IMG-20150816-WA0017

Im vergangenen Jahr rollten annähernd 1600 Automobile, Motorräder und Traktoren in die Luhestadt – die gleiche Anzahl erwartet das Oldie-Team auch diesmal. Die Teilnahme ist kostenlos, zudem erhält jeder Oldtimerfahrer ein Geschenk. Selbstverständlich ist auch der Eintritt frei. Die Automobile aus vergangenen Jahrzehnten bieten eine nahezu einmalige Typenpalette. Unter die Klassiker von Lloyd über Mercedes- Benz bis hin zum noblen Horch mischen sich auch Exoten wie Panhard, Simca oder Gutbrod.

IMG-20150816-WA0001 IMG-20150816-WA0002

Natürlich fehlen auch Vorkriegs- Klassiker in Winsen/Luhe nicht.
Imposant auch der Aufmarsch der Treckerfreunde: Vom kleinen Holder bis hin zur bärenstarken Traktor-Legende Lanz fährt alles vor, was einst in Sachen Acker- Bau und Viehzucht unterwegs war. Zweiräder ergänzen das Programm. Ein Anziehungspunkt ist auch der Teilemarkt, mit Händlern und privaten Anbietern aus ganz Norddeutschland. Hier gibt’s Literatur, Modellautos, Ersatzteile und vieles mehr. So auch eine Modellautobörse.

IMG-20150816-WA0008 IMG-20150816-WA0010

Für Live-Musik sorgen „The Torpids“!
Am Abend zuvor gibt es eine Open Air Oldie Party.

IMG-20150816-WA0004 IMG-20150816-WA0003
IMG-20150816-WA0012 IMG-20150816-WA0015

DSC_0093_Aufm_interpoliert
TRÄUME WAGEN und der MSC Trittau e.V. im ADAC wagen sich in diesem Jahr erstmals an eine Rallye, die Stress und Streit weitestgehend draußen lassen soll. Die das Fahren der Klassiker in schöner Landschaft in den Mittelpunkt rückt. Willkommen bei der TRÄUME WAGEN KLASSIK.

Jedes Wochenende in jedem Sommer schreddern wieder Youngtimer, Oldtimer und Klassiker durch sämtliche Bundesländer. Es ist Rallyezeit. Am Steuer oft unentspannt guckende Herren mit Reizpotenzial, daneben von mindestens fünf synchronisierten Atomuhren umgebene verzweifelte Ehefrauen mit einem Roadbook auf dem Schoß. Dieser Sport ist cool, er ist anspruchsvoll – aber er kann sehr anstrengend sein, wenn man ihn ernst nimmt.Was am Freitag, den 17. Juli 2015 vor dem City Center Bergedorf anrollt scheint schon ab der ersten Minute von diesem Stress nicht befallen zu sein. Lachende, Mettbrötchen mampfende Menschen mit Kaffee in der Hand in coolen, fast ausschließlich europäischen Autos aus mehreren Jahrzehnten. Es sind mal andere als sonst, warum auch immer. Während man die Fotoserien der etablierten Veranstaltungen über die Jahre austauschen kann, weil sowieso immer die gleichen Goodwood-erfahrenen Kisten um die Wette fahren knötert hier ein Fiat 126, da ein D-Kadett und dort ein 190er Evo. Das geht gut los, und als Verlagsrepräsentanten lassen Marco und ich es in diesem Jahr in seinem wollüstig-roten 1984er Carrera krachen, den er gerade aus den Staaten importiert hat (siehe TRÄUME WAGEN 05/2015). Startnummer 1 hat dabei ausschließlich Nachteile. Man muss früh aufstehen, weil man als erster durch den Torbogen fährt. Und man kann niemandem hinterherfahren. Man ist auch nicht wirklich als allererster am Buffet bei den Etappenzielen, weil man sich an den vorgegebenen Zeitplan halten muss. Na super. Und los geht‘s, heute in Richtung Flesensee, morgen nach Berlin!
Dieses Mal heißt es: Umdenken.

