Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Ego? Geld? Ein Auto im Einser-Zustand? Unwichtig. Es gibt Momente im Leben – da macht einen ein abgeschrabbelter Wagen so glücklich, dass nichts anderes mehr zählt.

Und warum ein V8-Motor?“ fragte mich der seriöse Mensch mit dem Einstecktuch. Der seriöse Mensch hatte sich just einen Mercedes 300 SL gekauft, wie ich erfuhr. Baujahr 1989, geleckter Originalzustand. Meine Möhre stand eine Autolänge weiter, auf dem Hof der Werkstatt unserer beider Vertrauen. Wie ein räudiger Köter sah mein 380 SL neben seinem Klassiker aus, ungeachtet des neuen Ersatzteils unter der Haube für mehrere hundert Euro, von dem ich bis heute nicht weiß, wie es heißt. Ich durchstöberte mein Hirn nach einer Antwort und versuchte unauffällig, einen Fettpropfen von der Stoßstange meines Wagens zu entfernen, den die konservierte Motorhaube wegen der Sommerhitze ausgeschieden hatte. „Klingt besser“, murmelte ich, während ich versuchte, die sämig-gelbe Molasse, die sich an meinen Händen befand, wieder loszuwerden. Der seriöse Mensch lächelte dünn und kehrte mir seinen halben Rücken zu.

Vielleicht hätte ich erwidern sollen, dass ich keine bescheuerte Anwaltskarre haben wollte, mit doofen sechs Zylindern, einem klitzekleinen Dreiliter-Motor und hässlichen Kanaldeckel-Felgen. Einen Wagen, den man nur als Wertanlage sieht, der nie gefahren wird, dessen Originalzustand wichtiger ist als seine Seele. Aber das wäre ungefähr genauso cool gewesen, als hätte ich die Antwort getanzt.

Vielleicht gab es keine Antwort. Vielleicht gab es nur die Erlösung, die folgte. Zwei Minuten später stieg ich in mein Auto und fuhr langsam vom Hof, vorbei am Klassiker des seriösen Menschen. Eingefangen vom Blubbern, Blobbern und Raunen des Motors, mit klebrigen Fingern an dem zu großen Lenkrad, das zuviel Spiel hat. Es war der letzte sonnige Tag, viel Zeit blieb nicht mehr, bis die Blätter fielen und der Wagen sich ins Dunkel der Garage verkroch, um zu überwintern. Das Krächzen der Krähen hatte bereits ein herbstliches Echo, und wenn man seinem Wagen nur fünf Minuten den Rücken zudrehte, hatten Spinnen alle Seitenspiegel mit ihren Netzen versponnen. Ich fuhr über Umwege nach Hause, der Motor hustete ein bisschen heiserer als sonst, knarzte kommod, röhrte maliziös, stank köstlich-bläulich zum Himmel.

Den hellsten (und saubersten) Eindruck hatte ich eben nicht hinterlassen, doch im Grunde war es egal. Der Sommer war lang, die Gespräche mit anderen Petrol-Spinnern erquicklich, und dieser Wagen war so eine Freude – was macht es da aus? Nichts. Aber sein Einstecktuch hätte mir der seriöse Mann doch anbieten können, damit ich mir die Finger abwischen kann.

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Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Der TÜV, die HU – alle Doppeljahre wieder steht die Prüfung der Gebrauchtwagen bevor. Also uns – und man weiß ja nie, was da alles zu Tage tritt. Ich zum Beispiel hab mein Auto noch nie von unten gesehen

Es ist Fluch des deutschen „Daily Drivers“ aus den 70ern: Während die überschaubare Technik noch heute gelobt wird, ließ die Rostvorsorge in jenem Jahrzehnt mehr als zu wünschen übrig. Falznähte blühen, Schweller knuspern und Stehbleche bröseln. Mal offen, mal im Verborgenen, da geben sich Audi, Mercedes, Opel, Ford und VW den Türöffner in die Hand. Ich rolle in der Mittagspause noch schnell zu meiner Leib- und Magen-Prüfstelle in Kiel, um einen Termin zu machen. Davor will ich allerdings in Ruhe am alten Blech rütteln und richten, was gerichtet werden muss.

„Ist grad ruhig, fahren Sie den mal gleich vor…“ Huch? Völlig unvorbereitet stehe ich mit dem Schlüssel in der Hand vor meinem Auto, was unter meiner Regie noch keine HU bekommen hat. Seit zwei Jahren fahre ich den nur sporadisch, Sommer wie Winter. Ich lag noch nie drunter, das war schlicht nicht nötig. Glaube ich. Was mag der Mann alles finden? Festgegammelte Bremsen? Ölverlust? Legt er mein H-Baby gleich still? Ogottogott. Während der Meister die Papiere abtippt, tausche ich schnell heimlich die gelben H4-Lampen gegen die weißen im Handschuhfach, man will ja niemanden provozieren.

