Amerikanische Muscle Cars wie der Dodge Charger stehen seit einiger Zeit hoch im Kurs. Spritverbrauch? Oh ja. Kultstatus: erst recht. Den hat besonders die zweite Charger-Generation als Verfolger von Steve McQueens Mustang in „Bullitt“. Wenn Ihre Freude an dem gesuchten Klassiker etwas länger als die dort alles entscheidenden zehn Minuten dauern soll, müssen Sie vor einem Kauf aber ganz genau hinsehen

Kaufberatung Dodge Charger, II. Generation

Power ist sexy. Erst recht, wenn sie in einem großen, rassig taillierten Body steckt. So lautete das Erfolgsrezept für die Muscle Cars der 1960er-Jahre. Auf leistungsstarke Coupés, die auch vom Format her imposant auftraten, waren junge Amerikaner damals richtig heiß. Die klassischen Muscle Cars von der anderen Seite des großen Teichs kannte man hierzulande zwar auch – allerdings nicht aus dem Straßenbild, sondern praktisch nur aus Filmen wie „Bullitt“, wo der von zwei Schurken gesteuerte schwarze 68er Charger vor dem Verfolger-Fahrzeug, einem Fastback-Mustang mit Steve McQueen am Steuer in einer der spektakulärsten Leinwand-Verfolgungsjagden für gut zehn Minuten „die Pace macht“, bis er mitsamt einer Tankstelle ebenso spektakulär in die Luft fliegt. Der Film hat zweifellos dazu beigetragen, dass sich heute eine ganze Reihe von Autofans für das Original interessiert. Tatsächlich dürften heute mehr frühe Charger auf deutschen Straßen unterwegs sein als vor 45 Jahren, längst nicht alle allerdings in so gepflegtem Originalzustand wie der auf diesen Seiten abgebildete 383er, der aus dem Bestand des Hamburger Oldtimer-Händlers Garage 11 stammt. Eine große Zahl der nicht gerade häufig angebotenen Dodge Charger hat heute eine mehr oder minder aufwändige Restaurierung noch vor oder bereits hinter sich, andere sind häufig „customisiert“ worden.

Erschwerend bei der Suche nach dem Traum-Charger ist (wie bei amerikanischen Fahrzeugen üblich), dass die jeweiligen Modellgenerationen stets nur wenige Jahre gebaut wurden. Wobei sie selbst während dieser Zeit oft mehreren unterschiedlich ausgeprägten Facelifts unterworfen waren und sich die Modelle davor und danach teilweise optisch und technisch so sehr unterschieden, dass eigentlich nur noch der Name das verbindende Element war. Immerhin lässt sich von der ersten Studie bis zur dritten Generation ein gemeinsames Grundkonzept ausmachen.

Kaufberatung Dodge Charger, II. Generation Kaufberatung Dodge Charger, II. Generation

Die erste „richtige“ Charger-Generation kam 1966 als schickes Fastback-Coupé auf Basis der Coronet-Limousine auf den Markt. Davor gab es lediglich eine auf einer höchst eleganten Fließheck-Designstudie von 1964 basierenden Charger-Kleinserie von wenigen hundert Fahrzeugen, die als Coupé-Variante des Dodge Dart gebaut wurden und sogar als Umbausatz erhältlich waren.

Noch rassiger wirkte die von 1968 bis 1970 gebaute zweite Generation des Charger mit dem tief eingerahmten Kühlergrill und den im ausgeschalteten Zustand vollständig verdeckten Scheinwerfern wie bei unserem Untersuchungsobjekt. Sie war nicht nur beim Ampelsprint, sondern auch bei den Verkaufszahlen ein Renner. In der dreijährigen Bauzeit entstanden rund 215.000 Exemplare, davon im ersten Modelljahr knapp 100.000 – die meisten davon in der „Normalausführung“ mit dem keinesfalls schwächlichen 383er Big Block Motor (209 PS).

 

In den vergangenen Jahren dürfte sich der Ford Mustang zum beliebtesten US-Oldie Deutschlands gemausert haben – wobei: Den Mustang gibt es genau genommen gar nicht. Die Variantenvielfalt umfasst schon in der ersten Serie ein Stufenheck- und ein Fastback-Coupé sowie ein Vollcabrio und reicht von milden Sechszylindern (die bekamen in Amerika die süßen Highschool-Absolventinnen von spendablen Eltern zum „Graduate“) bis zur verboten heißen Shelby-Version. Die musste man sich selbst verdienen

Mit dem Mustang brachte die Marke Ford im April 1964 ein Zugpferd auf den Markt, dessen Verkaufserfolg den Hersteller selbst wohl am meisten überraschte. Wahrscheinlich wäre es gar nicht nötig gewesen, das neue Modell von Anfang an mit einem perfekten Marketing-Konzept zu pushen, zu dem neben Plakat-Kampagnen zahlreiche Kino-Werbespots zählten.

