Glaubt man damaligen Gebrauchtwagen-Testberichten, liegen Freud und Leid gerade bei der Alfa Romeo Alfetta und ihren Coupé-Ablegern nebst dem Topmodell GTV 6 besonders dicht beieinander. Dem können wir hier nicht ganz widersprechen, vor allem, weil die Lage nach rund 30 Jahren nicht besser aussieht. Wer allerdings beim Kauf des schicken Giugiaro-Coupés genau hinsieht, bei dem überwiegen die Glücksmomente…

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Der Kult-Moderator der britischen TV-Serie „Top Gear“, Buchautor und Oldtimerkenner Jeremy Clarkson, ist ein Meister darin, das Wesen von Autos pointiert auf den Punkt zu bringen. Und da kommt das Alfa GTV 6-Coupé in „Clarksons Hot 100“ gleich im ersten Satz verdammt schlecht weg: „I owned one of these once and it was, without any doubt at all, the most unreliable piece of junk since Marx invented Communism.“ („Ich besaß einst einen, und er war ohne jeden Zweifel das unzuverlässigste Stück Sch… seit Marx den Kommunismus erfand.“

Das sitzt! Zum Grund, weshalb das Auto trotzdem in sein Buch der „heißesten 100“ Einzug halten durfte, kommen wir später. Der Fahrspaß sei es jedenfalls nicht unbedingt gewesen, denn obwohl das Transaxle-Getriebe mit der aufwändigen DeDion-Hinterachse eigentlich für eine hervorragende Gewichtsverteilung sorgen würde, sei die Lenkung „schwerer als ein Fotokopierer“. Weshalb Clark-son gewundene Straßen mit Spaßpotential lieber mied.

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Er lässt sich dann noch darüber aus, dass er jeden Morgen beim Losfahren jedes der Instrumente im Armaturenbrett mit dem Finger zum Leben erwecken musste, dass diese auch noch öfter Fehlfunktionen signalisieren, aber üblicherweise lügen würden und dass er sich auf dem Weg zur Arbeit nicht länger fragte, wann er wohl ankommen, sondern wo er unterwegs liegenbleiben würde. Zum Thema „Rost“ äußerte er sich nicht, obwohl dies durchaus auch eines ist.

Aber ist es wirklich alles so schlimm bestellt um den schicken Italo-Sportler mit den rassigen Konturen? Die meisten hat tatsächlich der Zahn der Zeit dahingerafft, doch einige haben überlebt. Eine eingehende Untersuchung eines wirklich ziemlich perfekten Exemplars aus dem Bestand des Lüneburger Oldtimer-Händlers Carracho Classics nennt mögliche Schwachstellen, zeigt aber zugleich, dass man auch nach fast 30 Jahren noch mal richtig Glück haben kann. Bei dem Fahrzeug funktionierten nicht nur sämtliche Instrumente auf Anhieb, sondern auch der Motor nahm willig seine Arbeit auf, und liegengeblieben sind wir auf unserer Tour auch nicht.

Doch blicken wir zurück auf die Entwicklungsgeschichte des Wagens. Technisch basiert der GTV 6 auf der Alfetta-Limousine, die 1972 als Nachfolger der Berlina-Baureihe auf den Markt kam und somit über der weiterhin als Nuova Super produzierten Giulia positioniert war.

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Wie bei den Giulia- und Berlina-Modellen kamen in der Alfetta und den GT/GTV-Coupés zunächst die klassischen Alfa-Vierzylinder-Doppelnockenwellenmotoren zum Einsatz, deren Entwicklung bis in die frühen 1950er-Jahre zurück reicht. Die hochkarätige Sportmotorenkonstruktion zählte – bestückt mit zwei Doppelvergasern – auch in den 1970er-Jahren noch nicht zum alten Eisen, sondern strahlte nach wie vor fahrleistungsmäßig wie akustisch eine ungemeine Faszination aus. Fahrwerksseitig war die Alfetta-Baureihe – wie bereits ihr Namensgeber, die Formel 1-Alfetta (Tipo 159) von 1950 – mit ihrer Transaxle-Technik ziemlich exotisch ausgestattet.

Bei Serienfahrzeugen war dies zur damaligen Zeit ein Alleinstellungsmerkmal (der Trans-axle-Porsche 924 kam erst 1976 auf den Markt, der 928er erst 1977). 1979 wurde schließlich der für die glücklose Oberklassenlimousine Alfa 6 neu entwickelte kompakte 2,5l-Sechszylinder in V-Bauform (Zylinderwinkel 60 Grad) auch in das GTV-Coupé verpflanzt – hier allerdings ausschließlich mit Einspritzung (Bosch L-Jetronic).

Dazu hängten ihm die Mailänder, die kurz zuvor erst dem Fiat-Konzern zugeschlagen wurden, ein selbstbewusstes Preisetikett von fast 30.000,- Mark an – auch eine Möglichkeit, um für Exklusivität und Distanz zur Masse zu sorgen. Wenngleich vielleicht nicht die beste, denn mit nur rund 23.000 gebauten Exemplaren in der insgesamt siebenjährigen Produktionszeit (bis 1986) blieben die Verkaufszahlen doch hinter den Erwartungen zurück. Zumal der GTV 6 in dieser Zeit sogar noch um 6.000,- Mark teurer wurde.

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Konnte sich der GTV 6 als Neuwagen noch im Kreis seiner engsten Mitbewerber, zum Beispiel dem Renault Alpine oder dem Porsche 944 behaupten, so fiel er bei Gebrauchtwagentests sehr bald hinten ab. Zu schlampig war die Qualität. Vor allem der mangelnde Korrosionsschutz der Karosserie, aber auch die Bezugsstoffe der Innenausstattung gaben reichlich Anlass zur Klage.
Überdies nervte der GTV bald auch mit technischer Unzuverlässigkeit und belegte immer wieder unterste Ränge in den Pannenstatistiken der Automobilclubs sowie in den Mängelberichten bei TÜV & Co. Die Mängel betrafen, wie bei Alfa Romeo üblich, selten den Motor selbst, der (ordentlich gewartet) problemlos Laufleistungen bis weit über 100.000 Kilometer erreichen konnte und kann. Es waren allerdings fast alle anderen Bauteile betroffen: die Elektrik, viele Komponenten der Kraftübertragung, aber auch die Bremsanlage.

