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Der Name „Galaxie“ spielt auf den Wettlauf ins All an. Man könnte ihn aber auch als Metapher auf das Raumgefühl im Inneren der Full-Size-Limousine sehen, die aus einer Zeit kommt, als das Leben noch ein wenig übersichtlicher war. Mit dem kleinsten damaligen Big Block, drei Cruise-O-Matic-Gängen und einem Haufen Flair der 60er cruisen wir los und entkommen der Hektik der Welt

Der Weltraum. Unendliche Weiten….
*orchestrale Musik, Erzähler spricht* Wir befinden uns in den 60ern, das „Space Race“ ist in vollem Gange. Das Rennen um die technische Überlegenheit der beiden Supermächte verlagerte sich mehr und mehr auf den Weltraum. Die mit buntem Metallgekröse hoch dekorierten Generäle fanden den Gedanken sexy, Raketen weit über den Köpfen des Gegners zu parken, ohne dass dieser etwas dagegen machen kann. Die Sowjets hatten bereits vor Jahren „Laika“ in den Weltraum geschickt. Laika war eine Hündin und überlebte den Flug nicht. Die Amerikaner legten 1962 mit John Glenn, einem Astronauten nach. 1963 umkreiste „Walentina“ 70 Mal die Erde. Walentina war keine Hündin und kein Astronaut, sondern die erste Frau im All, sie überlebte im Gegensatz zu Leika auch den Ausflug und landete als „Heldin der Sowjetunion“ wieder auf der Erde. Da, wo Autos gebaut werden.

Logbucheintrag Nummer 1
Raumschiff Galaxie Captain Jens
*Fröhlicher Rock‘n Roll*

Wir bewegen uns in spannenden Zeiten. So spannend für die am Boden bleibenden, dass Raketendesign und orbitale Namensgebung sehr werbewirksam Einzug in Produkte des täglichen Lebens halten. Ford nennt Ende der 50er das Luxus-Upgrade seiner Fullsize-Modellreihe Fairlane zusätzlich „Galaxie“ und bietet alles an, was der amerikanische Freund von großen Autos sich wünscht: Zweifarbig lackierte Blechplanken im Format einer Trägerrakete; üppiger, sternengleich funkelnder Chromschmuck; imposante Doppelscheinwerfer wie gleißende Sonnen; eine Panoramascheibe wie das Cockpit der Enterprise (auch wenn die erst ein paar Jahre später abhob); und respekteinflößende Flossen am Heck. Eben gerade so wie ein Raumschiff, dafür gebaut, in die Weiten der Galaxie vorzustoßen. Ab 1960 wird der Galaxie eine eigenständige Modellreihe (aber bitte nicht mit „y“ hinten, denn das führt dann zu einem Fahrzeug, was niemals den Weg in unser Magazin finden wird…).

Diese Weitläufigkeit zeigt sich beim auf das Concept Car „Quicksilver“ aufbauenden neuen Ford schon in den äußeren Dimensionen. Seine Breite knackt die magische US-Grenze von 80 inch (das sind mehr als zwei Meter wohlgemerkt), deshalb benötigt man in einigen Bundesstaaten einen vorläufigen „One year pass“, um das Auto so zu verkaufen, wie es gebaut wird. Andernfalls müssen orange Positionslichter auf dem Dach nachgerüstet werden, wie bei Trucks… Was aber das weltraumbegeisterte Volk auf der anderen Seite des Atlantiks sicherlich auch noch mitgemacht hätte.

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Dan Levon rockt. Und wie es sich für einen Musiker gehört, fährt er auch ein rockendes Auto: Sein durstiger 85er Ford LTD singt den Blues des langen Lebens und stampft den Beat der Beulen. Aber der V8 bringt dem Sänger die Entspannung und den täglichen Roadmovie im Wahnsinn des Alltags

Er ist kein Mustang und kein Thunderbird. Keine Corvette und kein Eldorado. Und es gibt keinen Film, in dem ausgerechnet ein Ford LTD die Hauptrolle spielt – anders als der treue Käfer „Herbie“ oder „K.I.T.T.“, der aufdringlich rumtextende Trans Am von Knight-Rider David Hasselhoff. Aber er kommt trotzdem in fast allen cineastischen nordamerikanischen Straßenszenen aus den 70ern und 80ern vor – als Taxi, als Polizeiwagen oder einfach nur als ganz normale, kantige Full-Size-Limousine der ganz normalen nordamerikanischen Bevölkerung.

