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Der VW California wird 25 Jahre alt. Grund genug, zur Feier des Tages sich mit dem Kult-Wohnmobil durch drei Länder zu schlafen und am Strand in Girona ein bisschen moderne Hippie-Luft zu schnuppern – beim größten spanischen Bulli-Treffen des Jahres

Sie kommen als Superman und Superirgendwas. Als Liebesgötter und Clowns. Mit Blümchen, Michelin-Männchen, Schmetterligen, Gitarren. Mit Aufklebern der Evolution vom Affen bis zum Bulli und schrägen Bulli-Treffen. Mit Plüsch-Bullis, Modell-Bullis, Papp-Bullis. Sie feiern Junggesellenabschied, Flitterwochen, und wahrscheinlich auch die eine oder andere Scheidung. Sie sind Jungunternehmer und Althippies, Mütter, Väter, Singles, unzertrennlich, Kiter und Surfer. Aber eines eint sie alle: der Bulli als Wohnmobil. Hier auf dem Campingplatz La Ballena Alegre in Sant Pere Pescador bei Girona feiern die spanischen VW-Bus-Schlaf-Fans 20 Jahre Bulli-Treffen.

Gute Gelegenheit, sich einzuklinken, dachten sich die Jungs von VW Nutzfahrzeuge, bei denen die Camper angesiedelt sind, und luden zur fröhlichen 1.300 Kilometer langen Fahrt von Freiburg durch Frankreich nach Spanien. Klingt gut, bedeutet aber auch, bis zu zehn Stunden am Tag hinterm flach stehenden Lenkrad in einem nach heutigen Maßstäben untermotorisierten Wohn-Van zu hocken.

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Wendig und kompakt: Der VW California bringt einen überall hin – mit dem Dieselmotor zwar nicht schnell, aber verlässlich

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Na und? Dann entschleunigt Bulli-fahren eben – wenn man nicht eine Rakete von Motor im Heck festgeschraubt hat. Meine mobile Hütte für die nächsten vier Tage ist jedenfalls ein 89er T3 California mit 160.000 Kilometer auf der Uhr. Eigentlich ein Youngtimer, würde er sich nicht fahren wie ein Lastwagen.

Aber schon zu Beginn der Tour genieße ich es, mal wieder ohne Navigationsgerät zu fahren. Die Karte an die Karosserie gedrückt, zu dritt drum herum stehen und diskutieren, welche Straße an dieser verflixten Kreuzung denn nun die richtige ist, und mit den trotz Elektronikzeitalter verbliebenen Restinstinkten den korrekten Weg einschlagen – im T3 California ist der Weg das Ziel. Wunderbar, dann wieder aufrecht direkt über der Vorderachse zu sitzen und beim rhythmischen Bremsen den Vorderbau aufzuschaukeln. Wo gibt’s das sonst noch?

Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Mike M. per Mail: Mein Freundin mäkelt herum, dass mein Porsche 914 unbequem sei. Was soll man da antworten?

Lieber Mike! Ach ja, die Frauen. Das Leben wäre so behaglich ohne sie. Und so erbärmlich öde wie ein Honda Jazz von 2005. Aber konzentrieren wir uns auf das Thema Luxus. Das Faszinierende da-ran ist ja, dass wir meinen, dringend das zu brauchen, was wir nicht brauchen. Und dass man nicht zufriedener ist, wenn das Bedürfnis danach gestillt wird. Sie können in Ihren Porsche ein Nacken- und Po-Gebläse einbauen, einen Champagnerkühler, Feng-Shui-Garten, Panflöten-Gedudel und Ambilight-Glotze. Aber Ihre Freundin wird deswegen nicht weniger nölen. Gibt ja auch nichts Bequemeres, als zu mäkeln. Es hat schon seine Gründe, warum es heißt, dass Luxus die Sitten und den Geschmack verdirbt. Es hat den penetranten Beigeschmack von materialisierter Schamlosigkeit, von Barbarei und Bling-Bling, bitterem Neid und unstillbarer Gier. Das Glas ist immer halb leer und der Hals nie voll.

