Frau 8 gibt Antwort auf (ungestellte) Fragen.

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„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Ego? Geld? Ein Auto im Einser-Zustand? Unwichtig. Es gibt Momente im Leben – da macht einen ein abgeschrabbelter Wagen so glücklich, dass nichts anderes mehr zählt.

Und warum ein V8-Motor?“ fragte mich der seriöse Mensch mit dem Einstecktuch. Der seriöse Mensch hatte sich just einen Mercedes 300 SL gekauft, wie ich erfuhr. Baujahr 1989, geleckter Originalzustand. Meine Möhre stand eine Autolänge weiter, auf dem Hof der Werkstatt unserer beider Vertrauen. Wie ein räudiger Köter sah mein 380 SL neben seinem Klassiker aus, ungeachtet des neuen Ersatzteils unter der Haube für mehrere hundert Euro, von dem ich bis heute nicht weiß, wie es heißt. Ich durchstöberte mein Hirn nach einer Antwort und versuchte unauffällig, einen Fettpropfen von der Stoßstange meines Wagens zu entfernen, den die konservierte Motorhaube wegen der Sommerhitze ausgeschieden hatte. „Klingt besser“, murmelte ich, während ich versuchte, die sämig-gelbe Molasse, die sich an meinen Händen befand, wieder loszuwerden. Der seriöse Mensch lächelte dünn und kehrte mir seinen halben Rücken zu.

Vielleicht hätte ich erwidern sollen, dass ich keine bescheuerte Anwaltskarre haben wollte, mit doofen sechs Zylindern, einem klitzekleinen Dreiliter-Motor und hässlichen Kanaldeckel-Felgen. Einen Wagen, den man nur als Wertanlage sieht, der nie gefahren wird, dessen Originalzustand wichtiger ist als seine Seele. Aber das wäre ungefähr genauso cool gewesen, als hätte ich die Antwort getanzt.

Vielleicht gab es keine Antwort. Vielleicht gab es nur die Erlösung, die folgte. Zwei Minuten später stieg ich in mein Auto und fuhr langsam vom Hof, vorbei am Klassiker des seriösen Menschen. Eingefangen vom Blubbern, Blobbern und Raunen des Motors, mit klebrigen Fingern an dem zu großen Lenkrad, das zuviel Spiel hat. Es war der letzte sonnige Tag, viel Zeit blieb nicht mehr, bis die Blätter fielen und der Wagen sich ins Dunkel der Garage verkroch, um zu überwintern. Das Krächzen der Krähen hatte bereits ein herbstliches Echo, und wenn man seinem Wagen nur fünf Minuten den Rücken zudrehte, hatten Spinnen alle Seitenspiegel mit ihren Netzen versponnen. Ich fuhr über Umwege nach Hause, der Motor hustete ein bisschen heiserer als sonst, knarzte kommod, röhrte maliziös, stank köstlich-bläulich zum Himmel.

Den hellsten (und saubersten) Eindruck hatte ich eben nicht hinterlassen, doch im Grunde war es egal. Der Sommer war lang, die Gespräche mit anderen Petrol-Spinnern erquicklich, und dieser Wagen war so eine Freude – was macht es da aus? Nichts. Aber sein Einstecktuch hätte mir der seriöse Mann doch anbieten können, damit ich mir die Finger abwischen kann.

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Wie sieht das Auto der Zukunft aus? Sitzen wir in
kleinen Würfeln, die von der NSA überwacht werden? Gibt es nur noch Fahrräder? Schön wär’s. Die Antwort ist viel 
schlimmer. Sie ist öde.

Wir schreiben das Jahr 2039. Ich steige in einen Jaguar „Project 7“ mit Elektromotor, der Name steht für die sieben Siege beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Lautlos zischt er durch die Stadt, aus der Stadt, 
auf die Landstraße. Der Wind umsäuselt den Überrollbügel und die Rückenflosse, herabgefallene Birkenblätter tanzen auf der Straße 
Ringelreihen, die Luft über dem Asphalt schillert seifenblasenheiß. Dann ist auch mal Schluss mit Ruhe. Ein Wort genügt, der Motor brüllt auf, es klingt nach 575 PS und nach Fünfliter-V8-Kompressor. Okay, der Sound kommt zwar nur aus dem Sound-Aktuator, aber wen stört das schon.

Man wird ja noch mal rumspinnen dürfen! Macht jeder, oder? Haste gedacht, nochmal fette Schnecke. Denn wenn man sich die Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) und der Autobörse Autoscout24 zum Thema „Unser Auto von morgen“ ansieht, die vergangenes Jahr erschien, sind Menschen ungefähr so einfallsreich wie festkochende Speisekartoffeln. Abgefragt wurden unter anderem die Erwartungen an ein Auto der Zukunft, Kosten, alternative Antriebe und Design. Was könnte man sich alles ausmalen!? Dass wir auf Käsescheiben gleiten. Avatare zum Arbeiten schicken, während wir in der Badewanne liegen und Löcher in den Schaum bohren. Oder dass sich jeder seinen Traumwagen am 3D-Printer ausdrucken kann.