Aber das Fahrzeugkonzept selbst überzeugte schon genug: Überschaubare Proportionen und einfache Technik in zahlreichen Varianten und Leistungs-Abstufungen machen den Mustang als Urvater und Namensgeber der Gattung „Pony-Cars“ tatsächlich zum idealen amerikanischen Brot-und-Butter-Sportwagen für fast jeden, vor allem aber für die jüngere Generation. In Deutschland wurde der Mustang offiziell als Ford T5 angeboten, da sich die Firmen Krupp und Kreidler die Namensrechte am Begriff „Mustang“ gesichert hatten.

Technisch basierte der Mustang auf dem Ford Falcon, was die Entwicklungs- und Produktionskosten überschaubar hielt. Und auch sonst war man darauf bedacht, den Mustang in der einfachsten Ausführung als attraktives Einsteigerfahrzeug zu positionieren, das sich allerdings durch optionale Mehrausstattungen – vor allem im Bereich der Antriebsaggregate – bis in die gehobene (Leistungs-)Klasse aufwerten ließ. Die Palette reichte vom tatsächlich nur 90 PS schwachen Sechszylinder bis zum 400 PS starken Shelby-Mustang GT500KR, einer eigentlich für den Rennsport entwickelten Variante, die auch als Straßenversion angeboten wurde. Shelbys gute Zusammenarbeit mit dem Ford-Konzern ging auf den Power-Sportler Cobra zurück, der ebenfalls mit – allerdings extrem getunter – Ford-Technik bestück war.

Auf die exklusiven Shelby-Mustangs wollen wir wegen der geringen Verfügbarkeit hier nicht weiter eingehen. Nur so viel: 1966 lieferte Shelby eine auf dem freien Markt nicht gehandelte Kleinserie von 936 Exemplaren des Mustang GT350H an den amerikanischen Autovermieter Hertz. Dabei handelte es sich ausschließlich um Fastback-Coupés, die sich durch ihre schwarze Lackierung mit golden abgesetzten Streifen von den „gewöhnlichen“ Shelby-Mustangs unterschieden.

Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ -Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Pete per Mail: Hilfe! Meine Frau und ich haben uns in den Haaren, weil sie Schonbezüge für die Autositze im Mercedes 200 TE kaufen will. Wie kann man nur?


Lieber Pete! Ach, der Sitzbezug. Albtraum düsterer Nächte und guter Grund, sich gegenseitig an die Gurgel zu gehen. Doch stellen wir uns zunächst Ihren Wagen vor… Ein Mercedes T-Modell aus der Baureihe W124, Baujahr 85, Scheckheft, Klima. Impala-Metallic denke ich mir als Farbe, ein dazu passendes Interieur namens „Brasil“. Klingt exotisch, sieht aber aus wie ein Cord-Sofa aus den 70er Jahren. Ohne Cordrillen, wohlgemerkt. Leicht speckig, abgesessen und abgerieben. Von den Nieten an der Jeans, von leicht schwitzigen Händen, ein bisschen heller Sand aus dem letzten Urlaub in den Ritzen. Die Innenräume von einst, da kann man schon einmal ins Schwärmen geraten. Ganz nostalgisch wird man dann bei dem Gedanken an die durchgehenden Sitzbänke vorn wie beim Taunus oder beim Rekord in den 60ern. Plüschig, flauschig, ein Platz zum Versinken, ein Ort zum Reinmuscheln. Wobei man zugeben muss – je stärker das Polster durchgesessen war, desto schmerzhafter näherte man sich mit seinem Allerwertesten den Spiralen.

Diese Sitze, die konnten nix. Keine Massagepolster, keine elektrischen Verstellmöglichkeiten oder intelligente Sensoren, die für die Airbagsteuerung ermitteln, wie und von welchem Po die Polster besetzt sind. Im günstigsten Fall waren die Vordersitze mit seitlichen Handrädern zu verstellen, man pumpte an Hebeln, kurbelte oder zog. Und wenn man ehrlich ist, rührte sich meist gar nichts – oder alles. Nicht nur einmal besaß man ein Fahrzeug, in dem Fahrersitz und Schiene nur ein recht loses Verhältnis verband. Zu rasant angefahren? Hui, weg war der Sitz – verzweifelt reckte man sich nach den Pedalen und versuchte meist erfolglos mit dem Hintern, das Miststück wieder nach vorne zu ruckeln. Sah blöd aus, gefährlich war es auch. Aber ich schweife ab, es ging um Sitzbezüge. Ich sehe sie vor mir und habe Angst: Ein Sitzbezug-Kompett-Set namens „Gecko Mesh“ in Froschgrün mit Dokunaht. Eine lustige Echse tappst über den atmungsaktiven Stoff. Zu kaufen bei Amazon für 31 Euro und etwas. Mit geschlossenen Seitenbacken für perfekte Optik. Oder noch schlimmer: Das elfteilige „Lady Style Sitzbezug Flower“-Set mit den pinken Blümchen. Ja, ich gebe zu – das ist ein Trennungsgrund. Die Lösung? Knifflig. Vielleicht sollten Sie einfach Ihr Auto verkaufen. Oder Sie beziehen Ihre Frau neu.