Dies alles war also lange bekannt, bevor Jeremy Clarkson 1997 seinen literarischen Kübel Mist über das elegante Coupé ausschüttete. Weshalb der Italiener trotzdem Eingang in sein Buch fand, hatte nach seiner Ausage einen zweigeteilten Grund: „Zunächst war der 2,5l V6 (und ist für ihn noch immer) „the best-sounding propulsion device ever to be shoe horned under a bonnet“. Und zweitens war (und ist für ihn noch immer) das Giugiaro-Design schlicht atemberaubend – „like Claudia Schiffer naked on a Maledives beach at sunset, only better somehow“.

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Dem können wir uns nur anschließen und ernsten Interessenten dringend empfehlen, sich bald ein gutes Exemplar zu sichern. Lange Zeit haben die Alfisti fast ausschließlich Giulia, Spider und den GT „Bertone“ der 1960er im Visier gehabt und um jüngere Modelle einen Bogen gemacht, doch das Blatt scheint sich zu wenden, wie die steigenden Notierungen für Alfetta GTV und vor allem das Topmodell GTV 6 zeigen.

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GTV 6-Merkmal ist die Haube mit dem Buckel und dem „Kuchenblech“

Zustand-2-Modelle werden um die 10.000,- Euro gehandelt, echte Einser liegen sogar bei 15.000,- Euro. Angesichts der teils widersprüchlichen Talente, die der Baureihe von verschiedenen Seiten zugeschrieben werden, scheint es doch sehr geboten, sich einen GTV 6 vor einer Kaufentscheidung sehr genau anzusehen. Wir haben das getan.
Der Alfa Romeo GTV 6 2,5 im Detail

Karosserie, Unterboden

Front/Motorraum/Vorderkotflügel
Korrosion, Korrosion und nochmals Korrosion sind die größten Übel, die einem schon gleich vorne am Auto begegnen können. Alfa Romeo war bis in die 1980er Jahre eine Marke, deren Autos im Ruf standen, sich eigentlich nur in südlichen Ländern wie seinem Heimatland Italien wirklich länger zu halten. Und da ist wohl wirklich etwas dran.

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Vorne und hinten sollten die Radlaufkanten gründlich auf Rost hin untersucht werden

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Bilden sich am Übergang des Kotflügels zur Frontscheibe Lackblasen, sieht es darunter in aller Regel verheerend aus

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Sowohl die Kotflügel-Schweißkanten als auch die Motor-Stehbleche sind häufig völlig durchgerottet. Hier die regelbestätigende mustergültige Ausnahme

So zerklüftet und verwinkelt, wie sich die Karosserie bereits bei den Übergängen der Frontmaske an die Motor-Stehwände und die Kotflügel präsentiert, wird jedem klar, dass man hier ab Werk aber auch wirklich so gar keine Rücksicht darauf genommen hat, welches Unheil Nässe (und Streusalz) hier anrichten können. Um so erstaunlicher, dass unser aus Schweden importiertes Exemplar so makellos daherkommt. Es muss seine überschaubare Laufleistung wirklich in besonders pfleglichen Händen absolviert haben und wohl eher aus dem nördlichen Schweden stammen, wo wegen der extremen Kälte auf den Einsatz von Streusalz weitgehend verzichtet wird – das Taumittel wäre dort bei den niedrigen Temperaturen völlig sinnlos.

Rostgefährdet sind überdies die Lampentöpfe, wenn die Schottbleche in den Radläufen hinter den Scheinwerfern fehlen. Ebenso können die Kotflügelkanten an den Übergängen zu den Stehblechen durchfaulen. Gefährdet ist auch der Spritzwasserbereich zu den A-Säulen hin. Hier ist ab Werk ebenfalls ein Spritzschutzblech montiert, das manchmal fehlt. Karosserieblechteile werden übrigens (bis auf die preiswerten verfügbaren Reparaturbleche) mit Gold aufgewogen, wenn sie überhaupt zu bekommen sind. Und dass auch die vorderen Kotflügel angeschweißt und nicht verschraubt sind, macht den Austausch noch teurer.

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Die Schweller sollten unbedingt auch von unten gründlich untersucht werden. Insbesondere im Bereich der Wagenheberaufnahmen

Schweller

Die Schweller/Einstiege sind wie bei fast allen Fahrzeugen dieser Ära ein besonders neuralgischer Punkt. Bei Blendern wurde hier bereits die dritte Reparaturblechlage drübergebraten, die natürlich wegen Spaltkorrosion ebenfalls in kurzer Zeit weich wird. Wie es um diesen Bereich bestellt ist, verraten oft stärkere Spachtelschichten oder dick aufgetragener Steinschlagschutz sowie eingedellte Bereiche um die Wagenheberaufnahmen. Ein sicheres Indiz für nicht ganz sorgfältig ausgeführte Schweller-Reparaturen ist das Fehlen der senkrechten Fugen am Übergang zum Vorderkotflügel bzw. zum hinteren Seitenteil.

Durchgegammelte Schweller beeinträchtigen die strukturelle Stabilität der Karosserie nachhaltig, was sich auch an schlecht schließenden Türen äußern kann. Sie sind ein ernster Grund, von einem Kauf Abstand zu nehmen, sonst wird später eine (wirtschaftlich unrentable) Vollrestaurierung daraus.

Türen

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An den filigranen Fensterrahmen rostets auch gerne

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Die Türböden zählen zu den neuralgischen Punkten der GTV-Karosserie

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Da haben wirs: Der vitale Zustand dieses GTV 6 dürfte größtenteils mit einer gründlichen Hohlraumkonservierung (schwarze Gummistopfen) zusammenhängen

Der Gilb verschont auch die Türen des GTV 6 nicht, vor allem sollte man die Türböden von unten inspizieren, insbesondere im Bereich der unteren Gummidichtung sowie an den Falzkanten der Türhaut.