Tja. Haste gedacht, fette Schnecke. 92,8 Prozent wünschen sich nämlich – „Maximale Sicherheit“. Fast 70 Prozent möchten außerdem ein eigenes Auto besitzen, das ihr Bedürfnis nach Privatsphäre erfüllt. Soviel zum Thema „Car Sharing“. Dazu hätten „zwei Drittel gern als zentrales Kriterium beim Fahrzeugdesign eine kosteneffiziente Gestaltung (62,5 Prozent)“, nur etwas über 42 Prozent finden, dass es radikal anders aussehen darf. Wie öde! Kein Wunder, dass man die Autos heutzutage kaum mehr auseinander halten kann. Doch so ticken wir Menschen eben. Ängstlich, pragmatisch, preisbewusst. Leidenschaftslos. Es ist ungefähr so, als würde ich von einem T-Bone-Steak zukünftig erwarten, dass es mich mit einer ausgewogenen Mischung von Mineralstoffen und Vitaminen B1, B6 und B12 versorgt, dass es mich nicht fett macht und ich es bloß mit niemandem teilen muss. Ach ja, und wenn es nichts kostet, wäre es auch schön, wenn kein Tier dafür leiden muss.

Da lege ich mich doch gleich in die Wanne, bohre Löcher in den Schaum und phantasiere von fliegenden Käsescheiben, vom „Project 7“ und tanzenden Blättern im Wind. Und danach gibt’s ein blutiges Steak.

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Doris S. aus B.: Ich habe meinen Mann wirklich gern – aber wie kann ich ihm beibringen, sich nicht immer auf zwei Parkplätze gleichzeitig zu stellen?

Liebe Doris! Nichts gegen Ihren Gatten, aber er braucht ein neues Auto. Ich unterstelle ihm an dieser Stelle nicht, dass er an einer Einparkschwäche leidet, vielmehr liegt das Problem wahrscheinlich an dem übermäßigen Platz innerhalb des Wagens. Einer Studie des Forscherteams um Andy J.  Yap vom Massachusetts Institute of Technology zufolge versauen große Fahrzeug-Innenräume nämlich völlig den Charakter. Yap und sein Team ließen für den Versuch Studenten das Computer-Rennspiel „Need for Speed: Hot Pursuit” spielen, mit jeweils geräumigen und engen Autositzen. Dabei stellten sie fest, dass die Probanden mit viel Platz am Po eher dazu tendierten, nach einem Unfall Fahrerflucht zu begehen als ihre bedrängten Mitstreiter. Dazu untersuchten die Forscher in den Straßen von New York, welche Auto-Marken wie parkten – und siehe da: Je größer der Innenraum der Kraftfahrzeuge war, desto saumäßiger die Parkleistung.

Jetzt ließe sich daraus der Rückschluss folgern, dass jeder Oldtimer-Besitzer automatisch ein Charakterschwein wäre, schließlich hat man in einer alten Kiste genügend Freiraum, um seine miese Persönlichkeit zu entfalten (es sei denn, er fährt einen Fiat Nuova 500 oder eine Isetta.) Ist natürlich Blödsinn, wobei es ja nicht ganz uninteressant ist, dass das subjektive Machtgefühl auf der Straße mit einer entspannten Körperhaltung im Auto einhergeht. Genauso interessant ist es auch, was das Sitzen in einem neumodischen Automobil mit uns macht. Seien wir ehrlich: Als Kind purzelte man früher kreuz und quer über die Rückbank, baute seine Carrera-Bahn auf oder legte die eine oder andere Patience. Naja, fast. Unvergesslich aber in jedem Fall das Gefühl, nach dem Führerscheinerwerb hinter dem Steuer zu sitzen und den linken Arm locker aus dem offenen Fenster zu 
strecken oder den rechten über die Lehne des Beifahrersitzes zu 
legen.

Versuchen Sie das heute mal. Beim Versuch, allein den Ellenbogen aus dem Fenster zu hängen, kugelt man sich schon die Schulter aus, weil die Autofenster zu Schießscharten auf Augenhöhe verkommen sind. Naja, und den rechten Arm bekommt man eh nicht über die Kopfstütze des Nebensitzes gehievt. Dazu fühlt man sich in jedem modernen Wagen mit Airbags und Mittelkonsole, als klemmte man zwischen Leber und Milz eines schweren Trinkers. Die Folgen sind Platzangst, Atemnot und Nostalgie-Wahn. Aber: Man parkt wahrscheinlich wie eine Eins ein.

