Liebe Autosiasten,
neulich beim Oldtimer Grand Prix: tolle Autos, tolle Teams, tolle Menschen. Action auf Nordschleife und GP-Kurs, wildes Treiben in der Pit Lane, und das alte Boxenlager eine malerische Kulisse für Autos wie Morgan-Dreirad, Riley oder BMW 328 mit Männersprüchen in den Garagen wie „Fünf Siege in Monza können einen Nürburgring-Sieg nicht aufwiegen!“ von Rudi Car- racciola. Und dann, in einer Box mittendrin, das: „Neu, elektrische Servolen- kung für fast alle Klassiker…fast unsichtbar eingebaut, nichts ist unter der Motorhaube zu sehen…“.
Erster Gedanke: was für ein Frevel. Gehört es nicht zum Fahren eines Oldies, ihn mit einem nach heutigen Verhältnissen riesigen Lenkrad dank Muskel- schmalz um die Kurven zu wuchten? Folgt nach Servolenkung nicht zwangs- weise irgendwann ABS für Bentley 8 Litre, Stopp-Start-System für Packard Twelve, ESP für Pontiac GTO oder automatisches Windschott für Porsche 550 Spyder? 'Editorial TRÄUME WAGEN 10/2013' weiterlesen

Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Gesine M. per Mail: Neulich diskutierten wir zum tausendsten Mal, ob BMW-Besitzer miesere Fahrer sind. Was meinen Sie?

Liebe Gesine! BMW? Am besten noch mit Angel-Eyes, krassen Felgen, Aggro-Optik, LED-Style und orientalischem Gedöns am Rückspiegel? Fahren alle wie die Henker, geht gar nicht!

So, das tat gut. Ohne Vorurteile wäre die Welt noch unübersicht-licherer, als sie eh schon ist. So hat alles seine Ordnung: ein Mercedes hat eingebaute Vorfahrt, der Popel fährt Opel und Volvo-Fahrer sind grundsätzlich Pädagogen, die Cordhosen tragen und sich zu fein für einen Passat Variant sind. Aber kommen wir noch einmal zum BMW und dem ehernen Gesetz, die Fahrer seien Rüpel, rücksichtslos, aggressiv in ihrem Fahrstil und überhaupt ein Ärgernis auf deutschen Straßen. Erstaunlicherweise bestätigen just gleich zwei Studien dieses Klischee. Zum einen handelt es sich um eine Umfrage für irgendeine dubiose Gutschein-Internetseite – deren Ergebnis besagte, dass die aggressivsten Fahrer Männer zwischen 35 und 50 seien. Das Auto: ein blauer BMW. Die Uhrzeiten, in denen man am schnellsten ausrastet: Montag morgens und freitags um 17.45 Uhr. Klingt jetzt nicht so unwahrscheinlich, denkt man, zuckt mit den Schultern und malt einen nassen Kringel aus einer kleinen Kaffeepfütze neben sich auf dem Schreibtisch.

Zum anderen handelt es sich um eine Analyse aus Amerika. Hier befassten sich Forscher um Paul Piff von der University of California mit der Frage, welche soziale Klasse sich eher unmoralisch verhält – Oberschicht oder Unterschicht? Man überprüfte das Fehlverhalten der Autofahrer an Zebrastreifen und Kreuzungen mit Stopp-Schildern. Und siehe: Der BMW-Fahrer hält eher ungern für Fußgänger und gibt dafür lieber an Kreuzungen verbotenerweise Gas. Weitaus interessanter als die Nummer mit den BMW ist allerdings, dass die Halter eines Toyota Prius wie Sau fuhren. Das fand ich wirklich spannend. Grund hierfür ist offenbar, dass man sich als Halter eines – nun, nennen wir es mal Öko-Autos – für etwas Besseres hält, der Meinung ist, die Karre hätte einen eingebauten Heiligenschein in der Nackenstütze und deswegen hätte man es als Gutmensch auch nicht mehr nötig, auf benzinverbrennende Umweltschweine wie wir Rücksicht zu nehmen. Ist das nicht mies!? Da arbeiten wir so hart, um einen Tropfen Diesel zu kaufen, um Kind und Kegel von A nach B zu bringen, und dann kommt dieser Tofu-mampfende, hybridhirnige, grüne Giftzwerg und nimmt einem die Vorfahrt. Ich sage Ihnen,  Gesine, vergessen Sie das mit den BMW, denn es wird noch böse enden mit dieser Welt. Und wer ist schuld? Die Ökos.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Das Auto ist des Deutschen liebster Freund.
Er (oder sie) hegt und pflegt das rollende Schätzchen penibel und akribisch.
Ich behaupte, das macht unglücklich