Bodenwannen

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Die Bodenwannen rosten häufig nicht nur von außen, sondern auch von innen durch

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Schwitzfeuchtigkeit an der Ölwanne ist akzeptabel. Wenns richtig leckt, muss sie abgedichtet werden

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Die Auspuffanlage gilt ebenfalls nicht als besonders haltbar. Ersatz ist aber zu erträglichen Preisen neu zu bekommen

Nachdem die GTV 6-Karosse häufiger von Wassereinbrüchen heimgesucht wird, bildet sich manchmal Staunässe unter den Teppichböden. Infolgedessen gammeln die Bodenwannen von innen durch. Die Übergänge zu den Innenschwellern sind besonders anfällig.

Heckbereich

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Zur optimalen Gewichtsverteilung wanderte auch der Akku in den Kofferraum – das Reserverad liegt dort sowieso. Beides sollte zum Check herausgenommen werden

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Neben dem Auspuff ist der Batteriekasten zu sehen. Zum Seitenteil und zum Heckblech hin kommt es sich häufig zu Durchrostungen

Auch im Heckbereich ist Rost das alles beherrschende Thema. Unbedingt zu inspizieren sind die Radlaufkanten, aber auch der Kofferraum von innen (Matten und Reserverad herausnehmen). Dabei auch auf Wassereinbruch an der Heckklappe, den Rückleuchten oder den hinteren Seitenscheiben achten.

Motor und Peripherie

Motorspezifisches

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Cuore Sportivo: Mit dem herrlichen V6-Aggregat zeigte Alfa Romeo einmal mehr, wofür die Marke zu Recht berühmt wurde

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Oh mein Gott: Die chaotische Elektrik setzt sich unter der Motorhaube fort

Wie bei Alfa-Motoren üblich, verfügt auch der 2,5l V6 über ein beachtliches Motorölvolumen (6 Liter), das bekanntlich erst bei Betriebstemperatur seine optimalen Schmiereigenschaften entfaltet. Deshalb ist geduldiges Warmfahren auch für den GTV 6 oberstes Gebot für ein langes Motorleben. Im Gegensatz zu den damaligen Alfa-Vierzylindern werden die beiden obenliegenden Nockenwellen des V6 von einem Zahnriemen angetrieben, der turnusmäßig zu wechseln ist. Erkundigen Sie sich beim Letztbesitzer unbedingt danach, wann diese Arbeit zuletzt durchgeführt wurde. Das Einspritzaggregat machte weniger aufgrund seiner Höchstleistung (die Quellenangaben schwanken hier zwischen 150 PS für die Kat-Version ab 1986 und 158 bzw. 160 PS für die ungereinigten Aggregate) von sich reden als durch die seidenweiche Laufkultur und auch akustische Ruhe bis etwa 3.000/min, die sich im höheren Drehzahlbereich zu einem infernalischen alfa-typischen Trompeten wandelt. Dabei erlaubt das hohe Drehmoment über das gesamte Drehzahlband in Verbindung mit dem sportlich abgestuften Fünfganggetriebe eine sehr schaltfaule Fahrweise.

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Die Bosch-L-Jetronic gilt als zuverlässig. Der gelegentlich streikende Luftmengenmesser ist neu nicht mehr erhältlich

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Die beiden Nockenwellen des V6-Aggregats werden von einem Zahnriemen angetrieben, dessen Wechsel dokumentiert sein sollte

Wartungsstau
Ein durchgehend abgestempeltes Service-Scheckheft wird man heute bei kaum einem GTV 6 mehr finden. Daher sollte der Verkäufer im Zweifelsfall durch Rechnungen oder andere Belege nachweisen können, dass die kapriziöse Technik des Wagens kontinuierlicher Pflege unterlag. Sonst werden Sie als Käufer gleich wieder in die Tasche greifen dürfen, um Versäumtes nachzuholen. Insbesondere der Zahnriemenwechsel ist aufwändig und deshalb teuer.

Kompressionsdruck
Vor jedem GTV 6-Kauf sollte der Kompressionsdruck der einzelnen Zylinder gemessen werden, um vorgenannte Schäden oder auch den Verschleiß der Kolbenringe zu entdecken. Abweichungen von mehr als 2 bar zwischen dem höchsten und dem niedrigsten Wert sind nicht in Ordnung.

Kopfdichtung
Bei höheren Laufleistungen gehen öfter die Zylinderkopfdichtungen kaputt, was auch auf mangelndes Warmfahren zurückzuführen sein kann (Zylinderkopfverspannungen). Bei den Motor-Ersatzteilen im freien Handel gibt es große Qualitätsunterschiede. Erfahrene Alfa-Schrauber verbauen anstelle einer billigen No-Name-Kopfdichtung nur Markendichtungen von Reinz.

Getriebe, Kraftübertragung

Getriebe
Die Transaxle-Getriebe der Alfetta GTV und GTV 6-Baureihe wurden von zeitgenössischen Testern wegen ihrer langen Schaltwege bemängelt. Außerdem ist fast bei jedem die Synchronisation des 2. Gangs defekt. Undichte Simmerringe an den Antriebswellen sorgen dafür, dass die innenliegenden Bremsscheiben ein Ölbad nehmen.

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Der Kupplungsnehmerzylinder macht öfter mal Ärger, ist aber preiswert und einfach zu tauschen

Kupplung

Serienmäßig verfügt der GTV 6 über eine Zweischeiben-Trockenkupplung. Ein Reparaturset dafür verursacht stolze 1.000,- Euro Materialkosten. Billiger wirds, wenn die Kupplung auf die Einscheibenlösung des Alfa 75 umgebaut wird (ist inzwischen bei einer ganzen Reihe von Fahrzeugen geschehen). Hier kostet ein komplettes Umrüstset mit Schwungrad ungefähr 750,- Euro – und sollte man da noch mal wieder ran müssen, genügt oft der Tausch der Mitnehmerscheibe, was nochmals wesentlich günstiger ist.

Kardanwelle mit Lagern
Die Alfa GTV-Kardanwelle rotiert (weil hier auch die Kupplung mit dem Getriebe verblockt ist) ständig mit Motordrehzahl. Mit den Jahren verschleißen das Mittellager oder auch die drei Hardyscheiben. Sie müssen dann unbedingt gewechselt werden, damit sich die Welle nicht selbstständig machen kann.

