Liebe Autosiasten,

es kommt nicht oft vor, dass sich der Klassikerfreund am Ende eines Jahres auf das nächste freuen kann – normalerweise wird alles, was mit Oldtimern zu tun hat, teurer, seltener, schwieriger. Aber diesmal gibt es eine gute Nachricht: Ab dem 1. Januar 2014 ist endlich auch in Deutschland eindeutig definiert, was „Sammlerfahrzeuge“ sind und somit der Einfuhrumsatzsteuer von nur sieben Prozent unterliegen. Bislang wurde der Begriff in EU-Ländern unterschiedlich ausgelegt – zum Beispiel in den Niederlanden sehr locker, in Deutschland sehr streng. Unsere Behörden haben Autos „von geschichtlichem oder völkerkundlichem Wert“ nicht wirklich erkannt. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr, die Definition ist klar: Die Fahrzeuge müssen mindestens 30 Jahre alt sein und sich in ihrem Originalzustand befinden. Instandsetzung und Wiederaufbau sind zulässig, modernisierte oder umgebaute Fahrzeuge sind ausgeschlossen. Außerdem müssen Sammlerfahrzeuge einem nicht mehr hergestellten Modell oder Typ entsprechen. Dazu gehören auch Autos, die nachweislich bei einem geschichtlichen Ereignis im Einsatz waren wie Rennwagen, die bedeutende sportliche Erfolge errungen haben. Übrigens: Auch Teile und Zubehör werden hier eingereiht, sofern es sich um Originale handelt, ihr Alter mindestens 30 Jahre beträgt und sie nicht mehr hergestellt werden.

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Die grüne Höllenmaschine: Der Holden Torana SLR 5000 feiert eine wilde 70s-Party

Die grüne Höllenmaschine: Der Holden Torana SLR 5000 feiert eine wilde 70s-Party

Corvette, Camaro, Cadillac? Manche halten das für langweilige Massenware, denn in der GM-Spezialitätenabteilung verbergen sich bei genauem Hinsehen echte Raritäten.  
Der Holden Torana SLR 5000 ist – wenn auch erst auf den zweiten Blick – zweifellos so ein Fall. Optisch ist die Verwandtschaft zum europäischen Opel Ascona B nicht zu leugnen, spätestens unter der Haube ist allerdings alles grundlegend anders. Dort zeigt die kompakte Aussie-Limousine ihre wahre Gestalt

Mad Max an der Ampel

Torana. Torana? Die Bezeichnung ist Programm. Bei den Aborigines, den australischen Ureinwohnern, bedeutet „Torana“ „to fly“. Tatsächlich fehlt beim Holden Torana SLR 5000 zum Abheben nicht viel. Ein mächtiger Fünfliter-V8 mit 240 PS versorgt – puristisch handgeschaltet – die Hinterachse mit ordentlich Power für Qualm.

In freier Wildbahn traf Uwe Sommerhoff im Australienurlaub unerwartet auf den kompakten Boliden. Das was an der Ampel neben ihm stoppte, sah zwar in den Grundzügen vertraut aus, hörte sich allerdings so gar nicht nach spießiger Opel-Mittelklasse an. 1-2-7-8-4-5-6-3, die eigenwillige Zündfolge des 308ci-V8-Motors, sorgte für einen Sound jenseits von Gut und Böse.
Aus dem australischen Endzeit-Kinohit Mad Max kannte Uwe in den Grundzügen die Charakterzüge kräftig motorisierter Down-Under-Mobile, doch diese seltene Holden-Sportversion war für ihn ein Novum.

Viel Arbeit: So sah der Holden nach seiner Ankunft in Deutschland aus

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Stolzer Besitzer: Nach langer Suche freut sich Sommerhoff über seinen Torana

Stolzer Besitzer: Nach langer Suche freut sich Sommerhoff über seinen Torana

Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Manfred M. aus Osnabrück: Liebe Frau 8! Wieso interessieren sich Frauen zwar für Autos, aber nie dafür, wie sie funktionieren?

