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Nach 25 Jahren Abstinenz engagieren sich die
 Rüsselsheimer wieder im Rallyesport – und das höchst erfolgreich. Der ADAC Hansa fördert im Opel Rallye Cup seit 2013 die jungen Wilden auf dem Kompaktmodell Adam. Wir haben für ein Treffen von Fahrer Timo Broda und seinem Auto mit dem Urgestein Opel Kadett C Coupé „Rallye“ gesorgt

Manche haben es einfach im Blut. Wie Timo Broda. Der feuerte schon aus dem Kinderwagen heraus seinen Vater Uwe bei unterschiedlichen Motorsportveranstaltungen an und kletterte mit acht Jahren selbst in ein Kart. Von Anfang an mit Erfolg: Hamburger Kartslalom-Meister 2004, Norddeutscher Vizemeister im World Formular Kart-Rundstreckensport. Im Jahr 2007 stieg er auf große Autos um.

Angefangen beim ADAC Hansa Youngster Coup räumt er seitdem jährlich diverse Pokale ab, zuletzt gewann er den Reinhard-KleinworthGedächtnis-Pokal. Der Hamburger Student hat vor allem eines – Spaß am Fahren. Und den kann er im Rahmen des ADAC Opel Rallye Cup vollständig ausreizen, wenn er in einem hochkarätigen Starterfeld alle Aufgaben meistert. Vom Erzgebirge durchs Sulinger Land über den Stemwerder Berg, von Niedersachsen über die Ostsee nach Baden-Württemberg und die Drei-Städte-Rallye, monatlich jagt ein Event den nächsten und Broda mit dem Opel Adam die Konkurrenz.

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Opel? Oh, ja, die Marke mit dem Blitz hat eine großen Motorsporttradition mit Herz für Nachwuchs. 1968 streifte Opel die Lethargie der Nachkriegsjahre aus dem Overall und engagierte sich im Motorsport. Schon damals ging es dem Konzern um die Förderung von Nachwuchstalenten disziplinübergreifend bei Rallyes, Rundstrecken- sowie Bergrennen und Slalomveranstaltungen. Die eigens gegründete Abteilung „Sportförderung“ schrieb im Folgejahr einen Sportpokal mit einem Preisgeld von stattlichen 66.000 Mark aus, und die Siege blieben nicht aus. Unvergessen die Europameisterschaft 1974 mit Walter Röhrl und Jochen Berger auf dem Ascona A, gefolgt von Jochi Kleint und Gunter Wagner auf Ascona B i2000 im Jahr 1979.

Walter Röhrl und Christian Geistdörfer räumten mit dem Ascona 400 alles ab, was möglich war. Und sie ließen bei der Weltmeisterschaft sogar die beiden rasenden Ladies Michelle Mouton und Fabrizia Pons im Audi Quattro stehen. Wenn auch nur knapp…

Auch der ADAC ist schon lange bei der Förderung der Motorsportjugend ganz vorne mit dabei. Seit 1997 ist der zweitgrößte Automobilclub der Welt mit seiner Abteilung „ADAC Motorsport“ die Talentschmiede für junge Rallye-Sportler in Deutschland. Im 2013 neu ins Leben gerufenen ADAC Opel Rallye Cup beweisen junge Talente im kostengünstigen und extrem konkurrenzfähigen Opel Adam unter gleichen Bedingungen ihr Können – und wieder ist wie damals der Preistopf mit insgesamt 100.000 Euro gut gefüllt.

Das alles sind Gründe genug, sich den rasenden Adam von Timo Broda mal genauer anzusehen – und ihn mit seinem Vorgänger, dem Kadett C Coupé „Rallye“, zu vergleichen. Der gehört Jens Manthey und stammt aus dem Baujahr 1987.

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Arbeitsplatz eines jungen Profis. Das Grundmodell ist Serie, der laute und harte Rest schüttet Adrenalin für drei Wochen aus

 

Okay, vielleicht hinkt der Vergleich ein wenig – aber was während der Rallye „ADAC Hamburg Klassik“ und dem TRÄUME WAGEN-Cup gefordert wurde, pendelte zwischen Entspannung und Schweißausbruch. Je nachdem, 
in welcher Gruppe man mit seinem Fahrzeug unterwegs war…

Britischer Roadster? Amerikanisches Muscle Car? Deutsche Großserienlimousine? Oder lieber einen gut ausgestatteten VW Bus? Egal: Wenn der ADAC Hansa und TRÄUME WAGEN zur Rallye ADAC Hamburg Klassik rufen, sind alle historischen Fahrzeuge willkommen – unabhängig von ihrem Wert oder ihrer 
Marke. 20 Jahre sollten sie allerdings auf dem Chassis haben….

Und so sahen wir wieder einen Austin Healey von 1965 neben einem 69er Dodge Coronet, während ein BMW 316 von 1980 einen 89er VW T3 California Bulli überholte. Porsche und Trabant, Lincoln und Volvo – eines einte die Fahrerinnen und Fahrer des TRÄUME WAGEN CUP 2014: Die Liebe zu ihrem Fahrzeug, die Neugier auf die anderen Teilnehmer und die landschaftlichen Reize der gut geplanten Strecke, die es nach dem Roadbook abzufahren galt.

Je nach Ehrgeiz, Erfahrung und Können teilten sich die Gruppen der mehr als 100 gemeldeten Fahrzeuge auf in die Gruppen A und B – A für sportliche, B für die touristisch sportliche Strecken- und Aufgabenführung am Freitag und Samstag. Und dann gab’s noch die Gruppe C, die nur am Sonnabend startete und den Schwerpunkt vor allem auf das Beisammensein, das Fahren der schönen Strecke und das Lösen einfacherer Aufgaben legte. Denn nicht jeder Oldtimerfan ist scharf auf knackige Zeitwertungen, anspruchsvolle Navigationsanweisungen und teils versteckte Stempelpunkte sowie Wertungsprüfungen. Das kann auch ganz schön stressig sein…

Hauptsache, der Dialog stimmt

Und da das Team „TRÄUME WAGEN“ gern ausschläft, hatten wir die Teilnahme auf den Samstag beschränkt. Da der blaue TRÄUME WAGEN-Mustang noch auf dem großen Mustang-Treffen in Köln benötigt wurde, wählte das Team einen Porsche 911 als Transportmittel – in ähnlicher Kriegsbemalung.

Besonders erfreulich: Der Samstag der „großen“ Etappe war eine runde und gelungene Herausforderung für Mensch und Maschine, ohne jemanden in gestresste Bedrängnis zu bringen (jedenfalls nicht mehr als erträglich). Schon der Start der Teilnehmer ab 8.30 Uhr in Hamburg-Bergedorf wurde bejubelt von vielen Gästen, Freunden und Besuchern, die einmal live Rallyeatmosphäre schnuppern wollten.

Zum ersten Mal hat TRÄUME WAGEN zum Track Day und Fahrtraining auf dem ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Lüneburg geladen – 15 Leser konnten mit ihren Boliden teilnehmen. Und lernten, dass Kreiseln leichter ist als Driften…

Peter Hartung hat sich das etwas leichter vorgestellt. Power hat sein Auto, martialisches Aussehen auch, also, was sollte schief gehen? Dass eine Viper GTS schwerer zu fahren ist als die meisten anderen modernen Sportwagen, merkte Hartung dann früh: Den Ami auf der bewässerten Kreisbahn in einen Drift zu zwingen, war für den jungen Geesthachter schon eine echte Herausforderung. Aber auch den Fahrspurwechsel bei hohem Tempo von nassem auf trockenen Untergrund quittierte das garstige Automobil stets mit mindestens einer Pirouette…

Aber da war der junge Sportwagenfahrer in bester Gesellschaft. Eine wirklich illustre Mischung aus Autos hatte sich zum ersten Track Day und Fahrtraining von TRÄUME WAGEN versammelt: Vom VW Käfer mit 70-PS-Boxermotor über Chevy Chevelle SS, BMW X4, einige Porsche 911, VW Kübelwagen, ein Mustang Baujahr 2007, ein Autobianchi A112 und ein Dodge Dart fanden sich ein zum Üben. Die meisten Teilnehmer am ersten TRÄUME WAGEN Track-Day wollten „Spaß haben“, „mein Auto besser kennen lernen“ oder „im Extremfall auf der Straße auch mal wissen, was ich kann und wie ich besser reagiere.“ Dazu sollten sie erstmal richtig sitzen – was in vielen alten Wagen gar nicht möglich ist.

