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TRÄUME WAGEN feierte mit der feinen englischen Sportwagenmarke von Italien bis London und in Pebble Beach

Es ist wohl der schönste Grill in der Sportwagenwelt. Im oberen Teil S-förmig, wie geöffnete Lippen, immer hungrig, manchmal leicht lächelnd, stets stilvoll. Aber nie arrogant, überheblich, herablassend. Er gehört zu einer der ältesten unabhängigen Automarken der Welt: Aston Martin. 1913 gegründet, heute so gesund wie nie zuvor, was nicht viel heißen muss, weil sie den größten Teil ihrer Existenz immer wieder vor diversen Insolvenzen stand. Und trotzdem immer respektiert wurde – wegen ihres Lebenswillens, ihres Stils, ihres Designs. Und ihrer Aura.

Am Hauptjubiläumstag in London mit Mark Gauntlett ein Gespräch darüber zu führen, ist eine echte Aufgabe. Der Brite – Chef der Aston-Martin-Abteilung Experience & Heritage Communications sowie Vermögensverwalter beim Aston Martin Heritage Trust und Sohn des ehemaligen Aston-Martin-Eigners Victor Gauntlett – wird immer wieder begrüßt und beglückwünscht für die Wahnsinnsausstellung in Kensington Gardens mitten in London: 101 verschiedene Aston Martin von Baujahr 1922 bis 2013, dazu 23 der berühmtesten Rennwagen der Marke, plus eine Handvoll One-Offs sowie die wichtigsten Bond-Cars. Auf dem großen Parkplatz daneben sammeln sich rund 700 Aston Martin, gefahren von ein paar der insgesamt 50.000 Besuchern des 100. Geburtstages der englischen Sportwagenfirma: „Das ist wirklich unglaublich,“ schüttelt Gauntlett den Kopf, „und der Tag ist leider viel zu kurz, um mit allen aus der Familie zu sprechen.“

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Ob unter- oder überirdisch: So ein DB9 Volante macht überall eine gute Figur

 

Mit Familie meint er nicht seine eigene, sondern die große: alle Aston-Martin-Eigner, -Fans, Freunde. Denn im Vergleich zu anderen Marken ist diese Familie recht übersichtlich: In 100 Jahren hat Aston Martin 65.000 Autos gebaut, davon 50.000 alleine in den vergangenen 13 Jahren. Was mit „Familie“ gemeint ist, erfahren wir auf der „Rallye to London“: AM-Deutschland-Geschäftsführer Jeffrey Scott hat eine besondere Tour ins Leben gerufen, damit die europäischen Fans der Marke nicht nur das Wochenende in London genießen, sondern schon die Fahrt dorthin nicht mehr vergessen. 50 Eigner von Aston-Martin-Modellen starten vom Comer See in Italien zu einer 1600 Kilometer langen Fahrt kreuz und quer durch Europa, um im Laufe der Tour weitere Fans mit Autos aufzusammeln und dann mit insgesamt 100 Wagen drei Eurotunnel-Züge zu entern, um in London einzufallen.

Aston im Konvoi

Für uns hat die Company einen DB9 Volante reserviert – der mit V12 und 517 PS gut gerüstet ist, um lautstark durch die Tunnel rund um den Comer See zu donnern, die Schweiz entspannt zu durchqueren, in Deutschland dem Fahrer auf der Autobahn mit knapp 270 km/h den Kopf zu massieren, um dann die Weinstraße, die Eifel und die Ardennen zu putzen. Durch den Eurotunnel erreichten wir dann London – Geburts- und Haupt-Feierort des Sportwagenherstellers.

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Aston Martin in Pebble Beach: Auch die Amerikaner wissen, was sie an der kleinen englischen Marke haben

 

Dort wartet Mark Gauntlett, der natürlich gerade wieder Hände schüttelt und Fragen beantwortet. Zum Beispiel die, wie lange die Firma, der Heritage Trust und der Aston Martin Owners Club gebraucht haben, um die phantastische Sammlung an diesem Tage zusammenzustellen (mehr als eineinhalb Jahre), von wo der am weitesten gereiste Wagen her kommt (Japan) und welches Auto am schwierigsten zu besorgen war: „Das ist wohl der Clover Leaf von 1924, der im Mai desselben Jahres den Aston Hill Climb mitgefahren ist. Der kommt gerade von einer Restauration, vorher stand er 30 Jahre lang in einer Scheune. Wir haben insgesamt 20 Jahre lang versucht, die Besitzerin zu überzeugen, den Wagen zu restaurieren und auszustellen. Erst jetzt hat es geklappt.“