Lieber Manfred! Albert Einstein hat zu dem Thema einmal etwas sehr Schönes gesagt: „Zähmen sollen sich die Menschen, die sich gedankenlos der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und geistig nicht mehr davon erfasst haben als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.“ Insofern lautet die Antwort schlicht: „Muh!“

Trotzdem möchte ich an dieser Stelle kurz erwähnen, dass ich neulich das Vergnügen hatte, einen Porsche 911 Carrera S zu fahren. Sechszylinder-Boxermotor und Hinterradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe PDK und 400 PS. Er braucht von 0 auf 100 km/h nur 4,1 Sekunden. Er hat etwas, das sich „Launch-Control“ nennt. Das mal so zu den schnöden Daten. Die mich in der Tat nicht die Bohne inter-essierten. Ich interessiere mich auch nicht dafür, dass beim Modell mit Handschaltung das Siebengang-Schaltgetriebe inklusive serienmäßiger mechanischer Quersperre 96 Kilogramm wiegt und beim PDK samt dessen elektronisch gesteuerter Quersperre zirka 120 Kilogramm. Ich weiß noch nicht einmal, was „PDK“ bedeutet. Könnte ich nachlesen, muss ich aber nicht. Warum? Weil es mir mehr bedeutet hat, in diese Kiste zu steigen, meinen Hintern tief in die Ledersitze zu schmiegen und erst sehr vorsichtig Gas zu geben, dann etwas unvorsichtiger; auf der Autobahn auf der linken Spur in den sechsten Gang zu schalten und von dort runter in den dritten, um dem Sound zu lauschen. Ich konnte nicht glauben, dass ein Auto solche Geräusche machen kann – Töne, die dafür sorgen, dass sich sämtliche feinen Härchen auf dem Arm aufstellen und sich auf dem Schlüsselbein kleine Schweißperlen sammeln, die im Saum des Stoffes versickern; dass sich der Puls auf 160 Schläge die Minute erhöht und sich der Atem mit jedem Seufzen, Sägen und Brüllen des Motors um einen hitzigen Hauch beschleunigt; dass sich die Pupillen so nachtschwarz und sperrangelweit öffnen, als hätte man sich gerade eine Plastiktüte voller halluzinogener Drogen eingeworfen und mit einem Glas eisig perlendem Champagner heruntergespült.

Das war also der Mythos, von dem alle sprechen; den Männer ab vierzig brauchen, um sich wieder jung zu fühlen. Der „Elfer“, den sie alle meinen, wenn sie „Porsche“ sagen. Das hatte Ferry also im Sinn, als er sagte: „Wenn man draufdrückt, muss er schießen.“ Ja, er schoss. Was für eine Lust. Wie die Kiste funktioniert? Ich habe keinen blassen Schimmer. Aber ich würde alles darauf verwetten, dass jeder Mann in diesem Moment an diesem klaren kalten Abend in diesem silbernen Traum nichts anderes herausgebracht hätte als: „Muh.“

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

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Los Angeles. Ein Policecar, Officer Montgommery, ein Kofferraum voller Waffen und unser Herausgeber auf neugierigem Forscherkurs. Das war ein krasser Tag, und wir lassen euch gern dran teilhaben!am1313lapd_charger_r-4.inddam1313lapd_charger_r-4.inddam1313lapd_charger_r-4.inddam1313lapd_charger_r-4.inddam1313lapd_charger_r-4.indd

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Das Radio spielt Bass, das Kombiinstrument sagt BAS.
Das eine macht Spaß, das andere wahnsinnig

Schöne beleuchtete Weihnachtszeit. Leider nicht heute Morgen – mein Töchterchen muss zur Schule. Es ist kalt, nass und dunkel. In meinem Fühler- und Steuergeräte-verseuchten Alltags-Diesel aus den 90ern fließt der Strom zunächst ins Radio und parallel in den Anlasser. Das war‘s dann aber auch. Köchöchöchöch klick. Köchöchöchöchöch (erkennen Sie den Bosch-Anlasser?) klick. Das gibt‘s doch gar nicht. Nochmal. Köchöchöchöchöchöchöchöch klick. PIIIIEP!