Felgenreiniger und Felgenbürstchen, Handwäsche, Carnaubawachs und Flauschwatte – sobald der Regen in Deutschland eine kurze Pause macht, kommen die Auto-pfleger aus ihren Verstecken und geben ihren Vehikeln in nur drei Stunden mehr Liebe und Zuneigung als ihrem Partner im ganzen Monat. Mit Wattestäbchen werden auch die letzten Ritzen und Sicken gereinigt und unter dramatischem Kraftaufwand poliert, zumeist mit hochwertigen Wachsen in der Preisklasse von chinesischen Potenzmitteln. Türunterkanten, Kofferrauminnenbleche und andere Stellen, die noch nie zuvor ein menschliches Auge gesehen hat, strahlen streifenfrei wie direkt aus der Lackierwanne. Scheiben werden bis zur gefühlten Unsichtbarkeit gewienert und Kunststoffe mit ungezählten Pflegeprodukten wieder in den Auslieferungszustand versetzt – in dem sie eigentlich schon immer sind, seit dieses mindestens einmal pro Woche stattfindende Ritual der glanzgesteuerten Höhlenmenschen über sie ergeht.

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Es ist den Kraftfahrern eine wahre Lust und Freude, solche intimen Stunden mit dem eigenen Auto auf diese Art zu verbringen. Denn wenn es wieder raus geht, runter vom Staubsaugerplatz an der Tanke, weg von der sicheren Waschbox, raus in die schmutzige Welt da draußen – dann verfinstern sich Blick und Laune mit jedem gefahrenen Kilometer. Warum klatschen denn ausgerechnet jetzt so viele Insekten auf die Nase des Autos? Oh nein, eine Baustelle, da fliegt ganz viel Teer und Splitt auf die Schweller! Die haben gar keinen Regen angesagt, wo kommen diese Wolken her? Und ist das da auf der Haube Sahara-Staub? Lieber nicht so viel bremsen, die Alufelgen leiden unter dem Abrieb und was macht der Dicke da auf dem Supermarktparkplatz, der ist doch mit seiner Jeans nicht etwa an der Beifahrertür entlanggekratzt?
Purer Stress. Man möchte den Wagen doch eigentlich viel lieber mit ins Wohnzimmer, mit aufs Sofa oder gleich mit ins Bett nehmen. Da ist es warm und frei von schmutzigen Feinden…
Sie sind niemals wirklich glücklich, diese Polierer. Denn sie gestehen sich nicht ein, dass ein Auto ein alltäglicher Gebrauchsgegenstand ist, der Kraftstoff verbrennt und Umwelteinflüssen ausgesetzt wird. Ihre Autos sind niemals dauerhaft so, wie sie sie gerne hätten. Klinisch rein, perfekt funkelnd.
Ich habe ja nichts gegen saubere Autos, aber Jungs – übertreibt ihr nicht ein bisschen? Zack Waschanlage, ein bisschen saugen und wischen und dann ab in die Welt. Ich widme meine Zeit lieber meinen Kindern und meiner Freundin und bin auch bei Regen glücklich. Denn der spült den Staub ab. Die dabei zurückbleibenden kalkigen kleinen Fleckchen sind mir total egal.

Aber es kann ja jeder wie er will.

tanzumsauto@träume-wagen.de

Kaufberatung BMW 02-Baureihe

Seit ihrer Markteinführung 1966 wird die 02-Baureihe von BMW wegen ihres sportiven Auftritts kultisch verehrt. Doch viele der knackigen Vollblut-Limousinen hauchten ihr Leben – von unkundiger Heizer-Hand allzu nassforsch bewegt – früh im Straßengraben aus, andere raffte der Rost dahin. Gute „Nullzwo“ sind heute erstaunlich selten geworden

