„Wir machen alles möglich“

Wenn wir schon mal in Goodwood sind, können wir auch gleich mal bei Rolls-Royce reinschauen. Denn im Garten von Lord March steht seit neun Jahren die Fabrik, die laut Mythos die besten Autos der Welt herstellt. RR-Chef Torsten Müller-Ötvös steht Frage und Antwort.

TRÄUME WAGEN: Herr Müller-Ötvös, was müssen Sie mitbringen, um so eine traditionelle Firma wie Rolls-Royce zu leiten?

Torsten Müller-Ötvös: Es ist wichtig, zu verstehen, was „britishness“ ist. Ich mag den Humor der Briten, ich mag die Hingabe an ihre Automarken, die alle einen starken Charakter haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass ich einen guten Zugang zur britischen Kultur habe. Die Synergie deutscher Ingenieurskunst und Managementprozessen gepaart mit exzellenter britischer Handwerkskunst ist perfekt. Das erkennt man auch in England.

TW: Wie wird sich der Luxuswagenmarkt entwickeln?

Müller-Ötvös: Studien unter den High Net Worth Individuals zeigen vor allem in Asien ein Wachstumspotential von circa fünf Prozent. Solange die Produkte attraktiv sind und wir weiterhin das beste Automobil der Welt  anbieten, hat Rolls-Royce eine glänzende Zukunft.

TW: Reicht dafür die Kapazität der Fabrik hier in Goodwood?

Müller-Ötvös: Wir rechnen hier nicht in Volumen, das wäre völlig falsch für eine Luxusmarke wie Rolls-Royce. Unsere Kunden mögen es, wenn sie ihr Automodell nicht an jeder Straßenecke entdecken.

TW: Und Ihre Bespoke-Abteilung sorgt dafür, dass sich selbst die wenigen Exemplare nicht gleichen?

Müller-Ötvös: Wir sind mit Bespoke sehr erfolgreich. Mehr als 90 Prozent aller Phantom werden hier individualisiert und immerhin rund 65 Prozent aller Ghost. Aufgrund der großen Nachfrage erweitern wir momentan die Produktionskapazitäten für Bespoke hier in Goodwood, der Heimat von Rolls-Royce. Hier erfüllen wir absolut jeden Kundenwunsch, das Limit ist die Phantasie unseres Kunden.

TW: Jeden Kundenwunsch? Sogar andere Karosserieformen?

Müller-Ötvös: Da sind selbst uns Grenzen gesetzt. Wir haben tatsächlich ab und zu Anfragen zu völlig eigenständigen Karosserien. Aber die gesetzlich einzuhaltenden Auflagen in Sachen Fußgängerschutz und Crashauflagen machen eine Einzelabnahme nahezu unmöglich.

TW: Gibt es für Rolls-Royce Grenzen des guten Geschmacks?

Müller-Ötvös: Geschmack liegt im Auge des Betrachters. Es ist nicht unsere Aufgabe, darüber zu urteilen. Zudem wirken Farben und Lackierungen in südlichen Gegenden zum Beispiel völlig anders als hier in Deutschland.

TW: Was waren bislang die ausgefallendsten Wünsche?

Müller-Ötvös: Dazu gehören außergewöhnliche Farbkombinationen und der „Starlight Headliner,“ also individuelle Sternenbilder im Dachhimmel.

TW: Stimmt es, dass ein großer Teil der RR-Kunden ihre Autos inzwischen selber fahren?

Müller-Ötvös: Das ist richtig. Die Phantom-Limousine wird jedoch zu gegebenen Anlässen, wie der Fahrt in die Oper oder ins Restaurant, von einem Chauffeur gefahren. Rolls-Royce Phantom Coupés und Drophead Coupés werden grundsätzlich selber gefahren. Der Ghost wurde als beste Business-Limousine entwickelt und da sitzt der Kunde gerne selbst am Volant.

TW: Alle Welt redet von Downsizing bei den Motoren. Wie steht Rolls-Royce dazu?

Müller-Ötvös: Unsere Kunden verzichten nur ungern auf einen Zwölfzylinder. Zwölfzylinder sind leise, laufruhig und herrlich anzusehen und bilden damit nicht zu unrecht auch die Spitze des Motorenbaus.

TW: Und wie ist das Concept-Car 102 EX angekommen, der Phantom mit reinem Elektro-Antrieb?

Müller-Ötvös: Die Kunden mochten die Stille und den Komfort, mit dem das Auto fährt, aber sie wollen keine Kompromisse eingehen. Eine Reichweite von 120 Kilometern und eine Ladezeit von acht Stunden sind nicht akzeptabel.

TW: Von der Zukunft in die Vergangenheit: Sie haben hier kein Rolls-Royce-Museum. Wollen Sie keines?

Müller-Ötvös: Natürlich wäre das schön, aber wir haben momentan noch andere Prioritäten und konzentrieren uns auf das Kerngeschäft. Unsere Liebe zur Historie leben wir in einer wachsenden Anzahl historischer Fahrzeuge in unserem Bestand aus, die weltweit auf Sternfahrten eingesetzt werden.

Kein Goodwood ohne: Unser Redakteur Roland Löwisch läßt sich im Rolls-Royce über den Rundkurs chauffieren

Fotos: Rolls-Royce, R. Löwisch

 

 

 

 

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