Ach guck. Da taucht noch mehr festliche Beleuchtung auf, diesmal auf dem Display im Tacho, und es behauptet „BAS“. Dazu singen mir die Jungs von Fettes Brot was ins Ohr.
Er springt also nicht an, dafür wird mein Töchterchen aktiv: „Papa? Wir müssen jetzt echt mal los…“. Kreativität ist gefragt. Ich sitze in Kiel fest, der treue Zweit-Klassiker steht in Hamburg. Ich hole zwei Paar Handschuhe und Helme aus der Wohnung, mein altes Moped aus der Garage und setze mein lachendes Töchterchen mit Ranzen auf dem Rücken hinter mich. Der italienische Hühnermörder von 1971 springt auf Tritt an und bringt uns zwar frierend, aber rechtzeitig zur Schule.

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Und jetzt? Gehe ich auf die Suche nach „BAS“. Ich habe keine Ahnung, was das bedeutet. Das schnell befragte Internet behauptet, die Fehlermeldung komme von einem defekten Bremslichtschalter oder nach Trennung der Batterie von einem neu anzulernenden Lenkwinkelsensor. Toll. Der herbeigeeilte ADAC behauptet, der Dieselfilter sei alt und verwässert und daher vielleicht eingefroren. Auch könnten undichte Spritleitungen Nebenluft ziehen oder ein defektes Kühlwasserthermometer falsche Werte liefern. Das verhindere ein sauberes Anspringen des alten Turbodiesels. Ob das was mit „BAS“ zu tun habe, frage ich. Ein Schulterzucken ist die Antwort.

Ich könnte heulen. Aber inzwischen ist es hell draußen, das vertreibt die morbiden Gedanken und weckt den Mut. Es wäre doch gelacht, wenn dieser Sternenkreuzer nicht zum Leben zu erwecken ist.  Denn für die Strecke nach Hamburg ist die Vespa Boxer nicht so gut geeignet.

Also noch ein letzter Startversuch: Köchöchöchöch – Patsch – Brappbrappbrapp BROOOMMMMM!! In einer gewaltigen Wolke aus Ruß, Feinstaub und anderen schwarzen Substanzen brüllt der selbstzündende Nagelkasten seine fünfzylindrige Kakophonie auf den Asphalt. Diesen Moment gebe ich nun nicht mehr her. Ich halte das Gaspedal auf Halbmast, bis die Kolben nach zehn Minuten warm und meine Nachbarn vollständig verärgert sind. Dann läuft er rund. Schnell alles zusammenpacken und ab auf die Autobahn.
Und was ist nun „BAS“? Keine Ahnung. Es hat seitdem nicht wieder geleuchtet. Und wenn es das doch noch mal tun sollte, frage ich beim Hersteller nach. Irgendwer muss es ja wissen. Bis dahin motiviere ich mich mit dem Song von Fettes Brot: „Wir brauchen BASS, BASS! – Sicher Digga…“ Und morgen fahre ich mit meinem Taunus zur Arbeit. Der springt immer an, sofern er Sprit und einen Zündfunken hat. Damals war nicht alles besser, aber vieles einfacher.