Üüüiii, Üüüüüiiiii, Üüüüüüüüiii iiiii – den typischen Motorenklang („Sound“ hieß das 
damals noch nicht) eines (serienmäßigen) BMW der 02-Baureihe würde man unter tausend anderen raushören. Besonders rassig klingt er zwar nicht, eher so nach Vorwerk-Bodenstaubsauber, aber trotzdem sehr charakteristisch…

Der extreme Spagat zwischen Sekt (der Oberklasse mit Barockengel & Co.) und Selters (putzigen Motorrädern, Rollermobilen und Kleinwagen vom Schlage einer BMW Isetta und dem unwesentlich erwachseneren BMW 700) ließ Ende der 1950er Jahre eine gefährliche Lücke im umsatzträchtigen Mittelklasse-Segment klaffen und hätte der Marke beinahe das Genick gebrochen. Ab 1961 zeigte BMW hier mit der „Neuen Klasse“ und ab 1966 auch mit ihrem zweitürigen Ableger, der 02-Baureihe, die lang vermisste Präsenz. Obwohl die Autos der „Neuen Klasse“ anfangs durch untypische Qualitätsmängel von sich reden machten, hatten vor allem die kompakten 02-Stufenhecklimousinen wegen ihrer sportlichen Eigenschaften vom Start weg eine feste Fangemeinde: Sie bescherten halbstarken Jungs, die sich solch einen BMW noch nicht leisten konnten, feuchte Augen und den jungen Familienvätern, die zu den ersten Käufern zählten, feuchte Hände, wenn sie das volle fahrdynamische Potential auf der Straße ausloteten. Vom Produktionsbeginn bis zur Einstellung der Modellreihe im Jahr 1977 liefen mehr als eine dreiviertel Million Fahrzeuge vom Band – in den letzten Jahren allerdings nur noch als Einstiegsmodell 1502, das parallel zum ab 1975 erhältlichen Nachfolger, der ersten Dreier-Reihe, angeboten wurde.

Der ewige Autotest-Gegner: Leistungsmäßig gleichauf, technisch raffinierter, im Alltagseinsatz allerdings auch wesentlich divenhafter – die 1600er Giulia Super von Alfa Romeo

Der ewige Autotest-Gegner: Leistungsmäßig gleichauf, technisch raffinierter, im Alltagseinsatz allerdings auch wesentlich divenhafter – die 1600er Giulia Super von Alfa Romeo

Mit der 02-Baureihe war der Dauer-Rivale von Alfas heißer Giulia geboren – im richtigen Leben, auf der Rennstrecke als auch in den Vergleichstests der einschlägigen Fachpresse. Mercedes suchte man in diesem Umfeld damals vergebens – der gute Stern auf allen Straßen zelebrierte Motorsport ausschließlich in der „Herrenfahrer-Liga“ mit dem 300 SL und suchte sein Heil ansonsten in der bürgerlich arrivierten Mittelschicht. Charakterlich am dichtesten dran war wohl der NSU TT, auch wenn der eigentlich aus der Kleinwagengilde stammt.

Spannend wäre es, neben einer Doppel-Kaufberatung mit der Alfa Giulia auch einen Vergleichstest von 02 und einem aktuellen 3er-BMW zu wagen. Dazu würde es für den Anfang völlig genügen, den mit einer kunststoffbespannten Sperrholzplatte ausgelegten und ansonsten in nacktem Blech daherkommenden Kofferraum des Oldies dem in feinstem Velours vollausgekleideten Shopping-Container des heutigen Dreiers gegenüberzustellen. Letzterem würde man vorzugsweise das hart erarbeitete Tagesergebnis eines ausgedehnten Edelboutiquen-Bummels anvertrauen, während das Gepäckabteil des alten eher nach einer Werkzeugkiste, einem Reservekanister und anderem „ehrlichen“ Autozubehör zu rufen scheint.

Wild Ponies of Hanau 2013

Wild gewordene Mustangs treffen sich jeden Sommer in der Klassikstadt Frankfurt. Und auch dieses Jahr stellen wir wieder gerne fest: Das Leben ist ein Ponyhof

Ob sich Wildpferde freuen, wenn sie gegrillte Kuh riechen, hat noch niemand überliefert. Zumindest stört es sie nicht. Erst recht nicht, wenn es sich um Mustangs handelt, die dann auch noch aus Blech, Gummi und Plastik bestehen.