Mit Akribie haben die Verantwortlichen die Meilensteine der Historie zusammengesammelt – allerdings fehlt die Nummer 1. Der erste Aston-Martin, damals noch mit Bindestrich geschrieben. Der „Coal Scuttle“ von 1915 hat die damaligen Test-Torturen am Aston Hill (siehe Kasten Historie) nicht überlebt. Das älteste überlebende Stück ist einer von drei 1922 gebauten A3. Nach einer Odyssee durch viele Hände ersteigerte der Aston Martin Heritage Trust das Stück im Jahr 2002.

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Mitte der 60er-Jahre wurde bei Fiat zu Homologationszwecken ein ehemaliges Ferrari-Formel-1-Triebwerk für die Großserienproduktion „gezähmt“. Für dieses potente V6-Aggregat wurde von Bertone eine hinreißende Coupé-Karosse entworfen: der Dino. Diesem betörenden Stück italienischer Automobilkultur hat „BoS-Models“ eine fabelhafte Replik aus Resine im Maßstab 1:18 gewidmet. Alle Details des Originals wie z.B. die Luftauslässe an den vorderen Kotflügeln, die Bertone-Logos darunter sowie die Entlüftungsauslässe an den hinteren Seitenfenstern wurden vorbildgerecht wiedergegeben. Das nicht minder detailverliebte Interieur wird durch die großen, klaren Fensterflächen sichtbar.
Artikelnummer 193253.
Preis: 99,95 Euro

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Schreibtisch-Deko aus der originalen Schraubenmännchen-Kollektion von Boystoys HK Design: Der „Stifthalter Motorrad“ im puristischen Metall-Design wird in präziser Handarbeit gefertigt. Jeder Motorrad-Stifthalter ist ein Unikat. Details: Stifthalter für einen Stift, handgefertigt vom MetallArt-Designer.

Länge: 15 cm, Breite: 5 cm, Höhe 10 cm,
Gewicht: 0,2 kg.
Preis: 24,40 Euro.

www.boystoys.de

 

 

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BMW M3. Entwicklung – Modelle – Technik ist ein neues Buch über die Powermodelle der bayerischen Mittelklasse. Von Anfang an renntauglich konzipiert und konsequent auf das Reglement der Gruppe A ausgelegt, entwickelte sich das Sportmodell der 3er-Reihe E30 zum erfolgreichsten Tourenwagen der Rennsportgeschichte. Autor Graham Robson zeichnet in seiner Typenmonografie ein gelungenes Porträt einer der beliebtesten Kreationen der M GmbH, akribisch recherchiert und ausführlich bebildert.

216 Seiten,
16 s/w- und 211 Farbabbildungen,
233 x 285 mm,
gebunden mit Schutzumschlag.
39,95 Euro.
ISBN-Nr.: 978-3-86852-889-3

 

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In der dritten Staffel des Serienhits von Produzent, Autor und Schauspieler Kurt Sutter wird Jax, Sohn des Gründers des gesetzlosen Biker-Clubs „Sons of Anarchy“, von den Sünden seines Vaters eingeholt. Die Entführung von Jax‘ kleinem Sohn Abel löst Chaos und Verwirrung aus, und dass Gemma ein Mord in die Schuhe geschoben wird, verschärft die Situation noch mehr. Abels Spuren führen SAMCRO nach Irland und schließlich kommen Geheimnisse ans Licht, die die Bruderschaft schwer erschüttern. Jax kämpft mit Fragen, auf die er keine Antworten findet – und dabei geht es für ihn um alles: das Erbe seines Vaters, die Zukunft des Clubs und nicht zuletzt das Schicksal seiner Familie.