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Er rüttelt, er stochert, er leuchtet. Dabei pfeift er ein Lied, das ich nicht kenne. Sichtlich zufrieden kommt er aus seiner Grube wieder nach oben. „Wie sind Sie denn dem Rost Herr geworden, der war ja bei diesem Modell quasi mit eingebaut?“ Ich murmele was von „Hohlraumkonservierung“ und „guter Pflege“ und beteure ohne rot zu werden, immer brav alles machen zu lassen. Der gute Mann misst die Abgaswerte und ist zufrieden. Er prüft das Licht, justiert hier ein, biegt da den Nebelscheinwerfer etwas nach oben und ist erneut zufrieden. Der alte Audi hopst brav vom Bremsenprüfstand runter, alle Seiten ziehen gleichmäßig. Noch immer zweifelnd warte ich auf den obligatorischen Satz „Auf so einem habe ich damals gelernt, den kenne ich in- und auswendig.“ Aber der kommt nicht. Professionell schweigend wackelt der Mann überall da, wo es wackeln könnte und ist zufrieden. Und *zack* ist die frische Plakette hinten drauf.

Ich folge ihm wie das Küken der Ente in sein Büro, bezahle mein Geld, setze mich in meine alte Karre und kann es kaum glauben. Zwei Jahre Ruhe. So einfach kann das gehen? Beim Starten orgelt er plötzlich ein bisschen länger als sonst, springt dann aber brav an und bläst eine blaue Ölwolke in die Luft. Sollte ich diesem Auto vielleicht doch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit schenken als in der Vergangenheit? Er scheint es verdient zu haben.

Ich fahre zurück zur Arbeit. Und bin zufrieden…

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Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

In Deutschland muss das Licht am Auto vorn weiß und hinten rot sein. Bei mir ist es gelb.
Und das ist weniger einleuchtend als ich
 bislang geglaubt hatte

Alles ist in diesem deutschen Land geregelt und schriftlich niedergelegt. Und das ist häufig auch gut so. Aber auch bei Autos auf deutschen Straßen? Da soll das Licht nach vorne weiß leuchten, die Blinker gelb. Hinten strahlt die Beleuchtung rot, die Rückfahrscheinwerfer weiß und die Blinker wieder gelb.

Immer? Nee, nicht immer: Alle meine Autos haben seit einem Urlaub in Frankreich anno 1996 gelbe Lampen vorn in den Scheinwerfern. Das sieht nicht nur cool aus und hat für die entgegenkommenden Menschen bei Dunkelheit einen gewissen Wiedererkennungswert – das hat auch besonders in den Übergangsmonaten handfeste Vorteile. Denn gelbes Licht wird vom Nebel nicht so sehr gestreut wie weißes und durchdringt ihn besser. Eine von gelbem Licht illuminierte Straße wird vom menschlichen Auge wesentlich konturierter und kontrastreicher wahrgenommen, und gelbes Licht lässt die Augen bei längeren Reisen nicht so schnell ermüden. Diese Vorteile werden auch in gelben „Nachtsichtgläsern“ vereint, die ich aber nicht tragen will, weil ich dann bei der nächsten Verkehrskontrolle als potenzieller Sniper aus dem Verkehr gezogen werde.

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Trotzdem ist gelbes Licht inzwischen nicht mal mehr in Frankreich erlaubt. Warum? Vielleicht, weil es einen Hauch weniger Helligkeit als das weiße bietet. Und weil in Deutschland nun mal weißes Licht sein muss. Ob das Thema Helligkeit immer in Größenwahn enden muss, kann übrigens jeder beantworten, dem schon einmal ein Neuwagen mit Xenonstrahlern der dritten Generation entgegen gekommen ist. Die Verbrennungen auf der Netzhaut leuchten noch tagelang nach. Also fahre ich mildes, warmes Gelb. Ich Rebell.

In den vergangenen fast 20 Jahren bin ich nie (deshalb) angehalten worden, aber vor kurzem war‘s dann so weit. „Schön‘ guten Abend, allgemeine Verkehrskontrolle, finden Sie nicht auch, dass Ihre Scheinwerfer ein bisschen zu gelb leuchten?“ Ich verneinte dies. Schließlich seien das offizielle H4-Glühlampen, die man bei Audi am Tresen ordern könne. Und das stimmt sogar. Froh, nicht so eine Nachtsichtbrille zu tragen, händigte ich dem Ordnungshüter meine Papiere aus und bereitete mich auf eine Farbendiskussion vor, als neben uns an der Kreuzung ein Golf IV hielt. Die Bässe von innen ließen die Scheiben vibrieren. Das Abblendlicht vorn schimmerte blau, und nach dem fliegenden Start an uns vorbei sahen wir grüne Rücklichter in der Nacht verschwinden.

Der Polizist gab mir hektisch die Papiere wieder, schaute mir dann ein bisschen länger in die Augen als nötig, wünschte mir einen schönen Abend und jagte mit Kollege und Streifenwagen dem Golf hinterher.
Bei mir bleibt’s gelb. Mal sehen, wann der nächste Deutsche etwas gegen sinnvolle Veränderungen hat…

 

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Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Ein analytischer Abgesang
 auf den Verbleib des linken Arms

Lange Autofahrten bringen seltsame Erkenntnisse. Mein rechter Arm liegt wie immer auf der nach ihm benannten Armlehne. Aber der linke? Was macht denn der eigentlich so?