Aber was bedeutet Prunk im Automobil (wenn wir davon absehen, dass Luxus meiner Ansicht nach daraus besteht, mit seinem Buick Riviera einen Parkplatz in der Innenstadt zu bekommen)? Schauen wir uns ein modernes Luxusauto an: So eine neue S-Klasse lockt mit kuscheligen Ledersesseln, Auto-Pilot, Massage-Funktionen und Aroma-Therapie, vorausschauendem Fahrwerk und vorausschauender Kamera. Und dann? Wie bei jedem teuren Neuwagen wird es immer jemandem geben, der bei dieser oder jener Funktion einen kleinen Mund macht und sagt: „Also, das konnte mein Toyota schon 1998.“ Schicksalsergeben blickt man dann in den Himmel und fragt sich, ob da jemand wohnt.

Eine Sache ist in diesem Kontext allerdings ganz interessant: Früher gab es einen klar erkennbaren Unterschied zwischen Nobelkarossen und Kleinwagen. Hochpreisige Fahrzeuge punkteten einst nicht nur mit Raumangebot und Bequemlichkeit, sondern auch mit Assistenz- und Sicherheitssystemen, von denen zum Beispiel ein Fahrer eines Renault 5 nur träumen konnte. Irgendwann begannen die Hersteller jedoch, Luxus-Gimmicks in jede Klasse zu verbauen – und damit hatte es sich mit den krassen Kastenunterschieden. Heute könnte man den R5, wenn er noch produziert werden würde, mit Klima-Automatik, fünfzehn Airbags, Internetanschluss und rosa beleuchtetem Himmel kaufen. Will Ihre Freundin so etwas? Dann kaufen Sie Ihr doch einen dieser blinkenden und piepsenden Kleinwagen. Kostet auch fast nichts dank irgend so einer Billo-Finanzierung. Aber geben Sie ihr vielleicht noch eine Sache mit auf den Weg: Man sollte sich nicht alles leisten, was man sich leisten kann.

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Ein Opel GT kehrt 43 Jahre später nach Rüsselsheim zurück –
in die Traumgarage von Fritz Schmidt jr.

Sicherlich existieren stärkere und spektakulärere Sportwagen als der Opel GT 1100, doch wenn Emotionen mitspielen, dann gibt es keine Alternative. Zudem handelt es sich bei dem hier porträtierten GT um ein seltenes Exemplar, denn der 1100er wurde nur von 1968 bis 1970 in einer Stückzahl von 3.573 Stück gebaut (GT 1900: 99.890).

Der beliebtere 1900er wurde bis 1973 gebaut und beide GT entsprachen mit ihrem Coke-Bottle-Design annähernd der Form der erfolgreichen Corvette, weshalb sie auch „Baby Vette“ 
genannt wurden. Bei der Vorstellung des Prototyps anlässlich der Eröffnung des Entwicklungszentrums in Dudenhofen waren die Journalisten durchweg begeistert von dem Sportwagen “Made in Germany“, was Opel trotz guter Auslastung dazu bewegte, den GT zu produzieren.

Danach wurde die technische Ausstattung des GT festgelegt, die auf der Bodengruppe des Kadett basiert. Der 1100er hatte jedoch durch den zurückverlegten Motor eine erheblich bessere Gewichtsverteilung und dadurch ein extrem gutes Fahrverhalten. Der Motor des „großen“ GT stammte aus dem Opel Rekord C und verhalf dem Flitzer mit den Schlafaugen zu Fahrleistungen, die zu der Zeit alles andere als alltäglich waren, was auch der Startschuss zu wilden Tuningmaßnahmen an dem GT war, so dass nur noch wenige Exemplare im Originalzustand vorhanden sind.