In diesem Sinne eine zündende Weihnachtszeit…

tanzumsauto@träume-wagen.de

Im Hamburger Hafen werden Weißblechdosen gequadert und als Recyclingware in die ganze Welt verschifft. In den USA wurde 1975 ein Auto gepresst und gewalzt, das garantiert nicht recycelt den Weg aus der weiten Welt nach Deutschland gefunden hat: der Chrysler Cordoba. Wir fahren das Half-Size-Coupé durch das ausgediente Weißblech

„ Ich war mal eine Dose.“ Kennen Sie auch noch diesen alten Werbespruch, der zumeist unter buntem Blechspielzeug stand und den Sinn von Recycling anpries? Er setzt sich in meinen Gehirnwindungen fest, als der lange, beige Chrysler Cordoba das Wertstoffterminal im Hamburger Hafen durchqueren will. Immer wieder gestoppt von Staplerfahrern und Lkw-Kutschern, die eher einen Spionageakt als eine coole Fotosession bei dem cruisenden Drivestyler vermuten.

Die 70er Jahre schreien ihren furnierten Luxus aus jedem Detail in die Augen des Fahrers

Doch schnell ist der Chef des Geländes milde gestimmt. Er verteilt ein paar Warnwesten und genehmigt den visuellen und akustischen Nachmittag auf seinem Hof. Alex Jobs steht in der langen Tür seines sehr speziellen Coupés, zieht sich die Lederjacke zurecht und lächelt zufrieden. Die wirklich coole Sonnenbrille krönt das Outfit des jungen Autobesitzers – der Indian Summer über der Elbe lässt sie heute auch tatsächlich zu einem sinnhaften Accessoire werden.

Das Auto dagegen war einst alles andere als „stylisch“. Die Chrysler Corporation verbuchte in den 70er Jahren keine großen Erfolge, die Konkurrenz verkaufte quer durch die OPEC-Ölkrisen nahezu sämtliche Modelle in sechsstelliger Jahresstückzahl, und man brauchte dringend ein eigenes Erfolgsmodell. Also dachte man ein paar Schritte weg vom „Full Size“ der fetten 60er Jahre und reduzierte den ursprünglich als „Plymouth“ geplanten Wagen auf knappe und bescheidene 5,4 Meter Gesamtlänge, versah ihn mit nur zwei Türen, einem Landaulet-ähnlichen Vinyldach, einer sehr luxuriösen Ausstattung und einem wohl klingenden Namen: Cordoba.

Mit welchem Mustang wirst du den Cops entkommen? Vergleiche die beiden Parnelli Jones Ponys der TRÄUME WAGEN Redaktion, tune deine Kiste im Spiel und drück drauf!

Lade Dir das PDF auf deinen Rechner um es ansehen zu können. (Dateigröße 6,6 MB)

Dodge Charger Pursuit V6

L.A.P.D. Police - Dodge Charger

Officer Montgomery packt aus: Im Kofferraum des schwarz-weißen Dodge Charger, Kennung 89617 des Los Angeles Police Department, findet sich ein ganzes Arsenal an Hilfsmitteln, um Bad Guys in die Schranken zu weisen

Die Stimme ist laut und deutlich und schneidet kräftig ins Ohr: „Hey guys, what are you doing there?!“ Ok, ertappt. Jetzt bloß keine plötzlichen Bewegungen machen. Dabei haben wir doch nur diesen coolen neuen Dodge Charger mit der Kennung 89617 an der Ecke Hollywood Blvd./N. Highland Ave. geknipst. Officer Montgomery, Polizistin beim Los Angeles Police Department, kommt das merkwürdig vor. Sie ist die Fahrerin des grimmig wirkenden 3,6-Liter-V6-Charger von 2013.

Als wir ihr unsere Intention erklären (begeisterte Deutscher mit Faible für alle US-Cars), entspannen sich ihre Gesichtszüge merklich. Können wir vielleicht noch ein paar weitere Fotos machen? Ganz exklusiv? Für German TRÄUME WAGEN? „Come on, get over!“ werden wir von ihr aufgefordert und dürfen über die Absperrung am Hollywood Boulevard springen.