Fahrwerk, Lenkung, Bremsen

Bremsanlage
Die Scheibenbremsanlage des GTV 6 ist standfest und nicht übertrieben anfällig. Insbesondere bei wenig bewegten Fahrzeugen können jedoch die Sättel fest gehen. Manchmal liegt das allerdings auch an zugequollenen Bremsschläuchen. Der Wechsel der innenliegenden hinteren Scheiben ist aufwändig und teuer (der Belagwechsel hinten ist allerdings unproblematisch).

Stoßdämpfer/Radaufhängungsteile

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Die Hinterachse ist nach dem DeDion-Prinzip konstruiert. Auch das hält die ungefederten Massen gegenüber einer herkömmlichen Starrachse gering und sorgt für eine konstante Radgeometrie beim Einfedern

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Die Vorderachse neigt auf unebenem Untergrund zum Poltern, dann sind häufig Buchsen oder das Traggelenk der Dreieckslenker ausgeschlagen

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Die Vorderachse wird über Drehstäbe gefedert

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Gewichtsausgleich und geringe ungefederte Massen heiligten beim GTV 6 fast jedes Mittel – auch die innenliegenden Scheibenbremsen hinten, die verölen können

Stoßdämpfer und Fahrwerksbuchsen der GTV 6-Coupés unterliegen normalem Verschleiß und sind auch neu noch problemlos erhältlich. Wie sehr man sich bei Alfa darum bemüht hat, die ungefederten Massen an der Hinterachse bis aufs letzte Gramm gering zu halten, wird unter anderem an der umgekehrten Einbaulage der hinteren Stoßdämpfer erkennbar (ungefedert sind hier nicht die „schweren“ Dämpferkörper, sondern nur die leichten Kolbenstangen).

Lenkgetriebe, Umlenkhebel, Spurstangen
Die Zahnstangenlenkung des GTV 6 ist insgesamt „go-kartmäßig“ direkt – mit Ausnahme jedoch der etwas gefühllosen Mittellage, was den Geradeauslauf beeinträchtigt. Das Gewicht des Sechszylinders macht den GTV 6 dabei kopflastiger als seine vierzylindrigen Brüder. Dadurch werden – insbesondere bei Verwendung von Breitreifen – bedeutend höhere Lenkkräfte gefordert und man vermisst eine Servolenkung, die ab Werk nicht angeboten wurde. Hobbybastler haben allerdings auch hier inzwischen Lösungen aus dem Alfa-Teileregal (Alfa 75) gefunden, was allerdings den Originalitätsfetischisten stört und die Erteilung eines H-Kennzeichens erschwert. Achten Sie auch auf ausgeschlagene Spurstangenköpfe.

Innenraum, Elektrik, Sonstiges

Innenausstattung

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So gut erhalten sind die Sitze im GTV 6 beileibe nicht immer. Die wenig haltbaren Stoffe sind neu nicht mehr zu bekommen, guter gebrauchter Ersatz ist kaum zu finden und dann teuer.

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Serienmäßig: Sitzhöhenverstellung

Schön ist wirklich etwas anderes: Die zerklüftete Armaturenlandschaft im GTV 6 versprüht den spröden Charme der 1980er Jahre. Billig anmutendes Plastik wohin das Auge blickt, ein wild verstreutes Sammelsurium an Bedienungselementen, ein ab Werk passungenauer Handschuhfachdeckel und eine skurrile Gestaltung der Rundinstrumente, die mit abgeschrägten Ecken in quadratischen Einfassungen stecken. Immerhin ist das Ganze jetzt schon zu einer Einheit verwachsen – bei der Alfetta GT sitzt einzig ein Drehzahlmesser über der Lenksäule, der Tacho und alle weiteren Anzeigen und Instrumente sind in einem gesonderten Gehäuse über dem Mitteltunnel angebracht. Die Instrumente sollten unbedingt funktionieren (siehe Clarkson-Kommentar…), denn Ersatz ist kaum zu bekommen und wenn, dann teuer (oder auch defekt).

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Für ein Coupé gar nicht mal so eng: Auf den Einzelrücksitzen (hier sogar mit Dreipunktgurten gesichert) können sogar Erwachsene recht bequem sitzen. Blöd nur: die Lehnen lassen sich nicht umklappen

 

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Ein Witz: Die kleinen Kurbelfenster im Fond

Gegen mangelhafte Materialqualität der serienmäßigen (Velours-)Polsterstoffe ist kaum ein Kraut gewachsen, zumal diese Stoffe neu nicht mehr angeboten werden. Die Suche nach einer gut erhaltenen gebrauchten Innenausstattung ist entsprechend schwierig und, wenn man denn eine ergattern kann, auch keinesfalls billig. Da ist die Investition in eine beim Autosattler angefertigte Lederausstattung (gab es optional auch ab Werk) manchmal der bessere Weg.

Wie herrlich unpraktisch der GTV 6 konstruiert wurde, zeigen Details wie die aberwitzig kleinen Kurbelfenster im Fond, die von den großen Seitenscheiben abgeteilt sind, aber auch der Umstand, dass die Rückbank nicht umklappbar ist. Wäre ja auch zu schön gewesen, wenn man hinter der einladend großen Hecktür einen ebenfalls einladend großen Kofferraum vorgefunden hätte…

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Große Klappe, weniger als möglich dahinter: Die Rückbank lässt sich nicht umklappen

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Auch exotisch: Der zentrale Gasdruckdämpfer, der die Heckklappe offen hält

Elektrik/Schalter

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Voll die 80er: Klobige, zerklüftete Plastik-Optik dominiert das Armaturenbrett

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Viele Sicherungen, aber trotzdem eine wilde Verkabelung kennzeichnen die Bordelektrik im GTV 6

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Die Doppelscheinwerfer ziehen häufig Wasser und erblinden dann

Schon die serienmäßige Elektrik unterm Armaturenbrett sieht wüst aus. Schlimmer wirds, wenn von Heimwerkern noch eine Stereo-Anlage montiert wurde. Da ist der Weg zum Kabelbrand nicht weit. Testen Sie die Funktion der elektrischen Fensterheber in den Türen.
Fazit: Wer mit dem GTV 6 liebäugelt, wird nie Langeweile haben…

Bilder: Martin Henze

Sur mal wieder!