a_DSC_0081

Das Konzept aus Roadbook-Navigation, Wertungsprüfungen und Zeitkontrollen ist auf dieser Veranstaltung bewusst entspannt gehalten, um allen Teilnehmern eine gut gelaunte Ausfahrt durch die wunderschönen Landschaften rund um die Mecklenburgische Seenplatte in ihren klassischen Autos zu ermöglichen. Das bedeutet weniger „fiese“ Streckenfindung, weniger Zeitprüfungen und längere Etappen, auf denen einfach nur gefahren wird. Das kommt gut an. Umdenken heißt für die Startnummer 1 aber auch, dass wir als Wegfindungspionier vorweg schroten und uns in Sicherheit wiegen, solange ein paar alte Hasen im Rückspiegel zu sehen sind. Das sind am Anfang meistens der silberne GTV 2000 Bertone und der rote MG. Zwischendurch zuckt Marco regelmäßig der Gasfuß, und er lässt den Luftboxer kräftig durchatmen. Wenn dann minutenlang niemand mehr hinter uns zu sehen ist wird er nervös und wirft vorwurfsvolle Blicke auf seinen Beifahrer und Navigator, der sich allerdings selten einer Schuld bewusst ist. Ein Dreamteam. Je weiter das Feld aus 35 Autos der Baujahre 1946 bis 1993 auseinandergezogen wird desto öfter kreuzen Teilnehmer die Strecke, die da eigentlich noch gar nicht sein sollten. „Touristisch“ heißt eben auch nicht „Kinderleicht“, wohl denen die sich beim Briefing im Vorfeld von Klaus Hartjen und Ingo Huter über die Tücken der Wegfindung haben aufklären lassen.

IMG_8305 AEP_7463
Treffen der Generationen. Eins haben alle gemeinsam: Historische Schönheit. 48 Stunden lang nach dem Weg suchen. Auch zur Mittagspause…
AEP_7534 AEP_6772
Mercedes, Alfa Romeo, Porsche – die Herzen der Zuschauer schlagen schneller als die der Fahrer.
AEP_7405
Selten oder noch nie gesehen. Oder schon lange nicht mehr.

Nach hochwertig asphaltierten Aufbau-Ost Alleen, kaiserzeitlichen Kopfsteinpflasterstraßen und vergessenen NVA Panzerplatten-Feldwegen schlemmen alle gemeinsam im Van Der Valk Landhotel Spornitz und sehen –hey!- tatsächlich noch weitestgehend gut gelaunt aus. Konzept aufgegangen? Wer jemals eine als „hart“ eingestufte Rallye gefahren ist wird wissen, welches Stress- und Streitpotenzial so eine Veranstaltung birgt. Das mag für viele eine Herausforderung sein, uns schmecken heute Fisch und Fleisch mit Gemüse und Kartoffeln einfach besser als je zuvor. Leider gibt es hier einen Ausfall zu beklagen, der Evo, bei dem grad noch die „Bulleneier“ gemacht wurden (wenn Sie nicht wissen was das ist hatten Sie noch keinen Mercedes) hat sein ganzes Hydrauliköl ungewollt den neuen Bundesländern spendiert. Exodus. Superschade, die Jungs hatten bis hierher richtig Spaß.

AEP_7271 AEP_7243
Nicht der Stärkere gewinnt. Sondern der mit dem besten Gefühl für Zeit und Auto. Auf öffentlichen Straßen, brav nach den Verkehrsregeln. Zeit genug ist da.

Aber wie gelassen ansonsten die Zeitfenster zwischen den einzelnen Zeitkontrollen und Stempelposten entlang der Strecke getaktet sind zeigt sich immer, wenn Gasfuß-Marco mal wieder die sechs Zylinder freigelassen hat und man einfach noch nicht mit uns rechnet…. Hektisch werden im Angesicht des roten Zuffenhauseners Tische aufgeklappt, Stempel gesucht und Uhren resettet. „Was wollt ihr denn schon hier, wir haben erst in 20 Minuten mit euch gerechnet?!“ Ja nun. So bleibt zwischendurch eben viel Zeit für die profanen Bedürfnisse entlang der Strecke und für Gespräche unter Männern, die thematisch für immer im Inneren dieses Autos bleiben werden. Doch bei aller Gelassenheit, die Ankunft im Iberotel Flesensee (das Etappenziel für den ersten Tag) ist wundervoll. Die Tische sind reichlich gedeckt und der Koch brutzelt schon emsig das Barbecue sponsored by Mirbach & Dost GmbH – Klaus Dost hat es sich übrigens nicht nehmen lassen, in seinem 1976er BMW 1502 die komplette Rallye mitzufahren und sollte in der Klasse 1971-1985 gemeinsam mit unserer Catherine einen respektablen 12. Platz erreichen. Aber das ist morgen. Alle Teilnehmer freuen sich heute über eine kühlende Dusche, britzelndes Mineralwasser, die Zwischenergebnisse und das eine oder andere alkoholische Getränk später am Seeufer bei einem unfassbar romantischen Sonnenuntergang. Geigen, bitte. Herrlich.