Und gerade das machte ihn – besonders in der riesenlangen, noch kantigeren Kombi-Version – so attraktiv für Dan Levon. Als Teenager drückte der spätere Musiker immer wieder die Pause-Taste seines VHS-Videorekorders, um sich Details dieses Autos anzusehen, von dem er anfangs gar nicht wusste, um was für ein Modell es sich eigentlich handelte. Dessen vollen Namen er sowieso nicht richtig hätte aussprechen konnte: Ford LTD Station Wagon.

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Klassiker im Alltag und im Winter: Der Country Squire Station Wagon wird nicht gepflegt,
aber geliebt. Und demnächst vielleicht auch restauriert

 

Was auch nicht weiter verwerflich gewesen wäre. Nicht einmal die Amerikaner waren sich bei seinem Debut 1965 als gut ausgestatteter Full-Size-Ford darüber einig, was dieses „LTD“ denn nun bedeuten mochte. Die 
unbelehrbaren Besserwisser (das sind die Leute, die bei der Computertastatur zur „Strg“-Taste süffisant „Strong“-Taste oder gar „String“-Taste sagen, was schlicht falsch ist) nennen ihn noch immer Ford „Limited“ (was ebenfalls schlicht falsch ist). Einige Motormagazine orakelten damals, dass LTD wohl die Abkürzung für „Luxury Trim Design“, also die luxuriöse Variante in Sachen Ausstattung und Zierrat sein könnte. In Australien, wo der Wagen ebenfalls verkauft wurde, war man sich sicher, LTD stünde für „Lincoln Type Design“ und spiele auf Parallelen zur Luxusmarke des Konzerns an.

Das Magazin „Car Life“ nahm allerdings an, LTD bedeute schlicht gar nichts. Vielleicht lagen die damit auch richtig – armer Dan Levon. Aber den Gitarristen interessierte damals eher die kantige Form des Chevy-Caprice-Konkurrenten als die korrekte Übersetzung der Modellbezeichnung.

am0414_ford_ltd_02Die kantigste Ausbaustufe des LTD startete Ford 1979 auf Basis seiner „Panther“-Plattform, die als starrer Längsträger mit Heckantrieb noch bis 2011 in verschiedenen Modellen zum Einsatz kam. Die beiden Big-Blocks der ersten Serie fielen dem Ölkrisen-Rotstift zum Opfer und hinterließen lediglich die Basisversionen des robusten und traditionellen Windsor-V8 mit 4.952 cm3 (302 cui) und 5.756 cm3 (351 cui). Bei der Effizienz der Motorisierung versuchte Ford allerdings, sich treu zu bleiben: Man vermied die Einführung von ungeliebten Sechszylindern oder gar Dieselmotoren und entwickelte stattdessen eine 4.182 cm3 (255 cui-) Magerversion des Windsor. Der fand nicht viele Abnehmer, legten doch seine 115 PS in Kombination mit den „effizienten“ zwei Tonnen Leergewicht des immer noch 5,3 Meter langen Wagens das Fahrverhalten einer Wanderdüne an den Tag.

1983 wurden die Modelle getrennt, um der klassischen amerikanischen Modellbezeichnungs-Verwirrung Genüge zu tun. Der kleinere LTD bekam die neue „Fox“-Plattform und brannte ab sofort wie eine Kreuzung aus 80er-Jahre-Mustang und europäischem Ford Escort in den Augen. Der größere Ford blieb, wie er war, und bekam nun den Zusatz „Crown Victoria“. In den Varianten Sedan und Station Wagon (auf Wunsch mit der geschmacklich umstrittenen Kunstholz-Beplankung „Country Squire“) wurde der große LTD unverändert bis 1991 gebaut. Der kleine schwachbrüstige Windsor-V8 flog wieder aus dem Programm, die größeren Basismaschinen bekamen stattdessen optional eine Benzineinspritzung spendiert.

 

 

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In den USA begründete der Ford Mustang 1964 mit überragendem Erfolg die Klasse der „Pony Cars“– günstige Sport-Coupés für Einsteiger. Vom Format her eine Nummer kleiner sollte der Capri das auf dem europäischen Markt wiederholen. Auch er wurde auf Anhieb zum Traumsportwagen für den kleinen Geldbeutel. Exemplare in gutem Originalzustand sind heute selten, denn der Capri wurde in Dritthand meist zum willfährigen Tuning-Objekt. Und er war leider auch kein Rostverächter

Zeit heilt zumindest in der psychologischen Betrachtung von Autos viele Wunden. Zwar assoziiert man auch den von November 1968 bis Dezember 1973 produzierten Capri I immer noch gern mit langhaarigen jugendlichen Heißspornen in fransigen Jeans- oder Lederjacken, mit bauchig vergrößerten Radhäusern, die fette Wolfrace-Felgen und noch dickere Räder beherbergen, auch geistert irgendwo immer noch die Erinnerung an die besonders heißen Turbo-Ausführungen von Tuner May durch den Hinterkopf, und besonders giftig sah der Capri I mit der zweifarbigen Lackierung in weiß/blau aus, wie ihn auch der Autor einst als kleines Siku-Modell liebte. Aber „Maurer-Porsche“, wie ihn manche seinerzeit bespöttelten, nennt den Klassiker heute niemand mehr. Mit seinen gefälligen Formen und seiner zierlichen Gestalt gefällt er heute durchweg auch eingefleischten Oldie-Freunden anderer Marken.