Hannover! Vielleicht nicht das Zentrum der Welt, aber gewiss das Zentrum Niedersachsens. Zumindest geografisch. Hier in der näheren Umgebung gibt es eigentlich nicht viel, was man am Wochenende machen kann, deshalb ist es schier wundervoll, dass die Kollegen vom Street Magazine umfangreich geladen haben! Zum US-Car Treffen Hannover, kommet zuhauf auf den Schützenplatz und zeigt uns, was ihr habt. Und na guck – dem Aufruf sind unfassbar viele Rodder, Cruiser und Styler der Republik gefolgt. Wir auch. Und es war wahrhaftig wieder ein gelungener Mix aus Hubraum, Blech und Show!

Alles beginnt mit einem Stand!

Denn wo die Szene tobt sind wir nicht weit entfernt. Das liegt daran, dass wir auch so gerne toben und natürlich am Liebsten mitten drin. Das liegt aber natürlich auch daran, dass wir hier unter unseres Gleichen sind. Freunde von dicken Achtzylindern, Chrom, Kraft und Träumen. Teils erfüllbar, teils nicht einmal anfassbar. Denn dann gibt es auf die Finger. Am TRÄUME WAGEN Stand ist das etwas relaxter, unser Verlagspony ist durchaus anfassbar. Folgen Sie uns auf einen kleinen Rundgang durch die bunte Welt der Autoverrückten!

Ich seh dir in die Augen, Kleines

Man muss ja nicht unbedingt Falten im Gesicht haben, nur weil man schon die 50 überschritten hat. Es sei denn, diese Falten waren schon ab Werk da, wie bei diesem Dodge aus der Flossenzeit, dem Paläozoikum der Technik. Mehr Auto ist fast nicht möglich. Die richtig alten Schiffe sind hier und heute allerdings in der Unterzahl, es tummeln sich doch sehr viele Neuwagen, die aber auch nicht mit ihren Reizen geizen.

Alles dabei, was man sich wünscht

Auf den gemischten Treffen, wie schon am vergangenen Wochenende in Oberhausen, macht den größten Reiz eigentlich genau dieses Vorhandensein aller Epochen und Baujahre aus. Muscles, Rods, Trucks und Lowrider stehen Seite an Seite mit Leichenwagen, neuen Camaros und dicken Chrysler Limousinen. Für jeden ist was dabei, und hier in Hannover kommen zudem weder Leib und Magen noch die Show-Events zu kurz! Überall bullert es, riecht es nach abgerubbeltem Gummi oder nach Pizza, überall ist was in Bewegung!

Der amerikanische Traum

Die Jungs und Mädels leben hier für zwei Tage auf dem Platz, fühlen sich wohl und haben Spaß miteinander. Das Wetter… nun, das könnte schlechter sein, reden wir nicht drüber, immerhin schneit es nicht. Also wird gegrillt was das Zeug hält, und so manch einer macht anschließend sein Mittagsschläfchen hübsch dekorativ vor seinem Auto. Wehe denen, die dann ankommen und Fragen stellen…

Gute Nacht, John-Boy

Es ist gar nicht so einfach, von den immer wieder durch die Gänge cruisenden blubbernden Schlitten nicht überfahren zu werden. Auch wenn es ein schöner Tod wäre. Denn trotz der Größe des Platzes in der niedersächsischen Metropole ist hier echt was unterwegs. Und manch einer lässt ständig das Triebwerk in einer Art aufheulen, als glaube man, hier habe noch nie jemand einen V8 gehört. Nun. Auf kleinen, mit Flatterband abgesperrten Inselchen tummeln sich fern der Durchfahrten daher viele große und kleine Besucher mit und ohne Autos.

Früh übt sich…

Weiterhin bieten viele Händler und Händlerinnen ihre Ware feil, da ist unfassbar viel Gutes zum Thema Automobil zu finden. Kleine, filigrane Landschaften mit supercoolen Hot Rods davor, vom Diner bis zur Schrauberhöhle, von der Farm bis zur Milchbar.

Für das Kind im Manne

Besonders hervorzuheben wäre da auch die Emblem-anbietende Industrie. Was man da alles findet eignet sich vermutlich nicht nur als Dekoration der eigenen Kühlerhaube, sondern macht sich auch wundervoll als Schlüsselanhänger oder gar Ohrring?

Alles was die Karosserie begehrt

Sonnenbrillen sind heute weniger begehrt, T-Shirts gehen immer. Coole Motive aus der Welt der Biker, Checker und Airbrushgemäldegernmöger in allen erdenklichen Farben und Formen, ich komme mir mit meinem schlicht blauen Polohemd ein bisschen vor wie ein Golfer unter Rockern. Aber unter netten Rockern, die alle zusammen eine große Party unter freiem Himmel feiern.

Da brennt die Bühne

Und es wäre nicht ein gutes Treffen, wenn nicht auch Marty McFly mit dem Dienstwagen von Dr. Emmett Brown anwesend wäre. Ich bekomme weiche Knie. Was hat dieser DeLorean eigentlich an sich, dass er so eine Faszination ausübt? Es kann weder die Verarbeitung noch der Motor sein, beides ist mangelhaft.

TRÄUME WAGEN, in Edelstahl

Und weil die so selten sind gleich noch ein zweites Bild. Irgendwann….. IRGENDWANN müssen wir auch mal für ein paar Wochen so einen Boliden fahren. Vielleicht nicht zurück in die Zukunft, dafür gefällt uns die Gegenwart einfach zu gut. Aber mal über Land, durch die Stadt, zur großen Liebe…. Kennt jemand einen, der seinen mal hergibt?

Lack? Braucht man doch nicht!

An anderer Stelle auf dem Platz wird optisch präsentiert, warum irgendwann mal jemand auf die Idee kam, seine Autos aus rostfreiem Edelstahl zu fertigen, auch wenn das sehr teuer ist. Da tummeln sich die „Ratten“, also die technisch gesunden, aber optisch böse runtergerockten Karren. Voller Rost, Schweißnähten und bösen Ecken und Kanten, ein Fest für jeden TÜV-Ingenieur, aber ein großartiger Blickfang!