L.A.P.D. Police
Die Marke: Wer einem so ein Blechschild vor die Nase hält, ist – meistens - ein echter Cop. Und fährt - meistens - einen echten Polizeiwagen, der voll ist mit Technik Los Angeles

Die Marke: Wer einem so ein Blechschild vor die Nase hält, ist – meistens – ein echter Cop. Und fährt – meistens – einen echten Polizeiwagen, der voll ist mit Technik

Jetzt sind wir blechnah am „Crimestopper-Fahrzeug“. Das LAPD habe zur Verbrechensbekämpfung im Jahr 2013 für rund 6,5 Millionen US-Dollar genau 100 Dodge Charger Pursuit, 50 Ford Police Interceptor Utility und 38 Ford Police Interceptor geordert, erklärt uns Montgomery, und sie ist ziemlich offen für Fragen zu diesem außergewöhnlichen Charger, zu ihr selbst und zu der harten täglichen Arbeit beim LAPD. „Arbeit? Ich schiebe Tag und Nacht Dienst. Wir LAPD-Streifenpolizisten haben einen Drei-Tage-12-Stunden- und einen Vier-Tage-10-Stunden Wochen-Zeitplan.“

God drive the Queen - Concours of Elegance auf dem Gelände des Windsor Castle

Die Queen musste 60 Jahre auf dem Thron sitzen, bis sie bereit war, 60 der schönsten Autos in ihren Garten einzuladen – zum Concours of Elegance im Innenhof ihres Windsor Castle. TRÄUME WAGEN lustwandelte aufgrund der Fürsprache des königlichen Hoflieferanten Jaguar zwischen den automobilen Kronjuwelen

Das erste Gebet gehört natürlich der Queen. Das zweite den Rittern des Hosenbandordens. Aber das dritte – das ist allen Erfindern, Handwerkern und Wissenschaftlern gewidmet, die es ermöglicht haben, die schönsten Autos der Welt auf die Räder zu stellen.

Eines von 60 Highlights: der unglaubliche Rolls-Royce Phantom, I Jonckheere Coupé mit Chassis von 1925 und Karosserie von 1935. Natürlich ein Einzelstück

Eines von 60 Highlights: der unglaubliche Rolls-Royce Phantom, I Jonckheere Coupé mit Chassis von 1925 und Karosserie von 1935. Natürlich ein Einzelstück

Wo die schönsten Autos stehen, darf er nicht fehlen: Ferrari 250 GTO. Ein makelloses Exemplar  wie die meisten der gezeigten Exponate

Wo die schönsten Autos stehen, darf er nicht fehlen: Ferrari 250 GTO. Ein makelloses Exemplar wie die meisten der gezeigten Exponate

Selten so gestaunt

Selten so gestaunt

Vielleicht nicht unbedingt eine Grazie, aber ein wichtiger Engländer: ein Healey Lightweight auf königlichem Rasen. Was fehlt, ist ein MG...

Vielleicht nicht unbedingt eine Grazie, aber ein wichtiger Engländer: ein Healey Lightweight auf königlichem Rasen. Was fehlt, ist ein MG…

Großes, zustimmendes Gemurmel in der altehrwürdigen St. George’s Chapel auf dem Gelände des Windsor Castle, Windsor, England. Kein Wunder für den Zuspruch: Die Anwesenden sind fast alles Besitzer der 60 edelsten Fahrzeuge, die zurzeit der kirchlichen Messe gut bewacht im Innenhof des altehrwürdigen Schlosses Windsor stehen – das ist eine Art Rückzugsdomizil der englischen Königin. Denn Elisabeth hat die Hochwohlgeborenen und durchaus Wohlhabenden eingeladen, mit ihren Fahrzeugen ihr 60. Thronjubiläum ein bisschen aufzupolieren.