IMG_8341

Die zwei mit der Nummer 1 dürfen nicht so lange schlafen wie die anderen, denn um 9:01 Uhr geht es direkt und unbarmherzig weiter in Richtung Berlin. Im Parc Fermé dösen noch die Autos, in der Nacht hat es geregnet und ein paar verpennte Amseln trippeln zwischen Breitreifen und Stahlfelgen umher. Wohl dem frühen Vogel, und mit ein paar Litern Kaffee im Blut geht es mit peinlich-Hits der 90er weiter, vorbei an sehenswerten Orten mit lustigen Namen und saftigen Landschaften voller Menschen, Stempel und „Baumaffen“. Wir haben schon lange keine dieser aufgestellten Nummern mehr gesehen, die wir in die Bordkarten eintragen müssen, um den korrekt gefahrenen Streckenverlauf zu dokumentieren. Wieder vorwurfsvolle Blicke zum Beifahrer. Na danke. Vielleicht haben wir auch einfach nur zu laut und zu ausgelassen Herrenthemen diskutiert und uns zu wenig auf die Strecke konzentriert? Beim letzten Mittagessen auf Gut Hesterberg stehen alle Fahrzeuge sexy aufgereiht im Vorhof um einen plätschernden Brunnen herum, und noch einmal fällt auf, dass sich Oldtimerfreunde wegen ihres Hobbys immer finden werden, egal wie teuer oder wie alt ihre Autos sind. Da steht ein Mitsubishi Colt GTI von 1992 neben einem 1960er SL und einem Lancia Aurelia von 1956.

AEP_6903
Beifahrer oder Fahrer? So oder so gern gesehener Gast.
AEP_7315 DSC_0163
Ob oben offen oder geschlossen, Fahrer und Beifahrer haben alle Hände voll zu tun.
AEP_6791 DSC_0126
Das Verlagspony, dieses Jahr aber nicht mit auf der Strecke.
Wir fuhren Porsche…
Parc Fermé vor schönen Kulissen. Die Strecke ist gespickt mit einmaligen Orten

Da versprüht ein Audi Quattro von Treser seinen 80er Charme breitbeinig über die Motorhaube eines BMW 318 Cabrio. Ein Treffen der Generationen, man spricht über die Prüfungen, die falsch gefahrenen Nebenstraßen und die Autos, die man selbst gern hätte und die hier vielfach zu bewundern sind. Das macht Spaß, und irgendwie schweißt das zusammen.
Je weiter wir nach Berlin kommen desto eher existieren auch Möglichkeiten, einen Kaffee zu erwerben und den nicht gegen Glasperlen oder die Südfrüchte aus dem CCB Lunchpaket eintauschen zu müssen. Letzte navigatorische Anstrengungen durch den berliner Dschungel mit verheerenden Verkehrsmeldungen, die Autobahnen betreffend. Aber wer will denn schon heute noch nach Hause? Vor dem Forum Echt Köpenick werden die Teilnehmer von Passanten und Fans und dem fröhlichen Hauptmann von Köpenick in seiner Uniform begrüßt. Er ist der erste Cop, den wir auf der insgesamt 300 Kilometer langen Strecke zu sehen bekommen. Gibt es in den „neuen Bundesländern“ keine? Oder ist das Leben hier noch so in Ordnung, dass sie am Wochenende zu Hause bleiben? So oder so, ich fänd beides gut. Bei der schillernden Abschlussgala im pentahotel Berlin-Köpenick wird mit Preisen und Pokalen nicht gegeizt, und so mancher Teilnehmer wundert sich. Die einen, weil sie dachten, dass sie wesentlich besser abgeschnitten hätten. Und die anderen, weil sie mit einer derart guten Platzierung überhaupt nicht gerechnet hätten. Tja Kameraden, Atomuhren und digitale Trip-Computer sind eben nicht alles. Auch Herz, Hirn und ein bisschen Glück spielen bei der TRÄUME WAGEN KLASSIK mit. Jörn Rompel und Maren Hoffman haben sich in ihrem GTV 2000 Bertone den verdienten Pokal geholt, gut dass wir die so oft im Rückspiegel hatten.