Das mussten wir auch mit unserem Verlags-Pony feststellen: Der 400-PS-Mach-1-Bolide aus dem Jahr 1973 hat zwar gute kleine Schalensitze, der Abstand zum Lenkrad allerdings ist nicht optimal einzustellen. Auch die Bauchgurte taugen mehr als Alibi denn als Körperschutz. Und ein Auto, das eigentlich konstruiert ist, um Ampelstarts zu gewinnen und geradeaus zu cruisen, kann nicht wirklich glänzen beim Bremsen/Ausweichen, Slalom um Pylonen fahren und Schikanen meistern.

Egal – Dabeisein ist bekanntlich alles. Das dachten sich auch die engagierten TRÄUME-WAGEN-Leser. Und gaben ihr Bestes – mit manchmal niederschmetterndem Ergebnis. Was bei Ken Block so spielerisch aussieht, ist in Wahrheit eine Kunst für sich: Die Station „Driften im Kreis auf extra glattem Belag oder nassem Asphalt“ war zwar die am meisten ersehnte Übung, aber wohl auch die am schwersten umzusetzende. Der eine gab ständig so viel Gas, dass sein eigentlich driftwilliges Auto immer über die Vorderräder rutschte und somit überhaupt nicht da lang fuhr, wo es hin sollte. Der andere gab schlicht so wenig Gas, dass die angetriebene Hinterachse kein einziges Mal so unruhig wurde, dass das Vehikel auch nur im Ansatz rutsche.

Und unser Mach-1-Pferd? Hat Grip wie Sau. Die fetten Reifen kleben am Asphalt, und nur mit der Stellung des Automatikwählhebels auf 1 und wirklich kräftigen Gasstößen lässt sich das brüllende Tier in den Drift zwingen, was selbst Instruktor Matthias Wetzler ausprobierte. Wonach der geübte Drifter zugeben musste: „Das ist ja ganz schön heikel mit dem Wagen…“

 

 

 

 

 

 

Und dann holte sich der schwere Ami bei der Königsdisziplin „Freies Fahren auf der Rundstrecke“ auch noch heiße Bremsen, was ihm eine Zwangspause einbrachte… Aber alle anderen Teilnehmer konnten sämtliche Sektionen fahren und ausprobieren. Und Spaß haben. Und etwas lernen.

Ein weiterer Erfolg des Events: Wir haben eingesehen, dass wir den TRÄUME WAGEN Track-Day unbedingt wiederholen müssen. Nicht, um dem Mustang Mach 1 noch einmal alles abzuverlangen, sondern um weiteren Lesern die Möglichkeit zu geben, sicherer, besser und mit mehr Spaß ihre Traumwagen zu fahren.
Also: Bis zum nächsten Mal…

Höhepunkte des Tages: ein paar schnelle Runden über den Rundstreckenkurs auf dem Lüneburger Trainingsgelände sowie Benzingespräche zwischendurch

 

Fotos: Christian Bittmann

Zwischen Wahnsinn und Wegfindung

Die ADAC Hamburg Classic TRÄUME WAGEN Rallye 2012. Worum es eigentlich geht – die intime Beichte direkt aus dem Cockpit eines MG

KRAFTSTOFF am Körper, im Tank und im Magen

KRAFTSTOFF am Körper, im Tank und im Magen

ADAC Hamburg Classic TRÄUME WAGEN Rallye 2012 ADAC Hamburg Classic TRÄUME WAGEN Rallye 2012 ADAC Hamburg Classic TRÄUME WAGEN Rallye 2012

Rallye! Dieses brutale Wort, es löst in einem durchschnittlichen Männergehirn umgehend Assoziationen von Schlamm und Dreck, heulenden Motoren und vermatschten PS-Boliden aus. Jeder auch noch so uninteressierte Mensch kennt diese Szenen, und sei es nur aus dem Fernsehen oder von der Playstation.

Doch glauben Sie uns – die Realität der normalsterblichen Arbeitnehmerinnen und Angestellten des Landes sieht etwas anders aus, wenn sie eine Rallye mitfahren. Nicht ganz so schmutzig und erst recht nicht so gefährlich. Sie haben das noch nie gemacht? Sie wissen gar nicht, worum es geht? Das macht nichts, da sind Sie nicht allein. Gefühlt ist da mindestens die Hälfte der Teilnehmer einer organisierten Rallye in Deutschland genau so schlecht vorbereitet wie Sie – weil sie nicht ernst nehmen, was auf sie zukommt. Die andere Hälfte kennt das Prozedere minutiös, weiß was kommt und nimmt die Veranstaltung manchmal ein bisschen zu ernst.

Das Träume Wagen-Team

MGB Roadster MK II - Fahrer: Roland Löwisch, Beifahrer: Jens Tanz

MGB Roadster MK II – Fahrer: Roland Löwisch, Beifahrer: Jens Tanz

Mustang Mach 1 - Fahrer: Marco Wendlandt, Beifahrer: Sebastian Stoll

Mustang Mach 1 – Fahrer: Marco Wendlandt, Beifahrer: Sebastian Stoll

Plymouth Barracuda - Fahrer: Alexandra Lier, Beifahrer: JP Mollenhauer

Plymouth Barracuda – Fahrer: Alexandra Lier, Beifahrer: JP Mollenhauer

Fotos: Gareb Aepler, Andreas Aepler

Wer schon einmal an einer ADAC-Rallye teilgenommen hat, erzählt hinterher in drei Kapiteln: 1. Wo ging’s lang? Wie stressig war’s? Wer saß daneben? Bevor wir die Antworten geben, wollen wir grundsätzlich festhalten: Bei den ADAC-TRÄUME-WAGEN-Rallyes handelt es sich grundsätzlich nicht um Hochgeschwindigkeits-Rundkurse, in denen aufgemotzte Autos möglichst schnell und Schlamm spritzend zwischen Strohballen in Richtung Etappenziel ballern – unsere Rallyes sind zum Spaß, zur Unterhaltung und zum gemeinsamen Beisammensein von klassischen Autos und ihren Fahrerinnen und Fahrern ersonnen worden.

'ADAC TRÄUME WAGEN KLASSIK 2013' weiterlesen

Wer mit seinem Klassiker das Abenteuer sucht und gleichzeitig lernen will, kann das ganz legal auf den Spielfeldern des ADAC: Einmal im Jahr bieten die Fahrsicherheitszentren des Clubs bundesweit einen Oldtimer-Trainingstag an. TRÄUME WAGEN war dabei

So richtig wohl ist hier keinem. Wasser spritzt überall aus dem Boden auf die merkwürdig hellen Fahrbahnen, die Streckenführung ist eng, und überhaupt: Der Gedanke, mit dem eigenen Oldie zu driften, das oft mehr als 40 Jahre alte Fahrwerk zu quälen und die Speichenräder zu martern, macht hier keinen wirklich froh.