Wer sich garantiert über die Steaks freut, sind die ganzen Cowboys beim Treffen „Wild Ponies in Hanau“, das – wie in jedem Jahr – Ford-Mustang-Fans mit ihren Gäulen zusammenführt. Da donnert’s, bullert’s, schnorchelt’s und zischelt’s dank aller Generationen von Ford Mustang, angefangen bei den Klassikern der Generation 64 ½ über die breitbeinigen Straßensauger der 70er und die eher klein ausgefallenen ungeliebten Kantenkisten der 80er bis hin zur aktuellen Neuauflage. Mustangs bis zum Horizont – cool.

Im Innenhof der alten Traktorenfabrik tummeln sich die Wildpferde und andere Klassiker.  TRÄUME WAGEN ist natürlich mit dem Parnelli Jones Mustang mitten drin Im Innenhof der alten Traktorenfabrik tummeln sich die Wildpferde und andere Klassiker. TRÄUME WAGEN ist natürlich mit dem Parnelli Jones Mustang mitten drin
Im Innenhof der alten Traktorenfabrik tummeln sich die Wildpferde und andere Klassiker. TRÄUME WAGEN ist natürlich mit dem Parnelli Jones Mustang mitten drin

Im Innenhof der alten Traktorenfabrik tummeln sich die Wildpferde und andere Klassiker. TRÄUME WAGEN ist natürlich mit dem Parnelli Jones Mustang mitten drin

Allein in dieser nun fast 50-jährigen Modellreihe des amerikanischen Ford-Konzerns stecken mehr Varianten und Geschichten als in einem dicken Bilderbuch über die Pferdezucht im Wilden Westen – auch wenn sich die deutschen Statthalter dieses uramerikanischen Autos „nur“ im Innenhof der alten Frankfurter Traktorenfabrik, die heute als „Klassikstadt“ bekannt ist, treffen.

Die Gründe, warum diese Männer (und auch Frauen) ihre Ponies reiten, sind so verschieden wie die Reiter selbst. Einige sehen Tuning als Lebensaufgabe und haben schon mehr Euro in die Aufwertung ihres Mustang versenkt als andere in den preiswürdigen Garten ihres Landhäuschens. Viele haben schon immer von einem Ami geschwärmt und sich mit dem Mustang einen Lebenstraum erfüllt, der bezahlbar ist, eine überschaubare Technik vorweist und sich preiswert unterhalten lässt. Und der trotzdem den typischen Charme amerikanischer Autos versprüht, auch wenn er nicht so wahnsinnig groß und ein bisschen sportlich ist, aber noch immer schön schaukelt und unnachahmlich aus den Rohren gullert. Und etliche wollten einfach irgendwann keinen austauschbaren neuwertigen Kleinwagen zu Leasing-Sonderkonditionen mehr fahren – weil das einfach nicht glücklich macht.

Aston Martin DB2/4 Hardtop-Coupé Mk. II

Sie können unterschiedlicher nicht sein, die Supercars DB2/4 aus dem Jahr 1957 und der aktuelle One-77. Aber sie stammen aus einer Schmiede: Aston Martin. TRÄUME WAGEN nahm die beiden Sportwagen an zwei ungewöhnlichen Orten unter die Lupe

Kämpferische Gene

So ein bisschen kriegerisch war Aston Martin ja schon immer. Nicht böse, kein Aggressor, und immer mit dem nötigen und typischen britischen Understatement, aber als David unter lauter Goliaths muss man sich zu wehren wissen. Kein Wunder – schließlich kommt der Name Martin aus dem lateinischen „Martinus“, dem Adjektiv zum römischen Kriegsgott Mars. Entsprechend bedeutet der Name „Sohn des Mars“, „dem Mars geweiht“ oder eben „kriegerisch“.

Ob Lionel das wusste? Der Mann hieß mit Nachnamen Martin, war einer der beiden Gründer der späteren Edelmarke (die zuerst als „Bamford & Martin“ firmierte) und stellte vor seinen Nachnamen die halbe Bezeichnung des Buckinghamshire-Berges Aston Clinton, weil er 1913 auf einem Singer 10 das dortige Bergrennen gewann.