Und wenn sich Mensch und Maschine auf dieses Credo einlassen, schreit das nach einer Fortsetzung im Jahr 2016. Oder?

DSC_0106
Abendausklang. Prost. Bis nächstes Jahr.

 

…und ein bunt leuchtender Christmas Tree – hinterm Deich bei Wilhelmshaven war wieder Jade-Race

DSC_3969

Eigentlich starten hier Flieger und Hubschrauber, doch vom 17. bis zum 19. Juli beherrschten PS-strotzende Dragracer das Flugfeld des Jade-Weser Airports in Mariensiel. Drei Tage lang drehte sich alles um die 1.459 Meter lange, kaum mehr als 600 Meter hinter der Deichkrone gelegene  Asphaltpiste, auf der mehr als hundertfünfzig Viertelmeilenrennen ausgetragen wurden. Mit Auslauf versteht sich. Denn in den oberen Klassen haben die leistungsstärksten Öfen beim Durchfahren der exakt 402,34 Meter vom Start entfernten Ziellinie schon mal bis zu 300 Sachen drauf.

DSC_3974 DSC_3851

Klar, das für derartige Beschleunigungsorgien nur allerstärkste Motoren zum Einsatz kommen. Um die gewünschte Maximal-Leistung aus einem Aggregat herauszukitzeln, versucht jedes Team seine eigenen Trümpfe auszuspielen. Entsprechend ringen vom Hubraum-Monster über Turbo-befeuerte und Kompressor-geladene Vier- und Sechzylinder bis hin zum Wankel unterschiedlichste Konzepte darum, die entscheidenden Zentimeter vorne zu liegen. Die stärksten Dragster kratzen an der 2000 PS Marke!

DSC_3886 DSC_4012

Um das zu erreichen, verbrennen die weitestgehend in Eigenarbeit gebauten Rennboliden neben Benzin so ziemlich alles, was zusätzliche Leistung verspricht: Ein wabernder Dunst, in dem sich die Gerüche von verbranntem Pneu, Benzin, Lachgas und verschiedensten Nitro-Spezialmischungen mischten, lag das ganze Wochenende über dem Gelände.

DSC_3835 DSC_3840

Daran freilich störte sich niemand. Im Gegenteil: Hauptsache, möglichst schnell über die Distanz zu kommen. Und dabei zählt neben der Motorleistung vor allem eine möglichst schnelle Reaktion. Denn nach dem Burnout, der dem Aufwärmen der Reifen dient, und dem Staging, bei dem die Wagen ihre Startposition einnehmen, gilt es in der Startsequenz, innerhalb einer Fünfzehntel Sekunde vom Fleck zu kommen. Die erste Zwischenzeitmessung erfolgt nach etwa 18 Metern (60 Fuß). Profis erreichen diesen Punkt in weniger als einer Sekunde und knallen dann bereits über 100 Sachen über die Piste.

DSC_3847 DSC_3853

Außerdem wichtig: Möglichst viel Grip. Und dafür sorgt hier beim nunmehr sechsten Jade-Race ein eigens gebauter Gegenläufer, der bei der Präparation der Piste für reichlichen Auftrag von Gummi sorgt. Überhaupt: Die Veranstaltung ist inzwischen zur festen Größe geworden und lockt eine beständig wachsenden Zahl von Rennteams nach Friesland. Fast 300 Teams lieferten sich in diesem Jahr auf zwei oder vier Rädern ein Duell auf der Viertelmeile.

DSC_3875 DSC_3951

Während der Rennpausen nutzten viele Besucher die Gelegenheit zu einem Streifzug durch Fahrerlager und Boxengasse auf dem Flugfeld. Hier empfing sie geschäftiges Treiben und ein nicht verstummender Soundteppich verrücktester Gefährte bis hin zum motorisierten Bierkasten, die um Aufmerksamkeit buhlten.

