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Klar kennen die meisten Sportwagenfreunde die kultigen Roadster der britischen Traditionsmarke Morgan. Und doch haben viele diese urigen Autos bei der Zusammenstellung ihrer automobilen „wishlist“ vermutlich nicht auf der Pfanne. Zu Unrecht, wie wir nachfolgend am Beispiel des aktuellen Plus 8 zeigen werden

Um es vorwegzunehmen: Eine gewöhnliche Kaufberatung mit der Aufdeckung alterstypischer Gebrechen wird es diesmal nicht, denn der Gegenstand unserer Betrachtung ist ein Neuwagen, den Sie so noch aus dem Katalog bestellen können. Auch wenn er nicht so aussieht. Genau das wird auch der Hauptgrund sein, weshalb heutige Sportwagenfreunde der über hundertjährigen Automanufaktur in der Pickersleigh Road im mittelenglischen Malvern (Grafschaft Worcestershire) nicht noch mehr die Tür einrennen als sie es sowieso schon tun, denn für Morgan-Neufahrzeuge gibt es Lieferfristen von drei bis sechs Monaten, selten kürzer. Wenn es gut läuft. Es können aber auch bis zu 18 Monate sein.

Das erinnert beinahe an die Trabant-Neuwagenzuteilung in der alten DDR, wenngleich die natürlich nie auch nur annähernd dasselbe Begeisterungspotenzial aufbauen konnte. Aber mehr als drei bis vier Autos täglich schaffen die Handwerker in Malvern einfach nicht.

2013 wurden immerhin 1000 Exemplare gebaut – verdammt viel für die rund 180 Beschäftigten. Die Verknappung führt zu einer außerordentlichen Wertstabilität auch bei den Gebrauchtwagen.

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Britischer Automobilbau mit Tradition

Vielleicht müssen wir doch noch ein paar Worte über die skurrile Fertigungssituation verlieren, in der Morgan-Automobile entstehen, denn dieses Wissen gehört einfach dazu, wenn man über einen solchen Kauf nachdenkt – auch wenn es am Ende ein Gebrauchter sein soll. Die „Fabrik“ in Malvern, die nach wie vor als Familienunternehmen geführt wird (wenn auch ohne einen Mr. Morgan als CEO), besteht im Wesentlichen aus zwei Backstein-Hallenkomplexen, die unmittelbar gegenüber einem Reihenhaus-Wohngebiet liegen. Man kann dabei sein, wenn das eigene Auto entsteht – gefertigt wird ausschließlich auf Bestellung – und einige Kunden tun das auch. Aber auch so lohnt es sich, die Traditionsstätte beim nächsten Englandbesuch mit auf den persönlichen Routenplan zu nehmen.

Außer der reinen Produktion gibt es inzwischen ein kleines Werksmuseum, das jährlich von rund 25.000 Besuchern frequentiert wird. Über weite Strecken der Fertigung könnten Besucher den Eindruck gewinnen, in einer Schreinerei oder Schlosserei zu sein. Ein Fließband sucht man vergebens: Die ausschließliche Handarbeit ist es, die Morgan-Käufer so fasziniert – vergleichbar nur mit maßangefertigter Kleidung oder von Uhren mit Manufaktur-Kaliber. Es hat deshalb auch seinen Grund, weshalb man den Morgan 4/4 als einziges Automobil über den Edel-Versandhändler für neue alte Dinge „Manufactum“ bestellen kann.

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Der Japaner Kamui Kobayashi pilotiert nicht nur einen Caterham in der Formel 1, 
er bestückt auch einen Straßen-Caterham mit seinen Ideen. Das Ergebnis: die auf zehn Exemplare limitierte Sonderserie 250 R Kamui

Caterham reißt in der Formel 1 keine Bäume aus. Aber wer jemals in einen Straßensportwagen der kleinen englischen Manufaktur passte und so eine Zigarre fahren durfte, wird die Freude am puristischsten aller Serienautos nicht vergessen. Und jetzt soll der ehrwürdige Caterham Seven vom Formel 1-Engagement profitieren –mit zahlreichen Designideen des F1-Piloten Kamui Kobayashi. Herausgekommen ist der Caterham Seven 250 R Kamui Special Edition.

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Da freuen sich besonders die Japaner, denn Japan ist Caterhams zweitwichtigster Exportmarkt und der F1-Pilot ist in seiner Heimat ein Superstar. Offenbar steht Mister Kobayashi auf Schwarz: Die Karosserie trägt eine glanzschwarze Lackierung mit mattschwarzen Streifen. Vorne trägt der Caterham Seven 250 R Kamui Special Edition eine Plakette mit der Zahl „10“ – Kobayashis Startnummer in der Formel 1. Das Sondermodell ist ein reiner Einsitzer. Unter der Haube sitzt ein 1,6-Liter-Ford-Vier­zylinder mit nur 127 PS und 163 Nm. Aber das reicht, den britischen Boliden über ein manuelles Sechsganggetriebe in 5,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h zu beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h.

Ganze zehn Stück entstehen – für Japan. Dort kostet er umgerechnet etwa 43.500 Euro.

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Fotos: Caterham

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Sportlimousinen? Was als Begriff zunächst wie ein fauler Kompromiss klingt, ist im Falle des BMW M5 und des Alpina B10 ganz vortrefflich gelungen. Beide Über-Fünfer verbinden erfolgreich das Beste aus zwei Welten – und das seit mittlerweile mehr als einem Vierteljahrhundert

Schnelle Businesslimousine? Wer in den späten 1980ern mit diesem Begriff wedelte, hatte meistens nur ein Auto im Sinn: den ab 1988 gebauten BMW E34. Das war in der oberen Mittelklasse der sportive Kassenschlager, gut motorisiert mit serienmäßigen Sechszylindern. Dazu gab es ein fein ausbalanciertes Fahrwerk und natürlich den obligatorischen Heckantrieb.