Der lässig auf der oberen Türkante liegende Ellenbogen. Das geht natürlich nur dann, wenn so eine Kante auch da ist. Also nicht im Fiat Panda oder im Renault Twingo. Im besten Fall liegen die Finger entspannt lenkend um die nahezu weiblichen Formen des Lederlenkrads, senden leichte richtungsgebende Impulse und lassen die Fuhre am liebsten geradeaus den Highway entlang gleiten. Ungeeignet für dänische Kreisverkehre.

Hat man festgestellt, dass man so von draußen ziemlich prollig aussieht, rutscht der Oberarm ganz automatisch runter auf dieses Mittelding in der Tür, von dem ich gar nicht weiß, wie es heißt. Die Hand, eben noch den äußeren Orbit des Volants erkundend, ruht nun elegant mittig. Auch jetzt sind nur marginale Kurskorrekturen möglich, aber an Wildwechsel denke ich heute um diese Uhrzeit nicht.
Fast in einem haptischen Erlebnis mündend ist das Fahren mit der Hand in der Mitte des Lenkrades, den Ellenbogen dabei auf dem linken Oberschenkel ruhend. Hierbei können die sensiblen Fingerkuppen voller Zärtlichkeit das Steuer ertasten. Völlig verzaubert von meiner Macht über die Technik fällt mir auf, dass ich so positioniert permanent am Hupen bin. Peinlich. Ich nehme die Hand von dieser sensiblen Stelle und bedaure zutiefst, jetzt vielleicht doch einen Wildwechsel ausgelöst zu haben.

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Oben ist die Hand besser aufgehoben, nicht minder prollig aussehend habe ich so das Ruder wieder fest im Griff und kann auch den Arm wieder einmal durchstrecken. Obwohl mich weit und breit niemand sieht, ist mir diese Position peinlich. Der Gasfuß wird härter, die Musik lauter, mein Blick aggressiver und… NEIN! Was geschieht hier? Das Rätsel ist gelöst, es ist die Position des linken Armes, die den Piloten eines tiefer gelegten Kleinwagens zu dem macht, was er ist! Schnell lasse ich los und greife in die… Fahrschulhaltung. Oberes Drittel des Steuers, beide Hände fest (aber nicht verkrampft) das Leder umgreifend und weiter geht’s. Tatsächlich habe ich in dieser Position umfangreiche Kontrolle über die vielen Hebel am Lenkstock, komme nun von beiden Seiten an die Hupe ran und kann in Notsituationen sofort ausweichen, bremsen und abblenden. Aber schon nach kurzer Zeit werde ich müde. Meine Ellenbogen hängen unmotiviert im Auto rum, die Brustmuskulatur fühlt sich beansprucht an und die Straße ist einfach zu gerade für die möglichen Boshaftigkeiten, denen es auszuweichen gilt.

Das Lenkrad meines Autos hat glücklicherweise auch ein lockeres Unten. Bin ich nicht langsam mal da? Nein, aber wenigstens bin ich noch auf der geplanten Strecke, trotz der vielen Gedanken und Positionen. Wir haben hier sozusagen eine Art Kamasutra der Langstrecke, Haut (Rind) auf Haut (meine Hand), tiefes Vertrauen zueinander und die haptischen Erfahrungen der Interaktion Mensch – Maschine. Vielleicht sollte ich mal eine Pause machen und einen Kaffee trinken. Und dann geht das alles wieder von vorne los, Türoberante, Türmittel-Dings, …

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Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Wie sieht das Auto der Zukunft aus? Sitzen wir in
kleinen Würfeln, die von der NSA überwacht werden? Gibt es nur noch Fahrräder? Schön wär’s. Die Antwort ist viel 
schlimmer. Sie ist öde.

Wir schreiben das Jahr 2039. Ich steige in einen Jaguar „Project 7“ mit Elektromotor, der Name steht für die sieben Siege beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Lautlos zischt er durch die Stadt, aus der Stadt, 
auf die Landstraße. Der Wind umsäuselt den Überrollbügel und die Rückenflosse, herabgefallene Birkenblätter tanzen auf der Straße 
Ringelreihen, die Luft über dem Asphalt schillert seifenblasenheiß. Dann ist auch mal Schluss mit Ruhe. Ein Wort genügt, der Motor brüllt auf, es klingt nach 575 PS und nach Fünfliter-V8-Kompressor. Okay, der Sound kommt zwar nur aus dem Sound-Aktuator, aber wen stört das schon.

Man wird ja noch mal rumspinnen dürfen! Macht jeder, oder? Haste gedacht, nochmal fette Schnecke. Denn wenn man sich die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und der Autobörse Autoscout24 zum Thema „Unser Auto von morgen“ ansieht, die vergangenes Jahr erschien, sind Menschen ungefähr so einfallsreich wie festkochende Speisekartoffeln. Abgefragt wurden unter anderem die Erwartungen an ein Auto der Zukunft, Kosten, alternative Antriebe und Design. Was könnte man sich alles ausmalen!? Dass wir auf Käsescheiben gleiten. Avatare zum Arbeiten schicken, während wir in der Badewanne liegen und Löcher in den Schaum bohren. Oder dass sich jeder seinen Traumwagen am 3D-Printer ausdrucken kann.