Wir, das sind eine Gruppe von zehn Oldtimerfans und -Besitzern – wie die meisten Autofahrer verweichlicht vom Benutzen modernster Elektronik in unseren Alltagsautos. Wer damit bereits Extremsituationen erlebt hat oder wer damit Fahrsicherheitskurse absolviert hat, interessiert hier nicht. Alle sind da, weil keiner weiß, wie eigentlich der Oldie im Ernstfall reagiert. Jüngere Menschen haben von der „Stotterbremse“ noch nie gehört, die meisten haben keine Ahnung, wann ihre blattgefederte Hinterachse trampelnd die weitere Haftung der Räder verweigert.

Nicht nur die Übungen sind aufregend, auch die Vielfalt der Autos: In diesem Kursus sind die Engländer stark vertreten (TR4, TR6, MGB), gemischt mit Pagoden-SL, Mitsubishi Starion und Fiat X1/9

Auf dem Tagesablaufplan steht: einen Notfall entschärfen ohne Servolenkung sowie ohne die elektronische Stotterbremse ABS, ohne Antischlupfsysteme, ohne den Stabilitätsgaranten ESP. Und zum Glück alles gefahrlos: Wir sind im ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Lüneburg – 21 Hektar Asphalt, Gleitflächen, Kiesbetten. Hier wurde die Idee geboren, den Lenkern von Oldtimern in Deutschland die Chance zu geben, die eigenen Grenzen und die der Autos kennen zu lernen.

Einmal jährlich – normalerweise am 3. Oktober – gibt es in knapp einem Dutzend ADAC-Fahrsicherheitszentren bundesweit diesen Nostalgikertag, pro Teilnehmer für rund 100 Euro (Infos: 0180-5121012, www.adac.de/fahrsicherheitstraining). Initiator ist der Lüneburger FSZ-Geschäftsführer Bernd Beer. Der schockierte vor mehr als drei Jahren in einer Rede vor 200 ADAC-Aktiven die Honoratioren, als er vorschlug, dem Tag der Deutschen Einheit eine neue Bedeutung zu geben. „Dabei dachte ich an ein Fahrertraining nur für Trabant-Besitzer oder für Ostauto-Fahrer,“ sagt er. Das verwarf er zwar wieder, doch der Weg von aussterbenden Zwickauer Plasteprodukten bis zu Oldtimern aus aller Welt war schließlich nicht mehr weit.

Die wichtigsten Hilfsmittel für das gefahr- und schadlose Üben: Pylonen und Wasser. Die rotweißen Hütchen simulieren Straßenränder, Menschen oder andere Hindernisse, das Wasser schont Räder und Reifen

Jeder der vier Kurse an diesem Tag ist voll ausgebucht – mehr als zehn Teilnehmer pro Gruppe auf einmal werden nicht angenommen. Den ersten Slalomparcours umrunden wir wie auf rohen Eiern, bis uns Instruktor Björn Klinge rügt für so viel Umsicht und zum Gas geben auffordert: „Tastet Euch heran, aber dann fahrt so schnell, wie ihr es Euch und Euren Wagen zutraut.“

Mein alter MGB ächzt mächtig im Fahrwerk. Das Heck des 44-jährigen Engländers wedelt, die Federn sind ausgereizt, das Auto fängt an zu schlingern. Der dritte Lauf durch den Slalomparcours – für moderne Autos noch bei fast doppeltem Tempo eine echte Lachnummer – gerät zur ersten schweren Aufgabe.

Kein Wunder, dass sich immer mehr Zuschauer einfinden, um von der Leitplanke aus Klassiker in Aktion zu bewundern. Befeuert vom eigenen Ehrgeiz und der Erkenntnis, dass die alten Blechkisten noch ganz schön was auf dem Kasten haben, werden die Autos immer dynamischer bewegt. Der MGB schiebt in der Kreisbahn erstaunlich lange über die Vorderräder, bis er halbwegs kontrolliert zum Driften gebracht werden kann. Florian ist überrascht, wie schnell sich sein Triumph Stag dreht, wenn er die Physik herausfordert, und Wolfgang lernt, wie er seinen Kleinst-Roadster MG Midget wieder einfängt, wenn das Auto beim Bremsen Pirouetten drehen will. Andreas jüngerer Fiat X1/9 bleibt dagegen schon recht stabil. Wenig Regung zeigt sich trotz gut einem Vierteljahrhundert alten Reifen bei Markus Mitsubishi Starion, Baujahr 1984 – dessen Hinterachse wird bereits elektronisch stabilisiert. Noch weniger tut sich bei Berts Mercedes 300 SL, der hat sogar schon ABS. Auf anderen Stationen zeigen Ford Mustang, Ford Capri, VW Käfer, Strichachter-Mercedes, Alfa GTV und diverse Porsche wie 356, 911, 924 und 928, was sie (noch) können, aber hier im Norddeutschen Raum ist die englische Fraktion in der Mehrheit: MG, Mini, Morgan, AC Cobra, TR3 bis 6.

Größe, Kraft und Alter spielen keine Rolle, solange es kein Laster, Rennwagen oder Neuwagen ist: Mitmachen kann jeder Oldiebesitzer, der lernen will

Vor und nach jeder Übung – manchmal auch dazwischen, wenn viele Fehler gemacht werden – bittet der Instruktor zum Sammeln. Dann gibts Manöverkritik. Wenn gewünscht, werden Sektionen wiederholt oder übersprungen

Tatsächlich ist der Bedarf an sicherem Spaß mit Sammlerstücken groß – jedes Mal sind die vier gleichzeitig stattfindenden Kurse am 3. Oktober früh ausgebucht. Das Standardtraining bevorzugen meistens Eigner von mehr als 30 Jahre alten Autos, das Intensivtraining – noch dynamischer und mit viel mehr Wassereinsatz – nutzen eher die Youngtimerfahrer.

Erstes Gebot: Nichts muss, alles kann. „Hier wird hauptsächlich Rücksicht auf die Fahrzeuge genommen,“ beruhigt Klinge die Teilnehmer anfangs, bevor der bekennende Harley-Fahrer mit seinem 94er-GMC-Pick-Up die Meute zu den Stationen leitet. Die bestehen unter anderem aus Slalom zum Warmwerden, Vollbremsen und Ausweichen auf bewässerten Gleitflächen, Bremsen bei verschiedenen Reibwerten für rechte und linke Fahrzeugseite, Kreisbahnfahren bis zum Ausbrechen und einer Gefällestrecke mit anschließender Gleitbahnkurve.

Schäden an den Autos sind selten – zur Sicherheit kann man für den Übungstag eine Vollkaskoversicherung abschließen.

Warten aufs Starten

„Einmal touchierte ein Citroën DS eine Leitplanke und verbog sich seinen Kotflügel,“ erinnert sich Beer. Ein andermal überschätzte ein Roadsterfahrer die Qualität des Unterbodens eines Autos – der Wagen blieb über der eine Barriere simulierenden Wasserfontäne stehen, die dann das gute Stück von unten flutete. Aber so etwas kommt selten vor.

Meistens sind alle Beteiligten begeistert. Genauso wie Beer. Der bekommt mit seiner Idee nicht nur an einem normalerweise geschäftsarmen Feiertag seine Anlage voll, sondern lässt sich selbst den Duft von patiniertem Leder und Bleizusatz nicht nehmen: „Diese Autos in Aktion zu sehen ist doch etwas ganz anderes: Hier riecht man noch unverbrannte Kohlenwasserstoffe, hört Gummi quietschen, und der Sound der Autos ist einfach klasse.“

Bei den Ausweichversuchen an den Wasserfontänen sollten die Dächer der Oldtimer nicht nur geschlossen sein, sondern auch möglichst dicht. Es ist eine Menge H2O, das da aus dem Boden schießt…

Manchmal tut eine übertriebene Aktion dem Klassikerfreund aber in den Ohren weh – wenn zum Beispiel die Gleitfläche zu Ende ist und das Auto mit den Oldtimerreifen auf kleinen Rädchen quer zur Fahrtrichtung über den Asphalt schubbert. Oder wenn sich ein mager motorisierter Karmann Ghia die absichtlich steil angelegten Harrnadelkurven zum Gefälleberg hoch boxt.