 

 

 

 

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Alphatier ist Marius Müller-Westernhagens mittlerweile 19. Studioalbum. Das in Südafrika,
New York und Berlin entstandene Werk ist nicht weniger als die Quint­essenz einer ein­maligen Karriere und hat das Potenzial, an Westernhagens größte Erfolge anknüpfen zu können. Schwachstellen sind praktisch nicht auszumachen. In jedem Fall ist Alphatier die Platte geworden, auf die vermutlich viele Fans noch einmal gehofft haben. Als CD, CD + DVD, Doppel-Vinyl und in limitierter Auflage mit zwei Bonustracks + zehn Videos auf CD/DVD. Erhältlich im Fachhandel und unter

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Porsche mal anders: ein wunderbarer Begleiter auf allen Wegen. Hauptfach mit Kopfhörer­kabelausgang, wasserabweisenden Außenreiß­verschlüssen, ergonomisch geformte Rücken­polsterung mit Luftzirkulationssystem und alles in Schwarz.
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Zum 100. Geburtstag der Morgan Motor Company hat sich die kleine britische Familien-Firma ein Vehikel gegönnt, das an die Anfänge der Erfolgsgeschichte im Jahr 1909 erinnert: den 3 Wheeler. Allerdings macht das Dreirad auch erlebbar, wie Fahren ohne Komfort, Platz und Elektronik funktioniert. Kurz: Lange nicht mehr so viel Spaß gehabt. Auch wenn man kräftig Lehrgeld bezahlt

Plötzlich ein Kantholz auf der Fahrbahn? Ha, lächerlich. Mit einigermaßen guten Reflexen nimmt man das Teil erst vorne zwischen die Räder und dann hinten…. S C H E I S S E E E E E….!!!!!

Das mittige 17-Zoll-Rad mit dem 175er Reifen knallt voll auf das blöde Stück Holz, das Heck hüpft bei etwa 90 km/h in die Luft. Was für ein Glück, dass vorne die Spur so breit ist – das Heck setzt wieder auf der Fahrbahn auf, ohne dass der Morgan unruhig wird. Lehre Nummer 1: Ein Dreirad ist kein Vierrad.

Das klingt banal. Aber wenn man ganz normal mit diesem Auto umgeht… – wieder falsch: Mit diesem Morgan, der schlicht „3 Wheeler“ heißt, kann man gar nicht normal umgehen. Schon die Existenz des gesamten Auto-Portfolios, wenn nicht auch die der ganzen Firma Morgan ist anachronistisch. Morgan ist nicht nur der älteste und größte englische Autohersteller in englischer Hand, sondern auch noch der einzige, der wie vor Jahrzehnten Eschenrahmen unter die Karosseriepaneele baut. Und vor kurzem haben die auch noch ein Auto gebracht, dessen Vorgänger im Jahre 1909 entwickelt wurde. Lehre Nummer 2: Die spinnen, die Briten.

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Mehr Show geht nicht – der Morgan 3 Wheeler trägt seinen Zweizylinder-Motor am rechten Fleck, nämlich ungeschützt vorne

 

Aber ihr Spleen ist so genial, dass selbst der gestrenge deutsche TÜV den Daumen gehoben hat – auch wenn zwei wilde Sidepipes um Respekt buhlen, die beiden Vorderräder einsamer im Wind stehen als die fetten Pneus von Formel-1-Rennern, der Blinker sich nicht von selbst zurückstellt, der Sound aus den verchromten Ofenrohren klingt, als würden Harley und Davidson um die Wette das R rollen und die Kopfstütze ein ungepolsterter Überrollbügel ist. Lehre Nummer 3: Morgan ist, wenn er trotzdem fahren darf.

Es war wahrscheinlich eine Menge Ale im Spiel, als die bei Morgan beschlossen, Großvaters Mega-Erfolg mit modernen Mitteln nachzubauen. H.F.S. Morgan mischte mit einer erstaunlich simplen Konstruktion den Cycle-Car-Markt Anfang des vergangenen Jahrhunderts auf (siehe Kasten) – und eine scheinbar simple Konstruktion ist es auch heute wieder. Gitterrohrrahmen, die besagten Holzrahmen für Alupaneele, ein 82 PS starker Zweiliter-Zweizylinder von S&S (wo niemand anderer dahinter steckt als Harley-Davidson), das Getriebe mit den kurzen Schaltwegen vom Spaßroadster Mazda MX5, ein Riemenantrieb zum so gut wie unsichtbaren 175er Pneu hinten, zwei Instrumente für die wichtigsten Infos, vier Kippschalter (Licht, Nebellampe, Warnblinker und Hupe), ein Starterknopf, ein abnehmbares Lenkrad, zwei Gurte, zwei Sitzschalen, fertig. Das Konglomerat aus Purismus und Verzicht wiegt gerade mal 525 Kilo und verspricht Spaß, blaue Flecken und ein absterbendes linkes Bein. Lehre Nummer 4: Ein Morgan ist ist auch immer ein Masochist.