Seit 1975 ist der „Turbo“ das Sahnehäubchen der kulthaft verehrten Neunelfer-Baureihe. Wer einen aus den letzten Luftboxer-Baujahren sucht, steht vor der Frage, ob es ein 964er (allein da gab es drei Turbo-Varianten) oder nicht doch gleich die letzte luftgekühlte Ausführung 993 sein sollte. In unserer 964 Turbo-Kaufberatung geben wir deshalb auch bei den Unterschieden eine Entscheidungshilfe

Um es vorweg zu nehmen: Ein Porsche 964 Turbo ist mit die kostspieligste Möglichkeit überhaupt, einen „Zuffi“ zu fahren. Das betrifft in erster Linie die exorbitant hohen Unterhalts- und Wartungskosten, aber auch die gepfefferten Versicherungstarife. Teurer sind eigentlich nur der Carrera GT und der Technologieträger 959.

Interessenten sollten den Porsche 911 Turbo der Baureihe 964 nicht losgelöst von seinem Nachfolger 993 betrachten, doch es lohnt sich auch, eine Abgrenzung zu dessen Vorgänger – dem bis 1989 gebauten 911 Turbo 3,3 – vorzunehmen.

Der alte 911 Turbo wurde noch rund ein Jahr parallel zu den 964er Sauger-Ausführungen angeboten. Allerdings war es nur eine Frage der Zeit, bis auch er in dem moderneren Kleid und vor allem mit der wesentlich moderneren Technik des 964 zu haben sein würde.

Äußerlich fallen beim 964 Turbo gegenüber seinem Vorgänger vor allem die neu gestalteten Stoßfänger vorn und hinten sowie das durchgehend rote Rückleuchtenband auf. Das behutsam modernisierte Design lässt dabei kaum vermuten, dass unter dem Blech des 964 rund 80 Prozent aller Teile komplett neu entwickelt wurden. Vor allem das Fahrwerk, das nun nicht mehr über Drehstabfederung verfügt, sondern moderne McPherson-Federbeine an der Vorder- und Hinterachse besitzt, ist eine Revolution, die das Fahrverhalten merklich verbessert.

Auch von hinten zeigt sich der 964er klassisch. Allerdings mutieren die roten Rückleuchten manchmal zum Aquarium

Wenn das Porsche Zentrum Hamburg zu den „Aircooled Classics“ ruft, bebt die Erde: mit 45 Luftgekühlten von Hamburg nach Schwerin

Es ist ein unvergesslicher Moment, wenn jedes Jahr im Herbst in der Hamburger Eiffestraße lauter luftgekühlte Boxermotoren gezündet werden und über die Hinterachse die ganz besonderen Autos nach vorn drücken. Autos, die bei ihrer Geburt schon zeitlos waren und altersunabhängig und den einzig wahren Sportwagen-Mythos wie eine Fackel vor sich her tragen: Porsche.

Es ist die Zeit der „Aircooled Classics“, und kein Titel einer Veranstaltung drückt so schön technisch aus, worum es geht: Besitzer von Autos mit luftgekühlten Motoren, die sich versammeln, um ungestresst von Hamburg aus 147 Kilometer durch den Osten mit dem Ziel Schlosshotel Wendorf bei Schwerin zu kacheln.

Geplanter Stopp gemäß Roadbook: Sternwarte Bergedorf

Allein schon der älteste Wagen des Feldes, ein 356er B GT von 1963, lässt Fans von luftgekühlten Contramotoren erschaudern. Cabrios, Turbos, Targas, Cup-Fahrzeuge – alles am Start. Natürlich auch die letzten luftgekühlten Porsche, die 993. Und mittendrin: das TRÄUME WAGEN-Dreamteam Kai Busse/Bente Heyer im indischroten Porsche 911 3.2 von 1978.