Trotz dem einen oder anderen Mehrverschleiß: Die Teilnehmer sind nach dem Tag reicher als vorher. Die gewonnene Erfahrung kann wahrscheinlich jeder mal irgendwo draußen auf der Straße einsetzen…

Nicht immer klappt alles gleich auf Anhieb – aber dank weicher Materialien und extra rutschigem Bodenbelag, der gewässert wird, verlaufen ungeplante Ausflüge grundsätzlich glimpflich. Wer sich dazu an die Anweisungen des Instruktors hält, muss sich um sein Auto keine Gedanken machen

Platz zum Üben

Bilder: Roland Löwisch

Die dunkle Jahreszeit naht, und mit ihr kommt bei den Singles da draußen verstärkt der Wunsch nach Zweisamkeit auf. Oder? Wenn es nach dem zum ADAC Hansa gehörenden Fahrsicherheitszentrum in Lüneburg (FSZ) geht, ist jetzt die beste Gelegenheit, aktiv zu werden und bei der Partnersuche wortwörtlich das Steuer selbst in die Hand zu nehmen. Möglich ist das ab sofort bei einer vom FSZ eigens für diesen Zweck kreierten Variante des Speed Datings.

Teamwork im Test: Der Boxenstopp beim Speed Dating kann nur gemeinsam gemeistert werden. Foto: FSZ

Das Konzept ist so einfach wie innovativ: Fünf weibliche und fünf männliche Singles einer Altersgruppe werden in gemischten Paaren auf bereitgestellte Autos verteilt und dann auf den Eventparcours des zum ADAC Hansa gehörenden Fahrsicherheitszentrums geschickt. Hier meistern sie unter Anleitung professioneller ADAC-Trainer gemeinsam eine Vielzahl fahrpraktischer Herausforderungen. „Bei diesem rasanten Event-Training kommunizieren und agieren Fahrer und Beifahrer ständig miteinander. Alle 45 Minuten wechseln die Stationen und die Partner, so dass alle Singles in den Genuss von fünf unterschiedlichen Kopiloten kommen. Je besser ein Paar harmoniert, desto besser wird es beim Speed Dating abschneiden“,  erklärt Bernd Beer. Der Geschäftsführer des modernsten Fahrsicherheitszentrums Norddeutschlands ist überzeugt: Nirgendwo können Singles besser feststellen, ob sie zusammenpassen, als im Auto. Nicht ohne Grund würde die klassische Fahrer-Beifahrer-Konstellation schließlich immer wieder bemüht,  wenn es darum gehe, die nicht immer ganz einfache Kommunikation zwischen Mann und Frau zu veranschaulichen.

Der Slalomkurs weckt Schmetterlinge im Bauch

Um beim Speed Dating möglichst viele Facetten des Beziehungsalltags auf den Prüfstand zu bringen, wartet das ADAC-Fahrtrainerpaar  mit allen Raffinessen auf, die das FSZ Lüneburg zu bieten hat. Auf dem so genannten „Stressparcours“ erproben die Singles den Zusammenhalt in stürmischen Zeiten, beim Slalom mit verbundenen Augen, ob sie sich auch blind vertrauen können.

Wie gut können wir uns als Paar ausbalancieren? Das Rollen- und Schüsselauto beantwortet diese Frage beim Speed Dating. Foto: FSZ

Der Balanceakt im „Rollen- und Schüsselauto“ – einer Spezialanfertigung des FSZ Lüneburg – schweißt die Sinne zusammen, und auch der Boxenstopp inklusive Reifenwechsel kann nur in Teamwork gemeistert werden. Darüber hinaus vereinen die Aktionsmodule auch wichtige Elemente eines PKW Sicherheitstrainings. So trainieren die Singles zum Beispiel auf der Dynamikplatte das Abfangen und Stabilisieren des Fahrzeugs. „Der Fahrspaß steht bei diesem Format aber eindeutig im Mittelpunkt“, betont Bernd Beer.

Liebe geht durch den Magen

Da Fahrer und Beifahrer während des Speed Datings kaum die Zeit haben dürften, die Telefonnummern auszutauschen, treffen alle Teilnehmer während des ganztägigen Events bei einem Mittagessen und nach dem Training bei Kaffee und Kuchen in entspannter Atmosphäre zusammen. Hier haben sie Gelegenheit, die Erlebnisse Revue passieren zu lassen und vielleicht sogar durch die frische rosarote Brille zu betrachten. „Eines ist klar: Sollte es bei diesem Speed Dating zwischen zwei Singles funken, wird  garantiert keiner der beiden später behaupten, sein Partner sei ein schrecklicher Beifahrer“, sagt Bernd Beer mit einem Augenzwinkern.

Das am besten harmonierende Single-Paar schneidet beim Speed Dating im ADAC FSZ Hansa/Lüneburg besonders gut ab. Foto: FSZ

Das Speed Dating findet immer sonntags statt im FSZ. Für ADAC-Mitglieder kostet das ganztägige Event 189,- Euro, für Nichtmitglieder 199,- Euro. Ein alkoholfreier Welcome-Drink, das Mittagessen und Kaffee und Kuchen sowie die bereitgestellten Autos sind im Preis inklusive.

Die Termine und die Möglichkeit zur Onlinebuchung gibt es unter www.fsz-lueneburg.de.

Dick gegen dünn, aber das passt schon

Dick gegen dünn, aber das passt schon

Erstmals mit dem Team von TRÄUME WAGEN

Sehen und gesehen werden? Auch, aber in unserem Fall steht das mal nicht an erster Stelle. Am 16.06.2012 haben sich fast 100 gemeldete historische Fahrzeuge auf den Weg von Hamburg an die Ostsee nach Kiel gemacht, um an einer Rallye der ganz besonderen Art teilzunehmen: Die Hamburg-Klassik, oder auch ADAC TRÄUME WAGEN Rallye hat alles abgedeckt, was möglich war: Können, Geschick, Navigationsfähigkeit, Einfühlungsvermögen, Kenntnis des eigenen Fahrzeugs, Spaß, Essen und Trinken – und auch ein bisschen Adrenalin und Stress. Lange Weile war gestern!

Alexandra Lier und Jens Tanz beim Briefing

Alexandra Lier und Jens Tanz beim Briefing

Vorbereitung ist alles. Auch die verschiedenen TRÄUME WAGEN Teams am Start sind sich nicht immer einig, welche Fallen denn im Bordbuch versteckt sind, wie die „Chinesenzeichen“ genau gelesen werden und wie man doch jetzt gleich nochmal Meter/Sekunde in Kilometer/Stunde umrechnet. Oder wie lang eigentlich eine 7/30 Minuten ist. Panik? Ein bisschen, zumindest unter den Beifahrern, an denen solche Aufgaben erfahrungsgemäß hängen. Warum bin ich eigentlich Beifahrer? Das ist eine andere Geschichte.

Knitterfreies Anbringen der Startnummern

Knitterfreies Anbringen der Startnummern

Der ADAC Hansa kümmert sich um die Organisation

Der ADAC Hansa als Veranstalter jedenfalls hat alles dafür getan, einen reibungslosen Ablauf zu realisieren. Ungezählte Helfer an Start und Ziel und entlang der Strecke kümmern sich um die Teilnehmer, helfen bei der Montage der Schilder, geben Tipps und verraten Tricks und sorgen für ein allgemeines Wohlbefinden. Die Stoppuhren sind aufgeladen und angewärmt, der Kopf ist mit einem starken Kaffee freigeblasen – dann kann es ja eigentlich losgehen!