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Jetzt aber endlich hinein in die Zigarre aus Malvern Link, die uns Lutz Leberfinger vom Morgan-Park bei Hamburg zur Verfügung stellt. Apropos link: Elegant wirkt die Besteigung des 3 Wheeler erst nach dem vielleicht 20. Mal. Man kann das abnehmbare Lenkrad auch montiert lassen, denn man muss sowieso von oben in das dachlose Vehikel hineinrutschen. Das hat den Nachteil, dass sich die Klamotten über den Nieren ständig nach oben verschieben und man recht ungeschützt auf dem Kunstleder klebt. Egal, Wärme wird sowieso überbewertet. Genauso wie das Angurten. Im Halbrund des Morgan muss man den Gurt von rechts nach links ziehen, was nicht weiter schlimm wäre, säße man nicht aus lauter Platzmangel meistens direkt auf dem Gurtschloss. So muss man sich mit dem voll gelängten Gurt halbwegs wieder aufraffen, per Wahrscheinlichkeitsrechnung die Gurtschnalle einrasten lassen und sich nicht wundern, dass der Rücken mit noch weniger Textilien auskommen muss.

Dann können wir endlich den Motor starten. Der ist erst 380 Kilometer gelaufen und darf deshalb nicht über 3.800 Touren (von rund 5.000 möglichen) gedreht werden. Wir sind froh, wenn er überhaupt dreht: Eine pure Ewigkeit scheint die Prozedur zu dauern, der Anlasser nudelt und nudelt und nudelt. Nach einer gefühlten Minute poltert der Motor protestierend los, die Erweckung schmeckt ihm nicht wirklich. Und klingt vorne, als würde ein Kochtopf mit Filzschlegeln bearbeitet werden. Die Auspuffenden spotzen dagegen wie ein Dieselkutter, der Benzin frisst. Jetzt noch die Beine sortieren in der Pedalhöhle, Mütze auf, Pilotenbrille auf, fertig. Lehre Nummer 5: Der Schritt vom Alltagsauto in einen Morgan 3 Wheeler ist wie der vom Golfplatz in den Jurassic Park. Oder anders ausgedrückt: Mann kann sich plötzlich wieder vorstellen, Sex zu haben…

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Mehr braucht kein Mensch – zwei Rundinstrumente, dazwischen der Starterknopf, …

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… darunter vier Kippschalter – das ist Ergonomie auf englisch

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Eine Sidepipe wie ein Ofenrohr und ein Auftritt wie ein Großer. Mit dem angetriebenen fetten Hinterrad lässt es sich bestens driften

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25 Kilometer Autoteile vom Schnäppchen bis zum Schrott: In Pomona bei Los Angeles findet sieben Mal im Jahr eine der größten Classic-Cars-and-Parts-Veranstaltungen der USA statt.

Wahrscheinlich ist die Party sogar vom Mond aus zu sehen. 15 Meilen lang, das ist in Autoteilen und Autos gerechnet von hier bis in die Fifties. „Drag Race Strip Fairplex“ nennt sich die automobile chinesische Mauer der Amis, und sie ist der wohl heißeste Tipp für gebrauchte Autoteile und vollständige Autos zwischen Peking und Los Angeles. Andere nennen es „Pomona Swap Meet“.

Jeep-Importeur Daniel Langkau und sein Team wissen das auch. Die Jungs sind auf der „Durchreise“, na ja, jedenfalls so halbwegs, denn sie sind immer auf der Suche nach rostfreien Jeeps und Trucks. Angereist wird passenderweise mit drei modifizierten Willys aus den 1950er und 1960er Jahren. Man weiß ja nie…

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Es ist verdammt früh, wenn die Party zu steigen beginnt: 5 Uhr. AM, was sonst. Aber es ist so aufregend, dass nicht nur die Jüngeren auf der Matte stehen, sondern auch die Oldies. So old, dass sie die Klassiker rein theoretisch damals noch neu hätten kaufen können. Das macht das Erlebnis für alle so authentisch, denn einige der Jungs kennen die Autos nicht nur aus Filmen wie Bullitt, die haben sie damals wie heute auch selber gefahren.