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Die phantastische Form begeisterte im Jahre 1969 auch Gertrud Weinrich aus Wiesbaden, die mit damals 53 Jahren sicherlich nicht zu dem potentiellen Kundenkreis gehörte, jedoch einen der schwer zu bekommenden GT bestellte und damit in der feinen Kurstadt Wiesbaden Aufsehen erregt. Als sie Anfang der 80er Jahre das Autofahren aufgab und das Auto nur noch zur TÜV-Vorfahrt von einem Porsche-Händler heraus holen ließ, entdeckte der junge Fritz Schmidt das Fahrzeug in der Tiefgarage, da seine Jugendliebe im gleichen Haus wohnte. Er war als Rüsselsheimer und gerade frisch mit dem Führereschein ausgestattet natürlich begeistert von dem zitrusgelben Flitzer. Vorsichtig fragte Schmidt bei der erstbesten Gelegenheit nach, ob die Dame den GT verkaufen würde, der inzwischen einige Gebrauchsspuren hatte, so auch die Delle im Heck, die von einem laut Weinrich „plötzlich dagewesenen Pfeiler, der sonst nie dagewesen sei“ stammte. Er bekam aber ein klares Nein als Antwort.

Insgesamt stand der Wagen, nachdem er 1994 mit 30.000 Kilometern abgemeldet wurde, nochmals mehr als 20 Jahre mit einer Plane abgedeckt in derselben Tiefgarage in dieser feinen Wohngegend von Wiesbaden. Schmidt Jr. rief regelmäßig an und erkundigte sich, wie es Weinrich und dem Objekt seiner Begierde ginge … und ob der GT denn nun zu verkaufen sei, denn mittlerweile hatte er irgendwie eine besondere Beziehung zu diesem GT aufgebaut. Ebenso begann er in der Zwischenzeit so einiges von Opel zu sammeln, was sich von Automobilia über Fahrräder bis hin zu seltenen Schildern und Werbegeschenken aus allen Epochen erstreckt, nur seine Garage hatte eben noch eine Lücke.

Als er im Jahre 2006 seinen obligatorischen Anruf bei der Besitzerin des GT tätigte, gab es einen unverhofften und plötzlichen Lichtblick. „Was willst du denn ausgeben, Fritzi?“ fragte die Dame am Telefon, worauf Fritz spontan nichts Passendes einfiel. Die beiden machten einen Termin zum Kaffee aus und Weinrich legte neben dem Kuchen ein Stück Papier auf den Tisch, auf dem eine uns unbekannte Summe stand, zu der der GT wenige Tage später den Besitzer wechseln sollte.

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Tanz ums Auto - Auf das Stehvermögen kommt es an

Wer sein Auto verkauft, räumt es vorher aus. Was da alles ans Licht kommt, gleicht einem andersartigen Tagebuch

Wir Oldtimerfahrer haben ja oft noch eine selten erwähnte Karre parallel stehen – was Sparsames, womöglich einen Diesel oder gar einen Kombi. Jedenfalls nichts, woran unser Herz wirklich hängt. Bei mir ist das nicht anders, und im Gegensatz zu Ford Taunus und K70 handelt es sich hier meist um „fire-and-forget“-Autos. Mit abnehmender TÜV-Gültigkeit schwindet auch die Motivation, noch mal Geld und Zeit zu investieren. Also verkaufe ich ab und an diese Lastesel zugunsten gleich-teurer Autos – irgendwelche, Hauptsache TÜV.