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Christian S. via Facebook: Rauchen im Auto. Cool oder Innenraumkiller?

Lieber Christian! Ich könnte jetzt gesundheitliche Argumente gegen das Rauchen anführen. Lungenkrebs und so. Erzählen, dass sich der Anteil jugendlicher Raucher in den letzten zehn Jahren mehr als halbiert hat und wie supertoll das ist. Ich könnte Goethe zitieren, der schrieb: „Die Schmauchlümmel ersticken jeden honetten Menschen, der nicht zu seiner Verteidigung zu Rauchen vermag.“ Könnte ich.

Aber: Der Kern der Frage ist eigentlich nicht, ob es zum Autohimmel stinkt, wenn wir uns eine anstecken. Die Kernfrage ist vielmehr, warum wir uns in unseren Fahrzeugen so benehmen, als seien es Mietwagen. Wir kämen nicht im Traum auf die Idee, ein Auto in quittengelb zu kaufen, selbst wenn es unsere Lieblingsfarbe wäre. Wir kaufen ein Fahrzeug lieber in schwarz, das steigert den Wiederverkaufswert. Wir kleben uns keine Bapper mehr auf die Kofferraumklappe, kein „Kein Balg mit Scheissnamen an Bord“, kein „Stoppt Tierversuche, nehmt Kinderschänder“, kein „Bitch inside“. Zum Glück, mag man anführen – aber was ist der Grund? Vielleicht sterben Aufkleber aus, weil wir eh keine Meinung vertreten, über kein Sendungsbewusstsein verfügen oder einfach, weil es nicht mehr en vogue ist. Stattdessen bekleben wir die Autoscheiben mit dunkler Folie, um das Fahrzeug zusätzlich zum Norm-Lack zu anonymisieren. Mit dem Rauchen ist es ähnlich. Es könnte ja sein, dass der Wiederverkaufswert sinkt. Wie liest es sich so schön in jedem Auto-Inserat? „Nichtraucherfahrzeug“.

Manchmal träume ich davon, dass jedes Auto anders gestaltet und bemalt ist. Meinetwegen mit pinkfarbenen Blumen, mit Bärten beklebt oder Nieten. Ich träume davon, dass jedes Auto einen Namen hat und Menschen morgens einfach auf die Straße treten und nicht überlegen, wo sie die Kiste gestern geparkt haben, sondern aus großer Entfernung ihren rot-weiß-gepunkteten Audi A6 Avant sehen und sagen: „Ach, da steht Holger.“ Dann steigen sie in Holger, stecken sich mit dem Zigarettenanzünder eine filterlose Overstolz an und fahren los. Ein feiner blauer Rauchwimpel zieht von der Glut zum geöffneten Fenster und mischt sich mit den Tönen aus dem Radio. Im Wagen riecht es wie in einer Eckkneipe, ein bisschen widerlich, ein bisschen heimelig, einmalig, unverkäuflich.

Wird natürlich nie passieren. Wir werden weiterhin heimlich rauchen, auf dem Balkon im Nieselregen, wir werden schwarze Autos kaufen und sie morgens zwischen lauter anderen schwarzen Autos suchen und verzweifeln. Und das, lieber Christian, finde ich irgendwie tragisch. Darauf eine Zigarette.

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Oliver Z. per Mail: Auf der letzten IAA in Frankfurt waren so gut wie keine Hostessen zu sehen. Ist doch traurig, oder?

Lieber Oliver! Ach, geht Ihnen das auch so? Ich bin ebenfalls betrübt. Man fragt sich, was die gefeuerten Messe-Mädels jetzt alle machen: In die Beschaffungs-Kriminalität abrutschen? Etwas Vernünftiges lernen? Und stellen sich manche von ihnen heimlich an einem Samstagmittag – mit einem Mantel über der blanken Haut – im Autohaus vor einen Neuwagen, weil sie etwas in ihrem Leben vermissen?

Die Zeiten ändern sich. Beobachter der Autobranche stellen fest, dass immer mehr Frauen in den Konzernspitzen sitzen: Mit Mary Barra stieg erstmals eine Frau zur Chefin von General Motors auf, Hildegard Wortmann ist Bereichsleiterin bei BMW, Annette Winkler Vorstandsvorsitzende bei Smart, Brigitte Behrend Chefeinkäuferin bei Ford. Während immer mehr Frauen in die oberen Etagen einziehen, verziehen sich zusehends die Mamsellen, die auf Messen in kleinen Hot Pants große Fahrzeuge präsentieren. Was las ich? „Hostessen und Hosts ist passé, lieber nennen die Verantwortlichen die meist studentischen Hilfskräfte ‚Explainer’, Erklärer.“