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Bereits bei der Entwicklung des Capri wurden Kostenvorteile aus Synergieeffekten genutzt, denn daran waren auf Anordnung der amerikanischen Konzernmutter sowohl die britische Ford-Tochter als auch die deutsche Ford-Tochter in Köln beteiligt. An beiden Standorten wurde der Capri anschließend auch produziert. Wie beim amerikanischen Vorbild, dem Mustang, resultierte der günstige Neupreis des Capri vor allem aus der Verwendung vorhandener Großserientechnik, die in den zeitgleich gefertigten Limousinen-Modellen zum Einsatz kam. Bis auf die Motorisierung glichen sich deutsche und britische Capris.

Die britischen Vierzylindermodelle hatten von Anfang an Reihenmotoren vom „Kent“-Typ, während die deutschen Capri zunächst mit V4-Aggregaten vom Ford Taunus bestückt wurden. Das bescherte dem Capri I auch die völlig unzureichende Minimalmotorisierung mit einem 1.300er, der lediglich 50 PS mobilisierte. Zum Glück gab es darüber hinaus eine Motorenpalette, die bis zu seidenweich laufenden Sechszylinder-Varianten mit annähernd dreifacher Leistung reichte. Im letzten Modelljahr kamen auch bei den deutschen Capri Vierzylinder-Reihenmotoren zum Einsatz, die die etwas skurrilen V4-Aggregate ablösten und ebenfalls bei Taunus, Escort & Co. verwendet wurden. Auch wenn es in Deutschland offiziell nur zwei Modellgenerationen gab – den Capri I von November 1968 bis Dezember 1973 und den Capri II von Januar 1974 bis zur Produktionseinstellung im Dezember 1986 – wird das optisch kräftig überarbeitete Modell seit März 1978 landläufig als Capri III bezeichnet.

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Die Modellkonstrukteure von Shelby Collectibles haben den Ford GT40 MKII in der Racing-Version gekonnt verkleinert. Als 1:18 Miniatur aus Metall/Kunststoff begeistert die Replik des 1966er
Ford GT40 MkII No.6 vom Team Holman & Moody durch ihr authentisches Design. Die Umsetzung des Herstellers kann mit vielen tollen Details punkten.Maßstab: 1:18 – Metall / Kunststoff – Fertigmodell
Shelby Collectibles – Nr. 193966. Preis: 54,95 Euro, Info: www.modelcarworld.de

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Im Zweiten Weltkrieg mussten amerikanische Lastwagen vor allem robust und arbeitswillig sein. Mehr als 70 Jahre später zeigt sich, wofür das heute noch gut ist: um Spaß zu haben. Zum Beispiel mit einem Halfton Ford Pick-up Truck

Das mattschwarze Ding steht da, wo andere gerne wohnen würden. Trockener Steinboden, noch warm von der Sonne, darüber ein grüner Flauschteppich. An der Wand hängen alte Werbetafeln und Schilder, gerahmt von einfachen Holzregalen. In der Ecke ein uralter Fernseher, daneben eine alte Registrierkasse, ein paar Metalldosen Motoröl, außerdem Zeitschriften. Auch ein paar Ausgaben TRÄUME WAGEN.

Es riecht ganz leicht nach Benzin, nach altem Kram und Metall. Das Auto mitten drin ist noch ein ganzes Stückchen älter als die eingelagerten Reliquien einer Religion des Glaubens an eine andere Zeit. Mehr als 70 Jahre hat der Wagen auf der Ladefläche – man sieht es ihm nicht an. Robert Willinger startet den nicht mehr ganz originalen Motor seines Halbtonner Pick-up-Trucks aus dem Jahr 1940 mitten in diesem netten Wohnzimmer und fährt den kleinen Truck nach draußen in die Sonne. Himmel, wie gut das riecht…
Der Lack schimmert, der Chromzierrat glänzt, die bunten Tattoos auf den Anbauteilen werben. Dieser kleine Ford hatte mal eine Bestimmung, die man ihm heute weder ansieht noch anhört: Er musste arbeiten. Jetzt darf er seinen Besitzer voll und ganz bespaßen.