Und bevor mich das so verstoßene Automobil (meist) in Richtung Afrika verlässt, muss alles da raus, was sich so in einem oder zwei Jahren angesammelt hat. Ich nehme mir einen Karton und beginne von hinten nach vorn systematisch alle Ecken und Klappen leer zu klauben. Und werde romantisch.
Im Heck finde ich natürlich Werkzeug, Warndreieck, Spanngurte, Öl, Wasser und erwartungsgemäß einen Verbandskasten, den ich schon vor zehn Jahren ersetzen wollte. Ich glaube, diesmal tue ich das sogar. Starthilfekabel und Abschleppseil, beide nie benutzt (*klopfklopf*),  lege ich neben den Karton.
Vom Rücksitz und der Ablage hole ich eine Bibel (für schwierige Überholmanöver?), einen Hut und die umhäkelte Klorolle. Und die kleinen Fächer in den hinteren Türen erzählen von den heimlich gefutterten Süßigkeiten meiner Kinder – raus mit dem Müll in den Karton. Zwei Kugelschreiber und ein paar dänische Münzen, ein Turnschuh und eine Coladose entdecke ich unter dem Fahrersitz – und sogar meine „Best of Van Halen“-CD, die ich seit einem Jahr suche. Bingo.

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Vorne wird es noch interessanter. Unter der zerbrochenen Parkscheibe taucht das schon ewig vermisste Klappmesser auf. Ungezählte Servietten berichten von abendlichen McDrive-Durchfahrten, ich finde zwei Jahre alte Parkzettelchen aus Ulm und Hamburg, zwei Eiskratzer, die Keycard zu einem Hotelzimmer in Oberhausen (ups?) und einen Handyadapter von einem Telefon, das ich schon lange nicht mehr besitze.
Der Inhalt des Handschuhfachs krönt die Schatzsuche: Zwei gut verpackte, aber im Sommer viel zu warm gewordene Kondome, Benzinquittungen, Stadtpläne von Helsinki, Skagen und Nizza; noch mehr Kugelschreiber; Stecksicherungen und Relais; ein Keilriemen und eine schimmelig aussehende halbvolle Packung TicTac. Und dann ziehe ich schreiend meine Hand aus dem Gewühle und entferne eine tief in meinem Zeigefinger steckende Nadel, mit der ich die Wischwaschdüsen immer eingestellt hatte. Aua.
Irgendwann ist das Auto leer und einigermaßen sauber. Der Karton ist jedes Mal voller als seine Vorgänger, und ich trage ihn erstmal in die Garage. Dort steht er jetzt – neben den anderen vier.
Ich weiß: Für mein nächstes Auto kaufe ich den ganzen Kram sowieso wieder neu (vermutlich bis auf den Verbandskasten). Aber ich kann mich von diesen Zeitkapseln einfach nicht trennen. Sie bewahren ein bisschen vom Geist des verkauften Autos. So etwas wie Patina zum Mitnehmen…

 

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Liebe Autosiasten, 

neulich beim Oldtimer Grand Prix: tolle Autos, tolle Teams, tolle Menschen. Action auf Nordschleife und GP-Kurs, wildes Treiben in der Pit Lane, und das alte Boxenlager eine malerische Kulisse für Autos wie Morgan-Dreirad, Riley oder BMW 328 mit Männersprüchen in den Garagen wie „Fünf Siege in Monza können einen Nürburgring-Sieg nicht aufwiegen!“ von Rudi Carracciola. Und dann, in einer Box mittendrin, das: „Neu, elektrische Servolenkung für fast alle Klassiker…fast unsichtbar eingebaut, nichts ist unter der Motorhaube zu sehen…“.

Erster Gedanke: was für ein Frevel. Gehört es nicht zum Fahren eines Oldies, ihn mit einem nach heutigen Verhältnissen riesigen Lenkrad dank Muskelschmalz um die Kurven zu wuchten? Folgt nach Servolenkung nicht zwangsweise irgendwann ABS für Bentley 8 Litre, Stopp-Start-System für Packard Twelve, ESP für Pontiac GTO oder automatisches Windschott für Porsche 550 Spyder?