DSC_3960 DSC_4008

Wem das nicht Nervenkitzel genug war, der hatte in der Anfängerklasse sogar Gelegenheit, mit dem eigenen Wagen zu einen Rennen über die Viertelmeile anzutreten. So schaffte es unter Einhaltung der vorgegebenen Reglements sogar ein 36 Tonnen-Fahrzeugkran mit satten 1.850 Nm Drehmoment auf die Piste und über die Distanz.

DSC_4042 DSC_4043

Nicht alles lief an dem Wochenende nach Plan. Und wen es am Ende traf, dem war bisweilen nicht mehr zum Lachen zu Mute. So verweigerten diverse Motoren von vorne herein den Dienst, andere zerlegten sich gleich beim ersten Hochlaufen. Besonderes Pech hatte das Team eines Käfer, dessen Motor sich beim Burn Out mit einem lauten Knall verabschiedete. Streckensprecher Benni Voss‘ Hinweis, „hey Jungs, die Riemenscheibe liegt fünfzig Meter weiter auf dem Rasen,“ ist es zu verdanken, das alle Teile wieder eingesammelt werden konnten.

thumb_SAM_8440_1024 DSC_3979

Auch das Wetter spielte den Motorsport-begeisterten Fans zumindest am Sonntag einen Strich durch die Rechnung. Nachdem es in der Nacht geregnet hatte, waren am Sonntag morgen zunächst alle Besucher aufgerufen, mit ihren eigenen Wagen die Piste trocken zu fahren. Ein erneuter Regenguss am Nachmittag führte dann zum vorzeitigen Abbruch des Rennens.

DSC_3920 thumb_SAM_8337_1024

Dennoch: Alles in allem eine Gelungene Veranstaltung, die im nächsten Jahr sicher weiter wachsen dürfte.

thumb_SAM_8352_1024 DSC_4076

…ein Wochenende lang stand das Oberhausener Centro im Zeichen des America Way of Drive

Neues-Bild2Tiefes V8-Geblubber, Grills, die sich fast über die gesamte Fahrzeugbreite erstrecken, blitzender Chrom und und viel Leidenschaft – mehr als 1000 US-Cars fesselten vom 24. bis 26. Juli die Besucher der größten Einkaufsmeile Deutschlands, dem Bochumer Centro. Denn Dr. Mustang alias Jörg Jankowski hatte in der Location zum 12. US-Car Treffen gebeten. Nicht nur große Teile der Community aus Deutschland sondern auch zahlreiche Fans aus Österreich, der Schweiz und den Benelux-Staaten waren der Einladung gefolgt und stellten an diesem letzte Juli-Wochenende ihre Pretiosen zur Schau: Oldies nahezu aller Baujahre und Marken wie auch die allerneuesten Modelle von Mustang & Co.

Neues-Bild Neues-Bild9

Die mehr als 2.500 Besucher und Teilnehmer bekamen einiges geboten. So hatte sich der Veranstalter für jeden der drei Tage einen Höhepunkt ausgedacht: Während am Freitag die Willkommens-Party im „Three Sixty“ auf der Centro-Promenade die Fans in Feierlaune versetzte, war das Highlight des Samstagvormittags der große US-Car-Corso zum Bottroper Tetraeder, einer weithin in der Region bekannte Aussichtspyramide auf einer 90 Meter hohen Abraumhalde, und am Sonntag stand als krönender Abschluss des Treffens die Verleihung zahlreicher Pokale für die schönsten US-Cars an.

Neues-Bild15 Neues-Bild12

Auch die zahlreichen Spendenrundfahrten stießen auf großes Interesse. Hier konnte, wer wollte, gegen eine Spende für humanitäre Kinder- und Jugendprojekte als Beifahrer eine Runde um das Centro zu drehen und dabei in vollen Zügen den American Way of Drive tief einsaugen. Ständig belagert war auch der aufgebaute Leistungsprüfstand, der vielen Fans die Chance bot, den aktuellen Leistungsstand ihres Fahrzeugs zu ermitteln.