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Während im Deutschland des Jahres 1940 Hitler Europa ins Unglück stürzte und auf der anderen Seite des großen Teiches Präsident Roosevelt aufrüstete, baute Ford munter weiter Pkw und Kleinlastwagen, die eine halbe, eine dreiviertel oder sogar eine ganze Tonne zuladen konnten. Mal mit Pritsche, mal mit Kastenaufbau oder mit was auch immer König Kunde das Chassis bestückt haben wollte. Robuste, kompakte Transporter verkauften sich gut in diesen Zeiten, nicht nur als Exportschlager in die Feldlager der Alliierten – die Motor Company konnte schnell die Auslieferung des 200.000sten Trucks feiern.

Willingers Exemplar hatte ab Werk einen kleinen Flathead-V8 mit bescheidenen 60 PS. Bedenkt man, dass selbst große Traktoren nicht viel mehr Muskeln haben, wird die Aufgabe erneut vor Augen geführt: malochen statt rasen. Er sollte schleppen und ziehen, und bei so einer niedrigen Verdichtung und acht Zylindern konnte man fast alles in den Tank kippen, was irgendwie brennbar war.

Ein Ford mit Komfort? Bedingt. Schaut man sich die zeitgenössischen Limousinen an, stößt man auf Metall und grobe Sitze, ein paar wenige Instrumente und dickes Blech, so weit das Auge reicht. Das verhält sich beim Halbtonner nicht anders. Erstmals wagte Ford es, seinen Trucks das gleiche Gesicht wie den Limousinen zu geben und war damit seiner Zeit weit voraus. Dem Windwiderstand kommt das trotzdem nicht entgegen – reden wir nicht darüber. Auch hatte man sich von der Aussage distanziert, dass jede Farbe orderbar sei, so lange sie schwarz ist. Den Half-Ton gab es in wahrhaft schillernden Grau-, Grün- und Blautönen: Folkstone Gray, Cloudmist Gray, Mandarin Maroon, Acadia Green, Garnet Maroon, Sahara Tan, Como Blue, Lyon Blue, Yosemite Green, Cotswold Gray.

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Ausgerechnet ein Kabelbrand am 1959er Ford Galaxie Fairlane brachte dessen Besitzer Björn Dahlheimer und den Fahrer des Schwestermodells Skyliner, Ronny Kroeger, zusammen. Seitdem fliegen Coupé und Cabrio gemeinsam durch die Gegend

Die Sonne scheint fast unerträglich heiß auf die Pisten des Rollfeldes. Sie brennt auf Hangar, Flieger und erst recht auf zwei Autos, die sich hierhin verirrt haben – wahrscheinlich wegen ihrer Heckflossen. Die Luft wabert, deswegen könnte die Szene auch in einem Roadmovie in Nordamerika spielen. Aber wir sind in Deutschland, auf dem kleinen Flugplatz Höxter-Holzminden zwischen Hannover und Kassel, nicht weit von der A7. Björn Dahlheimer und Ronny Kroeger steigen fast synchron aus ihren Autos aus und wirken ziemlich klein. Das liegt vor allem daran, dass die bunten, Chrom glänzenden Fahrzeuge neben den beiden sehr groß sind. Der Grüne mit Dach guckt patzig aus seinen Doppelscheinwerfern und scheint sein blaues Pendant ohne Dach zu mustern – und andersherum. Freunde? Zumindest die beiden Fahrer sind es. Die Autos sind dagegen Brüder aus derselben Familie – da fetzt es schon mal…

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Rock ‘n´ Roll-Cockpit. Kunstleder, Metall und Elfenbein – mehr brauchte es in den 50ern nicht zum kommoden Cruisen

 

Erst recht bei der Namensgebung. Die Ford Motor Company nannte in den automobilen Goldgräberzeiten ihre top ausgestatteten Full-Size-Limousinen zwischen 1954 und 1961 „Fairlane“ und lösten damit die „Crestline“ ab. Der Name war eine Anspielung auf Henry Fords Anwesen Fair Lane in Michigan. Der Hauptkonkurrent zum sehr erfolgreichen Chevrolet Bel Air (das ist dieser chromschwangere, heute unbezahlbare Traum eines jeden Surfers zwischen San Francisco und San Diego) brachte eine Menge erschwinglichen Zeitgeist wie eine Panoramascheibe, Heckflossen und Zweifarbenlackierung auf die Straße. Besonders markantes Markenzeichen war der geschwungene „Fairlane-Streifen“ an den Seiten entlang der Gürtellinie, der wie diverse andere Details unüblicherweise komplett aus rostfreiem Edelstahl gefertigt war.
Der Fairlane wurde von Anfang an mit Sechszylinder-Reihen- sowie V8-Motoren angeboten, Hubraum zwischen 3,7 und 5,8 Litern. Damit bediente Ford so ziemlich jeden Kunden, und hatte er auch noch so merkwürdige Wünsche. Der ständige, fast jährliche Wechsel von Namen und Modellbezeichnungen war allerdings hirnverbiegend. Für die Geschichtsbücher: Ab 1957 wurde das eigentliche Spitzenmodell Fairlane deklassiert, die Top-Ausstattung hieß von nun an Fairlane 500. Das ging so bis 1959, dann wurde das bestausgestattete Fairlane-Modell zum Galaxie. Ab 1961 hießen dann auch die mittleren Ausstattungslinien Galaxie, und der Name Fairlane fand eine neue Verwendung in Fords Mittelklasse. Alles mitgeschrieben?