Kämpferische Gene legte sich Aston Martin schon früh zu – alleine die Verteidigung gegen große, starke Konkurrenz kostete die Marke im Laufe ihrer Zeit viel Kraft. Aber eines hat sie sich immer bewahrt: Den Ruf, die schönsten Sportwagen ihrer Zeit zu bauen.

Aston Martin DB2/4 Hardtop-Coupé Mk. II Aston Martin DB2/4 Hardtop-Coupé Mk. II
Das Interieur und die Details sind – wie von einer Luxusmarke zu erwarten ist – extrem edel ausgelegt. Das Kofferraumabteil ist rot lackiert, die Federn der Heckklappenhalterung zeigen Mechanik at its best Das Interieur und die Details sind – wie von einer Luxusmarke zu erwarten ist – extrem edel ausgelegt. Das Kofferraumabteil ist rot lackiert, die Federn der Heckklappenhalterung zeigen Mechanik at its best

Das Interieur und die Details sind – wie von einer Luxusmarke zu erwarten ist – extrem edel ausgelegt. Das Kofferraumabteil ist rot lackiert, die Federn der Heckklappenhalterung zeigen Mechanik at its best

Chevrolet Corvette C3

Die dritte Corvette-Generation ist der Phänotyp des so genannten „Coke-Bottle-Designs“. Trotz ihrer Kunststoffkarosserie kann Korrosion (am Rahmen) ein echtes Problem sein – nicht das einzige übrigens. Besonders gesucht sind die von 1968 bis 1972 gebauten Chrom-Vetten. Gute Exemplare sind mittlerweile rar

Dezent ist anders. Noch immer fällt man mit der bis 1982 gebauten dritten Corvette-Generation im Straßenbild auf wie Bud Spencer auf einem Vorschul-Elternabend. Deshalb waren diese Autos über viele Jahre das bevorzugte Fortbewegungsmittel von Kiezgrößen aus dem Rotlichtmilieu. Mit Erreichen des Oldtimerstatus haben diese zeittypischen Fahrzeuge inzwischen auch Einzug in Garagen der Normalbevölkerung gehalten. Heutigen Luden sind die alten Vettes vermutlich längst nicht mehr protzig genug. Dennoch: Mit einer Vette muss man eine gewisse Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit lieben, und es schadet auch nichts, den „American Way of Drive“ zu mögen. Das heißt, aufs Cruisen und vielleicht einen Ampelsprint mehr zu stehen als auf eine wilde Serpentinenhatz über enge Alpenpässe. Dem ringsum trommelgebremsten Vorgänger sprach Top-Gear-Kultmoderator Jeremy Clarkson in seinem Buch „Hot 100“ (ja, ich muss es hier wieder einmal zitieren) noch echte Sportwageneigenschaften ab, wie er sich überhaupt wunderte, dass es die ansonsten technisch so wegweisende amerikanische Nation bis heute nie fertig brachte, überhaupt irgendeinen Sportwagen zu erschaffen. Und sein Fazit über den Stingray (beim Vorgängermodell wurde die Bezeichnung noch auseinandergeschrieben) lautete: Lasst uns ehrlich sein. Wir waren alle schon mal mit sehr einfachen Mädchen aus, die vielleicht eine fürchterliche Lache und fragwürdige Tischmanieren hatten, aber man nimmt sie doch mit ins Bett, wenn sie den Körper eines Engels haben.

Chevrolet Corvette C3

Den Körper eines Engels hat auf jeden Fall auch der Nachfolger, die C3-Corvette dieser Kaufberatung. Die Formgebung geht zurück auf den Prototypen Mako Shark II von 1965, den Stylist Larry Shinoda zeichnete. Die Regie über die Entstehung der dritten Corvette-Generation hatten Bill Mitchell und Zora Arkus-Duntov. Ganz so schlimm wie von Clarkson dargestellt ist es mit der Corvette C3 übrigens nicht. Nicht nur, weil sie ringsum Scheibenbremsen hat. Wer die Eigenheiten anderer amerikanischer Sportcoupés und auch die des Vorgängermodells gewohnt ist, wird vom Fahrerlebnis mit einer Corvette C3 in mancher Hinsicht positiv überrascht sein, wie kultiviert sie sich gebärdet. Sie liegt trotz ihrer vorsintflutlichen Querblattfederung an der Hinterachse erstaunlich komfortabel auf der Straße – das ist beinahe Oberklasse-Liga. Man wird eher gerührt als durchgeschüttelt. Auch die (allerdings nur auf Wunsch) servounterstützte Lenkung arbeitet ausgesprochen leichtgängig, wie es bei den Amis Sitte ist. Erstaunlich ist jedoch, dass sich dabei trotzdem ein gewisser Lkw-Eindruck einstellt. Das muss wohl daran liegen, dass die Vette wie ein Lastwagen über ein solides (und nicht ganz leichtes) Rahmenchassis verfügt.