Tragisch, diese Entwicklung. Während man früher noch eine vermeintlich bildungsfreie Blondine dabei beglotzen durfte, wie sie sich auf einem Boliden räkelte, muss man sich heute von einer Studentin in Ballerinas das neue Apple CarPlay von Volvo erklären lassen. Das ist nicht sexy. Das ist so, als wolle man ein eiskaltes Bier und bekäme einen Detox-Smoothie mit Roter Bete und Karotten. Natürlich ist es total frauenfeindlich, eine angehende Akademikerin in bequemem Schuhwerk mit püriertem Gemüse zu vergleichen – aber hey, die Gedanken sind frei. Und in dieser freien und völlig gestrigen Gedankenwelt stelle ich mir vor, dass Frauen so selbstbestimmt sind, dass sie sich halbnackig vor einen Wagen stellen können. Vor ihren eigenen Wagen. Meinetwegen auch vor einen, den sie gegen Geld bewerben, indem sie die niedersten Instinkte ansprechen. In dieser Welt werden keine Ballerinas getragen. Es wird nichts erklärt, weil die Autos das nicht nötig haben. Und es wird auch nie soweit kommen, dass jemand die Idee hat, halbnackte Jungs auf einer Motorhaube zu platzieren – in der Hoffnung, dass leicht aus der Form geratene, aber total erfolgreiche Mittvierzigerinnen den Wagen eher kaufen.

Aber um zum Ende zu kommen: Ja, sie sterben aus. Zum Glück gibt es noch Tuning-Messen. Und da wird sie irgendwann stehen, die letzte Hostess. Ein blonder Engel mit High Heels, Kulleraugen und Körbchengröße Doppel-D, dem Untergang geweiht.

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Holger per Mail: Immer wieder muss ich mir anhören, dass ein Auto ein Gebrauchsgegenstand sei. Was ist so schlimm daran, seine Karre zu lieben?

Lieber Holger! Ich habe Angst. Warum? Weil ich mich gerade einen Moment zurücklehne, einen Schluck aus meiner Kaffeetasse nehme und mir eine Welt vorstelle, die von reinem Nutzen geprägt ist. Es gäbe keine Musik, keinen Plymouth Barracuda und keinen Ford Mustang. Keine Dauerwellen, keine Netzhemden, kein Bier. Es gäbe keinen zwingenden Grund, Sex zu haben, außer um sich zu reproduzieren. Niemand würde sich an einer Schweißperle ergötzen, die an der Wirbelsäule herab rinnt, der Wahn der Geschwindigkeit wäre uns fremd, es gäbe keinen Biss in ein frisches Fischbrötchen, kein Knuspern und keinen salzigen Geschmack. Und was wäre die Freude an einer völlig sinnlosen Handschaltung in einem Porsche 911 Carrera S? Nicht denkbar. Stattdessen würden wir uns alle von einer grünlichen Astronautenpaste ernähren und lauwarmes Wasser trinken, bienengleich in schmucklosen Waben hausen, zehn Stunden täglich einer überaus nützlichen Arbeit nachgehen und kollektiv graue Volkswagen fahren.

Wollen wir das? Wollen wir nicht. Zugegebenermaßen hätte eine Gebrauchswelt auch Vorteile: Wir würden nicht dem Konsumrausch erliegen und in Müllbergen ersticken, hätten in Deutschland keine lästige Sexismus-Debatte hinter uns gebracht – und es wäre uns piepegal, ob für die Tiefkühl-Lasagne vom Discounter nun ein Pferd, ein Meerschweinchen oder ein Rind durch den Wolf gedreht wurde.

Aber ganz ehrlich? Manchmal denke ich, dass der alte Schiller eben doch nicht recht hatte, als er einst sagte: „Denn nur vom Nutzen wird die Welt regiert.“ Denn um mal ins Pathetische zu glitschen – ist die Welt nicht erst durch die sinnlosen Dinge lebenswert, die wir mit Lust und Leidenschaft erfüllen? Gibt es etwas Feineres, als in einem 1965er Cadillac DeVille zu sitzen, ein bisschen, sagen wir, Jimi Hendrix zu hören oder meinetwegen auch Jake Bugg? Dabei eine filterlose Zigarette zu rauchen, dem blassblauen Rauchfaden nachzublicken, ein eisiges Bier zu trinken und zwischendurch eine Hand auf den festen Schenkel der Person neben sich zu legen? Gut, lassen wir die drei letzten Punkte weg, damit nicht alle Sittenwächter dieser Nation aufschreien.

Was bleibt, ist der Moment im 1965er Cadillac DeVille. Sinnlos, aus der Zeit gefallen, ein Relikt, ein Benzinschlucker und Raumfresser, ein nutzloser Traum aus einer anderen Ära, ein Gefühl in Metall gegossen. Nichts braucht der Mensch manchmal mehr.

