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Die hohen Flossen werden in den kommenden Jahren dezent breiter, die Linie des Galaxie wird begradigt und bekommt im Rahmen von General Motors‘ umfassendem Re-Design der Modelle die schlichte Schönheit der 60er Jahre. Die neue futuristische Linie löst sich vom bulligen Raketendesign der 50er und strebt weiter hinaus ins ferne Weltall. Obwohl man noch nicht einmal auf dem nur 300.000 Kilometer entfernten Mond gelandet ist, kommt das gut an. Das findet auch die „International Fashion Authority“ in Italien und verleiht dem Beau 1961 den prestigereichen Preis für die „funktionelle Umsetzung von klassischer Schönheit“. Und ja, funktioneller kann man kaum von a nach b kommen. Zumindest, was körperliche Arbeit am Steuer betrifft. Die Liste der möglichen Ausstattungen des Galaxie wächst in unermessliche Dimensionen und umfasst alles, was elektrisch oder hydraulisch automatisiert ist. Elektrische Fensterheber, Servolenkung, Servobremsen. Elektrische Sitzbank vorn, Zweizonenklimaanlage, elektrisch abblendbarer Spiegel. Gimmicks wie das „Continental Kit“, Bordsteinwächter, Haubenornamentik oder elektrische Scheibenwaschdüsen lassen den preiswerten Wagen in eine neue Luxusklasse gleiten. Der 1963er Galaxie ist inzwischen einer der meistbegehrten Ford aller Jahrgänge. Ford baut mutig Aggregate unter die Hauben, die eher als Triebwerke für Raumgleiter denn als Motoren für Automobile durchgehen würden. Alle preisbewussten Street-O-Nauten wählen den als „Meilenfresser“ bekannten kleinen Reihensechser mit 3,7 Litern (223 cui) Hubraum, obwohl das nicht unbedingt notwendig ist. Die Gallone Benzin (also rund 3,8 Liter) kostet etwa 30 US-Cent, bei heutiger Kaufkraft und nach Inflationsbereinigung wären das 1,40 Euro oder rund 37 Cent pro Liter. Da darf es dann schon ein bisschen mehr sein, damit das Space-Race nicht schon an der ersten Ampel verloren wird.

Aus dem Thunderbird werden der 352er-V8 (220 PS), der 390er 4V-V8 (300 PS) und der 406-High-Performance-V8 mit Dreifachvergaser (405 PS) angeboten. Etwas später gibt‘s für wenige Exemplare und Käuferchen Nimmersatt den 427er High-Performance-V8, unter Fans „Secret Weapon“ genannt. Mit seinen sieben Litern Hubraum (427 cui, daher der Name) und zwei Vierfach-Vergasern entfesselt er 425 PS und ist heute eine der begehrtesten Motorisierungen im Galaxie – auch wenn er das Benzin frisst wie das Schaufelrad einer Wassermühle den Fluss. Es war ja genug da, und es war nicht teuer.

Logbucheintrag Nummer 2
Raumschiff Galaxie
Captain Jens

*aufdringliche Elektronikfachmarkt-Werbemusik*
Wir bewegen uns in anderen Zeiten als damals. Im Jahr 2014 ist das Interesse an der Raumfahrt verschwunden. Der Mond ist langweilig, mit einem durchschnittlich gut gewarteten Mercedes-Turbodiesel schafft man die Strecke hin und zurück mit einem einzigen Motor. Unspektakulär. Endlich ist La Luna wieder nur noch ein orangeroter Himmelskörper in romantischen Sternennächten, wenn überhaupt will man jetzt zum Mars fliegen. Nach ein paar Jahrzehnten der Freundschaft sind Ost und West endlich wieder böse aufeinander. Zwar richten sie keine unsexy Atomraketen mehr auf den anderen, aber um Uneinigkeit bei Besitzansprüchen von Ländern und einspringende Bündnisse geht es heute wie damals. Zeitgeist sieht man nicht mehr im Design aktueller Autos, hier spiegelt sich eher eine nicht therapierbare Liebe zu Altglascontainern wieder. Oder vielleicht auch der Hass einiger Designer auf zickige Exfrauen, die sie nach erfolgreicher Ehetrennung nun mit ostereiförmigen Großraumkatastrophen, kotzefarbenem Plastik und rebellierenden Schiebetüren bestrafen. Irgendwann bekommt eben jeder seine Genugtuung.

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