Die Jungs sind sogar früher da als nötig, und nur deshalb bietet sich ihnen das Bild einer scheinbar unendlichen Karawane aus Trucks und Wohnmobilen, die wie der große Treck nach Westen zieht. Nach langem Anstehen bekommen sie irgendwann ihren Platz zugewiesen und können aufbauen.

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15 Meilen Länge, wow, das ist selbst für Jogger eine anständige Strecke. Die Meilen sind in verschiedene Bereiche unterteilt: Trucks, Corvetten, Muscle Cars, Porsche, Volkswagen. Weiter gehts mit Ersatzteilen, Zubehör, zurück in die 40er Jahre. Und das in originalen Kartons: Motoren, Getriebe, Achsen, Karosserieteile. Riesige Verkaufsstände von Spezialisten mit komplett überholten Vergasern, Lenkgetrieben, Chrom, Radios. Ein Tag Zeit? Are you joking? Alles wirklich zu sehen an einem einzigen Tag ist nahezu unmöglich.

Deshalb fahren die Jungs in ihren Willys Station Wagon auf Corvette-Chassis noch am Abend den ganzen Platz einmal ab, um einen groben Überblick für den Folgetag zu bekommen. Gute Vorbereitung ist alles. Nicht ohne Grund suchen sie hier die Teile, die auf üblichen Wegen nicht mehr zu bekommen sind. Pomona hat’s.

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Billig ist da drüben in den Staaten allerdings nichts mehr. Aber hier auf dem Swap Meet findet der Kenner tatsächlich noch absolut rostfreie, unangetastete Fahrzeuge mit dem ersten Lack, die eine Restauration zu einem überschaubaren und auch lohnenswerten Projekt machen. Jeder, der schon einmal die Wiederauferstehung einer salzverklebten, europäischen Rostlaube hinter sich gebracht hat, erkennt den Wert dieser immer seltener werdenden Fahrzeuge aus dem Sunshine State.

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„Die Show für die ganze Familie“ definiert man hier ein bisschen cooler als in Germany: gucken und kaufen nebeneinander

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Alle Formen, alle Farben, alle Preise. Käufliche Stücke aus Amerikas Geschichtsbuch, hier stehen sie alle

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Aus Männern werden wieder Kinder, wenn sie vor dem Museum ihrer Träume stehen

Fotos: Daniel Langkau

Menschen, Motoren, Emotionen. Der DRIVESTYLE SUNDAY 2014 hinter unserem Verlagsgebäude mitten in Hamburg ist vorbei, aber viele Bilder schwirren noch in den Köpfen derer, die daran teilgenommen haben. Selten haben auch wir bei einer solchen Veranstaltung so viele verschiedene Fahrzeuge gesehen, vielleicht ist das auch der Lohn dafür, dass wir einfach gesagt haben: Kommt alle, die ihr da coole Autos habt und schert euch nicht so sehr um Marke oder Zustand oder Baujahr. Denn eins sind wir doch alle – Autosiasten, die den Drivestyle lieben.

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Ein amerikanischer Sechsliter-MOPAR und eine biedere deutsche Familienkutsche streiten sich: Wer ist der Geilste, der Schnellste, der Verrückteste? Die Besitzer duellieren sich im Juli in ihren Autos auf einem Drag Strip im Norden Deutschlands und lassen ein bisschen mehr als nur die Sau raus

Schuld an allem ist Michael, der Betreiber einer Werkstatt, in deren Ecke ein turbobefeuerter Polo im Dornröschenschlaf von einer nie geheilten Leidenschaft erzählt. Mit seinem 400-PS-Kraftzwerg war er einst gern gesehener Gast bei Beschleunigungsrennen. Die Speed-Infektion und das chronische Lamento der Dragsterszene über zu wenige Rennen gaben 2010 den Startschuss für das legendäre „Jade Race“ am norddeutschen Busen der Natur auf dem Jade-Weser-Airport bei Wilhelmshaven.

Busen kommt an: Mit zäher Hartnäckigkeit hat der Schrauber aus Varel das Rennen inzwischen auf jedem Rennkalender etabliert. Auf genau dieser langen Startbahn des Flugplatzes Mariensiel, die Michael einmal im Jahr für G-Kraft-süchtige Gasfüße reserviert, begann die Geschichte einer wunderbaren Feindschaft: Das deutsch-amerikanische Duell zwischen Martin und Buschi. Zwischen fettem Mopar und deutscher Behaglichkeits-limousine. Zwischen Muskel-Dodge mit Dragstrip-Genen und Familien-Ford 20M, den auch ein Dachgepäckträger nicht weniger schnittig machen würde.