Neues-Bild20 Neues-Bild27
Auf der großen Händlermeile mit Anbietern wie Velocity, Schmidle Automobile, Classiccarcompany, Mustang Deutschland und Aero konnten die Fans bei den aktuellen Modellen schon einmal Maß nehmen und sich über die letzten Tuning- und Zubehör-Neuheiten informieren. Auch der Mach 1-Mustang am Stand der TRÄUME WAGEN zog viele Besucher magisch an. Zahlreiche Leser nutzten die Gelegenheit zu einem Plausch und nahmen gern eines der kostenlos verteilten Magazine zur Lektüre mit nach Hause.

Und im Begleitprogramm sorgten die Bands „Free Bears“ und „Matt & Joe“ für Stimmung. Ein großes Kompliment gilt auch dem Veranstalter, schon allein deshalb, weil er es fertig brachte, das auf dem Gelände Campen und Grillen erlaubt wurde. Einhellige Meinung aller Besucher: Nächstes Jahr kommen wir wieder.

Neues-Bild29 Neues-Bild31
Neues-Bild33 Neues-Bild35
Neues-Bild37 Neues-Bild41

Liebe Autosiasten,

wir hatten tatsächlich schon ein paar schöne, sonnige Tage in der jüngsten Vergangenheit – da konnten selbst die Roadsterfahrer unter uns einfach mal durch die Gegend cruisen, ohne schnell wieder in die Garage zu müssen. Wenn da nicht §30 Abs. 1 Satz 3 der Straßenverkehrsordnung wäre. Denn dieser    Paragraph gestattet eigentlich genau das nicht: „Unnützes Hin- und Herfahren“ ist verboten und kann mit einem Verwarnungsgeld von 20 Euro belegt werden.
Und das schon lange. Und immer noch.
'Editorial TRÄUME WAGEN 08/2015' weiterlesen

Mit seinen 43 Jahren ist der Oldsmobile Cutlass 
Supreme 442 im besten Alter – zwar kaum mehr original, dafür rockt der einstige GTO-Jäger seinen Besitzer Thorsten Brack bei jedem 
Wetter. Auch bei Sintflut in Köln
02-Oldsmobile-Asphalt-09bearb1

Klack, der Knopf der langen Fahrertür hebt sich mechanisch. Obendrauf steckt ein grimmig glotzender Totenkopf. Ein Pendant dazu findet sich auf dem Schalthebel am Lenkrad, ein anderes etwas größer auf der Hutablage hinter den Rücksitzen. Gruselig, passt zum Wetter.

Über Köln schüttet es, als würde das Jüngste Gericht sich diesen Tag zur letzten Abrechnung ausgesucht haben. Das kann uns jetzt auch nicht mehr erschüttern: Wir sind mit Thorsten Brack in seinem tiefschwarzen Oldsmobile Cutlass Supreme unterwegs und fühlen uns ein bisschen wie im Bauch von Noahs Arche. Das liegt zum einen am Wetter, zum anderen an der schieren Größe des Gefährts. Trotz der nur zwei seitlichen Türen erweckt es den Eindruck, 
als könne es locker zwei Lebewesen von jeder Art beherbergen und vor dem beharrlich prasselnden Kölnisch Wasser retten.

Seinen Werdegang hat der Olds ursprünglich dem Pontiac GTO zu verdanken, der unerwartet schnell in der Käufergunst stieg. General Motors wollte und musste im eigenen Hause reagieren, damit die Tochter Oldsmobile nicht nur die Auspuffe des GTO zu sehen bekam und rief schnell für das Grundmodell F-85 und den Cutlass die Ausstattungsserie „442“ ins Leben. Ursprünglich war das die Power-Option für nordamerikanische Polizeifahrzeuge und brach eigentlich das Konzerndogma, in der Mittelklasse keine Motoren mit mehr als 5,4 Litern Hubraum anzubieten. Aber der Kunde wollte kleine Autos mit viel zu großen Motoren. „442“ war somit ab 1964 die einfache Formel für „vier Vergaser, vier Gänge und zwei Auspufftröten“. Das begriffen auch Mathe-Verweigerer. Aus der Ausstattung wurde eine eigene Modellbezeichnung.

