Fragen Sie Frau 8

„Fragen Sie Frau 8“ -Probleme mit dem Wagen, der Frau oder dem Leben an sich? In dieser Rubrik gibt Wiebke Brauer viele Antworten, mögliche Lösungen – oder einfach ein kleines Stück Hoffnung


Holger per Mail: Immer wieder muss ich mir anhören, dass ein Auto ein Gebrauchsgegenstand sei. Was ist so schlimm daran, seine Karre zu lieben?


Lieber Holger! Ich habe Angst. Warum? Weil ich mich gerade einen Moment zurücklehne, einen Schluck aus meiner Kaffeetasse nehme und mir eine Welt vorstelle, die von reinem Nutzen geprägt ist. Es gäbe keine Musik, keinen Plymouth Barracuda und keinen Ford Mustang. Keine Dauerwellen, keine Netzhemden, kein Bier. Es gäbe keinen zwingenden Grund, Sex zu haben, außer um sich zu reproduzieren. Niemand würde sich an einer Schweißperle ergötzen, die an der Wirbelsäule herab rinnt, der Wahn der Geschwindigkeit wäre uns fremd, es gäbe keinen Biss in ein frisches Fischbrötchen, kein Knuspern und keinen salzigen Geschmack. Und was wäre die Freude an einer völlig sinnlosen Handschaltung in einem Porsche 911 Carrera S? Nicht denkbar. Stattdessen würden wir uns alle von einer grünlichen Astronautenpaste ernähren und lauwarmes Wasser trinken, bienengleich in schmucklosen Waben hausen, zehn Stunden täglich einer überaus nützlichen Arbeit nachgehen und kollektiv graue Volkswagen fahren.

Wollen wir das? Wollen wir nicht. Zugegebenermaßen hätte eine Gebrauchswelt auch Vorteile: Wir würden nicht dem Konsumrausch erliegen und in Müllbergen ersticken, hätten in Deutschland keine lästige Sexismus-Debatte hinter uns gebracht – und es wäre uns piepegal, ob für die Tiefkühl-Lasagne vom Discounter nun ein Pferd, ein Meerschweinchen oder ein Rind durch den Wolf gedreht wurde.

Aber ganz ehrlich? Manchmal denke ich, dass der alte Schiller eben doch nicht recht hatte, als er einst sagte: „Denn nur vom Nutzen wird die Welt regiert.“ Denn um mal ins Pathetische zu glitschen – ist die Welt nicht erst durch die sinnlosen Dinge lebenswert, die wir mit Lust und Leidenschaft erfüllen? Gibt es etwas Feineres, als in einem 1965er Cadillac DeVille zu sitzen, ein bisschen, sagen wir, Jimi Hendrix zu hören oder meinetwegen auch Jake Bugg? Dabei eine filterlose Zigarette zu rauchen, dem blassblauen Rauchfaden nachzublicken, ein eisiges Bier zu trinken und zwischendurch eine Hand auf den festen Schenkel der Person neben sich zu legen? Gut, lassen wir die drei letzten Punkte weg, damit nicht alle Sittenwächter dieser Nation aufschreien.

Was bleibt, ist der Moment im 1965er Cadillac DeVille. Sinnlos, aus der Zeit gefallen, ein Relikt, ein Benzinschlucker und Raumfresser, ein nutzloser Traum aus einer anderen Ära, ein Gefühl in Metall gegossen. Nichts braucht der Mensch manchmal mehr.

