. Doch das scheint gar nicht so einfach, wie ich das immer dachte. Der fröhliche Dozent lässt uns zunächst ein paar Vokabeln aufschreiben, um die „Chinesenzeichen“, also die Streckenangaben im Roadbook, überhaupt richtig deuten zu können. Denn ein Navi nützt auf einer Rallye dieser Art nichts. Der Weg wird ausschließlich von den gedruckten Seiten vorgegeben, und wenn der Beifahrer (in diesem Fall ich) die Angaben nicht richtig liest und dem Fahrer (in diesem Fall Roland Löwisch) die falschen Ansagen macht hat man sich schnell verfahren. Und bekommt sagenhafte Mengen an Strafpunkten, was doof ist, denn das Team mit den meisten Punkten hat verloren.

Physik Mittelstufe

Nach der ersten Doppelstunde Deutsch und Chinesisch haben wir jetzt Mathe und Physik. Hier geht es um die Umrechnung von Durchschnittsgeschwindigkeiten, Streckenlängen und Zeiten, immer fein mit der bekannten Formel für die gleichförmige Bewegung: S=V*t
Kurz nach der Erkenntnis links UND rechts von mir, dass Meter/Sekunde bei einem amerikanischen Meilentacho nicht funktionieren („OOOH NEIIN da muss ich ja NOCH mehr rechnen!„) spricht sich rum, dass ich vor vielen Jahrzehnten in dem Thema mal ein Staatsexamen gemacht habe. Macht mich das schlauer? Nein. Wir notieren, dass wir Taschenrechner brauchen. Ich fotografiere die Aufgaben und schicke sie als SMS meiner Tochter, die hat das gerade in Physik. Vielleicht kann sie mir da ja helfen…

Das soll ich alles verstehen?

Das soll ich alles verstehen?

Während Schneeweißchen und Rosenrot also mit rauchenden Köpfen auf ihre Taschenrechner eintippen lerne ich ganz neue Schimpfwörter aus der SMS, die meine Tochter mir zurück schreibt. Offensichtlich will sie sich an einem Samstag Vormittag nicht mit Physik befassen. Ich auch nicht. Also kapituliere ich an dieser Stelle, höre aufmerksam dem gestikulierenden Vortragenden zu und beschließe, nach Erhalt des Roadbooks kurz vor der Rallye nochmal meine Formelsammlungen rauszusuchen. Außerdem muss ich noch ein paar Atomuhren, rückwärts zählende Stoppuhren mit Millisekundenskala und GPS-gestützte Radsensoren besorgen, sonst können wir mit den Anwesenden hier nicht im Geringsten mithalten. Mein Magen knurrt wie ein V8. Zeit für ein leckeres Mittagessen!

Mit vollem Bauch rechnet es sich besser

Mit vollem Bauch rechnet es sich besser

Wenn die Rallye so gut organisiert ist wie diese Vorbereitung kann eigentlich nichts passieren. Wer dem MSC Trittau noch immer nicht beigetreten ist kann es spätestens jetzt beim Essen mit den reingereichten Mitgliederformularen tun, alle anderen laben sich an Grünkohl mit Kasseler und Kochwurst oder Kabeljaumedallions. Lecker! Die Große Pause anschließend lädt ein zu einem kleinen Spaziergang um den See, einem entspannenden Vanille-Zigarillo und einem erneuten Survivaltraining mit allerhand großem, krakeelendem Federvieh. Euch werde ich das nächste mal essen, verlasst euch drauf. Ah. Die Schulklingel. Also weiter.

In Theorie und Praxis

In Theorie und Praxis

Am Nachmittag haben wir Erdkunde. Und nun fühlt es sich doch wieder ein bisschen nach Schnitzeljagt an, denn wir müssen den Pfeilen auf den Karten folgen und uns dabei an vorher reingereichte Regeln halten. Nie die selbe Strecke gegenläufig fahren, in Bundesstraßen darf nur nach rechts eingebogen werden und Feldwege spielen nicht mit. Leute, das fordert den Blogger mit dem vollen Magen ganz schön heraus. Aber der Unterricht beginnt zu wirken. Einigermaßen zielstrebig weben sich die Fäden der Erkenntnis zu einem Netz zusammen, das mich glauben lässt, in diesem Sommer tatsächlich den Weg finden zu können. Unterwürfig teile ich Roland Löwisch per SMS mit, dass ich im Juni einen anstrengenden Tag erwarte und frage ihn, ob er seine Atomzeitmesser, Millisekundenstoppuhren und Digital-Rückwärtstimer schon in seinen MG eingebaut hat. Seine Antwort, dass momentan noch nicht mal der Tacho funktioniere lässt eine gewisse Grundentspannung in mir aufkommen. Ich lächel. Vielleicht wird ja doch alles gut.