'Editorial TRÄUME WAGEN 09/2013' weiterlesen

Musiker und Schauspieler Tom Beck: Die vielen Geschichten und der Groove - das muss raus

Musiker und Schauspieler Tom Beck: Die vielen Geschichten und der Groove – das muss raus

Der Musiker und Schauspieler Tom Beck fährt zweigleisig. Im Oktober kommt sein zweites Album raus, und bei „Alarm für Cobra 11“ jagt er gut motorisierte Bösewichte. Wir sind mit ihm in einem 1978er Polizei-Porsche durch den Hamburger Hafen gedriftet!

Der Typ mit der gesunden Gesichtsfarbe uns gegenüber ist gar nicht so ein Sunnyboy, wie wir das während der Vorbereitungen befürchtet hatten – eine echte Überraschung. Und er ist mit seinen 34 Jahren selbst ein bisschen überrascht, dass er allein im vergangenen Jahr zwölf Mal in der BRAVO war. Tom Beck, aufgewachsen in einem kleinen 600-Einwohner-Dörfchen bei Nürnberg, geht optisch als einwandfreier Leckerbissen durch, drückt meine Hand fest und stahlt ein Lächeln aus, dass man ihm am liebsten sofort ein Bier spendiert hätte. Ein ehrliches Lächeln. Es gibt mindestens drei gute Gründe, diesen Mann vielleicht zu kennen und irgendwo schon mal gesehen zu haben.

Grund 1: Man war vor langer Zeit mal auf einer Veranstaltung, die er mit Musik beschallt hat. Wer weiß? Tom spielt seit seinem fünften Lebensjahr Akkordeon und Orgel, außerdem noch Klavier, Gitarre und Schlagzeug. Kaum stand er einigermaßen auf seinen eigenen Beinen, verdiente er ein hervorragendes Beibrot als Alleinunterhalter auf Ü-70-Veranstaltungen dazu – mit dem ganzen Equipment, was dazu nötig ist, hinten drin im roten Passat Variant von 1983, den ihm seine Eltern zum 18. Geburtstag geschenkt hatten. Wesentlich hässlicher als seine erste Freundin, aber ein durch und durch praktisches Auto. Perfekt geeignet auch für kleine Fluchten, wenn er sich nach dem La-Paloma-Geschwoofe der Festgesellschaft vor den ganzen gleichaltrigen Enkeln der Veranstalter zurückziehen wollte, die ihn in ihren Slayer- und Overkill-Kutten schweigend und verständnislos anglotzten. In dem Passat konnte man auch gern mal zu sechst schlafen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Rocker und Roller: Der Porsche sitzt wie angegossen
Rocker und Roller: Der Porsche sitzt wie angegossen Rocker und Roller: Der Porsche sitzt wie angegossen Rocker und Roller: Der Porsche sitzt wie angegossen

Rocker und Roller: Der Porsche sitzt wie angegossen

Christian Meyer ist der deutsche Senkrechtstarter in der Mustangszene. Das hat zur Folge, dass sein Autohaus binnen kürzester Zeit zu einer äußerst beliebten Anlaufadresse für die Fans des US-Kultautos wurde

Mustang-Deutschland.de - Christian Meyer

Die Mustang-Welle rollt. Und ausgerechnet ein 29jähriger hält sie hierzulande so richtig in Schwung: Es ist Christian Meyer, der als Geschäftsführer des gleichnamigen Autohauses im fränkischen Gunzenhausen selbst den Mythos Mustang lebt und in der Szene inzwischen zu einer Art Hero aufgestiegen ist. Hunderte Fans besuchen seine einschlägigen Shelby-Treffen und schwärmen mit ihm von der enormen Horsepower der Ponys. Vor allem aber schätzen sie die enorme Mustang-Marken-Kompetenz von Christian Meyers Autozentrum. Wie kommt es, dass der junge Betriebswirt mit Schwerpunkt Automobilhandel so verrückt auf die Musclecars ist?

