Als der junge Andreas mit seinem ersten Bonanza-Fahrrad zu einem US-Car-Treffen fuhr, war es um ihn geschehen. Jahre später fuhr er mit frischer Fahrerlaubnis zunächst Chevy Camaro 5,7 Berlinetta und Ford Mustang. Doch die wahren Schätze sollten erst Jahre später in der heutigen Old School Scheune stehen…

Andy´s erste große, in Blech gekleidete US-amerikanische Liebe galt und gilt seinem Ford F-100 Pick-up. Mit dieser im besten Custom Car Stil modifizierten Fahrmaschine  sammelt er fleißig Pokale, zuletzt wieder bei einem US-Car-Treffen in Hamburg. Vielen ist Andy deshalb auch als „Pick-up-Andy“ ein Begriff. In diesem Zuge entstand auch die Oldschool-Scheune in Rahlstedt in Hamburgs Nord-Osten. Dort residieren Andy und Kollegen in der alten Scheune eines perfekt modernisierten, alten Bauernhauses.  Die mit zig US-Automobil-Devotionalien geschmückte Halle besticht durch Rotklinker und alte Holzbalken unter dem hohen Spitzdach. Fotoshootings von bekannten Fotografen wie Carlos Kella finden hier einen würdigen Background. Doch trotz scheinbar perfekten Bedingungen für die Oldtimerei, fehlte Andreas doch noch etwas in seinem privaten Auto-Universum.
Es sollte der Dodge Challenger Convertible aus diesem Bericht werden. Doch wir fragten den nordischen Hünen selbst, wie es überhaupt dazu gekommen ist.

AUTO MOBILES TRÄUME WAGEN: Hallo Andy, fangen wir von vorne an: Wodurch ist Dein unverkennbarer US-Car-Virus eigentlich gepflanzt worden?

Andreas: US-Car-Fan bin ich, seit ich vor vielen Jahren als kleiner Butschie (Hamburgisch: Junge) mit meinem ersten getunten Bonanza-Fahrrad zu einem US-Car Treffen bei uns im Ort fuhr. Nachdem ich den Geruch von Benzin und verbranntem Gummi inhaliert hatte, war ich voll infiziert.

AMTW: Ist wahrscheinlich eine harte Zeit gewesen bis Du den Führerschein machen konntest?

Andreas: Ja genau, als ich dann Jahre später meine Driver´s License in der Tasche hatte, gab es erst ´nen Chevy Camaro 5,7 Berlinetta und danach noch ´nen Ford Mustang.

AMTW: …welche ich hier heute nicht mehr sehen kann…

Andreas: Ich war jung und brauchte das Geld… Also, die Karren mussten wieder weg. Später hab ich dann einfach dort wieder angefangen, wo ich aufgehört hatte. Von dem Zeitpunkt an schlug mein Herz für einen knallroten, geflammten ’55 Ford F-100 Custom Cab, der noch bis heute in meinem Besitz ist. Dazu gab es dann noch einen 1923er Ford T-Model Hot Rod Roadster.

AMTW: Okay, die beiden Pick-ups sind ja Dein Markenzeichen. Doch wie bist Du ausgerechnet auf einen Challenger Cabrio gekommen?

Andreas: Ich besuchte 2008 meinen Kumpel Thorsten und wir waren in seiner Tiefgarage. Eine dieser typischen platzsparenden Klappgaragen, wo zwei Autos übereinander geparkt werden. Bei einer dieser Konstruktionen sah ich durch einen kleinen Schlitz die Rückpartie eines Ami-Cabrios. Ich  fragte Thorsten, ob er zufällig den Besitzer kennen würde, doch er kannte ihn leider nicht.

AMTW: Wie bist Du dann weiter vorgegangen?

Andreas: Es mussten Taten folgen. Ich wartete nun öfter an dieser Garage, bis mir ein älterer Herr die Etage mit dem Ami hoch fahren konnte. Ich sah sofort, dass es ein sehr seltenes Dodge Challenger Cabrio ist. Also deponierte ich mehrere Visitenkarten am Auto, damit der Besitzer mich anruft.

AMTW: Das ist nun aber schon drei Jahre her…

Andreas: Ja, und es begann auch erstmal die Zeit des Wartens, denn fast 2,5 Jahre tat sich nichts, aber auch gar nichts und ich bekam nicht heraus, wem das Fahrzeug gehört.

