Was weggerottet ist, wird neu gemacht: kein Problem bei den Experten des Karosseriebaues. Die Motoren werden in alle Einzelteile zerlegt und überarbeitet

 

Restaurieren lohnt sich – für alle

Ärmer wird hier übrigens niemand. Aston Martin verdient gut an den alten Wagen, der Besitzer eines restaurierten Autos muss nur ein paar Jahre warten, dann hat er den Einsatz dicke wieder raus. Wie bei anderen Marken auch schießen die Preise für gute Stücke mit Historie in die Höhe.

Heckmotor? Mitnichten. Aston Martin restauriert nur Originale nach Originalplänen. Bis hin zu Prinz Charles lässt die Upper Class ihre Schätze hier pflegen

Vermehrt wird übrigens auch das Wissen der AM-Schrauber. Da hatten sie doch einst einen DB4 zum Restaurieren, und als sie fast fertig waren, merkten sie, dass ihre neu gebauten Alu-Heckteile alle nicht passten. Die Lösung des Rätsels: Tatsächlich war der DB4 ein „one-off“ – nur dieses einzige Exemplar wurde damals mit einem Heck ausgeliefert, das vier Zentimeter schmaler war. Also wanderte die mühevoll gedengelte Alu-Konstruktion in den Müll, es wurde eine neue, passende hergestellt.

An Vorkriegsautos machen sich die AM-Werker allerdings nicht heran. Bei nur rund 700 existierenden Stück lassen sie die Arbeit den Werkstätten, die sich darauf spezialisiert haben. Sie haben genug zu tun mit den Spezialaufträgen – wie die Restauration eines DB2, der im Wald auf dem Dach liegend aufgefunden worden war. Jemand hatte durch die Haube den Motor erschossen – zum Glück saß als Antrieb eine ordinäre Volvo-Maschine darunter. Auch der Besitzer eines DB4 stellte das Team vor eine merkwürdige Aufgabe: Der wollte, dass das Leder seines Autos nach einer Mischung aus Großvaters Pfeifentabak und den Ausdünstungen eines nassen Hundefells riecht. Dem Mann wurde tatsächlich geholfen.

Solche spleenigen Aufträge können wahrscheinlich gar nicht in einer sauber gelutschten Werkstatt erfüllt werden. „Ich lass´ das extra alles so hier,“ sagt Firmenchef Dr. Ulrich Bez, der uns auf dem Rundgang begleitet und unserer Frage zuvor kommt, ob hier schlicht Geld fehlt oder da jemand Gespür für Atmosphäre hat, „ich finde, es ist ein toller Kontrast zur Werkstatt.“ Dann holt er seine kleine Kamera raus und knipst mit Ausdauer und Akribie die Nähte, Falze und Nieten, die hier gezogen, gefaltet und gedengelt werden.

Wahre Ordnung herrscht nur in der Lackierkammer. Doch das stört Aston-Martin-Chef Dr. Ulrich Bez nicht. Im Gegenteil: Er findet, dass altes Flair zu alten Montagehallen passt. Und fotografiert Alu-Teile fürs Privatalbum

Wahre Ordnung herrscht nur in der Lackierkammer. Doch das stört Aston-Martin-Chef Dr. Ulrich Bez nicht. Im Gegenteil: Er findet, dass altes Flair zu alten Montagehallen passt. Und fotografiert Alu-Teile fürs Privatalbum

 

So wird doch noch ein bisschen Erbe von Traktorenhersteller David Brown bewahrt, der 1946 die Möglichkeit zum Kauf der einst siechenden Firma in einer Kleinanzeige fand und den Hauptsitz samt Produktion nach Newport Pagnell verlegte. Das heute mehr als 10.000-Seelen-Dorf 50 Kilometer nördlich von London ist sonst nicht wirklich berühmt – die einzigen Highlights sind die eiserne Brücke über den Lorat von 1810, der Senf der Familie Taylor (seit 1830) und die alte Kirche, deren Umrundung ein Weg aus alten Grabsteinplatten ermöglicht.

David Brown zog 1955 mit einem Teil der Aston-Martin-Produktion in die altehrwürdigen Hallen der Salmons-Brüder, die hier Anfang des Jahrhunderts Kutschen bauten. Später wurden hier unter dem Namen Tickford Karosserien für Austin und Rolls-Royce produziert, Brown ließ hier seinen DB2/4 einkleiden.

Fast 50 Jahre lang entstanden hier die Wagen, die nie den Ruf der Perfektion innehatten, aber immer für englischen Sportsgeist, Stil und Kraft standen. Nach der Installation des firmeneigenen Handelsortes können wir sicher sein, dass hier noch lange überdurchschnittlich viele Aston Martin herumfahren werden…

 

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