Bente Heyer gibt letzte Tipps für unseren Mach 1 am Start

Bente Heyer gibt letzte Tipps für unseren Mach 1 am Start

Unser durchaus brutaler Mustang Mach 1 fährt selbstverständlich auch im regulären Feld mit, um sich mit den Besten der Besten zu messen. Außerdem sind wir (außerhalb der Wertung) mit unserem 2012er Mustang TRÄUME WAGEN Edition unterwegs, mit dem Plymouth von Alex Lier und mit dem MG von Roland Löwisch. Und so verlassen die Autos Hamburg Bergedorf. Gewinnen wollen wir nicht, aber mitten drin im Rallyezirkus sein – das lassen wir uns nicht nehmen.

Wer zuerst fährt,malt zuerst? Mal sehen...

Wer zuerst fährt,malt zuerst? Mal sehen…

Was macht diese Art der Rallye aus? Ganz einfach – es sind wirklich alle Baujahre und Gesamtzustände unter den teilnehmenden Fahrzeugen vertreten. Nicht nur wattepolierte Top-Klassiker vom Gegenwert eines Einfamilienhauses buhlen zart und vorsichtig um die ersten Plätze, nein, auch klassische Butter-und-Brot Autos zwischen Ford Granada und VW K70 fahren sportlich, aber nicht gestresst um die Wette. Die Startnummern belegen, in welcher Platzierung die Autos losgefahren sind. Der Abstand ist jeweils eine Minute.

Travering Challenge - alle bereiten sich vor.

Travering Challenge – alle bereiten sich vor.

Zwischenprüfungen und Zeitkontrollen für alle!

Entlang der Route über Lübeck und die Holsteinische Schweiz verteilt sich die wunderschöne Strecke auf diverse Prüfungen, ein Mix aus Navigation und Gleichmäßigkeit. Da diesen Aufgaben nicht jeder Beifahrer zu jedem Zeitpunkt gewachsen ist (wir selbst möchten uns da gar nicht ausnehmen…), mischt sich das Teilnehmerfeld im Laufe des Tages bunt durcheinander. Frühe Startnummern tauchen wegen verschiedener Fahrfehler irgendwann (zumeist leicht von sich selbst genervt) hinter späteren Startnummern auf, so hat man eigentlich immer andere Autos um sich herum.

Der Buckelvolvo muss auf dem Travering die Zeit einhalten...

Der Buckelvolvo muss auf dem Travering die Zeit einhalten…

Anstrengend? Ja, sogar sehr. Aber herausfordernd. Reiner Tourismus geht anders, hier wird aufgrund der straffen Organisation von Fahrer und Beifahrer einiges abverlangt. Und auch das macht den Reiz aus. Alte Hasen unter den Teilnehmern berichten sehr gestenintensiv, dass sie bei anderen Veranstaltern wesentlich weniger gefordert wurden. Wir nehmen das einmal als Kompliment, denn eines kommt garantiert nicht auf: Langeweile. Im Gegenteil, es sollen sich Fahrerteams schon richtig in die Wolle bekommen haben, weil Uneinigkeit über den Streckenverlauf bestand.

Das weitestgehend vergnügte Racing-Team Löwisch/Tanz...

Das weitestgehend vergnügte Racing-Team Löwisch/Tanz…

Pausen zum Ranglistenabgleich – wer ist vorn?

Wenn Sie also als Pärchen so eine Rallye fahren, sollten Sie eine sehr gefestigte Beziehung führen, die auch diesen Situationen gewachsen ist… Ansonsten gilt: Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren. Auch das ist in einer Partnerschaft wichtig, aber zurück ins Cockpit. Wer einigermaßen im grob gesteckten Zeitlimit die Mittagspause erreicht hat, darf sich inmitten der Plöner Seenplatte entspannt an Krustenbraten und Sauerkraut laben. Nach rund einer Stunde Pause hören wir die Schiffe im Hafen von Kiel schon tuten und befinden uns kurze Zeit später schon wieder auf der Strecke!

Klaus Hartjen, Erich Günther und Bente Heyer sorgen für Kommunikation!

Klaus Hartjen, Erich Günther und Bente Heyer sorgen für Kommunikation!

Und auf der Strecke IST man zwar, bleibt es im metaphorischen Sinn nicht. Denn Unterstützung findet sich an jeder Ecke, Streckenposten helfen weiter, Werkstatt-Teams stehen für Pannenhilfe bereit. Klar – ADAC. Die können das. Und der Zeitrahmen ist so gesteckt, dass sich ein Fahrfehler oder ein falsches Abbiegen (zumeist) noch korrigieren lässt. Dachten wir. Na ja, manchmal auch nicht, aber wir lernen dazu…

Paparazzi (wie hier Dirk Oesterreich) überall an der Strecke

Paparazzi (wie hier Dirk Oesterreich) überall an der Strecke

Reisen statt rasen, schließlich sind es Oldtimer

Entlang der Strecke wird dokumentiert, kommentiert, gejubelt und gewunken. Nicht ein Passant, der sich von den vorbeidonnernden Klassikern nicht begeistern lässt. Fotografen und Kamerateams sind verteilt zwischen Start und Ziel und halten unvergessliche Momente für die Ewigkeit fest. Und wir sind noch immer mittendrin. Vor den Wertungsprüfungen wird gefachsimpelt und gescherzt, Zeiten werden verglichen und Prognosen gewagt. Denn auf Höchstgeschwindigkeit kommt es bei der TRÄUME WAGEN Rallye nicht an, vielmehr auf einen guten Durchschnitt und präzises Einhalten der vorgegebenen Durchfahrtzeiten.

Wer guckt denn da um die Ecke?

Wer guckt denn da um die Ecke?

Also? Reisen statt rasen. Das klappt nicht immer, vor allem bei den Teilnehmern, die so eine Veranstaltung sportlich statt touristisch sehen und die Zeiten sekundengenau einhalten wollen. Aber auch diese Profis finden sich nach bestandener Herausforderung lächelnd am Ziel ein – mit dem guten Gefühl, eine nicht ganz einfache Aufgabe gemeistert zu haben. Und wohl denen, die an den Vorbereitungskursen teilgenommen haben. Diesen Navigatoren kommen die Chinesenzeichen nicht ganz so chinesisch vor, und die Baumaffen klettern nicht herum, sondern werden notiert… Verstehen Sie nicht? Dann freuen Sie sich auf die Nachberichterstattung in der TRÄUME WAGEN Ausgabe 08/2012 (das ist die im Juli), da werden wir Ihnen das mal etwas genauer erklären. Für die nächste Rallye.

Zieleinlauf im Kieler Hafen mitten auf der Kieler Woche

Zieleinlauf im Kieler Hafen mitten auf der Kieler Woche

Siegerehrung und Preisverleihung in Kiel

Denn vielleicht rollen Sie ja im kommenden Jahr schon mit ihrem eigenen Klassiker durchs Ziel? Informationen dazu sind auf http://www.adac-hamburg-klassik.de/ Dort finden Sie auch die Auswertungen und Platzierungen. Wir vom DAZ Verlag und alle Teilnehmer sind allesamt glücklich auf der Eröffnung der Kieler Woche angekommen und haben uns nach Abgabe aller Unterlagen in Molfsee am Drahtenhof eingefunden – zur Abendgala bei leckerem Buffet, Getränken und natürlich der lang ersehnten Siegerehrung mit Preisverleihung.