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Leonard B. per Mail: Ich habe gerade eine Online-Petition unterschrieben.
Thema: „Wir wollen die Handbremse zurück!“ Sind Sie auch dafür?

Lieber Leonard! Offen gestanden: Petitionen sind mir unheimlich. Ist natürlich ehrenwert, wenn Menschen mal zur Abwechslung eine Meinung haben, allerdings fürchte ich mich vor einer Form der Demokratie, in der Facebook-Cäsaren einfach den Daumen senken – und sei die Entscheidung noch so sehr in meinem Sinne. Zudem ist die Begründung der Ablehnung der elektronischen Parkbremse manchmal ein bisschen fragwürdig. „Ich hasse diesen elektrischen Scheiss,“ schreibt Sebastian Köster aus Olpe als Erklärung. Was mich irgendwie an die Online-Petition „Raus mit Markus Lanz aus meinem Rundfunkbeitrag!“ erinnert, die mehr als 230.000 Menschen unterzeichneten. Einer mit der Begründung: „Weil ich ihn hasse.“ Vielleicht war es auch Sebastian Köster. Weil der alles hasst. Wer weiß.

Doch zurück zur Debatte über die Handbremse. Beim Durchleuchten der Argumente for the good old Handhebel fiel mir die Anmerkung von Andreas Fehringer aus Stuttgart positiv auf. Der schreibt nämlich in seinem Kommentar: „Wenn ich die Mechanik in der Hand halte, weiß ich, was Sache ist. Ob angezogen, ob lose, ob defekt.“ Recht hat der Mann. Nicht nur, dass der Konsument sich bereits in einer seit Jahren andauernden Fehde mit Knöpfen befindet, die die Armaturenbretter wie Altersflecken überziehen, sie machen mich auch persönlich fertig. Es sind zuviele. Ich vergesse, ob ich sie gedrückt habe. Ich weiß nicht, wozu sie gut sind. Sie leuchten manchmal. Sind sie defekt, wenn sie nicht leuchten? Und: Ich kann nicht an ihnen rumfummeln. Ich gestehe nämlich, dass ich ein anachronistischer Handbremsenfummler bin. Ich bin jemand, der an der roten Ampel aus Langweile zu manuellen Übersprungshandlungen neigt und dann versonnen über das Teil streicht. Achtung, Sexismus-Falle…

Wechseln wir besser die Argumentations-Schiene. Nee, nicht Anfahren am Berg. Handbremsen klingen herrlich. Ein fieses und finales „Krrrarkzzz“, das sich ins Ohr fräst, wenn man sie festzieht, ganz wunderbar und einmalig. Und dieses „Krönkk“, wenn man sie wieder löst. Wenn sie sich denn löst. Denn mir wurde schon mehrmals versichert, man solle Handbremsen eh nur zum Driften benutzen. Insbesondere bei Oldtimern neigten sie dazu, festzurotten. Keine Ahnung, ob das so eine Geschichte ist wie die mit demAugenschielen, das für immer bleibt, wenn die Uhr schlägt.

Ist auch egal. Ich besitze nämlich keine Handbremse. Ich fahre einen Mercedes mit Fußfeststellbremse.

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Chubaka per Mail: Schrauben Sie eigentlich selbst?

Lieber Chubaka! Es gibt Momente im Leben einer Frau, da fühlt man sich wie Dolly Buster, der ein gutaussehender Mann mit dem Zeigefinger in eine Brust piekt und fragt: „Sind die echt?“

Was Dolly Buster dem Mann antworten würde, wäre wohl nicht druckbar. Auf Ihre Frage hingegen gibt es drei Antwort-Möglichkeiten: Entweder man zuckt a) mit den Schultern und sagt: „Klaro.“ Man erstickt einfach die Diskussion im Keim. Nimmt einen langen Schluck aus seinem Bier, wischt sich mit dem Handrücken über den Mund, schnippt den Rest seiner filterlose Zigarette in den Wind und geht ab.

Oder man zitiert b) den US-amerikanischen Schriftsteller Don DeLillo: „Menschen, die Dinge reparieren können, sind in der Regel kleingeistige Eiferer.“ Dann wirft man seinen schwarzen Seidenschal über die Schulter, rückt seine Brille auf der hoch gereckten Nasenspitze zurecht und geht ab.