Tja. Haste gedacht, fette Schnecke. 92,8 Prozent wünschen sich nämlich – „Maximale Sicherheit“. Fast 70 Prozent möchten außerdem ein eigenes Auto besitzen, das ihr Bedürfnis nach Privatsphäre erfüllt. Soviel zum Thema „Car Sharing“. Dazu hätten „zwei Drittel gern als zentrales Kriterium beim Fahrzeugdesign eine kosteneffiziente Gestaltung (62,5 Prozent)“, nur etwas über 42 Prozent finden, dass es radikal anders aussehen darf. Wie öde! Kein Wunder, dass man die Autos heutzutage kaum mehr auseinander halten kann. Doch so ticken wir Menschen eben. Ängstlich, pragmatisch, preisbewusst. Leidenschaftslos. Es ist ungefähr so, als würde ich von einem T-Bone-Steak zukünftig erwarten, dass es mich mit einer ausgewogenen Mischung von Mineralstoffen und Vitaminen B1, B6 und B12 versorgt, dass es mich nicht fett macht und ich es bloß mit niemandem teilen muss. Ach ja, und wenn es nichts kostet, wäre es auch schön, wenn kein Tier dafür leiden muss.

Da lege ich mich doch gleich in die Wanne, bohre Löcher in den Schaum und phantasiere von fliegenden Käsescheiben, vom „Project 7“ und tanzenden Blättern im Wind. Und danach gibt’s ein blutiges Steak.

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Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Sommerzeit – Reisezeit. Viele fahren mit dem Auto. Und haben Kinder hintendrin.
 Ohgottohgott…

Na, da hab ich mir ja was eingebrockt. Gerade noch haben meine beiden Mädels auf dem Rücksitz entrückt auf ihre Smartphones geglotzt, ihren Welten über Facebook uninteressanten, Zeit fressenden Kram mitgeteilt oder schweigend Filme geguckt. Das finde ich unkommunikativ, das geht schließlich schon seit unserer Abfahrt in Kiel so. Und wir sind bereits in Kassel. Also Ohrstöpsel raus: Mädels, spielen wir doch mal – so wie ich damals mit meinen Eltern – ein paar lustige analoge Reisespiele.

Was für eine Schnapsidee.

Beim Nummernschilder-Raten sind beide um Längen besser als ich (später komme ich drauf, dass die kleinen Hinterlistigen die Antworten heimlich hinter den Frontsitzen googeln). Beschämend – denn ich verliere nicht gern. Bei „Ich packe meinen Koffer“ werden so schräge Sachen wie Bench-Jacken, Yankees-Fan-Caps oder iTunes-Geschenkgutscheine mitgenommen, und die Kids merken sich einfach alles. Ich bin zu alt dafür – und weil ich schlecht vorbereitet bin, fallen mir noch nicht mal mehr als diese zwei Spiele ein. Und das ist fatal, denn heutige Teenager können sich innerhalb von Millisekunden zu Tode langweilen. Was haben meine Eltern damals gemacht? Haben sie sich vielleicht 1980 scheiden lassen, weil diese Urlaubsreisen ohne Tablets oder Smartphones schlicht unerträglich waren? Vielleicht.

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Ihres freien Willens/Handys beraubte und gelangweilte junge Frauen sind schlimm. „Boah, wie lange fahren wir denn jetzt noch?“ Oder später: „Können wir endlich mal anhalten? Ich muss mich nachschminken…“ Ja: Die Geister, die ich rief…. Auch mein Vorschlag, die beiden die Musik aussuchen zu lassen, verkürzt meine Lebenserwartung um mehrere Jahre. Meine Musik kennen oder wollen sie nicht („Alte-Leute-Musik“), also stöpseln sie eines ihrer Smartphones an das Radio. Nachdem 42 basslastige Tracks, in denen meist ein minderjähriger schwarzer Checker was über das harte Leben in den Straßen erzählt, nur kurz jeweils angespielt werden („nee warte mal das nicht, hier, das. Nee, das. Oder….“) schlage ich vor, doch selbst was zu singen und ernte Gelächter. War auch ne blöde Idee.

Und natürlich kommt schließlich der Stau kurz vor Göttingen an der Baustelle. Die Mittagssonne brennt, ich biete Mineralwasser und Äpfel an. Nein, das ist zu öde. Ob es denn noch weit sei bis nach Südfrankreich, und ob es denn auf dem Campingplatz definitiv ein W-LAN gebe…? Die Unruhe da hinten wächst minütlich, und irgendwann ziehe ich den Stecker: Kapitulation vor dem ewig Gestrigen. Raus auf den Rastplatz, alle mal pieseln und pinseln. Dann jeweils ein glücklich machendes BigMac – Menü beim Burgerbrater, mit Cola und Eis. Anschließend ab auf den Rücksitz, Handys raus und wieder Filme gucken – ich erteile die offizielle Erlaubnis. Und all überall ist Frieden und Ruhe. Über hunderte von Kilometern.