Haben auch Sie eine Frage an Frau 8?
Mail an: frauacht@träume-wagen.de

Liebe Autosiasten,

lange haben wir überlegt, ob wir endlich eine reine Frühlingsausgabe machen können. Da war gerade erst der vermeintlich letzte Schnee geschmolzen und die Quecksilbersäule war eher ein Fleck als eine Säule. Die Kälte hielt selbst die Härtesten unter uns ab, die Cabriodächer zu öffnen. Außerdem lag noch Restsalz auf den Straßen und die Bäume waren so grau wie unsere Gesichter nach dem Endloswinter.

'Editorial TRÄUME WAGEN 05/2013' weiterlesen

avatar_6Wie bringt man Kindern eigentlich coole Autos näher? Mit farbprächtigen 3-D-Filmen, in denen dicke Muscle-Cars durch die Gegend sausen? Kaum vorstellbar. Denn irgendwie haben wir es auch ohne diese Filme hinbekommen
Ach ja, ein neuer Animationsfilm über Autos. „Turbo“ heißt er, am 19. Juli wird er in Amerika anlaufen, bei uns irgendwann im Herbst – und streng genommen geht es nicht um Autos, sondern über eine gewöhnliche Gartenschnecke, die davon träumt, die schnellste Schnecke der Welt zu werden. Zweifelsohne niedlich. Und natürlich in 3-D, zwei Dimensionen reichen heute nicht mehr für ein Kinoerlebnis. Saßen wir als Kinder vor dem Fernseher oder im Kino und sahen Zeichentrickfilme mit Autos? Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich erinnere mich an die Carrera-Bahn meines Bruders, an meine Spielzeugautos, ich entsinne mich der Geräusche, die man machte. Ich höre noch genau das „Nähm. Nääääähhhmnääähmnähmmmmmm“, ich sehe andere Kinder, die ferngesteuerte Autos besaßen. Mit der Fernbedienung in der Hand liefen sie hinter ihren im Kreis sausenden Fahrzeugen her, obwohl das ja eigentlich nicht Sinn der Sache war, sie ließen die Autos mit Karacho gegen eine Wand fahren – weil das eigentlich am meisten Spaß machte – und sie freuten sich unbändig über den Krach. Und wenn ich an diesem fast stillen Sonntagnachmittag auf den Hinterhof hier kucke, hat sich daran nicht viel geändert.

Aber Filme? Nein, gab es in der Form nicht. Keine Autos, kein 3-D, dafür ziemlich viele Tiere. Ich kann mich noch gut an den Albatros namens Orville aus „Bernard und Bianca – Die Mäusepolizei“ erinnern, wenn man den überhaupt unter die Rubrik „Fortbewegungsmittel“ einordnen will. Übrigens war der Film, wie ich gerade las, in Deutschland so erfolgreich, dass er in Darmstadt 52 Wochen lief. Heute kann man froh sein, wenn man es überhaupt in einen Film schafft, den man sehen möchte, weil das Programm in den Kinos schon nach einer Woche wechselt. Aber das nur nebenbei. Aber die Zeiten ändern sich – und so ist davon auszugehen, dass sich in Deutschland ab Herbst, wenn der Film „Turbo“ anläuft, ein Rudel von Merchandise-Plastikschnecken in die deutschen Kinderzimmer einschleimen wird. Und was war jetzt mit den Autos? Ach ja, natürlich gibt es eine besondere Karre in „Turbo“, wieder ein Chevrolet Camaro, der, wie sich vielleicht mancher erinnert, bereits in den drei „Transformers“-Filmen platziert wurde. In „Turbo“ kann man einen aufgeplusterten Camaro ZL1 mit einem L99-Motor und 400 PS bewundern, wobei man sich in Fachkreisen darüber wunderte, wie man auf die 400 PS käme, schließlich hätte der ZL1 eine 6,2-Liter-Maschine – und 580 PS. Aber wie der Schreiber selbst hinzufügte – schließlich wolle man ja kein pedantischer Sack sein, wenn es doch um so eine reizende Schnecke im Geschwindigkeitsrausch gehe. Und hey, es sei schließlich Hollywood, da gehe es nicht um Zahlen und Fakten, sondern um Träume. Hatte er auch wieder Recht. Aber trotzdem. Ich gehe mal auf den Balkon, höre den Kindern beim Spielen zu und fühle mich massiv nostalgisch. Die Website zum Film „Turbo“: www.turbomovie.com