Qualmende Köpfe

Qualmende Köpfe

Die Herren vom Motorsportclub Trittau haben die Veranstaltung fest im Griff und lassen alle Anwesenden bereitwillig an den Geheimnissen erfolgreicher Rallyepiloten teilhaben. Wir lösen weiter Feld- und Straßenaufgaben, ich ein bisschen schneller als meine Nachbarinnen. Nicht weil ich so ein Wahnsinns-Rallye-Profi bin, sondern weil ich noch ein paar Fotos machen will. Was den aufmerksamen Veranstaltern allerdings nicht entgeht, und da wir mit unserem zeitweiligen Gegiggel und unseren Taschenrechnereskapaden schon vorher für Unruhe gesorgt haben, wird nun an meiner Person ein Exempel statuiert. Ich darf die erste Aufgabe gleich einmal schön mit einem Laserpointer an der Leinwand vortanzen, es wird ruhig und alle Argusaugen blicken mich erwartungsvoll an. Ich denke nur „Es ist das Lichtschwert deines Vaters!“ und schlitze Zorro-gleich den rechten Weg in die Präse.

Der lauteste Lästerer darf vorführen...

Der lauteste Lästerer darf vorführen...

And the Oscar goooooes tooooo…… MSC Trittau. Ich danke der Academy. Tanz, setzen, alles falsch gemacht, falsch abgebogen und diverse Regeln nicht befolgt. Mann ist mir das peinlich! Die anderen Jäger der verlorenen Millisekunden haben ein kurzes, unterhaltsames Erfolgserlebnis und ich die Erkenntnis, dass wir vielleicht gar nicht so verkehrt hier sind. Denn ohne die Informationen brauchen wir so eine Veranstaltung gar nicht erst zu beginnen, das geht sowieso in die Hose. Dankbar darum, nicht mit Eselsmütze in die Schmäh-Ecke gestellt worden zu sein (aber ich glaube auch nur, weil ich neben einem Sponsor sitze) gelobe ich weitere Vorbereitung. Das wird wirklich nicht leicht, dann, am 16.06.2012, wenn es von Hamburg nach Kiel kreuz und quer durchs Land geht, minutiös geplant und mit Adleraugen bewertet. Ich muss nochmal mit Roland sprechen. Ich bin ja nur Beifahrer.

http://www.adac-hamburg-klassik.de/

Einmal Goodwood Revival und nicht mehr wirklich zurück: Das größte Theater der automobilen Klassikwelt lässt jeden Besucher in eine Rolle schlüpfen, die er nur ungern wieder abstreift

AM112011_6997_goodwood_revival-02

01-goodwood_revival

Man kann eigentlich ziemlich schnell wahnsinnig werden. Schon lange, bevor man auch nur ein einziges Stück Asphalt des Goodwood Circuit gesehen hat. Oder ein Stück Blech von all den Pretiosen, die darauf herumrasen.

Nein, nicht von den Staus, die sich morgens ab acht von der Stadt Chichester im Kriechgang zum Anwesen der Herzöge von Richmont schlängeln. Oder von den vielen mehr oder weniger altersschwachen Großserienwagen, deren Kühlsysteme vom dauernden Schiebebetrieb auf dem Weg verrecken. Auch nicht von den vielen Schildern „Sold out“, die alle Hoffnungsvollen von der Idee befreien, noch eine Karte für das Goodwood Revival an der Kasse zu ergattern. Oder von den riesigen knallgrünen Weideflächen, die zu den Ländereien des adligen Bleifußlords namens Earl of March and Kinrara gehören und die jetzt als Parkfläche für alle profanen Autos der anreisenden Zuschauer herhalten. Wozu auch Supersportwagen wie McLaren F1 oder Aston Martin Vanquish gehören. Die sind nämlich zu neu für den Grund und Boden direkt vor dem Rennzirkus-Eingang.