Hallo Herr Ingenieur…

Oder stehen Sie mehr auf alternative Antriebe? Neben unzähligen Kuriositäten hier zwischen den umherschlendernden Menschen finden wir auch ein Fahrzeug direkt aus dem Autoscooter, wobei nicht nachhaltig geklärt werden konnte, wie sich dieses Gefährt eigentlich dauerhaft vorwärts bewegt.

Und noch einmal zusteigen, und noch einmal Tickets lösen

Ach so, Sie wollten eigentlich Bilder von amerikanischen Autos sehen? Kein Problem, wir haben natürlich eine riesengroße Facebook-Galerie für Sie angelegt! Hier im Blog stellen wir nun lieber die etwas selteneren Anblicke vor, Menschen und Fahrzeuge jenseits des Mainstream! Was quatscht denn da von links und ruft nach seinem Meister? Oh. KITT. Die 80er sind wieder zurück *schwärm*

Michael, wo sind Sie?

Wem nichts, aber auch GAR nichts zu verrückt ist, der ist bei diesen Veranstaltungen wunderbar aufgehoben. Ein cooles Treffen mit gelungenen Show-Einlagen der Drifter und Smoker. Und mit alles in allem mehr Autos, als das allgemeine Männerhirn fassen kann. Vielleicht sollten Sie nächstes mal Ihre Frau mitnehmen.

Neu und alt, alles dabei

Also, lassen Sie uns gemeinsam weiter Cruisen. Mit alten Amis, mit neuen Amis, mit Bikes und mit Rods. Jeder Mensch, der seine Zeit, seine Liebe und sein Geld in so etwas besonderes investiert ist eine Erwähnung wert, denn er schafft Unikate. Wir sehen uns auf dem nächsten großen Treffen am TRÄUME WAGEN Stand! Und wir lesen uns wieder in der nächsten Ausgabe. Und… wir diskutieren auf Facebook. Sind Sie bei allem dabei?

Rock it!

HIER ist die Facebook-Bildergalerie mit über 70 Pics!

• Classic-Car-Tax ermittelt die Auktions-Top-Ten
• Ferrari 250 Testa Rossa ist teuerster Oldtimer der Welt: 16,4 Millionen Dollar
• Mercedes 540K Spezial Roadster ist teuerster Mercedes aller Zeiten: 9,7 Millionen Dollar

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Mercedes-Benz 540K Spezial Cabriolet, Bj. 1939, RM Auctions, USA, Zuschlagspreis: 4.620.000,- Dollar

Das Highlight des Oldtimer-Jahres 2011 meldete sich mit einem Paukenschlag. 16,4 Millionen Dollar zahlte ein Sammler auf einer Auktion im amerikanischen Pebble Beach für einen Ferrari 250 Testa Rossa aus dem Jahr 1957 – das teuerste Auto, das je versteigert wurde!
In der von classic-car-tax, den Marktbeobachtern aus Castrop-Rauxel, erstellten Preis-Hitparade befindet sich der zwölfzylindrige Renner aus Maranello in guter Gesellschaft. Unter den zehn teuersten Autos, die im vergangenen Jahr auf Auktionen versteigert wurden, tragen allein fünf das springende Pferdchen auf der Motorhaube, der Rest verteilt sich auf drei Mercedes, einen Duesenberg, einen Talbot-Lago und ein De Dion Bouton. Die Werte der Preis-Giganten liegen allesamt deutlich im Millionenbereich, selbst für das günstigste Auto, einen Ferrari 340 Mexico von 1952, musste der Käufer noch mehr als vier Millionen Dollar auf den Tisch legen. Der Gesamtwert aller Top Ten Fahrzeuge kommt auf sagenhafte 69 Millionen Dollar.

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Ferrari 250 TR, Bj. 1957,Gooding & Co., USA, Zuschlagspreis: 16.390.000,- Dollar

Die Erfolgsformel: Schön, schnell, offen, selten

Für die Erstellung der jährlichen Oldie-Top-Ten greift das Team von classic-car-tax seit mehr als zehn Jahren ausschließlich auf die hauseigene Auktions-Datenbank zurück. „Verkäufe von Händlern, Privatpersonen und Clubs bleiben hier ausnahmsweise außen vor,“ erklärt Firmenchef Jochen Strauch die vorübergehende Abkehr von der üblichen Arbeitsweise, „denn nur Auktionen geben ein unverfälschtes Bild. Wenn bei einer bestimmten Summe der Hammer fällt, dann muss diese Summe bezahlt werden.“

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Duesenberg Model J. Roadster, Bj. 1931, Gooding & Co., USA, Zuschlagspreis: 10.340.000,- Dollar

Schön, schnell, offen, selten – diese Erfolgsformel bleibt seit Jahren gleich. Der Ferrari 250 Testa Rossa sicherte sich Platz 1 noch mit ein paar wertsteigernden Attributen. Er war das erste je gebaute Fahrzeug der legendären Testa-Rossa-Baureihe, wurde als Werksrennwagen bei bedeutenden Veranstaltungen eingesetzt und verfügt über eine lückenlose, wasserdichte Geschichte.

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Mercedes-Benz Typ S 26/180, Bj. 1927, Gooding & Co., USA, Zuschlagspreis: 5.040.000,- Dollar

Letzteres gilt übrigens für fast alle Top-Ten-Fahrzeuge, denn die internationale Sammler-Elite greift nur dann so richtig tief ins Portemonnaie, wenn die Gewissheit besteht, ein nachweislich als original anerkanntes Auto zu erwerben. Der Mercedes-Benz S-Typ von 1927, verkauft für fünf Millionen Dollar, stand zum Beispiel mehr als 40 Jahre durchgängig im privaten Museum eines bekannten Sammlers, und auch bei dem für 4,5 Millionen Dollar versteigerten Talbot-Lago T150C SS von 1938 steht fest, dass er seine seltene Figoni-Sonderkarosserie schon bei Auslieferung trug und nicht nachträglich umkarossiert wurde.