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Klare Ansage mit markantem Gesicht: Der Galaxie Fairlane spiegelt anders als Cadillac oder Chevrolet den Zeitgeist dezent wider

Björn Dahlheimer will genau dieses Modell haben und kauft es 2012 nach kurzer Begutachtung bei einem Händler. Die 300 Kilometer bis nach Hause legen die beiden ohne Probleme auf eigener Achse zurück. Ein guter Start in eine aufregende Mensch-Maschine-Liebesbeziehung, möchte man meinen – wenn da nicht diese generelle Eifersucht alter Autos dem weiblichen Geschlecht gegenüber wäre. Man kennt das ja noch aus Stephen King‘s „Christine“… (das war allerdings ein Plymouth Fury).

Beruflich ist bei Oliver Krüger alles elektronisch geregelt, in seiner Freizeit steuert er mit hydraulischer Servolenkung die pure mechanische Einfachheit seines V8: Der 1965er Mustang ist ein perfekter Ausgleich zum Alltag zwischen edlen HiFi-Anlagen, Tablet-PCs und Design-Küchenmaschinen

Ohne ein Hobbyauto in der Garage fehlt was. So erging es dem selbständigen Elektrofachmarktleiter Oliver Krüger auf der Suche nach einem handwerklichen Ausgleich zu seinem Beruf, und er oszillierte mehrere Monate lang rastlos durch die Anzeigenblätter. Zwischen italienischen Stilikonen und englischen Sportwagen erkannte er, dass bei einer H-Zulassung die Motorgröße bei den Fixkosten keine Rolle spielt und beschloss, sich nicht mit nur vier Zylindern abzugeben. Und außerdem: Wenn so viele Menschen auf einen Mustang abfahren, muss ja irgendwas dran sein an dem Pony-Boom. Anfang 2010 entdeckte er ein bereits importiertes 1965er 2door Hardtop Coupé, die Urform des Ponys mit Platz für vier Reisende. Den musste er haben.

Mehr Cockpit braucht kein Mensch: Chrom und Kunststoff in „Blue Vinyl“ schmeicheln dem Auge. Aber der Blick geht ohnehin über die lange Haube auf die Straße nach vorn

 

Das Ehepaar, das sich Krügers Mustang 1965 in Los Angeles als Neuwagen ausliefern ließ, beließ es bei einer mageren Ausstattung in Wimbledon White und Blue Vinyl, wollte aber zumindest eine Servolenkung und einen V8. Zum ersten Geburtstag des Coupés überkam die beiden die Reiselust, und sie starteten einen klassischen Roadtrip von L.A. im Westen bis nach New York im Osten der USA. Dort wurde das Auto über den Wasserweg nach Malmö/Schweden verschifft und trat mit seinen beiden abenteuerlustigen Besitzern eine ausgedehnte Tour durch ganz Europa an, wo der Wagen schon erste Eindrücke von seinem späteren Leben sammeln konnte.

Die Haptik der 60er Jahre. Metall, Mechanik und Glühlämpchen. Elektronik suchen wir vergebens, das ist auch gut so

 

Irgendwann ging es wieder zurück von Malmö über New York nach L.A. Den Beweis der absoluten Reisetauglichkeit hatte der Ford hiermit erbracht. Die Erstbesitzer trennen sich erst nach 42 Jahren von ihrem Schätzchen, weil das Einsteigen in die tiefen Sitze den Senioren inzwischen zu beschwerlich war. Sie überließen ihn einem Handwerker, der ihr Haus renovierte. 2009 reiste das Auto ein zweites Mal über den großen Teich nach Europa, um im Februar 2010 von Krüger als offiziellem drittem Besitzer zugelassen zu werden. Das Seniorenpaar hat er in L.A. ausfindig machen können und angeschrieben, woraufhin er einen freundlichen Brief und ein paar Fotos vom Urzustand zurückbekam. Autoliebe über Generationen – ist das nicht schön?