Mustang-Deutschland.de - Christian Meyer

Realität: Ständig befinden sich 20 Ford Mustang im Bestand, zusätzlich gibt es fünf Vorführwagen Realität: Ständig befinden sich 20 Ford Mustang im Bestand, zusätzlich gibt es fünf Vorführwagen

Realität: Ständig befinden sich 20 Ford Mustang im Bestand, zusätzlich gibt es fünf Vorführwagen

Ernest Praag (links) und Ron Donders (rechts) sind ein regelrechtes Erfolgsgespann. Die Stärken der beiden Niederländer sind ein profundes Wissen und ausgezeichnete Kontakte. Hinzu kommt ein ausgesprochenes Faible für historische Fahrzeuge

Oldtimerkäufe in den benachbarten europäischen Ländern werden immer beliebter. Eine Beobachtung, die nicht nur Branchenkenner machen, sondern auch die Händler. „Bereits heute kommen rund 25 Prozent unserer Kunden aus Deutschland. Und die Tendenz ist weiter steigend,“ berichten Ernest Praag (44) und Ron Donders (43) von der niederländischen Firma E & R Classic Cars. Im südniederländischen Dongen, knappe 100 Kilometer von Aachen und 15 Kilometer von Belgien entfernt, betreiben beide einen Handel mit klassischen Autos.
Schwerpunkte sind britische Roadster und US-Cars aus den 60er Jahren, vorzugsweise Ford Mustang der ersten Serie (1964 -1968). Aber auch Fans anderer Hersteller kommen bei E & R Classic Cars aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ -Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Steffi und Thomas per Mail: Wir sind Liebhaber von amerikanischen V8 und
wundern uns jedes Mal, wenn wir mit unserem 88er Caprice Classic nicht ernst genommen werden. Haben wir nicht alle das gleiche Hobby? Seit wir den C20 Pickup von 73 besitzen, gehören wir scheinbar zur Szene und werden sogar gegrüßt. Muss es immer ein H-Kennzeichen sein?


Liebe Steffi, lieber Thomas! Vielen Dank für Ihre mehr als berechtigte Frage. Eigentlich müsste das Motto nach den Worten einer Teilnehmerin einer gewissen Castingshow lauten: „Dabeisein ist alles“. Danach würde jedweder Fahrer eines besonderen Autos im Straßenverkehr dem anderen fröhlich zuwinken und auf Messen und anderen automobilen Zusammenkünften brüderlich abklatschen. Weit gefehlt. Kaum steigt man mit stolzgeschwellter Brust in seine neue alte Karre und wedelt anderen Fahrzeughaltern freudig erregt zu, weil man meint, man sei nun Teil der Szene, beginnt man zu realisieren: Ich gehöre nicht dazu. Dabei ist es egal, was man fährt. V8 ist nicht gleich V8, Amerikaner salutiert nicht zwingend Amerikaner, Baujahr winkt nicht zu Baujahr, und ein H-Kennzeichen ist noch lange kein Garant für Solidarität. Wo käme man denn hin, wenn man sich als Fahrer eines 1971er Dodge Charger 383 Magnum dazu herablassen würde, einer Frau im selbst gestrickten Norwegerpullover zuzulächeln, die am Steuer einer ollen Ente sitzt. Wie uncool!

So gilt nur eine Formel verlässlich: Harley- und Mustangfahrer grüßen niemanden. Wobei beide zwar die eigene Überlegenheit manifestieren wollen, erstere aber nur ein boshaftes Vorurteil nähren: Es heißt ja, Harleyfahrer würden deswegen nicht grüßen, weil sie Angst haben, dass der Lenker abvibriert, sobald sie ihn loslassen. Aber das nur nebenbei.

Nun könnte man der Misanthropie verfallen und den Glauben an den Gemeinschaftsgeist verlieren – sofern man ihn je besaß. Man könnte sich aufregen und darüber sinnieren, dass Goethe einmal schrieb: „Du gleichst dem Geist, den du begreifst.“ Spräche nicht gerade für die Auffassungsgabe anderer Benzinköpfe, die offenbar alle nach dem Credo leben, dass manche gleicher sind als andere. Ja, vielleicht sind wir alle desillusionierte Einzelkämpfer am Lenkrad. Begriffen im ständigen Kampf um die eigene Individualität, die man durch Abgrenzung und Ausgrüßung zu bewahren sucht. Oder anders gesagt: Alle doof außer mir.