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Mail an: frauacht@träume-wagen.de

„Carl Benz – Ein Leben für das Automobil“ heißt der erste Comic von Mercedes-Benz

Der Comic erzählt die Erfindung des Automobils und die Lebensgeschichte von Carl Benz. Auf 52 Seiten erfährt der Interessierte alles von Benz’ Geburt am 25. November 1844 bis zur die Patentanmeldung seines dreirädrigen Motorwagens am 29. Januar 1886. Thematisiert werden auch die zeitgleichen Erfindungen und Entwicklungen der beiden anderen Automobilpioniere, Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach in Cannstatt. Zeichner ist Willy Harold Williamson, Autor Martin Grünewald. Sämtliche historische Szenen orientieren sich in Text und Bild so weit wie möglich an dokumentierten Tatsachen. Im Mercedes-Benz Classic Store ist der Comic für 19,90 Euro in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Chinesisch erhältlich.

www.mercedes-benz.de

Endliche Oldtimer: heißt es ab Herbst für die zweite Generation des VW Golf

Kaum ein Auto wurde von Generationen so heiß geliebt wie der VW Golf II. Im September dieses Jahres ist es soweit: die zweite Modellgeneration des Klassikers wird 30 Jahre alt und damit offiziell zum Oldtimer. Das heißt: steuerliche Vorteile sowie eine günstige KFZ-Versicherung.


Vorgestellt wurde der Golf II auf der IAA im September 1983 . Gegenüber der ersten Generation war der Radstand größer, die zierliche Form des Vorgängers wich einem aerodynamisch verbesserten Design. Erstmals gab es eine verzinkte Karosserie und, Kompressor-Aufladung oder Allradantrieb. Insgesamt liefen zwischen 1983 und 1991 6,4 Millionen Golf II vom Band.

www.volkswagen.de

13. Retro Classics in Stuttgart: 1.300 Aussteller, 3.000 Klassiker – was will das Oldie-Herz mehr?

Zwischen schwülstig und elegant: Delahaye

Delahaye – da klingt schon der Name wie ein geschwungener Kotflügel. Das fanden wohl auch die Organisatoren der 13. Retro Classics in Stuttgart und würdigten in einer Sonderschau dem fast barocken Design des französischen Herstellers: 25 Fahrzeuge – jedes unglaublich wertvoll – brachten den Besuchern die außergewöhnliche Geschichte des französischen Autobauers nahe, der 1845 in Tours mit Backsteinen, Eisenbahnwagons und stationären Motoren seine Geschäfte begann. Emile Delahaye entschied sich dann allerdings, Autos zu bauen, und schuf so elegante und wie außergewöhnliche Karosserien. Der schönste Beweis: das ausgestellte Delahaye 135 MS Cabriolet – so stilvoll wie wertvoll.

Gar nicht so einfach, sich von dem exklusiven Franzosen zu verabschieden – aber nötig, denn insgesamt 100.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, 1300 Aussteller (Händler, Restaurateure und Clubs) und mehr als 3.000 Klassiker (Oldtimer, Youngtimer, Sammlerfahrzeuge sowie Rennautos, Motorräder und Traktoren) machten auch in diesem Jahr wieder die Retro Classics zu einem Pflichttermin für Liebhaber von altem Blech und forderten ihre Zeit. Besonders einfach: der Kauf des gefundenen automobilen Lieblings vor Ort. Denn wie im vergangenen Jahr hatte das Landratsamt Böblingen eine „Zweigstelle“ auf der Messe eingerichtet, wo gekaufte Fahrzeuge mit Überführungskennzeichen ausgestattet werden konnten, um sie direkt mit nach Hause zu nehmen.

Halle 5: künftig ausschließlich für US-Cars

Ziel aller TRÄUME WAGEN-Nerds war wieder die Halle 5. Denn sie gehört wie immer den US-Cars, wo selbstverständlich auch TRÄUME WAGEN vertreten war (siehe Kasten). Neben alten und neuen Muscle Cars und Kid Rods hatten sich allerdings auch ein paar vereinzelnde nicht US-ler verirrt. Das soll allerdings nicht wieder vorkommen: Roland Bleinroth, Geschäftsführer der Messe Stuttgart, will die Halle 5 im nächsten Jahr ausschließlich für den „American Way of Drive“ reservieren.
Wer weder Vorlieben für französische noch für amerikanische Klassiker hegte, dürfte in der zweiten Sonderschau zufrieden gestellt worden sein: Sie widmete sich dem Zwickauer Hersteller Horch. Die Geschichte von der Entstehung des ersten Wagens bis hin zu der Etablierung der Marke Audi konnten Besucher anhand der 20 ausgestellten Horch-Fahrzeuge nachvollziehen. Besondere Highlights: das Unikat Horch 710 mit Deko-Karosserie von Reinbodt und Christé und Achtzylinder-Motor aus dem Jahre 1933 und der 855 Spezialroadster mit Karosserie von Gläser aus Dresden, der nur drei Mal hergestellt wurde.