Mit Vollgas in den Tag

Mit Vollgas in den Tag

Ganz normale Menschen in nicht immer ganz normalen Autos. Klassiker, vom rassigen Porsche bis zum Alltags-Opel – Hauptsache älter als 20 Jahre und mit viel Spaß an der Sache. Zusammen mit dem ADAC Hansa haben wir in diesem Sommer die ADAC TRÄUME WAGEN KLASSIK 2013 veranstaltet und damit ein wunderbares Stück entspannter Rallyegeschichte geschrieben. Streckenverlauf und Ergebnisse findet ihr HIER (Klick), was wir aber heute für alle Teilnehmer und Interessierten haben ist der Film!

'ADAC TRÄUME WAGEN Rallye 2013 – Der Film!' weiterlesen

Aaron Vidal

Aaron Vidal holt wie kein anderer zeitgenössischer Maler vergangene Augenblicke zurück in die Gegenwart. Seine gemalten Momente beinhalten vor allem Frauen und Autos. Deshalb mussten wir ihn dringend in seinem Atelier auf der Hamburger Reeperbahn besuchen

Die junge Frau lehnt sich gegen die Rückenlehne eines großen Autos in der Dunkelheit. Sie bettet ihr hübsches Gesicht auf den schmalen Händen, die Augen sind geschlossen und ihr leichter, roter Mantel bedeckt sie nur bis zu den Oberschenkeln. Die Beine sind im Fußraum verschränkt. Sie wirkt friedlich. Neben ihr auf dem Fahrersitz zeugen nur ein paar Lederhandschuhe davon, dass hier eben vermutlich auch noch ein Mann gesessen hat.

Der Moment ist unvergänglich

Der Moment ist unvergänglich

Der Entstehungsprozess eines Gemäldes dauert je nach Größe einige Monate. Vidal geht mit Perfektionismus ans Werk Der Entstehungsprozess eines Gemäldes dauert je nach Größe einige Monate. Vidal geht mit Perfektionismus ans Werk

Der Entstehungsprozess eines Gemäldes dauert je nach Größe einige Monate. Vidal geht mit Perfektionismus ans Werk

Wir wissen weder, wohin er gegangen ist, wie lange das her ist oder ob er noch einmal wiederkommen wird. Das Gemälde lässt uns mit diesen Fragen allein, aber nicht in Einsamkeit. Und plötzlich passiert das, was Kunst für jeden Menschen, der sich mit ihr beschäftigt, so einzigartig macht: Wir denken das Bild weiter. Hier wurde nur ein kurzer, flüchtiger Moment festgehalten in gemalter Poesie des Augenblicks. Wir aber spinnen die Geschichte weiter, überlegen, was da wohl passiert sein könnte und verlassen damit den Rahmen des Bildes. Für uns kehrt die vergangene Szene zurück in unsere eigene Gegenwart und wird zu einem zeitlosen Zustand.

Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Ein Landstraßenerlebnis – mit Happy End

Auf jeder längeren Überlandfahrt gibt es einen Zeitgenossen, der es wesentlich eiliger hat als man selbst. Und als alle anderen. Das ist an sich nicht verwerflich. Wenn er das aber voll aufgeblendet ankündigt und dabei fast in meinem Kofferraum parkt, habe ich etwas dagegen. Erst recht auf der Landstraße.

Besonders unfair ist, dass ich ihm nicht meine Meinung dazu sagen kann. Wenn mich ein unfreundlicher „Hauswart“ – wie er ihn jedem Mehrparteienhaus  existiert – anblubbert, kann ich ihm notfalls mit deutlichen Argumenten sein in meiner Welt unwichtiges Dasein auf dem Hausflur erklären. Aber bei dem Eiligen fehlt die Kommunikationsplattform.