Wäre das nicht ein trauriger Gedanke? Allerdings. Aber – wenn sie mal wieder mit Ihrem Caprice durch die Gegend cruisen: Denken Sie daran, dass sich immer Menschen danach umdrehen und über diesen großartigen Wagen freuen werden – ohne dass ihnen ein Zacken aus der Krone fällt. Ich gehöre dazu. So ganz vorbehaltlos.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
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Der 1973er Ford Mustang Mach 1 war das wohl letzte unvernünftige, brutale Low-Luxury-Pony im Stall der Amerikaner. Seine einzige Aufgabe: Mit nahezu unerschöpflicher Kraft und Härte schneller sein als andere. TRÄUME WAGEN hat ein originales Exemplar in herrlich auffälligem Farbton zum Verlags-Pony erkoren

Ford Mustang Mach 1 von 1973

Ford Mustang Mach 1 von 1973

Kennen Sie die Mach-Zahlen noch aus dem Physikunterricht? Falls nicht, hier eine kurze Nachhilfe: „Mach 1“ ist die Schallgeschwindigkeit – das sind etwa 1234 km/h. Verdammt schnell. Mutig von Ford, einem erdgebundenen Ding wie einem Auto so einen Beinamen zu geben, aber die Assoziationen sprudeln sofort: Schneller als alles andere, gemacht von Machern, also machen wir jetzt unsere Träume wahr und uns Gedanken über Racing, Übermut, Leichtsinn.

Diese Melange reizt – auch die Macher dieses Magazins. So ein Auto müssen wir uns vor den Verlag stellen. Da ahnten wir noch nicht, dass genau so eine Rakete in Orlando, Florida herumschlich. Okay, wir wissen nicht, ob das Teil wirklich geschlichen ist, nehmen es aber stark an, weil man in Orlando, Florida, nicht rasen darf. Allerdings hatte der Wagen es in allen anderen Belangen gut: Unten, im Süden der USA, ist immer schönes Wetter und wenig Regen. Da blubbern viele Ponys – das klingt nach Cowboy-Romantik.

In Florida glänzen alle. Möchte man glauben. Stimmt aber nicht

In Florida glänzen alle. Möchte man glauben. Stimmt aber nicht

Er ist blau. Er ist sogar wahnsinnig blau – der Wagen (nicht der Cowboy). Der Lack heißt „Grabber Blue“ und ist einer dieser auffälligen, bösen Sonderlacke, die so wunderbar in die Siebziger passen wie „Brauner Bär“-Eis und Bonanza-Räder. Gut, dass wir jemanden auf der anderen Seite des großen Teiches kennen, der das Objekt der Begierde mit Fachwissen in Augenschein nehmen kann.

Benutz mich

Es kommen prachtvolle Fotos – ein originaler Mach 1 in Grabber Blue! Ein paar Stellen sind noch zu bearbeiten, aber hey – mehr Muscle Car geht nicht. Ja, das soll das neue Verlags-Mobil werden: Wenn wir schon TRÄUME WAGEN heißen, sollten wir auch ab und zu einen Traum wagen. Gesagt – getan. Die Autosiasten-Euphorie brodelt.

Kaufbare Sehnsucht

Kaufbare Sehnsucht

Immer wieder haben sie in den Filmen von Kult-Regisseur Quentin Tarantino ihren großen Auftritt – die Muscle Cars. Von dem ausgeprägten Autonarren war auch nichts anderes zu erwarten. Wie in seinen und etlichen anderen Filmen haben Traumautos ihren großen Auftritt, die Filme um den Agenten 007 sind nur ein weiteres Beispiel dafür. Und die prominente Platzierung scheint sich zu lohnen. Zum Anfang des Jahres 2013 erst ist das Original Batmobil, in dem Adam West und Burt Ward auf die Verbrecherjagd gingen, für etwa 4 Millionen US Dollar versteigert worden. Damit hat der umgebaute Lincoln Futura aus den 60er Jahren eine fast schon wahnsinnige Wertsteigerung erlebt.