Ingo Huter moderiert die Siegerehrung im Drahtenhof in Kiel/Molfsee

Ingo Huter moderiert die Siegerehrung im Drahtenhof in Kiel/Molfsee

Hier standen, nach so viel Auto, bis spät in die Nacht die Menschen im Vordergrund. Benzingespräche, geselliges Beisammensein und die Vergabe der Preise haben diesen sehr ereignisreichen Tag wunderbar abgerundet. Die erste große ADAC Hamburg Klassik TRÄUME WAGEN Rallye Bildergalerie finden Sie auf unserer Facebook-Seite, und den ausführlichen und… etwas… anderen Bericht mit ganz anderen Bildern in der Ausgabe 08/2012 unseres Magazins ab dem 20. Juli 2012! Sehen wir uns nächstes Jahr?

Vater und Sohn - am Ende vereint

Vater und Sohn – am Ende vereint

http://www.facebook.com/TRAEUMEWAGEN

http://www.adac-hamburg-klassik.de

TRÄUME WAGEN Rallye 2012

TRÄUME WAGEN Rallye 2012

Gentlemen, start your Engines!

In Zusammenarbeit mit dem ADAC Hansa e.V. startet morgen, am Samstag den 16.06.2012 die lang erwartete TRÄUME WAGEN Rallye 2012 vom Osten Hamburgs bin in den Hafen von Kiel! Heute geht es schon einmal los mit der technischen Abnahme der klassischen Fahrzeuge, die ersten Teilnehmer sind bereits auf dem Weg nach Bergedorf, um sich und ihre Fahrzeuge den kritischen Augen der Prüfer zu stellen.

Das TRÄUME WAGEN KraftStoff Team

Das TRÄUME WAGEN KraftStoff Team

Wir sind natürlich mitten drin statt nur dabei und reiten gleich mit mehreren Fahrzeugen durch das schöne Ostholstein – allerdings nicht mit unserem Verlagspony. Das ist noch zu jung und muss noch ein wenig auf die Weide. Aber die Klamotten sitzen, die Frisur auch, die Reifen sind warmgefahren – und jetzt fehlen eigentlich nur noch Sie. Sind Sie dabei? Entlang der Strecke, oder beim Start?

Rallye Strecke und Kontakt

Rallye Strecke und Kontakt

Wir sind schon ganz hibbelig und freuen uns auf den Event! Ab morgen um 8:01 Uhr donnern die ersten Klassiker entlang der Strecke, mit Zeitprüfungen, Durchfahrtkontrollen und allem, was eine gut durchorganisierte Rallye so an Nervenkitzel bietet. Wir lesen uns. Definitiv! Drücken Sie unseren Teams die Daumen!

Ihre TRÄUME WAGEN Redaktion

Nach vielen Jahren der erfolgreichen Teilnahme an der ADAC Hamburg Klassik Rallye ist die TRÄUME WAGEN  dieses Jahr Namensgeber und Sponsor der Oldtimerrallye. Auch 2012 schicken wir unsere verwegensten Piloten mit in ein Rennen, bei dem es nicht um Höchstgeschwindigkeiten, sondern um den geschickten Umgang mit den historischen Fahrzeugen geht. Ich hatte geglaubt, das wird eine wunderbare, geschmeidige  Schnitzeljagt. Wie damals auf den Kindergeburtstagen, wir sehen ein bisschen von der Landschaft, haben Spaß, hier und da ist ein Pfeil aufgemalt und am Ende gibt es einen großen Topf voller Naschis. Da eine echte Rallye alles andere als ein Sonntagsausflug ist, sollen wir vorher die Schulbank drücken…

Noch einmal die Schulbank drücken

Noch einmal die Schulbank drücken

Schnitzeljagt sowieso schon mal gar nicht.
Der MSC Trittau e.V. im ADAC hat ins malerische Forsthaus Seebergen bei Lütjensee in Schleswig-Holstein geladen, um den verschiedenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der in diesem Jahr anliegenden Motorsportveranstaltungen einige Einblicke in die Welt der Rallyevokabeln und Rallyeabläufe zu gewähren. Also lasse ich den Samstag Samstag sein, parke mein Auto in bewaldeter Idylle und folge dem Ruf des Seminars. Wenn man die anstürmenden Massen an großen Gänsen und ähnlichem Geschnattere auf dem Fußweg dorthin überlebt hat, sitzt man bei Kaffee und Cola im Hörsaal und fühlt sich ein bisschen wie in den allerbesten Schulzeiten.

Vortrag in Bild und Ton

Vortrag in Bild und Ton

Vorn spricht ein Dozent, ein alter Hase, vor dem man Respekt haben sollte. Statt einer Kreidetafel sehen wir PowerPoint Präsentationen. Und man muss sich auch benehmen und still sein. Denn wir haben es hier auf den Stühlen mit akribischen Piloten und Copiloten zu tun, die ihre Aufgabe sehr ernst nehmen und gewillt sind, der Konkurrenz auch noch auf dem letzten Meter ein paar Millisekunden abzuknöpfen!

Auch Profis sind nicht immer einig

Auch Profis sind nicht immer einig

Erste Stunde: Die Sprache lernen. Mein Glück: Ich sitze zwischen unserer Bente Heyer (Beifahrerin im Mustang Mach 1 vom Chef) und der wunderbaren Alexandra Lier (Speedseekers, 1967er Plymouth Barracuda) und bin somit geflankt von zwei wissbegierigen jungen Damen, fest entschlossen, den Pott zu holen. Doch das scheint gar nicht so einfach, wie ich das immer dachte. Der fröhliche Dozent lässt uns zunächst ein paar Vokabeln aufschreiben, um die „Chinesenzeichen“, also die Streckenangaben im Roadbook, überhaupt richtig deuten zu können. Denn ein Navi nützt auf einer Rallye dieser Art nichts. Der Weg wird ausschließlich von den gedruckten Seiten vorgegeben, und wenn der Beifahrer (in diesem Fall ich) die Angaben nicht richtig liest und dem Fahrer (in diesem Fall Roland Löwisch) die falschen Ansagen macht hat man sich schnell verfahren. Und bekommt sagenhafte Mengen an Strafpunkten, was doof ist, denn das Team mit den meisten Punkten hat verloren.

Physik Mittelstufe

Nach der ersten Doppelstunde Deutsch und Chinesisch haben wir jetzt Mathe und Physik. Hier geht es um die Umrechnung von Durchschnittsgeschwindigkeiten, Streckenlängen und Zeiten, immer fein mit der bekannten Formel für die gleichförmige Bewegung: S=V*t
Kurz nach der Erkenntnis links UND rechts von mir, dass Meter/Sekunde bei einem amerikanischen Meilentacho nicht funktionieren („OOOH NEIIN da muss ich ja NOCH mehr rechnen!„) spricht sich rum, dass ich vor vielen Jahrzehnten in dem Thema mal ein Staatsexamen gemacht habe. Macht mich das schlauer? Nein. Wir notieren, dass wir Taschenrechner brauchen. Ich fotografiere die Aufgaben und schicke sie als SMS meiner Tochter, die hat das gerade in Physik. Vielleicht kann sie mir da ja helfen…

Das soll ich alles verstehen?

Das soll ich alles verstehen?

Während Schneeweißchen und Rosenrot also mit rauchenden Köpfen auf ihre Taschenrechner eintippen lerne ich ganz neue Schimpfwörter aus der SMS, die meine Tochter mir zurück schreibt. Offensichtlich will sie sich an einem Samstag Vormittag nicht mit Physik befassen. Ich auch nicht. Also kapituliere ich an dieser Stelle, höre aufmerksam dem gestikulierenden Vortragenden zu und beschließe, nach Erhalt des Roadbooks kurz vor der Rallye nochmal meine Formelsammlungen rauszusuchen. Außerdem muss ich noch ein paar Atomuhren, rückwärts zählende Stoppuhren mit Millisekundenskala und GPS-gestützte Radsensoren besorgen, sonst können wir mit den Anwesenden hier nicht im Geringsten mithalten. Mein Magen knurrt wie ein V8. Zeit für ein leckeres Mittagessen!