Die wenigen Vorbesitzer garantierten einen weitestgehend gesunden Zustand. Aber allein aufgrund des hohen Alters musste Krüger viele kleine und mittlere Baustellen bearbeiten – mit leichter Inkontinenz hier und da markierte das Pony regelmäßig sein Revier. Arthritis in einigen Gelenken kurierte er teilweise mit Freunden in seiner Garage selbst, einiges ließ er in seiner Werkstatt machen. Es entspannte ihn sehr, dass er sich dabei nicht um malade Steuergeräte oder virulente integrierte Schaltkreise kümmern musste. Nach insgesamt zwei Jahren waren Vorderachse und Fahrwerk erneuert, Federn und Dämpfer getauscht, die Servolenkung revidiert und die Bremsanlage komplett überholt. Und weil sein Mustang auch im Alltag eingesetzt werden sollte, rüstete der Ponyreiter zur Sicherheit seiner Kinder auf dem Rücksitz noch Dreipunktgurte nach. Manchmal muss man eben deutliche Prioritäten setzen.

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Dem viersitzigen Personal Luxury Car hat Neo Scale Models ein Modell im Maßstab 1:43 gewidmet.
Eine gelungene, handgefertigte Miniatur in zeitgenössischer goldener Lackierung. Von der lang gestreckten Motorhaube über aufwändige Verzierungen bis zum fein gestalteten Innenleben mitsamt filigranem Lenkrad, Schaltern und Armaturen erlebt der Ford Thunderbird Hardtop sein Comeback.
Artikelnummer 185897, 59,95 Euro bei

www.ModelCarWorld.de

 

Das erste Auto vergisst du nie – es ist wie der erste Kuss, das erste Glas Wein, der erste Sex. Bei mir war es ein Ford Taunus. Seine Knudsen-Nase hat mich schon im zarten Alter von 15 Jahren eingeatmet, mit 19 passierte es wieder. Jetzt bin ich 43, und Knudsen Nummer 3 steht in der Garage

1986. Ein 15-jähriger Autobesitzer (links) und seine Gang: Fast am wichtigsten dabei ist der 1975er Ford Taunus L für 100 Mark

Goldene Zitrone

Es ist 1986, und ich bin 15. Und definitiv zu jung für motorgetriebene Fortbewegungsmittel. Deshalb fahre ich meinen täglichen Leidensweg zur Schule im Schleswig-Holsteinischen Plön mit dem Fahrrad, aber die Augen suchen Autos. Und finden ein ganz besonderes: ein sonnengelbes. Abgemeldet, rostig, kein TÜV, aber irgendwie sehr amerikanisch. Der Teenager ist davon gerockt. Am Rande der Geschäftstüchtigkeit biete ich dem Besitzer mein gesamtes Erspartes, ziemlich genau 100 Mark. Er geht darauf ein: Der zweitürige 1975er Ford Taunus L gehört mir. Kein Führerschein, kein Stellplatz, ein bisschen Angst, meinen Eltern davon zu erzählen – super Voraussetzungen für die erste Blechbeziehung…

Kommt nur das gute Super rein! Beim Kauf lag sogar noch Schnee, innen und außen

 

Muttis Erlaubnis und einen Platz zum Fahren lernen bekomme ich. Läuft! Der offizielle Nachfolger des frontgetriebenen P6 15M ist technisch hochaktuell und besitzt statt der altbackenen V4-Motoren moderne OHC-Reihenvierzylinder von 1.3 bis 2.0 Liter Hubraum, wahlweise auch die bewährten V6-Motoren mit 2.0 und 2.3 Liter, die so herrlich blubbern. Wir haben jedes Wochenende fünf Liter verbleites Super und einen großen Schluck Kühlwasser für die schwachbrüstige 1.6-Liter-Maschine dabei. Es sind wunderbare Tage auf den privaten Feldwegen im Umland – erste Eindrücke von der Freiheit.

Mein erst 11 Jahre alter Taunus TC glänzt mit einem durchgebrochenen Lichtmaschinenhalter, einem abgefallenen Auspuff und extremem Kühlwasserverlust. Schöner wird er auch nicht durch meine Fahrfehler, die auf einem durchweichten Erdbeerfeld enden. Mir fehlt die Praxis des damaligen Formel-1-Weltmeisters Jackie Stewart, der als Knudsen-Werbegesicht die neue Mittelklasse sportlich in Szene setzen soll.

Bei Baubeginn 1971 sah der Taunus von innen ein bisschen wie ein Mustang aus und bekam mit seinem trampelnden Fahrwerk wegen „gravierender Neuwagenmängel“ vom ADAC die „Goldene Zitrone“ verliehen. Aufgrund der Kritik erhielt er ab 1974 einen sachlichen Innenraum und technische Verbesserungen.