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Ferrari 340 Mexico, Bj. 1952, RM Auctions, USA, Zuschlagspreis: 4.290.000,- Dollar

2,5 Millionen Dollar

Wertzuwachs in vier Jahren

Seltene, gesuchte Karosserievarianten stehen ohnehin hoch im Kurs. Bester Beweis: Der Mercedes 540K Spezial Roadster von 1937, versteigert von RM Auctions für 9,7 Millionen Dollar, fast das Doppelte des sonst üblichen Kurses und damit der teuerste je auf einer Auktion verkaufte Mercedes. Schon der normale Spezial Roadster gilt als die seltenste, eleganteste Variante des großen Kompressor-Wagens, dieser hier verfügte zusätzlich über das nur 25 mal gebaute lange Heck und das vollverkleidete Reserverad – der Eleganteste unter den Eleganten.
Mit dem richtigen Anlageobjekt funktioniert sogar das Thema Geldvermehrung, wie der Ferrari 250 SWB Competizione von 1960 beweist. Im Jahre 2007 fiel für ihn der Hammer noch bei schlappen 2,8 Millionen Dollar, im August dieses Jahres waren es bereits 5,3 Millionen Dollar: Macht 2,5 Millionen Dollar Gewinn in nur vier Jahren.

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Talbot-Lago T150C SS, Bj. 1938, RM Auctions, Italien, Zuschlagspreis: 4.475.000,- Dollar


Trotz Rekordsummen – es zählt der Spaß am Oldtimer

Die spektakulären Millionenwerte der High-End Oldtimer sollten aber laut Frank Wilke, Leiter Marktbeobachtung bei classic-car-tax, über eins nicht hinwegtäuschen: „Unsere Auktions-Top- Ten zeigen, welche extremen Summen finanzstarke Sammler für wirklich außergewöhnliche Exem-?plare zahlen. Diese Summen sind aber die Ausnahme, nicht die Regel. Der Durchschnittswert eines Oldtimers beträgt in Deutschland rund 15.000,- Euro und den meisten Besitzern ist der Spaß an ihrem Auto ohnehin viel wichtiger als sein Wert.“

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Ferrari 250 SWB Competizione, Bj. 1960, RM Auctions, USA, Zuschlagspreis: 5.280.000,- Dollar

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Ferrari 375 MM, Bj. 1955, RM Auctions, Italien, Zuschlagspreis: 4.795.000,- Dollar

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Mercedes-Benz 540K Spezial Roadster, Bj. 1937, RM Auctions, USA, Zuschlagspreis: 9.680.000,- Dollar

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De Dion Bouton Dos-a-Dos, Bj. 1884, RM Auctions, USA, Zuschlagspreis: 4.620.000,- Dollar

Bilder: Gooding & Co., RM Auctions
Text: Classic-Car-Tax

avatar_6Jeden Tag sehen wir hinein, fummeln an ihm herum oder behängen ihn – den Rückspiegel. Seltsamerweise hat Audi nun einen Wagen ohne dieses praktische Ding präsentiert. Fragt sich nur, warum. Eine Liebeserklärung an eine feine Erfindung.

Ich mag meinen Rückspiegel. Genau genommen pflege ich sogar neuerdings ein ziemlich intimes Verhältnis zu meinem Rückspiegel. Grund dafür ist ein Artikel, über den ich neulich stolperte, in dem zu lesen stand, dass Audi ein Auto ohne Rückspiegel präsentierte. Statt des Spiegels ist der Wagen mit einem so genannten Aktivmatrix-OLED-Display ausgestattet. Kurz gesagt, ein kleiner Bildschirm, auf den man glotzt. Funktioniert genauso wie die Rückfahrkameras, die neuerdings in modernen Fahrzeugen eingebaut werden, weil man aufgrund mickriger Heckscheiben und gigantischer C-Säulen nicht mehr nach hinten blicken kann und dann aus Versehen die eine oder andere Mutter mit Kinderwagen umnietet, die gerade am Heck vorbeischlendert. Eigentlich eine sinnvolle Erfindung angesichts der Tatsache, dass die Autos immer größer und die Städte immer enger werden. Nein, wir fangen jetzt nicht an, darüber nachzudenken, warum das so ist. Lieber darüber nachsinnen, dass es sich bei dem spiegellosen Audi nicht um eine handelsübliche Kiste mit Straßenzulassung handelt, sondern um den R18, einen Prototyp, der beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans an den Start geht. Eine Rennmaschine ohne Rückspiegel, soso. Echte Nerds fangen an dieser Stelle an zu diskutieren, dass diese Innovation gar nicht so neu ist und wann diese Technik das erste Mal eingesetzt wurde, wann der LCD Pocket Color von Casio erfunden wurde und wie hoch die Auflösung sein sollte. Ich fing damit an, darüber nachzudenken, dass mein Rückspiegel eigentlich eine prima Erfindung ist, die ich bisher für wenig verbesserungswürdig hielt. Man schaut hinein und ist klüger. Schon der britische Schriftsteller Aldous Huxley schrieb einmal: „Nichts bewahrt uns so gründlich vor Illusionen wie ein Blick in den Spiegel.“ Mehr noch: Man kann lustige Dinge an ihn hängen und so seine Religionszugehörigkeit, seine Vorliebe für Diddlmäuse, Plüschwürfel, Totenköpfe oder Kinderschuhe bezeugen. Man kann es auch lassen. Man kann ihn hin- und herbiegen, wie es einem gefällt. Gerade in einem Auto, in das man das erste Mal steigt, kann man so Erstkontakt mit der Kiste aufnehmen und sich beim Zurechtruckeln überlegen, wie man sie findet. Man kann sich über die unglaublich hohe Auflösung freuen. Darin seine Frise darin kontrollieren. Erleichtert sein, dass dieses reflektierende Rechteck so gar keinen Strom verbraucht und selten kaputt geht. Ihn mit Spucke putzen und hoffen, dass es keiner gesehen hat.

Ja, ich liebe diesen Spiegel. Es heißt in der griechischen Mythologie, dass sich Narziss ans Wasser setzte und hineinblickte, sich in sein Ebenbild verliebte, ins Wasser fiel und ertrank. Kann mir mit meinem Rückspiegel nicht passieren.