03-goodwood_revival 04-goodwood_revival 05-goodwood_revival
Kämpfe bis aufs Blech: Wer in Goodwood rennt, will auch gewinnen, koste es, was es wolle. Berührungen der Autos sind nicht selten, manchmal endet es auch im Totalschaden wie die Cobra von Gerhard Berger. Fantastisch die Vielzahl der verschiedenen Fahrzeuge und deren Qualität.

Nein, der erste wirkliche Oldtimerflash stellt sich ein, wenn man sich durch mehr als 3.000 Klassiker – von Alfa bis Lancia, von Bentley bis Lotus, von Mercedes bis Porsche, von Chevrolet bis Willys – zwängt. Die dürfen in unmittelbarer Nähe vor dem Ort parken, wo fleißige Helfer das Ticket zu rund 60 Pfund pro Tag zerreißen – ein bevorzugter Parkplatz für alle, die in einem Klassiker anreisen. Hier stehen schätzungsweise rund 3.000 Klassiker. Von unschätzbarem Wert.

17-goodwood_revivalDa konkurrieren Bristol und Jensen, Wolseley und Triumph, Austin und Rolls-Royce um Aufmerksamkeit, natürlich sind englische Marken in der Überzahl. Da stehen so viele Jaguar E herum, dass man auf den Gedanken kommt, es könne der britischen Kitcar-Industrie gar nicht so schlecht gehen. Doch der Geld-Adel, der hier alljährlich den Gen-Adel besucht, hat nachgemachte Autos gar nicht nötig. Was hier steht, ist echt. Genauso wie der Champagner, der kurz vor dem eigentlichen Besuch noch schnell am Kofferraum genüsslich verköstigt wird. Und es macht einen echt wahnsinnig.

Der Vorteil daran: Man ist schon ein bisschen gaga, wenn man endlich ins Innere des blaublütigen automobilen Heiligtums gelangt. Und deswegen fällt man nicht so auf.

Denn was sich dort abspielt, ist so herrlich britisch, dass der unvorbereitete Festlandeuropäer sich inmitten eines interaktiven Theaterstückes wähnt. Und genau dort ist er gelandet.

11-goodwood_revival 13-goodwood_revival
19-goodwood_revival
Man kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus: Ob Bobbys als Schieber, Schotte als Fotograf, Bomber als Unterhaltung, Rockerlady als Fotoobjekt, MGA als Polizeiwagen oder Rennwagen als Dampfer – langweilig wird’s beim Revival nie.

Das beginnt bei den Schauspielern – hier ist jeder Gast ein Schauspieler. Gewandet in typischen Klamotten der 30er bis 70er Jahre laufen hier Hippies, Gangster, Mechaniker, und massenhaft Gentlemen in kiloweise Tweed herum, die Damen in Pettycoats, engen Kleidern und Nylons. Soldaten und  Sanitäterinnen scheinen in der Überzahl zu sein und zeugen von Großbritanniens unverkrampftem Umgang mit vergangenen Weltkriegen.

18-goodwood_revival

07-goodwood_revival 06-goodwood_revival

Überhaupt scheint der gemeine Brite gerne seinen Hang zum Dramatischen auszuleben. Die Fahrer der Rennautos der 30er bis 60er Jahre, die auf dem gut 3,8 Kilometer langen Rundkurs um die Ehre brettern, haben ihr eigenes Catering-Zelt, genannt „war room“ – ausstaffiert mit Sandsäcken, Einsatzplänen und Munitionskisten. Draußen steht eine restaurierte Haubitze, und ein paar Kinder toben unbekümmert um eine Fliegerbombe, an der „Danger“ dransteht. Vor dem Zelt parken zehn Supermarine Spitfire, deren Geburt vor 75 Jahren im fast benachbarten Southampton gebührend gefeiert wird, indem alle in Formation über Goodwood fliegen, was laut Hausherr „seit 1946 nicht mehr in dieser Form passiert ist“.

Und wenn man dann die Flugzeugausstellung mit der „Fliegenden Festung“ B-17G gesehen hat und die singenden Truppenentertainerinnen passiert, die auf einem Armeegespann hocken und a capella gegen startende Automotoren antreten, denen Schalldämpfer so fremd sind wie uns Deutschen der Genuss von Bohnenmus zum Frühstück – ja, dann ist man im Herzen des Wahnsinns.