'Filme und Autos für Autoliebhaber' weiterlesen

Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ – Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Sabrina per Mail: Mein Freund wünscht sich einen Mustang, kauft jede verdammte US-Car-Zeitschrift.
Aber er wird nie einen besitzen! Warum hechelt er einem Traum hinterher?

Liebe Sabrina! Da steigen wir doch gleich mal ganz tief in die Materie der Sehnsüchte ein. Der griechische Philosoph Epikur unterschied zum Beispiel drei Arten von Wünschen: Als erstes hätten wir die natürlichen und notwendigen Wünsche wie eine Stulle oder ein Bier, um die Grundbedürfnisse zu stillen. Als zweites die natürlichen und nicht notwendigen Wünsche. Das wären ein Käsebrot und ein sehr kaltes Bier – eindeutig vorteilhaft, aber nicht zwingend, um zu überleben. Tja, und zu guter Letzt wären da noch die Wünsche, die weder natürlich noch notwendig sind. Epikur dachte damals zwar mehr an Statuen, die man aufstellt und weniger an einen Mustang, aber eine leise Stimme sagt mir, dass er von einem Fastback GT mit Viergang-Schaltgetriebe, Wood-Performance-Lenkrad und 4,7-Liter-V8 (289 cui) nicht so richtig viel gehalten hätte. Der nämlich fiele für ihn in die Kategorie „Braucht kein Mensch“ und sind ‚„Erzeugnisse nichtigen Wahnes’“.

Klingt für mich jetzt nicht so, als ob Epikur ein besonders lustbetonter Mensch gewesen wäre. Ob er grundsätzlich gegen das Träumen war, vermag ich nicht zu beurteilen, ich persönlich würde zu diesem Diskurs aber zwei Grundsätze aufstellen. Erstens: Der Mensch muss träumen. Würde er es nicht, würden wir noch immer auf einem Baum sitzen und Bananen pellen. Denn wo kein Wunsch ist, ist auch kein Wille. Zweitens: Es ist zwar eine feine Sache, sich Wünsche zu erfüllen, aber die schönsten Sehnsüchte bleiben doch oft die unerfüllten. Nichts ist perfekter als die Vision, die noch nicht von der Realität zerfressen wurde. In diesem Sinne können wir die Augen schließen und uns vorstellen, in den Fastback GT zu steigen und ihn anzuschmeißen. Perfekte kleine Regenwassertropfen schütteln sich auf dem schieren schwarzen Lack der Motorhaube, gleiten im Gleichmarsch über die geschwungene Fläche, verdampfen ins Nichts oder perlen in die Tiefe. 209 PS, Baujahr 1965, in „Tuxedo Black“ mit 6.627 Meilen auf der Uhr, nicht so übel. Der Motor hustet heiser vor sich hin, der Fuß senkt sich langsam auf dem Gaspedal.

Und nun öffnen wir die Augen. Die Kiste aus Kalifornien kostet 39.950,- Euro, der Lack ist von feinen Rissen durchzogen wie ein Kirchen-Fresko, aus den Kunstledersitzen quellen die Eingeweide, beim Anfahren fällt der Rückspiegel ab. Die Rostherde an der Frontscheibe glühen seit Jahrzehnten vor sich hin, und wer alles über Kanten- und Falzkorrosion wissen möchte, ist bei dieser Schese genau richtig.
Realität? Braucht kein Mensch, liebe Sabrina.
Dann doch lieber träumen.

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Mail an: frauacht@träume-wagen.de