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Mopar Pilot Buschi hatte den Fordfahrer 2010 überredet, seine Karre für das „Jade Race“ zu melden. Nach überstandener technischer Abnahme rollte der 64er Familiensedan aus Köln erstmals an die Startampel eines Dragstrips, das Ziel in 402,5 Meter Entfernung. Das Ergebnis des Laufes: Der 20M rollte mit 73,10 km/h gute acht Sekunden hinter dem Dodge (der mit auch nicht gerade beeindruckenden 151 km/h in 16 Sekunden durchs Ziel fuhr). Da Männer sich ständig messen müssen, sollte ein zweiter Lauf die deutsche Ehre retten. Doch dann versagte der Vergaser, und der mattschwarze Ford musste – im Verlauf des Renntags mehrfach – aus dem Start geschoben werde. Game over: Das Kräftemessen wurde verschoben.

Aus im Ehrgeiz verfeindeten Schrauberkollegen wurden Hallennachbarn. Seitdem müssen die Beleidigungen nur noch über den Hof getragen werden, und jeder kann die pimpenden Maßnahmen des anderen aus der ersten Reihe verfolgen. „Scheunenschrauberei“ nennt Buschi die Ambitionen vor Martin, der in den letzten drei Jahren solide aufgerüstet hat. Ein 2,8-Liter-Triebwerk aus dem Hause Ford ersetzt den originalen Sechszylinder, mehrfach geänderte Achsübersetzungen sollen das Mehr an Leistung optimal auf die Straße bringen. Eine kontaktlose Zündung befeuert den Motor, der Fahrer wird von Renngurten aufs Recaro-Gestühl gefesselt. Ein kompromissloser Maßanzug für brachiale Geschwindigkeit, wenn man von den langen Schaltwegen der… äh… Lenkradschaltung mal absieht.

Auch Buschis Mopar hat an Hubraum und Leistung zugelegt. Das fein abgestufte Schaltgetriebe bewährt sich täglich auf dem Innenstadtrennen zur Arbeit. Die Behauptung, dass sich seine Vorbereitungen für die brutale Gegenüberstellung auf regelmäßige Wagenwäschen beschränken, ist reine psychologische Kriegsführung. Er schraubt und verbessert täglich, Buschi hat schon einige teure Lektionen aus dem Lehrbuch der Rennschicksale hinter sich gebracht. Auf einem Folgerennen hat der optimistische Umgang mit hohen Drehzahlen den Ventiltrieb verbogen. Seitdem werden die Leistungsspitzen mit programmierter Zündung gekappt. Verrät er aber Martin nicht.

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Ob diese Rechnung auf dem Strip aufgeht, konnte Buschi noch nicht testen, mit bummeligen 400 Pferden müsste der Midsize Mopar theoretisch deutlich unter 14 Sekunden erreichen. Um das wirklich zu testen fehlt die Zeit. Noch knapp zwei Wochen bleiben bis zur Quartermile auf dem Jade Race 2014, bei dem sich die beiden gegenüber stehen werden. 300 Fahrzeuge liefern sich am 19. und 20.Juli auf Mariensiel spannende Rennen. Mit Leistungen über 1.000 PS und Zeiten um acht Sekunden gehört das Rennen auf dem Flugplatz im Norden zu den ambitioniertesten Rennen jenseits des FIA-Laufs auf dem Hockenheimring.

Veranstalter Michael bringt für schnelle Zeiten Kleber auf die Strecke, was sonst eigentlich den FIA-Rennen vorbehalten ist. Krass. Er hat sogar in nächtlichen Überstunden den ersten Gegenläufer Europas gebaut: Einen Anhänger mit gegen die Fahrtrichtung drehender Achse, der auf zwei breiten Felgen alte Rennreifen trägt. Deren Gummi wird vor den Läufen in die Piste radiert. An mangelnder Traktion wird es also bei der Austragung des deutsch-amerikanischen Duells nicht mangeln.