08-goodwood_revival 10-goodwood_revival
09-goodwood_revival
Sehen und gesehen werden: Ob im, am oder ohne Auto – Hauptsache, man zeigt sich. So wie Jochen Maaß beim Signieren und Rauno Aaltonen im Gespräch (links) oder wie der Chef vom Ganzen, Lord March (rechts). Besonders beeindruckend: der Gästeparkplatz für Oldies

Unter Reihencarports und ähnlich gestalteten Zelten warten die teuersten Autos auf ihren Einsatz: Eine Phalanx von Jaguar C-Types. Ein paar Ferrari GTO. Jede Menge Maserati, seltene Bugatti, und natürlich stundenlang Lotus Climax und andere Kombinationen von oft englischen Autobauern mit Motorenherstellern. Alte Grand-Prix-Wagen rasen genauso mit wie Tourenwagen zwischen 1960 bis 1966, die es jemals in einer Rennausführung ab. Ein Plausch mit Jochen Maaß, der gerade ein paar Fans der 40er Jahre Autogramme gibt, ist genauso möglich wie mit dem „Fliegenden Finnen“ Rauno Aaltonen, der im Mini Rallye-Weltmeister wurde, als es noch gar keine WM gab. Oder man beobachtet Tourenwagen-Amazone Claudia Hürtgen, wie sie Grassoden aus der Front ihres Mini Cooper stochert – das Auto hatte beim Training ein Rad verloren und die Schnauze tief in herzogliches Gras gesteckt.

14-goodwood_revival 15-goodwood_revival 16-goodwood_revival
Der Fauxpas der Rennlady: So zerstört man einen Jaguar E Lightweight – ab durch die Barriere der Schikane, dann langsam ausrollen lassen. Desiré Wilson entstieg dem geplätteten Grauen aber zum Glück völlig unverletzt. Nur der Fußweg vorbei an den Tribünen zurück zur Box war hart…

Nicht das einzige Missgeschick von uns geläufigen Sport-Ikonen. Die einzige Frau, die je in einem Formel-1-Wagen ein Rennen gewann, Desiré Wilson, verformte ihren E-Type Lightweight, als sie durch die Begrenzung der Schikane vor der Startgeraden donnerte. Zwar besteht die nur aus Blumen, Styropor und Sperrholz, dennoch war für ihren filigranen Jaguar die Geschichte beendet. Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger trieb es noch doller: Der versenkte eine originale AC Cobra von 1961 so nachhaltig in der Streckenbegrenzung, dass selbst ein gestandener Restaurator wahnsinnig werden muss.

12-goodwood_revivalAndere VIPs wühlen sich kratzerlos durch die Felder der verschiedenen Rennläufe, zum Beispiel der deutsche Tourenwagenprofi Frank Stippler, der achtfache Le-Mans-Champion Tom Kristensen und Derek Bell. Selbst wenn Rallye-Legende Stig Blomquist im Saab 96 dem Feld hinterher hetzt, ist das wahnsinnig. Wahnsinnig aufregend.

Das Schlimmste am Goodwood Revival ist eigentlich, dass man für sein Leben verdorben dort wieder raus kommt. Rein physisch gesehen.

Psychisch bleibt man einfach da…

20-goodwood_revival 21-goodwood_revival
23-goodwood_revival 22-goodwood_revival
Bilder: Roland Löwisch

Auswahl an US-Klassikern ist einzigartig.

Wer sich schon als Jugendlicher im Alter von nicht einmal 16 Jahren ein amerikanisches Auto (Lincoln Mark 5, hellblau) kauft, ist entweder grenzenlos verrückt oder weiß genau, dass sein Leben fortan von US-Cars bestimmt sein wird. Beim gebürtigen Niederländer Remi Ebbers scheint beides der Fall zu sein: „Ich bin von diesen Autos total besessen. Sie begeistern mich durch ihre Form und ihren unverwechselbaren Charakter. Das ist einfach Kult.“ Heute ist der gelernte Möbelpolsterer 47 Jahre alt und mit seinem Sohn Danny (26) Inhaber der Firma RD Classics in Emmerich am Niederrhein. Mit einem Bestand von 250 amerikanischen Fahrzeugen, die RD Classics auf rund 15.000 Quadratmetern eindrucksvoll in einer Art Riesen-Roadhouse präsentiert, ist das Unternehmen hierzulande die Nummer 1 beim Handel mit US-Klassikern. Zumindest gibt es nirgendwo eine vergleichbare Auswahl.