Variante c) hingegen sähe so aus, dass man seine Hände tief in die Hosentaschen schiebt und „Mhnnönichmehr“ murmelt. Nicht selbst schrauben? Wie uncool ist das denn? Und heißt es nicht: „Was du nicht reparieren kannst, gehört dir nicht“? Gut, nun stammt der Satz aus dem Reparatur-Manifest der Bastler-Firma iFixit, die sich vornehmlich mit der Instandsetzung von Elektronik befasst, vor allem der von Apple und weniger mit dem – sagen wir – Austausch eines Lenkungsdämpfers oder der Vorderachslagergummis bei einem Mercedes SL der 107er-Baureihe. Trotzdem. Reparieren ist im Trend und schont die Umwelt. Man setzt ein Zeichen gegen Abfallberge und Ressourcenverschwendung. Anhänger der sogenannten „Maker-Bewegung“ wollen die Dinge selbst in die Hand nehmen, frickeln, tüfteln und wieder heile machen, anstatt alles wegzuschmeißen, sobald die leiseste Abnutzungserscheinung auftaucht. Aber ich lenke ab. Wahr ist, dass ich es vermisse, inmitten von Schrauben, schmierigen Teilen, filzigen Lappen, Werkzeugen und Dreck zu sitzen, bis man die schwarzen Finger vor Kälte nicht mehr spürt und sogar vergisst zu rauchen, weil diese verdammte letzte Schraube wieder an ihren Platz muss – aber wo war der verdammte Platz dafür? Eine herrlich stille und investigative Dekonstruktion, meditativ und zerstörerisch. Irgendwann wurde der Wagen größer, die Lust kleiner, die Finger sauberer, und die Zeit schien wie Benzin aus einer defekten Leitung zu rinnen. Und ich legte mir eine neue Devise zu, einst ausgesprochen von Jake Ochmonek in der Fernseh-Serie „Alf“: „Was ich nicht reparieren kann, ist auch nicht kaputt.“

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Matti per Mail: Was meinen Sie, was das Autojahr bringt?

Lieber Matti! Das ist doch völlig klar: Wir werden uns mit blubberndem Benzin besaufen, in Schmierstoffen aalen und mit Blei-Ersatz parfümieren, Chrom wienern, Lack bohnern, Leder wichsen und Plaste putzen. Wir werden über die Landstraßen zockeln, langsam wie Melasse, mit herunter gekurbeltem Fenster und einem zerfaserten Zahnstocher im Mundwinkel. Wir werden über Autobahnen brettern, mit zitternder Tachonadel und klopfendem Herzschlag, rasendem Puls und Pupillen, so dunkel und groß wie der Elbtunnel. Wir werden uns den Hals verdrehen, weil an einem Sonnabend im April ein linsengrüner Saab 96 an uns vorbeizottelt. Nicht, weil man unbedingt einen haben müsste. Sondern schlicht, weil man so lange keinen gesehen hat und sich der Wagen so angenehm von dem Schlick der Einheitskarossen abhebt, der ihn formlos umfließt.

Okay, genug des Emo-Gesäusels. Ein Blick in den Neuheiten-Kalender für 2014 verrät uns, womit die Auto-Industrie uns in den kommenden Monaten beglückt. 150 Novitäten sollen es sein, wie man liest. Facelifts. Revolutionäre Neuerfindungen. Okay, kleiner Scherz. Was erwartet uns? Eine Neuauflage des Smart Fortwo wird es geben. Einen neuen Forfour. Einen neuen Renault Twingo, einen Skoda Fabia mit neuer Komfort- und Sicherheitsausstattung. Zwei Yetis. Zwei klitzekleine SUVs werden auf den Markt kommen, der Ford Ecosport und der Fiat 500X. Es wird ein Corvette Cabrio kommen, mit mehr als 450 PS, und ein neues Alfa Romeo 4C Cabrio mit 240 PS. Ende des Jahres wird man den neuen Ford Mustang kaufen können. Zuvor den neuen Lexus RC und das Jaguar F-Type Coupé – und das S-Klasse Coupé.

Dann hätten wir da noch den VW Beetle Dune mit 19-Zoll-Rädern und 210 PS starkem Turbo-Benzinmotor. Den Mercedes GLA 45 AMG, laut Mercedes mit dem „stärksten in Serie produzierten Vierzylindermotor der Welt“ und 360 PS. Die C-Klasse. Den Mondeo. Passat. Qashqai. Sportsvan. A6, S8, S3, S1 und A3 Cabrio. Tourneo Connect. Meriva. 3008. 5008. 108. 918 Spyder. Duster. LaFerrari. Jumper. Mini. Macan. Soul. WRX STI. i8. Edge. XC90. Jetta. Touareg. Escalade. ELR. CX-3. Und wie sie alle heißen.

Wer soll diese ganzen Kisten kaufen? Wer soll sie fahren, wer braucht sie – und was machen wir da eigentlich? Ich habe keine Ahnung. Wenn es nach mir geht, brauche ich nur mein altes Geschoss, rostig, fettig, heiß geliebt. Dann werde ich mich mit blubberndem Benzin besaufen, in Schmierstoffen aalen und mit Blei-Ersatz parfümieren… und vielleicht kommt sogar noch ein Saab 96 vorbei. Linsengrün.