09-Oldsmobile-Interieur-01 09-Oldsmobile-Interieur-20
Kunstleder, Plastik und Holz: Schwarz-Braun soll mein Mädel sein – mehr braucht es nicht Mit dem Dead-Head am Knüppel wird man ein bisschen schaltfaul. Gut, dass es eine Automatik ist

Acht Jahre später bäumten sich die letzten Mid-Size-Coupés noch einmal in der Abenddämmerung der Muscle-Car-Ära zu einem letzten Angriff auf die Geldbörsen auf. Aus kleinen, filigranen Karossen mit mehr als reichlich Drehmoment auf der Hinterachse waren inzwischen schwere, große Karren mit reichlich Speck unter dem Hüftschwung geworden. General Motors übermalte die Tatsache, dass hier übergewichtige, plüschige Klötze gebaut wurden einfach mit weiterem Eingruppieren in das „Mittelklasse-Segment“ und Motoren mit kathedralenähnlichen Hubräumen. Knapp acht Maßkrüge Bier als Brennraum und knapp 700 Newtonmeter Drehmoment konnten eigentlich nur Ozeandampfer übertreffen, und da war es fast egal, dass die Modelle an die zwei Tonnen schwer waren. Und Kurven gab es auch im Amerika der 70er Jahre nicht.

Thorsten Brack nimmt es mit den Details seiner Autos nicht so genau. Er besaß einen 64½-Mustang und wollte den nicht mehr haben, die Sympathien füreinander waren abgegriffen – manchmal ist das bei in die Jahre gekommenen Beziehungen eben so. Also machte er sich auf die Suche nach etwas Klotzigerem mit langer Haube. Der Pixel-Café-Fotograf aus Köln wollte ein Pixelmobil haben: Eine zuverlässige, nicht zu schicke Amikarre, mit der man auch mal beim Kunden vorfahren kann. Direkt aus Kalifornien kam dann dieser Olds 442 zu einem Händler nach Mörfelden gerollt, und die beiden tauschten schlicht die Autos.
Der schwarze Zweitürer war in einem guten Zustand, und Brack nahm ihn nach einer kleinen Probefahrt und ein paar netten Burnouts mit nach Köln. Dort sollte der Dicke frisch betankt werden, damit der Sprit auch bis vor die Haustür reicht. An einer freien Tanke mit ziemlich langsamem Durchsatz bei den Säulen ließ er laufen. Und laufen. Und laufen. Zwei mal ging er in die Knie und schaute unter das Auto, ob das gute Super vielleicht raustropft. Nein: 63 von 65 möglichen Litern gluckerten in den Tank. 7,5 Liter Hubraum wollen eben gefüttert werden.

Viele weitere Überraschungen kamen nicht. Außer, dass an dem Auto einst eine Menge herumgebastelt wurde. Brack und seine Freunde investierten nach und nach rund 300 Stunden Arbeit und knapp 10.000 Euro in die Erneuerung der Heizung (die Klimaanlage war wie so oft einfach abgeklemmt und rausgerissen) und aller Vakuumschläuche, in eine Revision der Vergaser und der Zündung, in neue Lager für Vorder- und Hinterachse und in die Felgen sowie die zweiflutige Auspuffanlage. War schon beim Kauf nicht mehr viel original am Auto, ist es jetzt noch weniger. Aber Thorsten Brack ist kein Purist und trägt’s mit Fassung, muss aber immer wieder schmunzeln. Bei genauerem Hingucken sind nicht mal zwei gleiche Rückspiegel am Wagen dran. Man sucht noch…

09-Oldsmobile-Interieur-04
Zwei Türen mit Hüftschwung auf gut fünf Metern: In den frühen 70ern konnte Oldsmobile noch sexy Muskeln bauen

Fakt ist, dass der Cutlass 442 permanent schlecht gelaunt aussieht, aber seinen Dienst zuverlässig und ohne nervige Aussetzer verrichtet – der alte Säufer. Er ist eben kein liebenswerter Vertreter der Kabinenroller-Fraktion oder ein fröhlich lächelnder Austin. Er ist ein rabenschwarzer Oldsmobile, aus dem Vollen gefräst und in einer Zeit entstanden, als die Dimensionen eines Autos mehr zählten als womöglich praktisches Industriedesign. Mit der dicken Nase guckt der Wagen immer ein bisschen gelangweilt, und bei dem Wetter zum Fotoshooting in Köln kann man ihm das nicht mal übel nehmen.