Kontakte in die USA

Viele Jahre war Ebbers als Hersteller von Stilmöbeln erfolgreich und verfügt noch aus dieser Zeit über exzellente Kontakte in die USA. So richtig angefangen hat seine Sammelleidenschaft 1989 mit einem 59er Chrysler Imperial, einem 61er Chrysler Imperial und einem Mercedes SL der 107er Baureihe. Wenig später waren es dann schon 40 Fahrzeuge. Wie er dann auf die nunmehr stattliche Zahl von 250 US-Klassikern gekommen ist, weiß er selbst nicht mehr genau. „Ich musste mich irgendwann entscheiden: Autos oder Möbel.“ Vor drei Jahren wurde dann das Unternehmen RD Classics gegründet, wobei das R im Firmennamen für Remi und das D für Danny steht. Auch die Stadt Emmerich als Standort für das Unternehmen ist kein Zufall. „Hier gab es eine Immobilie, die sich herrlich für unsere Zwecke eignete. Gleichzeitig ist die Lage zur Autobahn A 3 einfach phantastisch“, argumentiert Remi Ebbers.

Entscheidung aus dem Bauch heraus

Die Frage, nach welchen Kriterien Ebbers die US-Oldies für den stets wachsenden Kundenkreis aus ganz Europa zusammenstellt, lässt sich nicht so einfach beantworten. „Genau genommen entscheide ich aus dem Bauch heraus. Da gibt es immer eine Art Gefühl, das mir sagt: Das ist es! Natürlich weiß ich, was gefragt ist und was geht – aber ich suche mir jedes Auto wirklich persönlich aus“, erzählt er. Und berichtet darüber, dass er gemeinsam mit seiner Frau Saskia (42) etwa sieben Mal im Jahr drei Wochen durch die Staaten tourt und dabei jedes Mal rund 8.000 Kilometer zurücklegt: „Ich habe ein großes Wohnmobil und auf dem Anhänger steht ein Geländewagen. Den laden wir dann ab und fahren zu Privatleuten. Wir sehen uns wirklich jedes Auto genau an und treffen dann die Entscheidung, ob wir es nehmen oder nicht.“

„Man muss sich viel Zeit nehmen“

Noch viel unglaublicher aber ist, dass sich der 47-jährige vorher an amerikanischen Tankstellen mit einschlägigen Auto-Zeitschriften eindeckt und aus der Flut der Inserate eine Art Vorauswahl trifft. „Es ist eigentlich gar nicht so schwer. Man muss sich nur viel Zeit nehmen und genau wissen, was man will“, erläutert er. Und wie muss man sich die Termine mit den Besitzern der US-Autos vorstellen? „Das ist eigentlich ganz relaxt. Da ich grundsätzlich nur von Privatleuten kaufe, verbindet uns meistens eine Leidenschaft für die alten Autos. Da wird  philosophiert und geschwärmt. Besonders wichtig ist aber immer der Blick auf den Motor. Auch der Pflegezustand des Fahrzeuges verrät, was da vor mir steht.“ Dann zieht sich Ebbers einen Moment lang zurück und versetzt sich in die Rolle seiner Kunden. Ob er kauft, hängt tatsächlich davon ab, ob er sich selbst für das Auto begeistern kann oder nicht.

Alle Auto-Epochen sind vertreten

Rund 70 Prozent der Kunden für die hubraumstarken US-Klassiker kommen aus Deutschland, der Rest der Fahrzeuge geht ins europäische Ausland. Besonders auffällig ist die sehr gelungene Präsentation in der riesigen Verkaufsausstellung, die wie ein Ausflug in die Geschichte der amerikanischen Autoproduktion anmutet und einem jedes Gefühl für Ort, Zeit und Raum nimmt. Wow! Denn egal, ob 40er, 50er, 60er, 70er oder 80er Jahre: RD Classics lässt es wirklich an keiner Epoche fehlen. Hier gibt es luxuriöse Limousinen, reinrassige Sportwagen, klassische Coupés, prächtige Cabriolets oder praktische Pick-up. Immer wieder kommt es deshalb auch vor, dass Kunden, die sich eigentlich nur für ein ganz bestimmtes Auto interessierten, am Ende sogar mehrere kaufen. Und ganz nebenbei noch ihren Freundeskreis infizieren. Da gerät auch Remi Ebbers vollends ins Schwärmen: „Die Leidenschaft für amerikanische Autos hat nichts mit Geld zu tun. Hier geht es in erster Linie um eine Art Lebenseinstellung.“