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Hans P. per Mail: Mein Auto ist im Winterschlaf, ich bin übellaunig. Was tun?


Lieber Hans, willkommen im Club der Unausstehlichen! Das Frühlingserwachen liegt in weiter Ferne, die Finger sind klamm, die Kolben kalt, und das Wort „Dunkeldeutschland“ bekommt eine neue Bedeutung. Menschen schleichen in geduckter Haltung in ihre Garage, um an ihrer Karre zu werkeln, andere versammeln sich in Rudeln in Hallen und Höhlen, um alle halbe Stunde eine Ducati anzuwerfen und dem Motor zu lauschen. Und den Rest der Zeit? Verlieren Ehepartner die Nerven und der Haussegen hängt so schief wie das „Castrol“-Schild an der Garagenwand. Weil wir in altöligen Gedanken versinken, während sich die Wahrnehmung merkwürdig verändert. Ein Beispiel: Man latscht an einem normalen Mittwochmorgen über eine Fußgängerampel, es graupelt und düstert, der Autoverkehr rauscht monoton. Plötzlich hört man es. Diesen ganz bestimmten Sound. Acht Zylinder erheben sich über den Geräuschmatsch. Die Ohrmuscheln scheinen sich wie ein Radar diesem Laut zuzuwenden, der ganze Körper spannt sich auf und lauscht – wahrscheinlich sieht man gerade aus wie ein Erdmännchen, aber was soll’s. Aus gefühlt 250 Motorengeräuschen horcht man ihn he-raus, lass es im besten Fall ein Chevrolet Chevelle SS Coupé sein, in Kirschrot, Baujahr 1971, mehr als fünf Liter Hubraum. Vielleicht ist es auch nur ein britzebratzeneuer weißer Dodge RAM mit einem dubios aussehenden Fahrer, aber das macht in diesem Moment keinen Unterschied. Wie tiefe und klare Bassnoten durchbricht der Motorenklang die Kakophonie des Verkehrslärms. Ein Akkord aus pumpenden Zylindern und blubbernden Rohren füllt Ohren und Herz, nichts anderes hat mehr Raum. Dann verklingt der Sound mit Schall und Rauch und verhallt im Brei. Vorbei, das war’s.

In Fachkreisen nennt man dieses gezielte Hören übrigens „Cocktailparty-Phänomen“. Es bezeichnet „die Fähigkeit des menschlichen Gehörsinns, bei Anwesenheit mehrerer Schallquellen die Schallanteile einer bestimmten Schallquelle aus dem Gemisch des Störschalls zu extrahieren“, wie es im Internet so schön heißt. Anders gesagt: Wir hören nur das, was wir wollen. Übrigens fanden Wissenschaftler der Neurologischen Klinik und Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung am Universitätsklinikum Tübingen heraus, dass Männer das selektive Hören sehr viel besser als Frauen beherrschen. Der Grund läge wohl in der menschlichen Evolution, da der jagende Mann an sich das Beutetier schneller akustisch lokalisieren musste, als er es sah. Ob das so stimmt, sei dahin gestellt. Zumindest verschafft uns diese Fähigkeit in grauen Wintermonaten den einen oder anderen wunderbaren Moment. Insofern, lieber Hans, Ohren auf und durch.

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Manfred M. aus Osnabrück: Liebe Frau 8! Wieso interessieren sich Frauen zwar für Autos, aber nie dafür, wie sie funktionieren?

Lieber Manfred! Albert Einstein hat zu dem Thema einmal etwas sehr Schönes gesagt: „Zähmen sollen sich die Menschen, die sich gedankenlos der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und geistig nicht mehr davon erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.“ Insofern lautet die Antwort schlicht: „Muh!“

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass ich neulich das Vergnügen hatte, einen Porsche 911 Carrera S zu fahren. Sechszylinder-Boxermotor und Hinterradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe PDK und 400 PS. Er braucht von 0 auf 100 km/h nur 4,1 Sekunden. Er hat etwas, das sich „Launch-Control“ nennt. Das mal so zu den schnöden Daten. Die mich in der Tat nicht die Bohne inter-essierten. Ich interessiere mich auch nicht dafür, dass beim Modell mit Handschaltung das Siebengang-Schaltgetriebe inklusive serienmäßiger mechanischer Quersperre 96 Kilogramm wiegt und beim PDK samt dessen elektronisch gesteuerter Quersperre zirka 120 Kilogramm. Ich weiß noch nicht einmal, was „PDK“ bedeutet. Könnte ich nachlesen, muss ich aber nicht. Warum? Weil es mir mehr bedeutet hat, in diese Kiste zu steigen, meinen Hintern tief in die Ledersitze zu schmiegen und erst sehr vorsichtig Gas zu geben, dann etwas unvorsichtiger; auf der Autobahn auf der linken Spur in den sechsten Gang zu schalten und von dort runter in den dritten, um dem Sound zu lauschen. Ich konnte nicht glauben, dass ein Auto solche Geräusche machen kann – Töne, die dafür sorgen, dass sich sämtliche feinen Härchen auf dem Arm aufstellen und sich auf dem Schlüsselbein kleine Schweißperlen sammeln, die im Saum des Stoffes versickern; dass sich der Puls auf 160 Schläge die Minute erhöht und sich der Atem mit jedem Seufzen, Sägen und Brüllen des Motors um einen hitzigen Hauch beschleunigt; dass sich die Pupillen so nachtschwarz und sperrangelweit öffnen, als hätte man sich gerade eine Plastiktüte voller halluzinogener Drogen eingeworfen und mit einem Glas eisig perlendem Champagner heruntergespült.