Mit vollem Bauch rechnet es sich besser

Mit vollem Bauch rechnet es sich besser

Wenn die Rallye so gut organisiert ist wie diese Vorbereitung kann eigentlich nichts passieren. Wer dem MSC Trittau noch immer nicht beigetreten ist kann es spätestens jetzt beim Essen mit den reingereichten Mitgliederformularen tun, alle anderen laben sich an Grünkohl mit Kasseler und Kochwurst oder Kabeljaumedallions. Lecker! Die Große Pause anschließend lädt ein zu einem kleinen Spaziergang um den See, einem entspannenden Vanille-Zigarillo und einem erneuten Survivaltraining mit allerhand großem, krakeelendem Federvieh. Euch werde ich das nächste mal essen, verlasst euch drauf. Ah. Die Schulklingel. Also weiter.

In Theorie und Praxis

In Theorie und Praxis

Am Nachmittag haben wir Erdkunde. Und nun fühlt es sich doch wieder ein bisschen nach Schnitzeljagt an, denn wir müssen den Pfeilen auf den Karten folgen und uns dabei an vorher reingereichte Regeln halten. Nie die selbe Strecke gegenläufig fahren, in Bundesstraßen darf nur nach rechts eingebogen werden und Feldwege spielen nicht mit. Leute, das fordert den Blogger mit dem vollen Magen ganz schön heraus. Aber der Unterricht beginnt zu wirken. Einigermaßen zielstrebig weben sich die Fäden der Erkenntnis zu einem Netz zusammen, das mich glauben lässt, in diesem Sommer tatsächlich den Weg finden zu können. Unterwürfig teile ich Roland Löwisch per SMS mit, dass ich im Juni einen anstrengenden Tag erwarte und frage ihn, ob er seine Atomzeitmesser, Millisekundenstoppuhren und Digital-Rückwärtstimer schon in seinen MG eingebaut hat. Seine Antwort, dass momentan noch nicht mal der Tacho funktioniere lässt eine gewisse Grundentspannung in mir aufkommen. Ich lächel. Vielleicht wird ja doch alles gut.

Qualmende Köpfe

Qualmende Köpfe

Die Herren vom Motorsportclub Trittau haben die Veranstaltung fest im Griff und lassen alle Anwesenden bereitwillig an den Geheimnissen erfolgreicher Rallyepiloten teilhaben. Wir lösen weiter Feld- und Straßenaufgaben, ich ein bisschen schneller als meine Nachbarinnen. Nicht weil ich so ein Wahnsinns-Rallye-Profi bin, sondern weil ich noch ein paar Fotos machen will. Was den aufmerksamen Veranstaltern allerdings nicht entgeht, und da wir mit unserem zeitweiligen Gegiggel und unseren Taschenrechnereskapaden schon vorher für Unruhe gesorgt haben, wird nun an meiner Person ein Exempel statuiert. Ich darf die erste Aufgabe gleich einmal schön mit einem Laserpointer an der Leinwand vortanzen, es wird ruhig und alle Argusaugen blicken mich erwartungsvoll an. Ich denke nur „Es ist das Lichtschwert deines Vaters!“ und schlitze Zorro-gleich den rechten Weg in die Präse.

Der lauteste Lästerer darf vorführen...

Der lauteste Lästerer darf vorführen...

And the Oscar goooooes tooooo…… MSC Trittau. Ich danke der Academy. Tanz, setzen, alles falsch gemacht, falsch abgebogen und diverse Regeln nicht befolgt. Mann ist mir das peinlich! Die anderen Jäger der verlorenen Millisekunden haben ein kurzes, unterhaltsames Erfolgserlebnis und ich die Erkenntnis, dass wir vielleicht gar nicht so verkehrt hier sind. Denn ohne die Informationen brauchen wir so eine Veranstaltung gar nicht erst zu beginnen, das geht sowieso in die Hose. Dankbar darum, nicht mit Eselsmütze in die Schmäh-Ecke gestellt worden zu sein (aber ich glaube auch nur, weil ich neben einem Sponsor sitze) gelobe ich weitere Vorbereitung. Das wird wirklich nicht leicht, dann, am 16.06.2012, wenn es von Hamburg nach Kiel kreuz und quer durchs Land geht, minutiös geplant und mit Adleraugen bewertet. Ich muss nochmal mit Roland sprechen. Ich bin ja nur Beifahrer.

http://www.adac-hamburg-klassik.de/

Mit einem beeindruckenden Shakedown startete das ADAC Eifel Rallye Festival (14.- 16. Juli 2011) am Donnerstag. „Wir wussten nicht, wie unsere neue Idee angenommen wird. Der Shakedown in Neichen mit 3.000 Fans hat unsere Erwartungen übertroffen, so viele Besucher hatten wir hier noch nie“, freute sich Organisationsleiter Peter Schlömer. Der kleine Eifel-Ort Neichen mit seinen 150 Einwohnern glich trotz einiger Regenschauer einem wuselnden Fahrerlager und die Fahrer um Walter Röhrl, Harald Demuth, Sepp Haider oder Jochi Kleint schrieben unermüdlich Autogramme.

Sein Vorgänger W123 ist längst ein anerkannter Klassiker, und es scheint so, als ob auch gute Fahrzeuge der Mercedes-Baureihe W124 das Tal der Tränen durchschritten haben. Die Preise ziehen an und liegen inzwischen oft schon über denen des Nachfolgers W210, was unter anderem auf die Qualität zurückzuführen ist. Die brach beim Benz mit dem 4-Augen-Gesicht schwer ein. Trotzdem sollte man auch beim 124er-Kauf sehr genau hinsehen.

 

Wissen Sie, was „MOPF“ ist? Nein? Das ist eine echte Bildungslücke. Zumindest für jeden, der sich für einen W124 interessiert. Grund genug, weiterzulesen, auch wenn wir – zugegeben – mit Lobhudelei beginnen. Allerdings ist die absolut gerechtfertigt. Aber: Bitte halten Sie bis zum Schluß durch. Sonst ergibt sich ein zu einseitiges Bild. Also los: Wenn auch nur eine einzige Auto-Modellreihe auf diesem Planeten das so oft strapazierte Prädikat „Alltagsklassiker“ verdient, dann gebührt dies ohne jeden Zweifel und ohne jede Einschränkung der Mercedes-Baureihe W124 beziehungsweise S124 (T-Modell – wird nachfolgend aber nicht mehr gesondert bezeichnet). Hier erlebt man sie noch die legendäre Mercedes-Qualität, wo die Konstrukteure noch die Oberhand über die Controller mit dem Rotstift hatten. Jedes Detail ist durchdacht und wirkt, als sei es aus dem Vollen gefräst. Die Optik von Exterieur und Interieur ist dabei so „Eighties“, dass sich der W124 jetzt den Zutritt zum erlauchten Club der Youngtimer verdient hat. Das Schöne dabei: Als damaliges Spitzenerzeugnis der deutschen Automobilbaukunst (Mercedes hatte seinerzeit nicht nur den Anspruch, die besten Autos der Welt zu bauen, man konnte ihn auch erfüllen), muss man bei den Fahreigenschaften kaum Kompromisse zu aktuellen Mittelklassefahrzeugen eingehen. Die Motoren arbeiten leise und sind vergleichsweise genügsam (wenn auch speziell die Diesel nicht wirklich „spritzig“ sind), der Fahrkomfort ist nach wie vor völlig Up-to-date, es gab in dieser Baureihe sogar schon ABS, ASR und ESD sowie einen bis zwei Airbags, Servolenkung und Klimaanlage mit Zweizonen-Regelung. Man hat also auch auf langen Strecken im W124 nichts auszustehen und kommt auch nach 1.000 Kilometern Fahrstrecke noch entspannt am Ziel an.