Gemeinsame Leidenschaft: Kai Busse (Träume Wagen) und Andreas Tetzloff (PZ Hamburg)

Bei der „Aircooled Classics“ müssen die Teilnehmer zwar nach einem Roadbook navigieren, sehen sich aber nur marginal durch Wertungsprüfungen und Zeitkontrollen unter angenehmen Druck gesetzt. So müssen die Genießer zum Beispiel (außer der korrekten Wegfindung) ein Geschicklichkeits-Wurfspiel meistern oder eine Gleichmäßigkeitsfahrt um ein großes Gebäude herum zweimal in exakt der gleichen Zeit absolvieren. Für Porsche-Fahrer kein Problem: Leichter Nervenkitzel wechselt sich mit Überlandfahrten ab. Die Cabrios und Coupés brabbeln durch herbstlich beleuchtete Wohngebiete und an der Sternwarte in Bergedorf vorbei, hier und da wird angehalten, fotografiert und mit anderen Fahrern geschwatzt. Herrentour? Keineswegs, viele Damen sind dabei. Und das nicht nur auf dem Beifahrersitz.

Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ -Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Jay Bee per Mail: Kommt es mir nur so vor, oder gibt es im Fernsehen keine Serien mehr mit coolen Autos?


Lieber Jay Bee! Schöne Steilvorlage, um zu greinen, dass früher alles besser war. Das Lenor-Gewissen war reiner, die Smarties bunter, die Weiten unendlicher und Fernseh-Serien cooler. Natürlich vermisse ich „Die Profis“. Jeden Mittwoch um zwanzig nach neun saß man im Schneidersitz in der Wohnstube und starrte ehrfürchtig auf die Mattscheibe, während Bodie und Doyle im Ford Capri oder Escort RS 2000 um die Ecken schleuderten. Waren die cool und schlumpig!

Oder die US-Serie „Miami Vice“, in der Sonny Crockett und Ricardo Tubbs zwischen Flamingos, Palmen und nackten Brüsten aufs Lässigste Drogenhändler, Waffenschmuggler und Geldwäscher jagten. Heute weiß man, dass Sonny Crockett eine Replika des Ferrari 365 GTS/4 fuhr, einen California Daytona Spyder – basierend auf einer Corvette und mit Ferrari-Teilen aufgebaut. Damals wusste man nur eins: Man brauchte dringend ein rosa Muscle-Shirt, einen knittrigen Leinenanzug und einen weißen Lamborghini Countach LP 500 S mit Mehrton-Hupe. Ich persönlich hatte es als weibliches Wesen einfacher, man brauchte nur einen klitzekleinen Bikini – und den Lambo. Was Fernseh-Serien alles in unseren Köpfen anstellten! Wobei mir einfällt, dass wir an dieser Stelle nicht Sascha Hehn und sein weißes Golf 1 Cabrio aus der „Schwarzwaldklinik“ unterschlagen wollen. Immerhin lehrte er uns, dass Autotüren nicht zum Öffnen und Schließen gebaut wurden, sondern nur dazu, damit Arztsohn-Ärzte sie übergrätschen.

Genug der Nostalgie. Natürlich muss man zugeben, dass die Anzahl an Serien, in denen Fahrzeuge eine wichtige Rolle spielen, abgenommen hat. Das liegt an der Veränderung der Konstruktion von Männlichkeit und den einst fix daran gelöteten Attributen wie Brusthaar, Kippe und Karre – und an der Tatsache, dass sich generell der gesellschaftliche Stellenwert des Autos wandelt. Dass die   fetten Kisten zahlreich und unverdrossen durch neue Kinofilme     fahren, steht auf einem anderen Blatt.

Klar scheinen nur zwei Dinge zu sein: Erstens war nicht alles schön. So möchte ich nie wieder „Knight Rider“ sehen müssen. Zweitens finden sich heutzutage durchaus automobile Perlen im Sumpf der Dauerdröhnung. Dazu gehört das Porsche 964 Cabriolet in der amerikanischen Serie „Californication“ mit David Duchovny. Heruntergerockt, mit nur einem Scheinwerfer, ein Fluchtwagen, eine Dreckschleuder, so verlottert wie sein Besitzer Hank Moody. Insofern – ja, die Welt geht den Bach herunter. Aber es wird immer jemanden geben, der mit einem Porsche dagegen anfährt.

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