Wie war das eigentlich damals, als es diese Elektronikdinger noch nicht gab? Ich werde meine Mama fragen. Irgendwas zum Eltern-nerven werde ich wohl auch gefunden haben…

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Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Doris S. aus B.: Ich habe meinen Mann wirklich gern – aber wie kann ich ihm beibringen, sich nicht immer auf zwei Parkplätze gleichzeitig zu stellen?

Liebe Doris! Nichts gegen Ihren Gatten, aber er braucht ein neues Auto. Ich unterstelle ihm an dieser Stelle nicht, dass er an einer Einparkschwäche leidet, vielmehr liegt das Problem wahrscheinlich an dem übermäßigen Platz innerhalb des Wagens. Einer Studie des Forscherteams um Andy J.  Yap vom Massachusetts Institute of Technology zufolge versauen große Fahrzeug-Innenräume nämlich völlig den Charakter. Yap und sein Team ließen für den Versuch Studenten das Computer-Rennspiel „Need for Speed: Hot Pursuit” spielen, mit jeweils geräumigen und engen Autositzen. Dabei stellten sie fest, dass die Probanden mit viel Platz am Po eher dazu tendierten, nach einem Unfall Fahrerflucht zu begehen als ihre bedrängten Mitstreiter. Dazu untersuchten die Forscher in den Straßen von New York, welche Auto-Marken wie parkten – und siehe da: Je größer der Innenraum der Kraftfahrzeuge war, desto saumäßiger die Parkleistung.

Jetzt ließe sich daraus der Rückschluss folgern, dass jeder Oldtimer-Besitzer automatisch ein Charakterschwein wäre, schließlich hat man in einer alten Kiste genügend Freiraum, um seine miese Persönlichkeit zu entfalten (es sei denn, er fährt einen Fiat Nuova 500 oder eine Isetta.) Ist natürlich Blödsinn, wobei es ja nicht ganz uninteressant ist, dass das subjektive Machtgefühl auf der Straße mit einer entspannten Körperhaltung im Auto einhergeht. Genauso interessant ist es auch, was das Sitzen in einem neumodischen Automobil mit uns macht. Seien wir ehrlich: Als Kind purzelte man früher kreuz und quer über die Rückbank, baute seine Carrera-Bahn auf oder legte die eine oder andere Patience. Naja, fast. Unvergesslich aber in jedem Fall das Gefühl, nach dem Führerscheinerwerb hinter dem Steuer zu sitzen und den linken Arm locker aus dem offenen Fenster zu 
strecken oder den rechten über die Lehne des Beifahrersitzes zu 
legen.

Versuchen Sie das heute mal. Beim Versuch, allein den Ellenbogen aus dem Fenster zu hängen, kugelt man sich schon die Schulter aus, weil die Autofenster zu Schießscharten auf Augenhöhe verkommen sind. Naja, und den rechten Arm bekommt man eh nicht über die Kopfstütze des Nebensitzes gehievt. Dazu fühlt man sich in jedem modernen Wagen mit Airbags und Mittelkonsole, als klemmte man zwischen Leber und Milz eines schweren Trinkers. Die Folgen sind Platzangst, Atemnot und Nostalgie-Wahn. Aber: Man parkt wahrscheinlich wie eine Eins ein.

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Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Der Traum vom eigenen Ford Mustang bleibt oft einer. Überzogene Preise, so weit das Auge reicht. Es muss doch auch ehrliche 
Schnäppchen geben. Oder?

Überall Mustang. Ich will auch einen. Was millionenfach gebaut wurde, kann nicht so teuer sein. Man betrachte den VW Golf – den bekomme ich mit frischem TÜV und vollgetankt schon ab 300 Euro. Also suche ich in unserem Magazin und im Netz nach einer preiswerten „Mal-eben-kaufen-Variante“ fürs kleine Redakteursgehalt.

Autsch: Ausgeweidete Exemplare ohne Motor und 
Räder starten bei 5.000 Euro. Fahrbare „Project Cars“ sind entweder verbastelt, zerlegt oder mit Moos überzogen und kosten mindestens 7.000 Euro. Aber halt: Ein Händler in der Nähe von Bad Salzuflen hat ein fahrbares 65er Coupé stehen. Cremeweiß, unrestauriert, Rost. Der Kandidat soll 6.500 Euro kosten. Ich tanke spontan meine Alltagskarre und fahre hin.

In der hintersten Ecke steht er. Cremeweiß ist er tatsächlich – von weitem. In drei Metern Abstand gesellt sich noch ein flächiger Braunton auf mattem, teilweise gesplittertem Lack dazu. Direkt vor dem Auto stehend platzt mein Traum vom billigen Mustang wie eine Lackblase über porösem Blech: Front- und Heckschürze sind von Aufsetzern verformt, die Kunststoffmaske sitzt schief auf der Nase. Rund um den Wagen blühen sämtliche Blechkanten, und auch sonst ist er völlig durchgerostet. Die Regenrinnen des Daches – durch; der hintere Scheibenrahmen – durch; rund um die Rücklichter – durch; Radläufe – durch. Ich öffne die Fahrertür und wundere mich, dass sie nicht auf den gepflasterten Vorhof plumpst. Der Mann, der dieses Fahrzeug feilbietet, wirkt ein wenig verunsichert, weil ich seit zehn Minuten den Kopf schüttele und hysterisch lache. Ob ich den Wagen einmal fahren wolle, fragt er. Na klar: Wenn ich schon mal hier bin, gebe ich mir auch gleich die volle Packung!