AMTW: Klingt nach einer harten Geduldsprobe…

Andreas: War es auch. Doch im Frühjahr 2010 bekam ich einen Anruf von unbekannt – es war der Besitzer des Dodge Challenger Cabrios. Nach mehreren Verhandlungen und Treffen kam dann der Tag der Wahrheit. Ich fuhr mit meinem Kumpel zur besagten Garage. Der Wagen war schon ca. acht Jahre abgemeldet und wurde nur ab und zu mit roten Nummern gefahren. Wir wechselten schnell die Zündkerzen und verpassten dem MOPAR eine neue Batterie…

AMTW: …und die Probefahrt konnte starten.

Andreas: Genau, es war soweit, ich drehte den Zündschlüssel und nach kurzer Zeit erklang der Sound eines MOPAR´S in unseren Ohren. Es war geschafft, die Karre lief. Nach der Probefahrt war dann alles klar und der Wagen hatte einen neuen Besitzer.

AMTW: Glückwunsch. Was lange währt… In welchem Zustand hast Du den Challenger denn vorgefunden?

Andreas: Bereits vor einigen Jahren wurden Motor, Getriebe, Servolenkung, Bremsen sowie die gesamte Elektrik generalüberholt. Der Wagen wurde vom Vorbesitzer mit POR 15, einer super Hohlraumkonservierung konserviert, so dass er komplett rostfrei dasteht.

AMTW: Was weißt Du zur Historie?

Andreas: Dieses Auto stammt ursprünglich aus den USA, wo es aus Erstbesitz eines Pensionärs gekauft und nach Europa exportiert wurde. Der Wagen befindet sich in einem sehr guten original Zustand, ist vollkommen unverbastelt und hat eine unglaublich gute, ungeschweisste Karosseriesubstanz. Selbst die unteren Türkanten sind ohne Korrosion. Die Chromteile/Zierleisten des Autos sind dem Alter entsprechend in gutem Zustand, nur Stoßstangen müssten nachverchromt werden (leicht matt, keine Pickel).

AMTW: Was hast Du dann machen lassen?

Andreas: Der Wagen wurde von „Route 66“ in Hamburg instandgesetzt. Bisher wurde gemacht: Radbremszylinder, Wasserpumpe, Simmerringe und Buchsen, Zündung komplett, Kardanwelle, Getriebehals und Tachoantrieb, beide Seitenwände hinten samt Verzinnung, Servopumpe zerlegt und überholt, Startautomatik überholt, Feststellbremse instandgesetzt, Lenkgetriebe überholt, Schläuche und Kühler ausgetauscht, diverse Verschleißteile ersetzt.

AMTW: Also technisch alles i. O. jetzt. Es folgt die Optik…

Andreas: Jup, die Verdeck-Persenning kommt neu, alle Sitze werden neu gepolstert und bezogen, Teppich und Lack kommen neu, dazu ein komplett neues Fahrwerk, Bremsanlage und eine neue 2,5″ Dynomax-Auspuffanlage mit Fächerkrümmern. Dann steht er wie aus dem Osterei gepellt da! Und ich freue mich schon auf die Saison 2011!

Epilog: Nach der gemeinsamen Ausfahrt ins Grüne können wir zusammenfassen: Der Wagen ist für sein Alter in einem wirklich guten Gesamtzustand, rost- und unfallfrei. Die gesamte Elektrik funktioniert einwandfrei. Der Smallblock und das Getriebe laufen dank Ihrer kompletten Überholung sehr geschmeidig, die Lenkung hat kein Spiel und die Start- und Verdeckautomatik funzen auch. Trotz der noch ausstehenden optischen Arbeiten, meinte Andreas zu recht: Reinsetzen und losfahren…

Technische Daten
Dodge Challenger Convertible

Baujahr:

1971 aus der 2. Produktionshälfte aus Hamtramck-Michigan, dem „Dodge Main“ -Standort bis zur Schließung 198

Motor: originaler 318 cui, 5,2 Liter V8 Block, 230HP
Getriebe: 3-Gang-Automatik A904
Bereifung/Felgen: vorne 205/70 HR14, hinten 245/70 HR14 auf orginalen Dodge „Road Wheels“ mit Zierringen
Scheiben: allesamt Color verglast, Frontscheibe mit getöntem Streifen
Verdeck: Faltdach in Stoff weiß mit Heckscheibe aus Glas, alles heil ohne Risse und automatisch betätigt („power operated top“, Code P37)
Specials: original fender tag & built sheet, Kennwood Stereoanlage, 4-Speichen Lanzer-Chromlenkrad

Info für Shootings in der Oldschool-Scheune über: www.model-kartei.de/sedcard/fotostudio/126905/

Bilder: Christian Böhner

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