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Wer erleben will, wie Männer beim Präsentieren von alten, starken und 
teilweise so sinnlosen wie unterhaltsamen Vehikeln mit bis zu 8.000 PS wieder zu staunenden kleinen Jungs werden, muss zum „Brazzeltag“ nach Speyer. Das jährliche automobile Spektakel erinnert an moderne Ritterspiele

Der Duden zuckt bedauernd mit den Seiten. Wikipedia stöbert vergeblich in seinen digitalen Speichern, und selbst das Synonyme-Woxikon fragt höchstens, ob man vielleicht „bröseln“, „bröckeln“ oder „berieseln“ meint…

Nein, wir meinen „brazzeln“. Gut möglich, dass das „bröseln“, „bröckeln“ und „berieseln“ beinhaltet, denn was einmal im Jahr im Mai zwei Tage lang am Oberrhein durch die Menschenmassen brazzelt, verliert zum Beispiel wegen hohem Alters, schlechter Wartung oder auch nur so schon mal gerne kleine Teile, Rost oder Flüssigkeiten. Aber wenn es nicht so wäre, würden sie ja auch nicht brazzeln.

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„Brazzeln“ ist aber auch ein Sound. Wenn Treibstoff unregelmäßig verbrennt, wenn fette Auspufftöpfe nur die wildesten Bass-Explosionen dämpfen, wenn Motoren mit Geräuschen arbeiten, die der junge Zeitgenosse in seiner Playstation niemals kennen lernen wird.

Und „brazzeln“ ist ein anderes Wort für „automobilen Spaß“. Denn was brazzelt, zeigt dem TÜV sein unzulassungsfähiges Heck, rasselt der Dekra einen mit seinen (Antriebs-)Ketten vor und faucht in die Welt, was Brazzler im Allgemeinen von der Technischen Überwachung halten.

Dafür lädt das Technikmuseum Speyer als Brazzel-Gastgeber alles in den alten rheinland-pfälzischen 50.000-Seelen-Ort ein, was brazzeln kann: Automobile, Motorräder, Traktoren, Lkw, Busse und selbst das, was sich nicht in eine Kategorie pressen lässt – Hauptsache Baujahr vor 1975. Klar, dass jeder kommt, der seinen Eigenbau sonst nirgends fahren kann, dessen Vehikel einfach nur Angst einflößt oder dessen mobile Idee von einer Musterzulassung noch weiter entfernt ist als eine moderne Mittelklasse-Limousine von Faszination. Entertainment ist das Zauberwort, laut, spektakulär, dreckig, stinkig – also all das, von dem der durchschnittliche beschlipste Manager bei langweiligen Sitzungen träumt.

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Chris Williams at his best: Wenn der Brite seinen Mavis fliegen lässt, brennen nicht nur die Strohballen.

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Brutus jagt über die Brazzelstrecke – und die Beifahrerin hat sichtlich Spaß

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TRÄUME WAGEN überall: Der Verlags-Mach 1 ist selbstverständlich auch dabei

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Heißer Event: Einige Fahrzeuge von Brazzeltag-Teilnehmern suchen Schutz vor der Sonne unter dem Flügel des kanadischen Löschflugzeugs

Logisch, dass das Technikmuseum zur Freude von Mitarbeitern und Publikum an dem Tag auch viele Exponate aus der eigenen Sammlung anfeuert – der Gedanke, dass es den Brazzeltag sogar hauptsächlich deswegen gibt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Egal: Die Maschinen schnauben, stöhnen, ächzen, rauchen und – na klar – brazzeln. Bis es die Zuschauer auch tun.

Und dazu werden sie ständig angefeuert – zum Beispiel vom Seenotrettungskreuzer John T. Essberger. Der steht zwar auf dem Festland, aber das hält ihn nicht ab, ordentlichen Druck aufs Nebelhorn auszuüben und damit die Region wachzurütteln. Schließlich ist „Brazzeln“ nur einmal im Jahr und ein noch recht junger Event: Diesmal war es das dritte Mal. Und klotzen statt kleckern hilft: So ein Rumgebrazzel bringt mehr als 10.000 Menschen auf die Beine. Was das Publikum zu sehen bekommt, muss sich nur vor Gutachtern verstecken: Da ist natürlich „Brutus“, der museumseigene Platzhirsch. „Brutus“ wird von einem 47-Liter-12-Zylinder-Flugmotor von BMW mit 550 PS Dauerleistung und 750 PS Spitzenleistung angetrieben, das Ketten-angetriebene Chassis ist von 1907. Die Flammen aus seinem Motor haben schon so manches Würstchen gegrillt (siehe TW Heft 4/2014).