Meine Goldene Zitrone ist irgendwann einfach weg. Vermutlich haben genervte Nachbarn den Abschlepper bestellt. Aber ich werde mich immer an den etwas anderen Sommer erinnern, der definitiv geiler war als der meiner Klassenkameraden.

Das US-amerikanische Traumwagen-Coupé und der deutsch-österreichische Legendewagen sorgen mit Autogasanlagen aufgerüstet für die neue Lust am Tanken

Verschwenderische Power, lässige Mehrzylinderlust mit sattem Hubraum und verrucht klingendem Soundtrack, stimmig garniert mit schwerem Altblech. Das ist genau unser Ding. Wollen wir ernsthaft auf all diese schönen automobilen Schlüsselreize verzichten, „nur“ weil uns die Benzinpreise zunehmend die Tränen in die Augen treiben? Nein. Aber ist es etwa cool, dem Fiskus bares Geld in den Rachen zu werfen? Auch nicht.

Kein Bock auf Wegwerfautos

Traurige Hybridantrieb-Alibilösungen mit zentnerweise Akkusondermüll an Bord oder instinktlos aufgeladene Hubraumzwerge mit optimistischen Halbwertszeiten um 50.000 Kilometer lassen uns erst recht erschaudern. Wir wollen keine Wegwerfware, sondern Autos die uns schon immer anmachen. Ihnen muss das Kunststück gelingen, Emotionen aus einer vergangenen Zeit ins Hier und Jetzt zu transportieren.

Mehr Trutzburg geht nicht: Am G-Modell perlt die Zeit seit inzwischen gut 34 Jahren ab. Das Fotofahrzeug kombiniert Trinkunsitten mit erstaunlicher Stilsicherheit

Wenn Karl Geiger sich einen Pick-up vorknöpft, dann kommt dabei immer etwas ganz Besonderes heraus. Sogar beim kultigen Ford F-150-Sondermodell Harley-Davidson ist noch Luft nach oben, wie die von Geigercars veredelte Version beweist.

Für den kraftvollen Vortrieb sorgt bei diesem Modell der mittels Geiger-Kompressor von 411 auf 558 PS (410 kW) gepushte 6,2-Liter-V8, dessen Leistung eine schier unglaubliche Höchstgeschwindigkeit ermöglicht: Sie liegt bei abgeregelten 240 km/h. Die Karosserie wurde zur Verbesserung des Cw-Werts um 100 mm tiefergelegt, das Fahrwerk ist straff abgestimmt. Zusätzlich sorgen spezielle Stoßdämpfer für eine stabile Straßenlage.

Zahlreiche optische Merkmale weisen diesen F-150 zudem als Sondermodell aus, das in Zusammenarbeit mit Harley-Davidson entstand: Unter anderem ziert das legendäre Firmenlogo der Kultbikes aus Milwaukee die mit edlem Sonderleder bezogenen Sitze, die Mittelkonsole sowie die Alufelgen, die vorderen Kotflügel und das Heck. Die Lackierung „Tuxedo Black“ ist Original Harley-Davidson, und auch akustisch wird die Nähe zur Motorradmarke deutlich: Ein Spezial-Auspuff bringt den sonoren Sound des V8-Motors dem typischen V2-Bollern der Harley-Motoren nahe.

Wie schon beim Ford F-150 Raptor sorgt der Geiger-Kompressor auch beim Sondermodell Harley-Davidson für noch besseren Durchzug aus dem Drehzahlkeller heraus und spart vor allem bei hoher Geschwindigkeit deutlich Sprit. So vereint der kultig gestylte Geigertuning-Pick-up eine extravagante Optik und sportliches Fahrverhalten mit praktischen Vorzügen wie hoher Zugkraft, verringertem Spritverbrauch und variabel nutzbarer Ladefläche mit serienmäßiger Abdeckung.

TECHNISCHE DATEN

Ford F150 Harley-Davidson
Baujahr: 2012
Motor: V8
Hubraum: 6,2 Liter
Leistung: 410 kW (558 PS)
Max. Drehmoment: k.A.
Getriebe: Sechsgang-Automatik
Antrieb: Allrad
Maße: 5.890/2.463/1.905 (LxBxH) mm
Gewicht: ca. 2.230 kg (4×4)
Beschleunigung 0-100 km/h: k.A.
Top-Speed: 240 km/h
Preis: 69.000,- Euro

Fotos: Tom Torque

Aus Zufall sind wir in München bei AutoToyStore über einen ganz besondern Ford Mustang gestolpert: ein 69er-Exemplar, aufgebaut von Tom Argue Design – fast ein Neuwagen

Der Mustang von 1969 fällt sofort ins Auge. Irgendwie sieht er anders aus als man es gewohnt ist. Aber auf den ersten Blick lassen sich keine Rückschlüsse auf das ziehen, was sich unter dem top restaurierten Blechkleid verbirgt. Ein Rätsel, dieser Mustang.