Fotogalerie auf Facebook -> TRÄUME WAGEN Retro-Galerie

Natürlich feierte Aston Martin den 100. Firmen-Geburtstag und Porsche den 50. des Klassikers 911. Der Hersteller mit dem kürzesten Anreiseweg präsentierte dazu das Vorserienmodell des 911 Turbo, den Louise Piëch vom deutschen Autobauer zu ihrem 70. Geburtstag im Jahre 1974 geschenkt bekam. Spezialisten von Porsche Classic demonstrierten an einer 911-Carrera-RS-Karosserie das Leistungsspektrum der Classic Werkstatt und beantworteten die vielen Fragen zur Original-Ersatzteileversorgung. Auch für diejenigen, die sich besonders für den Karosseriebau interessierten, gab es einen Spezialisten: Die Silberform AG informierte anschaulich über die Prozesskette von der Skizzierung der Idee auf Papier über die Umsetzung des Entwurfs in 3D auf dem Computer mit einer CAS-Software, der Modellierung und Gestaltung bis hin zur Freigabe der Karosserie.

Ein tolles Programm – wir sind gespannt, was sich die Retro-Classics-Verantwortlichen für 2014 einfallen lassen. Und kommen garantiert wieder…

TRÄUME WAGEN Ponys in neuem Gewand auf der Retro Classics

DAZ-Ponys in neuem Outfit

Wie der wohl aussehen wird? – Noch unfertiger Velocity-Mustang

Erster Auftritt der beiden neu gestalteten TRÄUME WAGEN-Verlagsponys in der Öffentlichkeit: Die Besucher der Retro Classics konnten sich am Messestand der DAZ VERLAGSGRUPPE von der Wirkung der beiden neu eingekleideten Ford Mustang der Baujahre 1973 und 2013 überzeugen. In den Farben Schwarz-Weiß-Rot des Ex-Rennfahrers Parnelli Jones statt in dem bislang bekannten Grabber Blue präsentieren sich in diesem Jahr die beiden Verlagsbotschafter. Und Neu-Sponsor Velocity kam mit einem im Erlkönig-Design abgeklebten Hot Rod und machte ein großes Geheimnis aus dem aktuellen Projekt. Zudem konnten Messe-Besucher am TRÄUME WAGEN-Stand mit Porsche-Vermieter Frank Bobertag fachsimpeln und sich zu den Autopflege-Produkten von AERO beraten lassen – inklusive Karosserie-Entroster.

Deutsche-Oldtimer-Reisen plant für Sie die nächste Tour

Lust, mit dem Oldie zu verreisen, aber keine Lust, selbst zu planen? Soll es geben. In dem Fall übernimmt „Deutsche-Oldtimer-Reisen“ die Arbeit – zumindest bei Zielen in den Alpen, bei der Mecklenburgische Schweiz oder im Dreiländereck Deutschland – Österreich – Niederlande. Die Orga der „Histo-Touren“ reicht von Übernachtungen im Doppelzimmer mit Vollverpflegung, Eintrittspreisen und Parkgebühren bis hin zu technischem Service und sogar einem Abschleppwagen sowie Ersatz-Oldtimer für den Notfall. Allerdings wird meistens in einer Gruppe mit maximal 50 Teilnehmern und 25 Oldtimern gereist. Übrigens: Wer keinen eigenen Oldie hat, kann bei den Veranstaltern einen mieten.

www.deutsche-oldtimer-reisen.de

avatar_6Ein Auto, das mit einem spricht, kennen wir seit der Fernsehserie „Knight Rider“, in der sich David Hasselhoff mit K.I.T.T. austauschte, einem Pontiac Firebird Trans Am. Wie wünschenswert ist ein quasselnder Wagen wirklich?