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Ein bisschen unwirsch erwacht der lahme Reihensechser zu bockigem Leben. Ein paar Gasstöße, ein paar blaue Wolken hinten aus dem Endrohr, dann schnattert er im Leerlauf vor sich hin. Ich lege die Fahrstufe der Automatik ein – und nichts passiert. Aber der Händler steht schon mit einer Flasche ATF bereit und kippt böse guckend mit einem Trichter einen guten Liter in den Stutzen des Getriebes. Haube zu. Jetzt krabbelt das waidwunde Pony langsam los. Draußen auf der Straße will ich ihm aber nicht so richtig die Sporen geben – wer weiß, wie erst die Achsaufnahmen aussehen, wenn sogar schon das Dach durchgerostet ist… Immerhin, der Mustang kann noch bremsen.

Aber das war‘s dann auch. Dieser amerikanische Teenagertraum der 60er sollte mit einem gezielten Schuss niedergestreckt und zum Abdecker gebracht werden. Auch das generöse Angebot des Händlers, mir den Wagen für 6.000 Euro auf die Hand gleich mitzugeben, lehne ich höflich ab, setze mich wieder in mein Auto und sehe, wie der Mustang im Rückspiegel langsam immer kleiner wird.
Die Lehre: Wer einen Mustang haben und nicht auf eine totale Grotte reinfallen will, sollte sein Budget bei mindestens 15.000 Euro ansetzen. Wer das nicht hat: Es gibt ja immer noch die Alternative mit dem frisch geTÜVten Golf…

 

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Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

RDS statt Drehskala, Sendervielfalt statt
 Rauschen – toll in der Theorie, aber 
folgenschwer in der Praxis. Bei mir heißt RDS soviel wie: Raus Den Sender, Rein in Den Stau

Autoradios sind schlau. Zumindest seit 1988. Da wurde RDS aktiv, was die Suche nach alternativen Sendefrequenzen beendete. Klasse. Nun gibt es obendrauf noch RDS Regional. Damit kann ich genau die Werbespots und Nachrichten empfangen, die gerade hier und jetzt in aller Ohren sind. Soweit tolle Erfindungen, ich bin weiß Gott niemand, der aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren „Kult“gründen zwingend ein originales, quäkendes Mittelwelle-Mono-Radio in seinem Oldtimer haben muss.
Aber: Freitagnachmittag. Die A7 zwischen Kiel und Hamburg entwickelt sich zum üblichen Nadelöhr. Es ist kurz vor 16:00 Uhr und ich schalte das Radio ein, des Verkehrsfunks wegen. Das letzte Lied verklingt und RDS schaltet auf regionale Werbung um. Versucht es zumindest. Der Empfang ist hier anscheinend nicht so toll, also kommt nur ein Rauschen, kurzfristig immer noch angenehmer als schreiende Radiowerbung. Nach ein paar Sekunden macht es *piep* und der Empfänger scannt stumm nach stärkeren Frequenzen.
Welch angenehme Ruhe. In dem Moment, wo der letzte gruselige Bratmaxe-Song verklingt, findet das Radio seine regionale Werbefrequenz, der Sender schaltet nun aber wieder um auf die Hauptfrequenz. Denn das Sparkasse-Beratungsspecial, die Werbung nach der Werbung, wird landesweit gleichzeitig ausgestrahlt.

*Piep* – suchende Ruhe.

Ich bin leicht genervt von dem Gehopse. Diesmal findet das Radio den Sender etwas schneller, der einschläfernde Berater meines Vertrauens wird aber nach seinem Monolog sofort von den Regionalnachrichten weggepiept. Ich scheine mit meinem Audi gerade auf einer Sendergrenze unterwegs zu sein, zwei Sprecher fallen sich ins Wort und erzählen mir abgehackt was über Pinneberg und/oder Neumünster. Da ich in Richtung Süden unterwegs bin, erobert mittelfristig Pinneberg die Regionalfrequenz, gibt sie aber gleich wieder ab an einen Werbespot, der mich darüber aufklärt, von wem der gleich folgende Wetterbericht präsentiert wird. Landesweit. Also *piep* und weg, dann wieder da und dann kommt auch schon auf der nächsten Regionalfrequenz der quadratmetergenaue Wetterbericht, den ich wieder mit der Ruhe nach dem *piep* verbringe.

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Grummel. Als sich das Radio gerade fängt und endlich die nun folgenden regionalen Verkehrsnachrichten mit Echtzeitmessung durch irgendein Möbelhaus präsentieren will, höre ich gerade noch das Wort „Stau“, als die Frequenz erneut weg ist und nach dem *piep* Stille gesendet wird.
In dem Moment, wo ich meinen fassungslos-genervten Blick vom Display wieder auf die Straße richte, schliddere ich auch schon mit einer Vollbremsung an das Stauende bei Quickborn ran. Danke, Regionalfunk, danke RDS, ihr habt euch komplett kaputtverbessert. Mist.