In den Mängel- und Pannenstatistiken des TÜV und ADAC nahm die W124-Baureihe nach wenigen Kinderkrankheiten in der Anfangszeit lange Zeit Spitzenpositionen ein, während sein Nachfolger ziemlich schnell ziemlich weit „nach unten durchgereicht“ wurde. Das lässt sich, wie wir selbst erleben mussten, inzwischen auch in den Gebrauchtwagenpreisen festmachen. Dort klafft die Spreizung der Preisskala des W124 so weit auseinander wie bei kaum einem anderen Auto. Zwischen „fast geschenkt“ und deutlich über 10.000 Euro finden sich schier unendlich viele Fahrzeuge auf den einschlägigen Autobörsen, was es für den Neuling der Szene wie allerdings auch für (Privat-)verkäufer nicht wirklich leicht macht, ein Fahrzeug preislich dort zu platzieren, wo es vom Zustand her auch wirklich hingehört. Allgemein lässt sich feststellen, dass sich die Preise neben dem optischen und technischen Zustand im Wesentlichen aus der Modellgeneration (es gab insgesamt drei), der Laufleistung, der Motorisierung und den Original-Extras zusammensetzen. Sehr grob vereinfacht ergeben sich folgende Extreme: Autos mit weit über 300.000 Kilometern auf der Uhr (auch davon gibt es jede Menge) und großen Motoren (300er-Benziner) gleich superbillig, garagengepflegte „Low Mileage“-Autos bis 150.000 km mit nachvollziehbarer Historie (scheckheftgepflegt), wenigen Vorbesitzern und möglichst vielen netten Extras markieren das andere Ende der Preisskala.

Bei den Typen ergibt sich ebenfalls ein stärker ausdifferenziertes Bild. Ganz oben sind die W124-Cabrios und Coupés angesiedelt, gefolgt von den Kombis (T-Modelle). Das Schlusslicht bilden die zahlenmäßig verbreitetsten Limousinen, wobei die absoluten „Granaten“ 500 E und die AMG-Ausführungen sehr deutlich nach oben rausreißen können. Weniger groß als zu erwarten wäre sind die Preisdifferenzen zwischen jüngeren und älteren 124er-Fahrzeugen, die sich durch zwei größere Modellpflegen (da haben wir es: „MOPF 1“ und „MOPF 2“) unterscheiden. Bei der Ersatzteilbeschaffung sind die Generationsunterschiede gelegentlich doch von Bedeutung. Hier nur kurz die augenfälligsten Änderungen: „MOPF 1“ fand im Herbst 1989 statt und bescherte dem 124er die berühmten „Sacco-Bretter“ an den Seiten sowie dezente Chromaccessoires an den Stoßstangen und Türgriffen. „MOPF 2“ folgte Mitte 1993, kurz nach Einführung einer neuen Motorengeneration, die bei den Vierzylinder-Benzinern die 16-Ventilmotoren brachte und bei den Dieseln unter anderem den überarbeiteten 2,5-Liter-Fünfzylinder, die nun ebenfalls über Vierventiltechnik verfügten. Mit dieser zweiten großen Modellpflege war äußerlich die Einführung weißer Blinkleuchten vorn sowie des Plaketten-Kühlergrills verbunden. Außerdem rückte das „E“ jetzt vor die Ziffernkombination, die den Hubraum bezeichnete. Aus dem 200 E – für „Einspritzer“ – wurde der E 200, aus dem Diesel-Kombi 250 TD wurde einfach der E 250 Diesel, während der Benziner 220 TE zum E 220 T mutierte.

Durch die eiserne Harke der Abwrackprämie wurde der Fahrzeugbestand unlängst noch einmal drastisch dezimiert, was dazu beitrug, dass die Ersatzteillager unzähliger Mercedes-Gebrauchtteilehöker zum Bersten mit W124-Teilen aus Schlachtfahrzeugen gefüllt sind. Doch oft werden auch After-Market-Ersatzteile für den W124 so zahlreich und günstig angeboten (auf Qualität achten! Da gibt es starke Unterschiede), dass sich der Griff ins Gebrauchtteilregal (noch) nicht lohnt. Verschleißteile werden auf dem Preisnieveau von Golf II und III gehandelt. Einmal Bremsen rundum neu (und zwar Klötze sowie Scheiben) sind für weniger als  200 Euro zu haben – billiger als mit dem 124er kann man kein Produkt aus Sindelfingen fahren. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb sich gerade jetzt auch im auto-affinen Umfeld des Autors zufällig immer mehr Zeitgenossen einen W124 zugelegt haben. Genug gelobt. Denn tatsächlich besitzt der W124 nicht nur Sonnenseiten.  Auch wenn er ausgesprochen solide wirkt – unkaputtbar ist auch er nicht.

Die Benz-Mittelklasse hat zwar eine sehr gut verarbeitete und auch insgesamt gut gegen Rost geschützte Karosserie, aber sie ist nicht (wie beim Mitbewerber Audi seit 1986) voll verzinkt, und deshalb ist Korrosion bei den bis zu fast 30 Jahre alten Fahrzeugen durchaus ein Thema. Bei dem es allerdings gleich auch wieder Gutes zu berichten gibt: Wenn 124er gammeln, gammeln sie an lokal begrenzten und sehr typischen Stellen, das heißt, ab gewissen Baujahren ist bei normal bewegten Fahrzeugen an bestimmten Stellen eigentlich immer Rost – und auch Durchrostungen – zu finden. Die meisten dieser Stellen (siehe unten) lassen sich wegen der lokalen Begrenzung allerdings einfach und günstig reparieren. Und weil 124er wegen ihres repräsentativen Charakters und ihrer legendären Robustheit als Geschäftswagen und Taxis eben vor allem auch von Vielfahrern geschätzt wurden, sind sehr, sehr viele Fahrzeuge mittlerweile auch sehr heruntergeritten.

In Verbindung mit erheblichen Wartungs- und Reparaturstaus der Fünft- bis Zehntbesitzer kann man durchaus auch an technische Wracks geraten, die besser als Exportschlager beim wimpelverzierten Libanesen im Industriegebiet stehen bleiben sollten als ihren Weg zurück in deutsche „Sammlerhände“ zu finden. Auch den angegebenen Laufleistungen ist nicht immer zu trauen – der mechanische Tacho ist schnell getauscht, und vom Verschleißzustand lässt sich ein wenig gepflegter 200.000-Kilometer-Benz kaum von einem gut aufbereiteten mit 400.000 Kilometer Gesamtlaufleistung unterscheiden. Die Türen können beim einen wie beim anderen mit dem gleichen satten Geräusch ins Schloss fallen, und man muss doch sehr genau hinsehen, um hier den stolzen vom sterbenden Schwan unterscheiden zu können.
Wie dem auch sei: Der Autor hat „seinen“ 124er jetzt, mit dem er die nächsten Jahre glücklich werden möchte, nun mögen sich auch die AUTOMOBILES-Leser bedienen. Sie sollten dabei folgenden Mängelpunkten besonderes Augenmerk schenken. Ein generelles Wort noch vorab: Wer seinen 124er tatsächlich auch unter Klassiker-Gesichtspunkten erwirbt und nicht nur als Gebraucht- und Gebrauchswagen, der sollte um tiefergelegte Spoilermonster einen weiten Bogen machen, von denen reichlich angeboten werden. Sie dürften auf Sicht längst nicht so werthaltig sein, und auch an dem schwarzen T-Modell des Autors gibt es diesbezüglich noch (überschaubaren) Rückrüstungsbedarf. Hat zum Beispiel zufällig noch jemand einen originalen Kühlergrilleinsatz für die „MOPF2“-Motorhaube herumliegen? …