„Er kommt – Knight Rider – Ein Auto, ein Computer, ein Mann. Knight Rider – Ein Mann und sein Auto kämpfen gegen das Unrecht.“ Ein schwarzer Wagen erscheint am Horizont und nähert sich frontal, er zieht eine Staubwolke hinter sich her, der Himmel leuchtet grün, an der Front des Fahrzeugs blinkt es rot wabernd in einer Lichtleiste. Sollte man die Serie damals aus Überzeugung nicht gesehen haben, kann man sich heute mit Absicht umfassend darüber informieren, dass der Wagen über alle möglichen unmöglichen Fähigkeiten verfügte, wie etwa den „Anharmonic Synthesizer“, der es der Kiste ermöglichte, Geräusche und Personen nachzuahmen, einen „Silent Modus“ oder den „Microjam“, mit dem er „andere elektronische Geräte beeinträchtigt“ (wie Autos). Dazu verfügte K.I.T.T. über CO2-, Sauerstoff- und Öldüsen, ein „Emergency Braking System“, einen eingebauten Geldautomaten, Enterhaken, unsichtbare Sicherheitsgurte, und so weiter und so fort. In Erinnerung geblieben ist dem Unkundigen jedoch nur: Michael Knight war ungefähr so uncool wie der Ziegenpeter aus der Zeichentrickserie „Heidi“, der schwarze Wagen hässlich wie die Nacht – und beide sabbelten zuviel. Wenn sie weiter voneinander entfernt waren, sogar über die Armbanduhr, die Michael trug.

Gleichwohl muss man anerkennen, dass die Fernsehserie eine Ahnung davon verbreitete, was uns erwartete. Bis zum Enterhaken haben es die modernen Autos nicht gebracht, was aber die Kommunikation angeht, setzten es sich die Autohersteller in den Kopf, ihre Produkte zum Sprechen zu bringen. Spracherkennungssysteme werden angeboten, Navigationssysteme belästigen uns akustisch, und im Januar wurde auf der Gadget-Messe CES in Las Vegas die neue E-Klasse von Mercedes präsentiert – ausgestattet mit Apples Spracherkennungssoftware „Siri“. Sprich, man schließt sein iPhone an, und schon steht der Verständigung zwischen Mensch und Maschine nichts mehr im Wege.

Träumen wir wirklich davon, dass ein kluges Fahrzeug uns versteht, uns zuhört und das Richtige zu entgegnen weiß? Vielleicht. Nichts stopfte mir zumindest mehr das Maul als eine Episode, die sich neulich in einem sehr neuen Auto zutrug, das ich fahren durfte. Ich kurvte mit dem Fahrzeug durch den dichten Verkehr der Innenstadt, und wie es immer so ist, kam mir irgendwann ein Blödmann in die Quere. Und was macht man dann? Natürlich fängt man an zu brüllen und schlägt auf das Lenkrad mitsamt aller darauf befindlichen Knöpfe. Und was passiert? Über in meine Schimpfkanonade voller F- und S-Wörter hinweg erklang plötzlich eine freundliche Frauenstimme: „Wie bitte?“ fragte sie höflich, vielleicht sogar mit einem leicht indignierten Tonfall. Ich verschluckte den Rest einer wirklich schmutzigen Beleidigung und schwieg. Darauf gab es keine Antwort. Das ist also die Zukunft.