Natürlich fahren wir alle mal schnell, und natürlich sind wir alle nicht ganz sündenfrei. Aber wie erkläre ich dem Menschen in seinem Mittelklasseboliden, dass es mich nervös macht, wenn er rund zwei Meter hinter mir seinen Christbaum aufblendet? Wo soll ich denn hin? Es geht nun mal langsam voran, wenn ich am Ende einer langen Schlange von Autos dahinrolle, die alle brav einem dicken Lkw folgen.

Tanz ums Auto - Gerechtigkeit für Drängler

Ich habs gerade selbst erlebt. Der Drängler will partout vorbei. Meine Theorie: Irgendwann werde ich die Chance bekommen, den Lastwagen zu überholen. Und wenn nicht, komme ich eben ein bisschen zu spät. Seine Theorie: keine Ahnung.

In was für Dimensionen mag mein Hintermann denken? Denkt er überhaupt? Er ist noch dichter herangekommen, beginnt zu hupen. Jetzt schert er hinter meinem Taunus nach links aus, errechnet blitzschnell, dass er direkt neben mir am Gegenverkehr zerschellen wird und wedelt wild gestikulierend wieder zurück. Zweiter Versuch: Vorbei an meinem Auto und den beiden davor – wieder im Angesicht des dichten morgendlichen Gegenverkehrs. Der muss bremsen und blendet warnend auf. Mein überholender „Freund“ schert in die Schlange ein, obwohl da gar keine Lücke ist. Die ahnungslosen Fahrer dreier Autos hinter ihm und ich müssen in die Eisen. Und es geht von vorn los: Der Typ schert auf die Gegenfahrbahn aus und drängt sich zwei Autos weiter wieder in die Schlange zurück. Ich fühle mich wie im Film, allerdings bin ich nicht nur Zuschauer.

Als 15 Kilometer weiter aus der Landstraße endlich eine Autobahn wird – mit echter Überholspur -, steht doch da der Mittelklassebolide mit Warnblinker auf dem Standstreifen. Vor ihm und hinter ihm Streifenwagen, obendrauf wunderschön blau blinkend deren behördlicher Christbaum. Recht so. Es ist nicht meine Sache, andere Autofahrer zu erziehen. Und soll eigentlich jeder, wie er will. Aber nicht unter der Gefährdung des Lebens anderer.

Gerechtigkeit finde ich gut. Der Tag geht schöner weiter, als er angefangen hat.

tanzumsauto@träume-wagen.de

Der lange Weg zur Kultmarke

In der Formel 1 ist McLaren bereits eine Ikone, auf der Straße will die ehrgeizige Firma das in zehn Jahren auch sein. Auf einer 1.300-Kilometer-Reise von London nach Monaco fuhr TRÄUME WAGEN im Coupé namens MP4-12C durch die Historie des englischen Autobauers und checkte die Chancen für dessen Aufstieg

Greg Levine ist mächtig selbstbewusst. Der Marketing- und Verkaufschef von McLaren Automotive hofft öffentlich, dass seine Marke bald so eine Ikone sei wie die europäische Konkurrenz mit langer Historie: „In zehn Jahren sollen kleine Kinder nicht mehr sagen: „Wenn ich groß bin, will ich einen Ferrari, Porsche oder Lamborghini haben.“ Sondern: „Ich will einen Mc-Laren…“

First Step: M6GT

Der M6GT war ein erster Versuch, auf der Straße Fuß zu fassen. Der Motor stammt von Chevrolet - ein V8 mit 276 PS. Der gesamte Prototyp wiegt nur 800 Kilo, ganz nach den Leichtbaukriterien aus dem Rennsport gefertigt. Das originale Einzelstück ist nur einen Meter hoch. Ob jemals jemand mit dem Wagen die angepeilten 290 km/h gefahren ist, ist nicht gesichert...