Noch heute Abend fliegt die bunte laute Soundmaschine wieder raus. Ich will wieder mein originales, altes „Puebla Stereo CR“ haben, mit Senderskala und Kassettenschacht. Da muss ich zwar hin und wieder drehen und nachjustieren. Aber wenn der Sender erstmal drin ist, dann bleibt er auch drin. Heute hätte mir das den Abend gerettet.

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Christian S. via Facebook: Rauchen im Auto. Cool oder Innenraumkiller?

Lieber Christian! Ich könnte jetzt gesundheitliche Argumente gegen das Rauchen anführen. Lungenkrebs und so. Erzählen, dass sich der Anteil jugendlicher Raucher in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert hat und wie supertoll das ist. Ich könnte Goethe zitieren, der schrieb: „Die Schmauchlümmel ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu Rauchen vermag.“ Könnte ich.

Aber: Der Kern der Frage ist eigentlich nicht, ob es zum Autohimmel stinkt, wenn wir uns eine anstecken. Die Kernfrage ist vielmehr, warum wir uns in unseren Fahrzeugen so benehmen, als seien es Mietwagen. Wir kämen nicht im Traum auf die Idee, ein Auto in quittengelb zu kaufen, selbst wenn es unsere Lieblingsfarbe wäre. Wir kaufen ein Fahrzeug lieber in schwarz, das steigert den Wiederverkaufswert. Wir kleben uns keine Bapper mehr auf die Kofferraumklappe, kein „Kein Balg mit Scheissnamen an Bord“, kein „Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder“, kein „Bitch inside“. Zum Glück, mag man anführen – aber was ist der Grund? Vielleicht sterben Aufkleber aus, weil wir eh keine Meinung vertreten, über kein Sendungsbewusstsein verfügen oder einfach, weil es nicht mehr en vogue ist. Stattdessen bekleben wir die Autoscheiben mit dunkler Folie, um das Fahrzeug zusätzlich zum Norm-Lack zu anonymisieren. Mit dem Rauchen ist es ähnlich. Es könnte ja sein, dass der Wiederverkaufswert sinkt. Wie liest es sich so schön in jedem Auto-Inserat? „Nichtraucherfahrzeug“.

Manchmal träume ich davon, dass jedes Auto anders gestaltet und bemalt ist. Meinetwegen mit pinkfarbenen Blumen, mit Bärten beklebt oder Nieten. Ich träume davon, dass jedes Auto einen Namen hat und Menschen morgens einfach auf die Straße treten und nicht überlegen, wo sie die Kiste gestern geparkt haben, sondern aus großer Entfernung ihren rot-weiß-gepunkteten Audi A6 Avant sehen und sagen: „Ach, da steht Holger.“ Dann steigen sie in Holger, stecken sich mit dem Zigarettenanzünder eine filterlose Overstolz an und fahren los. Ein feiner blauer Rauchwimpel zieht von der Glut zum geöffneten Fenster und mischt sich mit den Tönen aus dem Radio. Im Wagen riecht es wie in einer Eckkneipe, ein bisschen widerlich, ein bisschen heimelig, einmalig, unverkäuflich.

Wird natürlich nie passieren. Wir werden weiterhin heimlich rauchen, auf dem Balkon im Nieselregen, wir werden schwarze Autos kaufen und sie morgens zwischen lauter anderen schwarzen Autos suchen und verzweifeln. Und das, lieber Christian, finde ich irgendwie tragisch. Darauf eine Zigarette.

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Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

„Himmel, wie sehen Ihre Hände denn aus?“ fragt der Fleischereifachverkäufer entsetzt.
Ja doch, ja doch, ich bin Motorjournalist und fahre ein altes Auto. Das sieht man den
Pranken schon mal an…

Was war passiert? Der Doppelvergaser meinte, mal wieder ein Schräubchen ausspucken zu müssen, was sich im Laufe der Zeit lose gewackelt hatte. Um da ran zu kommen, war es nötig, die ölige Kurbelgehäuseentlüftung vom Ventildeckel runterzubasteln. Selbstverständlich fand diese Aktion nicht zu Hause vor der Garage statt, sondern als direktes Resultat eines jäh gestoppten Vorankommens mitten auf einer gut besuchten Kreuzung. Mich plötzlich mit hupenden und drängelnden Neuwagen, Bussen und 30-Tonnern konfrontiert sehend, wollte ich vor allem eines: schnell wieder weg.

Das gelang mir auch nach genau sieben Minuten. Ohne Diagnose-Laptop, ohne Pannenhilfe und ohne Resetting irgendwelcher Steuergeräte. Gewindeschraube wieder rein, Gummischlauch zurück auf den Bakelitstutzen, Flossen grob mit einer alten Unterhose abwischen und weiter zum Supermarkt. Grillfleisch kaufen.