Hector Alvarez hat mit dem „Empiria“ seine Auto-Leidenschaft interpretiert

Der spanische Automobilhersteller Pegaso schuf während seines siebenjährigen Bestehens außergewöhnliche und elegante Wagen. Von dem Pegaso Z-102 Thrill aus dem Jahr 1953 ließ sich jüngst der Designer Hector Alvarez inspirieren und baute den „Empiria“. Vom Original übernahm Alvarez beispielsweise die lange Haube mit kurz gehaltener Front und das zur Fahrzeugmitte hin lang auslaufende Heck. Der Designer entschied sich für eine Schwarz-Weiss-Lackierung und fertigte den Prototypen aus Aluminium. Angetrieben wird der „Empiria“ von einem Sechszylinder-Porsche-Boxer-Motor.. Alvarez sucht jetzt einen Sponsor, um „die Autowelt mit leidenschaftlichem Design zu bereichern“.

Wer will: hector.alvarez.sanchez@gmail.com

Liebe Autosiasten,

es gab und gibt schon schräge Autos auf dieser Welt – eines davon ist neu in unserem Fuhrpark: ein Volvo 460. Ein was? Richtig gelesen.

Es soll ja Menschen geben, die weigern sich, das Teil „Auto“ zu nennen: Es erinnert irgendwie an einen späten Verwandten des DAF 66 mit seinem Design eines verunglückten VW Jetta, und weil unser Exemplar auch noch zweieinhalb Jahre ungenutzt draußen herumstand, hat Vogelkacke den einst anthrazit-farbenen Metalliclack teilweise weggeätzt. Kurz: Das überaus eckige und in manchen Augen schon unförmige Ding ist im Grunde so hässlich, dass es heutzutage zwischen all den durchgestylten Lifestyleautos schon wieder cool ist.

'Editorial TRÄUME WAGEN 03/2013' weiterlesen

Die Alternative zur heimischen Garage vom Meilenwerk

Neue Idee von der Meilenwerk AG: Am Standort Zürichsee wird im Tiefgeschoss des Gebäudes ein Autotresor gebaut. Auf etwa 700 Quadratmetern können Autoliebhaber ihre Lieblingsstücke parken, die unter besonderem Schutz stehen sollen oder für die kein Platz mehr in der eigenen Garage ist. Jeweils für ein Jahr können Stellflächen angemietet werden, zu denen ausschließlich Mieter und Meilenwerk-Mitarbeiter via Decoder Zugang haben. An 365 Tagen im Jahr und rund um die Uhr ist es möglich über die 10-Tonnen-Liftanlage seinen Wagen aus dem Tresor zu holen oder ihm einfach nur einen Besuch abzustatten.

www.meilenwerk.com

 

Jaaaa, es wird langsam Frühling. Das heißt: Brennräume fluten und raus aus der Garage. Doch wohin soll die erste Ausfahrt gehen? Wir haben einen Tipp: auf die Deutsche Alleenstraße

Sicher, wenn es nach langer Benzin-Abstinenz wieder raus auf den Asphalt geht, will man nichts lieber als einfach nur fahren, cruisen und genießen. Doch fahren ist nicht gleich fahren. Wer will schon seine erste Ausfahrt im Stau zubringen? Oder mit dem frisch angewärmten V8 von Ampel zu Ampel tingeln? Vermutlich niemand. Genau aus diesem Grund haben wir uns als Roadtipp für die erste Ausfahrt in diesem Jahr die Deutsche Alleenstraße ausgesucht. Von Rügen aus führt sie über mehrere Abschnitte imsgesamt 2.900 Kilometer kreuz und quer durch Deutschland bis in den Süden zum Bodensee.