Das war also der Mythos, von dem alle sprechen; den Männer ab vierzig brauchen, um sich wieder jung zu fühlen. Der „Elfer“, den sie alle meinen, wenn sie „Porsche“ sagen. Das hatte Ferry also im Sinn, als er sagte: „Wenn man draufdrückt, muss er schießen.“ Ja, er schoss. Was für eine Lust. Wie die Kiste funktioniert? Ich habe keinen blassen Schimmer. Aber ich würde alles darauf verwetten, dass jeder Mann in diesem Moment an diesem klaren kalten Abend in diesem silbernen Traum nichts anderes herausgebracht hätte als: „Muh.“

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Jay Bee per Mail: Kommt es mir nur so vor, oder gibt es im Fernsehen keine Serien mehr mit coolen Autos?


Lieber Jay Bee! Schöne Steilvorlage, um zu greinen, dass früher alles besser war. Das Lenor-Gewissen war reiner, die Smarties bunter, die Weiten unendlicher und Fernseh-Serien cooler. Natürlich vermisse ich „Die Profis“. Jeden Mittwoch um zwanzig nach neun saß man im Schneidersitz in der Wohnstube und starrte ehrfürchtig auf die Mattscheibe, während Bodie und Doyle im Ford Capri oder Escort RS 2000 um die Ecken schleuderten. Waren die cool und schlumpig!

Oder die US-Serie „Miami Vice“, in der Sonny Crockett und Ricardo Tubbs zwischen Flamingos, Palmen und nackten Brüsten aufs Lässigste Drogenhändler, Waffenschmuggler und Geldwäscher jagten. Heute weiß man, dass Sonny Crockett eine Replika des Ferrari 365 GTS/4 fuhr, einen California Daytona Spyder – basierend auf einer Corvette und mit Ferrari-Teilen aufgebaut. Damals wusste man nur eins: Man brauchte dringend ein rosa Muscle-Shirt, einen knittrigen Leinenanzug und einen weißen Lamborghini Countach LP 500 S mit Mehrton-Hupe. Ich persönlich hatte es als weibliches Wesen einfacher, man brauchte nur einen klitzekleinen Bikini – und den Lambo. Was Fernseh-Serien alles in unseren Köpfen anstellten! Wobei mir einfällt, dass wir an dieser Stelle nicht Sascha Hehn und sein weißes Golf 1 Cabrio aus der „Schwarzwaldklinik“ unterschlagen wollen. Immerhin lehrte er uns, dass Autotüren nicht zum Öffnen und Schließen gebaut wurden, sondern nur dazu, damit Arztsohn-Ärzte sie übergrätschen.

Genug der Nostalgie. Natürlich muss man zugeben, dass die Anzahl an Serien, in denen Fahrzeuge eine wichtige Rolle spielen, abgenommen hat. Das liegt an der Veränderung der Konstruktion von Männlichkeit und den einst fix daran gelöteten Attributen wie Brusthaar, Kippe und Karre – und an der Tatsache, dass sich generell der gesellschaftliche Stellenwert des Autos wandelt. Dass die   fetten Kisten zahlreich und unverdrossen durch neue Kinofilme     fahren, steht auf einem anderen Blatt.

Klar scheinen nur zwei Dinge zu sein: Erstens war nicht alles schön. So möchte ich nie wieder „Knight Rider“ sehen müssen. Zweitens finden sich heutzutage durchaus automobile Perlen im Sumpf der Dauerdröhnung. Dazu gehört das Porsche 964 Cabriolet in der amerikanischen Serie „Californication“ mit David Duchovny. Heruntergerockt, mit nur einem Scheinwerfer, ein Fluchtwagen, eine Dreckschleuder, so verlottert wie sein Besitzer Hank Moody. Insofern – ja, die Welt geht den Bach herunter. Aber es wird immer jemanden geben, der mit einem Porsche dagegen anfährt.

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