Die eigenen Herzkammern füllen sich erst wieder leicht mit Adrenalin angereichertem warmem Blut, als sich die Brennräume des Olds mit kaltem Benzin füllen und das Triebwerk zum zornigen, bassigen Leben erwacht. Jaaaa, da sind sie, die acht Zylinder. Im Inneren ist es angenehm trocken, und die Arche-Assoziationen reduzieren sich hier nur auf den 
Armaturenträger, dessen drei Rundinstrumente von einem plankenähnlichen Stück braunem Holz gerahmt werden.

In der Mittelkonsole verströmen noch drei weitere kleine Anzeigen ein warmes, gelbliches Licht. Sind die original? Weiß Brack nicht. Ihm ist auch viel wichtiger, mit der rechten Hand den Totenschädel an der Lenkradschaltung zu sich heranzuziehen und die erste von drei Fahrstufen an der TH-400-Automatik einzulegen. Ein anspruchsloses Heavy-Duty-Getriebe übrigens, das auch in Jaguar, Rolls-Royce und Ferrari zum Einsatz kam. Niemand spricht bei diesem späten 442 darüber, dass er nur noch drei statt der damaligen vier Gänge hat. Reicht doch auch.

Der Dampfer setzt sich grollend in Bewegung und durchquert eine Unterführung, die sowohl den Regen kurz ausblendet als auch den Sound angenehm betont. Er gleitet platschend durch tiefe Pfützen, in denen das verkleckerte Öl anderer Autos farbenfroh schillert. Egal, wer einem begegnet – die Leute freuen sich unter ihren Regenschirmen über den Sound und die klaren Formen des Olds. Kein Vinyldach, kein überladener Chromzierrat, das Auto ist einfach klotzig, kantig, irre groß und schon vorbeigefahren. Und der Tank auch wieder leer.

08-Oldsmobile-Motor-02 08-Oldsmobile-Motor-01
Klare Ansage auf dem Grill: 442 war ursprünglich mal eine
Police-Force-Option, später Modellname und Ausstattung
Der will nach vorn: Fast acht handelsübliche Milchtüten Hubraum setzen Benzin und Luft in Bewegung um

Thorsten Brack bewegt den Cutlass bei jedem Wetter, er ist das „Pixelmobil Nummer 1“. Der Wagen ist Protagonist bei Fotoshootings, steht auf US-Car-Treffen herum und wird auch gern mal zum wochenendlichen Haubensitzen bemüht. Weil fast alle Freunde auf diese eine schwarze Haube passen, und je nachdem, wie lang die Anreise ist, kommt von unten eine kernschmelzengleiche Wärme zum Kölsch.
Der 1972er Cutlass Supreme ist vielleicht das letzte wirklich als „cool“ zu bezeichnende Coupé von Oldsmobile. Was GM danach auf die Räder stellte, lässt sich wie eine Schablone über die kantigen Karossen von Ford und Chevrolet legen. Immer noch krass groß, aber nicht mehr mit diesen wollüstigen Linien gezeichnet. Ölkrisen, überforderte Versicherungsgesellschaften und neue Abgasvorschriften leiteten das Downsizing ein – erst bei den Motoren und dann bei den Modellen selbst.

Und auch wenn die bunten Pinstripes auf dem schwarzen Lack ein bisschen wie das Arschgeweih einer 16-jährigen Vorstadtschönheit aussehen, der Gesamtauftritt des Pixelmobils ist konsequent und kompromisslos. Jeder wie er will, inklusive dem Totenschädel auf der Hutablage. Und wenn man genau hinschaut, scheint der ein bisschen zu lächeln.

04-Oldsmobile-Gleise-13bearb1

TECHNISCHE DATEN
Oldsmobile Cutlass Supreme 442
Baujahr: 1972
Motor: V8
Hubraum: 7.462 cm3 (455 cui)
Leistung: 268 kW (365 PS)
Max. Drehmoment: 681 Nm
Getriebe: Dreigang-Automatik
Antrieb: Hinterräder
Länge/Breite/Höhe: 5.273/1.951/1.340 mm
Leergewicht: ca. 1.900 kg
Beschleunigung 0-100: 8,9 s
Top-Speed: 189 km/h
Wert: ein Ford Mustang 64 ½