Wir konzentrieren uns auf die erste Etappe, von der man sagt, sie sei die schönste: Der erste Abschnitt führt von Rügen über Mecklenburg-Vorpommern und die Mecklenburgische Schweiz nach Rheinsberg. Hier vermischen sich die traumhafte und unberührte Natur mit einstigem Ex-DDR-“Charme“.Allerdings liegt die Betonung auf „einstig“, denn was schon zu DDR-Zeiten vor sich hin gammelte wurde in den vergangenen Jahren dank Subventionen wieder ordentlich rausgeputzt: Schlösser, Gutshäuser und Altstädte zeigen sich wieder von ihrer Schokoladenseite.

Die Ostseeinsel Rügen ist nicht nur die größte Insel der Republik, sie hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland gemausert. Nach den Gründen für die wachsende Beliebtheit muss man nicht lange suchen: Wunderschöne feine Sandstrände und die vielfältige Landschaft machen die große Ostsee-Insel zum idealen Urlaubsziel.

Audi V8 4.2 Quattro

Die Augen der kleinen Margret sind groß und weit geöffnet, als sie neben Papas 78er Ford Bronco steht. Und ihre Ohren öffnen sich noch weiter, als die 5,7 Liter Hubraum sich mit Super füllen und kraftvoll ihren Sound in die Täler des Schwarzwalds blubbern. Lange her – doch so etwas prägt ein Leben.

Nicht ganz drei Jahrzehnte später sind die akustischen Sehnsüchte und die genetisch verankerte Lust nach mechanischer Kraft noch immer aktiv. Aus Margret ist Frau Meincken geworden, sie betreibt als staatlich geprüfte Übersetzerin das Büro CaTranslations in München und stellt ernüchtert fest, dass es vernünftige Broncos zu einem akzeptablen Preis nicht mehr gibt. Also sucht sie nach einem etwas zeitgemäßeren Fahrzeug. Aber ein V8 muss drin sein. Und sie wird erstaunlicherweise bei ihrer Lieblingsmarke Audi fündig.

Audi V8 4.2 Quattro Audi V8 4.2 Quattro
Audi V8 4.2 Quattro

Das feine Leder und die Nichtraucher- Vergangenheit lassen den V8 auch nach 20 Jahren wie einen Neuwagen riechen

Am Konzern mit den vier Ringen haftete in den 80er Jahren trotz Quattro das biedere Image der praktischen und wahnsinnig langweiligen Lehrerlimousine. Ein erster Versuch, BMW und Mercedes anzugreifen, war 1979 der Audi 200 Typ 43. Sein legendärer Fünfzylinder-Turbomotor begeisterte die Presse mit sagenhaften Fahreigenschaften und kernigem Sound, der zylinderzählenden Kundschaft war das Auto aber für stolze 100.000 Mark nicht oberklassig genug. 1984 begann Audi mit der Entwicklung eines eigenen Vollaluminium-Achtzylinders. Und was dann 1988 der Presse vorgestellt wurde, sprengte rückblickend jeglichen Rahmen. Eine fast fünf Meter lange Stufenhecklimousine, erstmalig mit der markanten Front aller späteren Modelle. Ein längs eingebauter V8 mit 250 PS, vier obenliegenden Nockenwellen und 32 Ventilen. Permanenter Allradantrieb mit selbstsperrendem Torsen-Differenzial, Vierstufen-ZF-Automatik mit elektronischer Wandlerüberbrückung und innenumgriffene Scheibenbremsen. Der Grundpreis von 102.000 Mark beinhaltete bereits alle notwendigen Oberklasse-Extras wie Lederausstattung mit Sitzheizung, Klimaanlage, vier elektrische Fensterheber, ABS und Procon-Ten, Breitreifen auf Alufelgen, ein Soundsystem und ein Cockpit wie in einem Flugzeug. Rot beleuchtet, selbstverständlich. Audi wählte als Modellbezeichnung schlicht den Namen „Audi V8“ und ließ damit keine Zweifel über die Motorisierung zu.