Der größte Feind des Guten war jedoch schon immer das Bessere. Und so wundert es kaum, dass für die Extraportion „Freude am Fahren“ die zwei hier vorgestellten Fünfermodelle den uneingeschränkten Vorzug vor ihren volksnahen Serienbrüdern bekamen und heute bereits eine feste Fangemeinde um sich scharen: der BMW M5 und der Alpina B10 3.5.

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Sportler im Maßanzug

Beide Youngtimer, BMW M5 und Alpina B10 3.5, sind seriöse Spitzensportler im Maßanzug. Kaum zu glauben, dass ihre elegante Linienführung aus der Feder von Claus Luthe inzwischen mehr als 25 Jahre alt ist.

Unter der zeitlosen Hülle bieten sie Technikpakete auf dem Niveau hochkarätiger Sportler. Es sind zwei hochinteressante und äußerst stimmige Fahrzeugkonzepte, die den Spagat beherrschen: Wochentags als gutmütiger Daily Driver und am Wochenende für den Power Play-Ausflug auf die Nordschleife.
Dabei gibt es äußerlich für Nichteingeweihte bis auf Schriftzüge und spezielle Details wie sportlich akzentuierte 17 Zoll große Rad-Reifen-Kombinationen, dezente Schürzen und moderat größere Auspuffanlagen keine Anhaltspunkte, dass es sich tatsächlich um Tarnkappen-Boliden mit der Lizenz zum Tiefflug auf der linken Spur handelt.

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US-Car-Treffen gibt es viele – aber meistens weiß man schon vorher, was einen erwartet. Beim Saisonauftakt am „Chrome Diner“ im Holsteinischen Lensahn ist das nicht der Fall: Hier kommt jeder, der glaubt, sein Auto zeigen zu müssen. Aber warum auch nicht?

„Kommst du am Samstag auch zum Treffen?“
„Nee, da ist ja nur für Mopars.“
„Nee, da ist ja nur für US-Cars bis Baujahr 1970.“
„Nee, keine europäischen Autos erlaubt…“

Klassische Sätze von Menschen, die sich nicht in die großen Auto-Schubladen pressen lassen wollen oder können. Die einen Opel Monza fahren, weil sie einfach keine Knete für einen 68er Charger haben. Oder die den Rüsselsheimer eben mehr lieben als den Ami. Die mit ihrem tiefer gelegten T1-Bulli ausgesperrt werden, eben weil er tiefer gelegt ist.

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Jörg W. Voigt vom „Chrome Diner“ in Lensahn kann mit solchen Restriktionen nichts anfangen. Seit Jahren ruft er die Besitzer aller Klassiker zu seiner originalen Burgerbude in Schleswig-Holstein, um den Auftakt der Oldtimer-Saison zu feiern. Da tanzen die Kolben in den Mai – egal ob die Kiste uralt oder nur alt ist, ob rott oder poliert, ob VW oder Cadillac – ihm sind alle auch nur halbwegs coolen Autos willkommen. Und dazu gehören nach Ansicht von Burger-Fans auch Neuwagen – die Voigt nicht vom Grundstück jagt. Das spaltet die Fans allerdings in drei Lager.

Da sind zunächst die Klassiker-Puristen. Sie finden, dass hier auf dem Platz viel zu viel Plastik parkt. Neuwagen mögen sie einfach nicht und hinterfragen manchmal (aber nicht sehr laut), warum die denn auch auf ein Treffen kommen. Das würde ja das Bild verwässern. Sie rotten sich in sonnigen Ecken des großen, total überfüllten Parkplatzes zusammen und witzeln zwischen Challenger, Charger und GTO darüber, dass womöglich bald auch noch Motorräder zugelassen würden. In dem Moment kommt ein ganzer Pulk von alten Harleys und neueren BMW der New York State Police auf den Platz, inklusive Polizeihund. Der langhaarige blonde Officer spendiert den Jungs ein Tablett Kaffee. Na gut, Motorräder sind ja vielleicht doch nicht so doof.

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Die zweite Fraktion bilden die Bastler und die Fast-Neuwagen-Fahrer. „Newtimer“ nennt man das. Sie fühlen sich wohl zwischen all den Menschen, haben ihre Schätzchen nicht ganz umsonst stadtfein gemacht und sehen sich als Einsteiger in die Altauto-Gemeinschaft. Meistens ist die Haube offen, und die Masse Kunststoff darunter wird von den Puristen kritisch begutachtet. Na ja, immerhin auch ein V8. Als der Opel Diplomat um die Ecke kommt, wird auch der einigermaßen freundlich begrüßt. Und der Chevy da vorn ist von 2003, aber es ist ja ein altes Modell. Holt mal jemand ein Bier? Es ist sehr warm und es gibt eine Menge zu bequatschen.

Und dann sind da noch die Jungs, deren Hinterräder permanent durchdrehen. Zwischen den johlenden Menschen, auf dem Asphalt, auf dem Parkplatz, beim Kommen und beim Gehen. Um ihre Autos aus allen Baujahren herum riecht es ständig nach verbranntem Gummi, und laut ist es auch. Sie werden wahrgenommen – ob man das will oder nicht.

Und Jörg W. Voigt steht mitten drin mit seiner Leuchtfarben-Warnweste, winkt, leitet und diskutiert. Er hat ordentlich Prügel bezogen auf Facebook, weil er sich nicht mit Autos und Baujahren festlegen wollte. Und jetzt? Sind sie alle hier. Feiern, reden, lassen Gummi auf der Straße. Und haben einen richtig guten Tag.
Jemand was dagegen?

www.chrome-diner.de

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Fotos: Jens Tanz