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Ja, die Hände sind noch schwarz. Dabei habe ich sie auf der Kundentoilette schon höchst intensiv gewaschen, aber das bringt ja am Anfang nix. Unter den Fingernägeln versteckt sich hartnäckig Ölschlamm, Bremsstaub oder anderer Abrieb, der sich mit Ruß und Sand verbunden hat. Eine Mischung, die man über Tage nicht loswird. Warum baut man daraus eigentlich keine Brücken oder Häuser?
Der Nachteil alter Autos ist vielleicht, dass sie im Alltag meist ein bisschen schmutziger sind als die noch ganz dichten Neuwagen, und dass hier und da mal was kaputt geht. Der Vorteil der geliebten rollenden Ü-30-Fraktion wiederum ist, dass wir als Fahrer jede Schraube kennen und jedes Geräusch richtig zuordnen. Und wenn die Fuhre dann doch einmal stehen bleibt, können wir uns fast immer mit einem Schraubendreher und einer Zange selbst helfen. Auch ohne Bachelor in Informatik. Und Handschuhe sind nicht gefühlsecht – Handschuhe sind die extradicken Kondome des Autoschraubers. Man spürt die Teile nicht genug, an denen man bastelt. Das kann man echt vergessen.

Mit Waschpaste und Spüli bekomme ich immer viel Schmiere wieder runter, spätestens dann treten die kleinen Wunden zu Tage, und nach vier bis fünf Waschgängen lässt sich Hautfarbe erkennen. Na und? Ich werfe dem Fischer nicht vor, dass er nach Fisch stinkt und der Imbiss-Mann wird seinen Bratfettgeruch niemals los. Bei mir sind eben die Hände schmutzig.

Wäre das geklärt? Super. Der kräftige Mann hinter dem Tresen schüttelt noch immer den Kopf, als er mir meine drei marinierten Nackensteaks tropfend in den Plastikbeutel wirft. Das dunkelrote Schweineblut an seinen Fingern wischt er beiläufig an seiner weißen Schürze ab, bevor er sich wieder umdreht und mit bloßen Händen ein paar Stücke Leber für die Auslage zerteilt.

Rot wie Blut, blau wie Hirn und schwarz wie Motoröl. 
Jeder wie er will…

tanzumsauto@träume-wagen.de

Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Oliver Z. per Mail: Auf der letzten IAA in Frankfurt waren so gut wie keine Hostessen zu sehen. Ist doch traurig, oder?

Lieber Oliver! Ach, geht Ihnen das auch so? Ich bin ebenfalls betrübt. Man fragt sich, was die gefeuerten Messe-Mädels jetzt alle machen: In die Beschaffungs-Kriminalität abrutschen? Etwas Vernünftiges lernen? Und stellen sich manche von ihnen heimlich an einem Samstagmittag – mit einem Mantel über der blanken Haut – im Autohaus vor einen Neuwagen, weil sie etwas in ihrem Leben vermissen?

Die Zeiten ändern sich. Beobachter der Autobranche stellen fest, dass immer mehr Frauen in den Konzernspitzen sitzen: Mit Mary Barra stieg erstmals eine Frau zur Chefin von General Motors auf, Hildegard Wortmann ist Bereichsleiterin bei BMW, Annette Winkler Vorstandsvorsitzende bei Smart, Brigitte Behrend Chefeinkäuferin bei Ford. Während immer mehr Frauen in die oberen Etagen einziehen, verziehen sich zusehends die Mamsellen, die auf Messen in kleinen Hot Pants große Fahrzeuge präsentieren. Was las ich? „Hostessen und Hosts ist passé, lieber nennen die Verantwortlichen die meist studentischen Hilfskräfte ‚Explainer’, Erklärer.“

Tragisch, diese Entwicklung. Während man früher noch eine vermeintlich bildungsfreie Blondine dabei beglotzen durfte, wie sie sich auf einem Boliden räkelte, muss man sich heute von einer Studentin in Ballerinas das neue Apple CarPlay von Volvo erklären lassen. Das ist nicht sexy. Das ist so, als wolle man ein eiskaltes Bier und bekäme einen Detox-Smoothie mit Roter Bete und Karotten. Natürlich ist es total frauenfeindlich, eine angehende Akademikerin in bequemem Schuhwerk mit püriertem Gemüse zu vergleichen – aber hey, die Gedanken sind frei. Und in dieser freien und völlig gestrigen Gedankenwelt stelle ich mir vor, dass Frauen so selbstbestimmt sind, dass sie sich halbnackig vor einen Wagen stellen können. Vor ihren eigenen Wagen. Meinetwegen auch vor einen, den sie gegen Geld bewerben, indem sie die niedersten Instinkte ansprechen. In dieser Welt werden keine Ballerinas getragen. Es wird nichts erklärt, weil die Autos das nicht nötig haben. Und es wird auch nie soweit kommen, dass jemand die Idee hat, halbnackte Jungs auf einer Motorhaube zu platzieren – in der Hoffnung, dass leicht aus der Form geratene, aber total erfolgreiche Mittvierzigerinnen den Wagen eher kaufen.

Aber um zum Ende zu kommen: Ja, sie sterben aus. Zum Glück gibt es noch Tuning-Messen. Und da wird sie irgendwann stehen, die letzte Hostess. Ein blonder Engel mit High Heels, Kulleraugen und Körbchengröße Doppel-D, dem Untergang geweiht.

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Mail an: frauacht@träume-wagen.de