Der M6GT war ein erster Versuch, auf der Straße Fuß zu fassen. Der Motor stammt von Chevrolet – ein V8 mit 276 PS. Der gesamte Prototyp wiegt nur 800 Kilo, ganz nach den Leichtbaukriterien aus dem Rennsport gefertigt. Das originale Einzelstück ist nur einen Meter hoch. Ob jemals jemand mit dem Wagen die angepeilten 290 km/h gefahren ist, ist nicht gesichert…

Der erste Straßenwagen: Mc Laren M6GT Der erste Straßenwagen: Mc Laren M6GT

Kein leichtes Unterfangen – denn eine Historie im Straßenautobau hat McLaren nur bedingt, ein Portfolio noch gar nicht, und von Nostalgie im Formel-1-Zirkus kann auch kein Autobauer leben. Was McLaren allerdings schon vorweisen kann, ist mit dem „McLaren Technology Center“ eine neue und supermoderne Produktionshalle, ein 600 PS starkes Supercar für die Straße namens MP4-12C (seit kurzem gibt es vom Werk eine kostenlose Kraftkur nachträglich für alle schon ausgelieferten McLaren in Form von 25 zusätzlichen PS per Software-Upgrade), eine offene Version und Ehrgeiz bis zum Anschlag. Grund genug für TRÄUME WAGEN, sich das straßenfähige „McLaren Projekt 4“ in der futuristischen, 57.000 Quadratmeter großen McLaren-Zentrale in Woking bei London zu schnappen und eine Reise zu den Meilensteinen der gesamten Firma zu unternehmen.

Friederike und Bella mit ihrem Mercury Monarch Ghia von 1976

Einige führen ein echtes Hundeleben, da draußen in den Trabantenstädten des Ruhrgebiets zwischen Hochhäusern und stillgelegten Zechen. Dass der Alltag aber auch bunt, lustig und tierisch angenehm sein kann, beweisen Friederike Löbach und ihr Hund Bella, wenn sie in ihrem 1976er Mercury Monarch der Gegend um Wuppertal die Farben zurück bringen

Bellas Tag geht heute nicht ganz so gut los wie sonst. Der Sommer, der nirgendwo richtig loslegen will, drückt mit grauen Regenwolken auf ihre schon etwas betagten Hundeknochen. Sie hat heute Nacht nicht so gut geschlafen, und das Futter schmeckt irgendwie blass. Es gibt diese Tage, da legt man sich am liebsten gleich wieder ins Körbchen.

Frauchen allerdings tänzelt trällernd und lachend durch die Küche, sie hat heute noch ein paar Termine, und da kann Bella mit. Vielleicht ein abwechslungsreicher Lichtblick? Heute wird wieder das große Auto genommen. Das mit dem dicken Teppich und viel Platz vor der Sitzbank. Definitiv ein Lichtblick. Bella würde lächeln, könnten kleine Hunde lächeln, und schmiegt sich dann doch zufrieden an Frauchens Bein.

Große Klappen deckeln den Kasten. Kompaktbauweise definierte man in Europa ein wenig anders Große Klappen deckeln den Kasten. Kompaktbauweise definierte man in Europa ein wenig anders

Große Klappen deckeln den Kasten. Kompaktbauweise definierte man in Europa ein wenig anders

Das Design ihres Autos färbt auch auf die Besitzerin ab. Mit solchen Schuhen können nur Frauen fahren! Das Design ihres Autos färbt auch auf die Besitzerin ab. Mit solchen Schuhen können nur Frauen fahren!

Das Design ihres Autos färbt auch auf die Besitzerin ab. Mit solchen Schuhen können nur Frauen fahren!

Das gehört Friederike Löbach. Sie ist selbständige Masseurin und sogar noch ein bisschen jünger als der große, braune Blechkasten draußen auf dem Hof, auf den sich ihre Hündin gerade so freut. Ihr Job geht einher mit vielen Terminen kreuz und quer durch das Revier, deshalb steht zunächst neben dem Kasten noch eine Art offizieller Gebrauchskasten: Ein 1993er Passat. Zwar geräumig und zuverlässig, aber das war es dann auch. Er läuft eben. Das kann nicht die mobile Erfüllung für eine Frau sein, die schon als kleines Kind tiefe Begeisterung für große, amerikanische Autos empfunden hatte. Mehrere Urlaubsreisen nach Mexiko, wo sie mit klassischen Dickschiffen der 70er die Highways befuhr, verankerten diese Emotionen noch tiefer. Der Klang hatte es ihr angetan – ein Auto muss blubbern.

Windkanal - was ist das? Aber gegen den Strom schwimmen muss nicht unbedingt anstrengend sein

Windkanal – was ist das? Aber gegen den Strom schwimmen muss nicht unbedingt anstrengend sein