Wunderbar, so etwas lieben wir. Erst recht, wenn wir zum Rätsel wie die Jungfrau zum Kinde gekommen sind. Denn hier, bei AutoToyStore in München, wollten wir eigentlich etwas ganz anders: einen feinen Camaro fotografieren. Doch ein Kunde hat am Abend vorher den Camaro gekauft und möchte sein Auto nicht in einem Magazin sehen. Ok, muss man akzeptieren, aber nun sollte Plan B greifen.

Tom Argue ist einer der etabliertesten Customizer in den USA. Seine Company bietet Restauration, Lack und Design aus einer Hand

 

Das heißt: Aus dem riesigen Angebot ein anderes Auto präsentieren. Vielleicht steht ein geeignetes im externen Lager? Hier quellen schon mal jedem US- und Classic-Car-Fan die Augen aus dem Kopf, aber es ist noch nicht das dabei, was wir suchen. Also besichtigen wir die Verkaufsräume, wo sich Shelby Mustang neben Camaro SS, Corvetten und allem, was wir gern haben, aneinandereihen. Alles top präsentiert und durchweg in einem guten Zustand.

Rotes Kontrastprogramm – ohne Kopfstützen

Und dann steht da auch dieser besondere Mustang. Wir streunen um das Auto herum und stellen fest: Die Spaltmaße sind vorbildlich. Und wenn wir nicht wüssten, das Ford diese Form nicht mehr produziert, würden wir meinen, vor einem Neuwagen zu stehen: Im Innenraum nur feinstes Leder, ein modernes Sportlenkrad, ein neuer Teppich, ein Soundsystem mit Rückfahrkamera und moderne Dakota-Instrumente. Von außen fallen die modernen Räder in 18 Zoll vorn und 19 Zoll hinten mit 255er und 295er Bereifung ins Auge.

Die Wolfs vom AutoToyStore klären uns auf: Diesen 69er Mustang hatte „Tom Argue Design“ aus Florida in den Spezialistenfingern. Die Experten bauen nicht einfach irgendein „Supermusclecar“ zusammen, wie sie zurzeit zuhauf durch unsere Fernsehsender rasen und meistens nichts anderes sind als im Eiltempo geschweißte Karosserien, die nach dem Lackieren passend gemacht und mit fetten Motoren ausgerüstet werden. Sowas ist etwas fürs Auge, aber sicherlich nichts, um lange Freude zu haben. Tom Argue Design dagegen macht sich vorher sehr viele Gedanken, was später im Auto landen soll, und genauso wurde dieser Mustang konzipiert.

Die Innenausstattung mit Soundsystem, Echtleder und neuen Armaturen ist perfekt verarbeitet und bietet neueste Technik

 

Warum auf dem Verkaufsschild des Mustang „Neufahrzeug“ steht wird klar, als wir die imposante Haube öffnen: In dem Auto befindet sich nicht eine alte Schraube. Neben dem komplett neuen Innenraum ist auch der Motorraum in einem Zustand, der das Prädikat „Neu“ tragen darf. Ein brandneuer 427er Keith-Craft-Motor mit einer Leistungsangabe von 645 PS strahlt mit verschiedenen Karbonabdeckungen, einem High-Performance-Kühler so wie einer sauber gearbeiteten Karosserie-Verstärkung um die Wette. Die Leistung wird über ein neues Fünfgang-Tremec-Getriebe mit Keramik-Kupplung an die Hinterachse übertragen, für die Verzögerung sorgt eine Willwood-Bremsanlage.

Newschool-Design frisch interpretiert

Für die tiefliegende Karosserie ist ein Luftfahrwerk verantwortlich und selbst am Unterboden ist nichts zu finden, was auf das Baujahr hindeutet. Die elegante Linie des Cabrios lässt einen ebenso eleganten Sound vermuten, doch genau hier ist Schluss mit Understatement. Es scheint, dass die Magnaflow-Auspuffanlage jede Pferdestärke direkt in Dezibel umwandelt und der Umwelt unmissverständlich klarmachen will, dass hier Leistung im Überfluss vorhanden ist.

Am Anfang bedarf es etwas Eingewöhnung, die Keramikkupplung zu bedienen und das Zusammenspiel zwischen Kupplung und Gas zu dosieren. Wenn der Motor seine Betriebstemperatur erreicht hat, läuft er ruhig und sauber und lässt entspanntes Cruisen zu – nicht jeder wird allerdings mit dem ständigen hohen Sound-Level glücklich.