Einer der beliebtesten Sportwagen der Vergangenheit wird 50 Jahre alt: TRÄUME WAGEN brachte zur Feier des Jahres drei Vertreter der MGB-Reihe im künftigen Meilenwerk Hamburg zusammen

Es dauert keine zwei Minuten, da stehen wir zusammen und quatschen über unsere Kisten – obwohl wir uns nicht kennen, denn beim Treffen hat das Meilenwerk tatkräftig mitgeholfen. Aber alte Autos wirken oft wie junge Hunde: Die Besitzer kommen sofort ins Gespräch, besonders wenn das MG-Achteck im Spiel ist: Eric Plant, Hartmut Henne und ich.

Plant gehört der möglicherweise schnellste MGB im Norden: Sein GT hat muntere 190 PS unter der Haube. Henne ist einer der überzeugendsten MG-Fans der Region: Er besitzt gleich mehrere MG, lebt die Marke im Internet (www.touren-fuer-geniesser.de, www.british-cars.de) und organisiert Stammtische. Und ich liebe es einfach nur, einen wunderschönen kleinen englischen Roadster zu fahren – weit weg von Windschott, Servohilfen und Elektronik.

Flinker Rechtslenker: Das getunte Coupé sieht aus wie frisch vom Händler – dabei gab es den Wagen so nie

Der Vierliter-V8 mit 190 PS war ursprünglich für Rover-Modelle gedacht, passt aber auch in den MGB GT

Die klassischen Räder stehen dem MGB GT von 1973 ausgesprochen gut

So etwas braucht auch der GT von Plant (48) nicht. Der Geschäftsführer von IVI Maklerkontor mag es trotzdem gerne stark. Sein MGB-Coupé von 1973 hat einen Rover-V8 unter der Haube. Allerdings keinen 3.5-Liter, wie er von MG in ein paar Exemplare serienmäßig eingebaut wurde, sondern einen 3.9-Liter-Block mit Holley-Vergasern. Für diese Kombination hatte sich bereits der Vorbesitzer entschieden. Der wollte unbedingt, dass sein MG schneller ist als der damalige Platzhirsch VW Golf VR6. Das bedeutet: 190 PS im alten Briten „und ein Spitzentempo von 238 km/h, per GPS gemessen,“ wie Plant versichert. Dafür sind auch größere Bremsen verbaut.

Das Rechtslenker-Coupé sieht aus wie frisch restauriert. Tatsächlich wurde es bereits 1994 schon einmal für rund 100.000 Mark überarbeitet, Plant selber hat vor kurzem noch einmal Hand angelegt. Er besitzt ihn seit rund vier Jahren und hat ihn nicht nur teilweise restauriert („alleine für das Armaturenbrett habe ich 15 Stunden gebraucht“), sondern das große Britax-Sonnendach gegen ein Webasto Tudor Riviera ausgetauscht. Schließlich fährt er den Wagen, sooft er kann.

Eric Plant chauffiert einen der wohl schnellsten und stärksten MGB des Nordens

Dezenter Potenz-Hinweis: Leyland ließ keinen Zweifel an der
Zylinderanzahl

Filigrane Technik: Zwei dieser beeindruckenden Federn halten die Heckklappe in geöffnetem Zustand fest

Interieur ohne Schnickschnack: Aufwändig durchrestauriert bis zur
letzten Schraube

Und wieso MG? „Da gibt es viele Gründe,“ holt Plant aus, „erstens ist die Karosserie wunderschön. Zweitens hat der Wagen eine klasse Straßenlage bei hohem Tempo, er ist ausgesprochen zuverlässig und die Unterhaltskosten sind günstig. Schließlich bekommt man einfach und problemlos Ersatzteile.“

Plant-MGB GT V8, Baujahr 1973
Motor: V8
Hubraum: 3.946 ccm
Leistung: 190 PS
Getriebe: Rover-Fünfgang-Handschalter
Länge/Breite/Höhe: 3.931/1.524/1.238 mm
Radstand: 2.311 mm
Gewicht: 1.073 kg
Top-Speed: 238 km/h
Stückzahl MGB GT V8: 2.591