Weitere Informationen:

RD Classics
Dechant-Sprünken-Strasse 50-54
46446 Emmerich
Telefon 02822/5375722
Fax 02822/5375721
e-mail: info@rdclassics.de
Internet: www.rdclassics.de

Bilder: Norbert Böwing

Obwohl immer ähnlich, ist doch keine Techno-Classica wie die andere – denn man entdeckt immer wieder spannende Neuigkeiten wie aktuelle Preisentwicklungen, seltene Ausstellungsstücke oder einfach neue Kontakte in die Szene. Und wer das erste Mal zu Besuch war, wurde wahrscheinlich fast überwältigt von dem breiten und vielfältigen Angebot an Fahrzeugen und dem reichhaltigen Drumherum

Die 23. Techno-Classica in der Messe Essen setzte nach Aussage des Veranstalters S.I.H.A. erneut Maßstäbe: 178.300 Automobil-Enthusiasten, noch einmal gut drei Prozent mehr als im Vorjahr, bescherten der international führenden Weltmesse für klassische Automobile eine Spitzen-Resonanz. Zur Freude der über 1.200 Aussteller, die aus mehr als 30 Ländern nach Essen gekommen waren und lebhafte Nachfrage registrierten. Vollmundige Aussagen resümierten anschließend, „dass sich die Techno-Classica zum Leitstern für alle Messen auf dem Sektor der historischen Fahrzeuge entwickelt hat“, so Horst Brüning, Präsident der FIVA – Fédération Internationale des Véhicules Anciens und Vizepräsident der FIA Internationale Historische Kommission.
Erneut wurde beim Klassiker-Kauf viel über die positiven wirtschaftlichen Effekte wie zu erwartende Wertsteigerungen gesprochen. Der ausschlaggebende Grund jedoch, sich in ein klassisches Fahrzeug zu verlieben, ist vor allem anderen die reine Leidenschaft, aus der dann der Mut entsteht, sich seinen Traumwagen tatsächlich anzuschaffen.

Die Messe stand weiterhin im Zeichen der Erfindung des Automobils vor 125 Jahren durch Carl Benz sowie diverser weiterer Jubiläen verschiedener Automarken und -typen. Die deutschen und führende ausländische Automobilhersteller nutzten die Messe, Meilensteine des Automobilbaus zu präsentieren und einen Bogen zur automobilen Jetzt-Zeit zu schlagen.

Die Zunft der international führenden Restauratoren präsentierte aufwändig und nach Original-Spezifikation wieder aufgebaute Automobil-Raritäten, die auf der Messe neue Liebhaber und solvente Käufer fanden.
Dass durchaus auch ein erschwinglicher Einstieg ins Klassiker-Hobby möglich ist, zeigten die Angebote auf den Freigeländen der Messe. Attraktive Youngtimer und Young Classics waren hier bereits ab 5.000 Euro zu haben.

Die intensive Beschäftigung mit klassischen Automobilen bewirkt auch allseits eine freundschaftliche Atmosphäre auf der Techno-Classica. Der Austausch von Tipps und Tricks, die Hilfe bei der Teilesuche und vor allem die gemeinsamen Ausfahrten stehen bei den 220 Clubs im Vordergrund.  Wie intensiv die wahren Fans in das „Erlebnis Oldtimer“ eintauchen wollen, machen das Interesse an Oldtimer-Veranstaltungen sowie die Möglichkeiten aktiver Teilnahme deutlich. So gab es verstärkt Nachfragen zu Oldtimer-Rallyes, zu touristischen Ausfahrten oder auch Touren, bei denen die Verbindung von Autofahren und Kultur, von Natur und Technik im Mittelpunkt stehen. Das freut uns sehr, denn hier können wir mit der AUTO MOBILES – TRÄUME WAGEN definitiv unseren Beitrag leisten. Informationen zu Oldtimer-Events und zu einem passenden Auto zu liefern, ist unser Fachgebiet.

 

Information
23. Techno-Classica Essen
wann: 30. März – 03. April 2011
Größe: 120.000 m2 Ausstellungsfläche
Anzahl der Besucher: 178.300
Anzahl der Aussteller: über 1.200 aus mehr als 30 Ländern
Sammlerautomobile: 2.500
Preise: von € 5.000 bis über € 100.000
Clubs: 220
 

 

Bilder: Christian Böhner