Chillen in der Mittagshitze

Chillen in der Mittagshitze

Die N8 war kurz, einerseits, weil ja die ersten Bilder online gehen sollten (ich habe bis Mitternacht gesessen, alles für Sie), andererseits, weil die schon früh scheinende Sonne durch die Hotelfenster flutet und unseren unermüdlichen Redakteur aus dem kurzen Schlaf kitzelt! Heute ist Tag 2 des US-Car-Treffens auf dem Vorplatz des Centro in Oberhausen, und heute ist Sonntag. Das bedeutet, dass hier vor Ort nicht die vielen Shopper sind, die ihre Einkaufstüten an den Flanken der Autos entlangschrabbeln, sondern die echten Fans. Die, die extra heute hier her gekommen sind. Und auch heute sollten sämtliche Rekorde gebrochen werden!

Erstmal hin da!

Erstmal hin da!

Aber zunächst muss ja das Gelände erreicht werden. Den Mustang habe ich gestern stehen gelassen, zu groß war die staunende die Menschenmenge um ihn herum und zu kurz der Weg ins Hotel. Na okay, 3 Kilometer. Und heute Morgen geht es weder zu den Jungs vom Metal-Konzert (die Fans hingen auf der Brücke im Hintergrund ab, heute zeugen davon noch diverse Bierflaschen) noch in die kleine Pizzaria. Keine Zeit. Keinen Musikbedarf. Keinen Hunger. Ich muss arbeiten.

Kein einfacher Job

Kein einfacher Job

Arbeiten heißt heute, am heiligen Sonntag vor allem eins: Ihre Fragen zum Mustang und zu unserem Magazin TRÄUME WAGEN beantworten und – mit dem Verteilen der Magazine nicht sparsam sein. Denn Sie sollen ja auch mal anfassen können, was Sie vielleicht gleich im Anschluss abonnieren werden. Also, ich meine jetzt das Magazin. Das Auto meinetwegen auch. Mich nicht. Die ersten Interessenten kommen schon zuhauf und pendeln durch den sonnendurchfluteten Stand, den wir uns mit der Firma Velocity Parts teilen. Die TRÄUME WAGEN ist ja ganz schön dick, man merkt das vor allem, wenn man davon eine ganze Palette in Einzelpaketen über den Platz schleppt…

So. Es kann losgehen.

So. Es kann losgehen.

Mustang und Performance bis zum Horizont. Ich mache mich mal auf eine erste Runde, Kaffee holen und schauen, was sich sonst noch so auf dem immer voller werdenden Platz tummelt. Überall blubbern großvolumige V8 Motoren, hier und da wird noch ein bisschen poliert und rangiert, die Frisur gestyled, das Röckchen gezupft und die Koteletten gebürstet. Und als die Kirchenglocken das Ende der Messe einläuten kommen auch die letzten Gläubigen vors Centro. Rock on.

Gegenlicht hinter poliertem Lack

Gegenlicht hinter poliertem Lack

Dr.Mustang hat zwar die Ponies gerufen – die Artenvielfalt ist aber genau wie gestern unübertroffen! Von wegen nur Mustangs. Von wegen nur Ford. Auch wenn die Marke mit der blauen Pflaume sehr präsent ist, finden sich gut gemischt in den Reihen immer wieder auch andere Schmuckstücke aus allen Epochen der amerikanischen Automobilbaukunst.

Der Donnervogel mit Klappscheinwerfern

Der Donnervogel mit Klappscheinwerfern

Alt wie neu, gepflegt wie poliert, kantig und glattgelutscht, original und verspoilert. Alles ist wieder da, und die Zuschauer bekommen das Gefühl, dass es noch viel mehr als gestern werden könnten. Sie Sonne spiegelt sich verführerisch im Chrom, der blaue Himmel kontrastiert sagenhaft. Und Burgerking hat noch geschlossen, wo bekomme ich denn jetzt meinen so dringend benötigten Kaffee her?

Auch das Plastik der 80er hat Charme

Auch das Plastik der 80er hat Charme

Geht Ihnen das auch manchmal so, dass Sie in der Vergangenheit Fahrzeuge echt schlimm fanden und heute nicht ganz ohne Interesse um die gleichen Autos rumschleichen? Ich hatte so einen Pontiac Trans Am als Modellauto und fand ihn immer sehr unsportlich und kantig. Hm. Liegt das denn nun an meinem Kaffeedurst oder meiner Altersmilde, heute hat er eine nicht zu verachtende Attraktivität. Klasse.

Holz oder nicht Holz...

Holz oder nicht Holz…

Allein in den Ställen der Ponies gibt es unfassbar viele Ausstattungen, Modellreihen und Cockpits. Und nicht jeder hat sie original belassen, so dass man sich als Autosiast gar nicht satt gucken kann. Und durstig. Ich muss sehr schlimm ausgesehen haben, die Veranstalter am Dr. Mustang Stand winken mich zu sich und ich bekomme einen herrlich frischen, leckeren Milchkaffee präsentiert. Jetzt ist der Tag schon fast ganz mein Freund.

Der Fan und sein Auto

Der Fan und sein Auto

Und der Tag ist noch lange nicht vorbei. Gazellengleich hüpfe ich zum Kofferraum unseres Verlagsponies und hole ein neues Exemplar der TRÄUME WAGEN raus, als ich ein paar Meter weiter die Neuauflage des HERTZ Mustang von 1966 sehe! Wahnsinn. Und genau so wenig original wie der Fastback in unserem Artikel, mit der gleichen Begründung wie der Besitzer Robert Willinger: „Was soll ich mir einen überteuerten, runtergerittenen Mietwagen kaufen?“ Stimmt. Hauptsache cool, und das ist gelungen.

Türkis ist wieder IN

Türkis ist wieder IN

Wohl denen, die ein Cabrio haben. Da ist nach oben noch eine Menge Luft. Da der Kaffee in meinen Adern seine Wirkung tut (und Burgerking endlich auf hat) wird die Fotorunde noch ein bisschen erweitert.

Grün, böse, schnell

Grün, böse, schnell

Kunst und Architektur

Kunst und Architektur

Dicke Backen, schöner Hintern

Dicke Backen, schöner Hintern

Warm ist es. Voll wird es. Der Veranstalter spricht schon jetzt von über 1000 Fahrzeugen, und es werden immer mehr. Sie bullern im Schrittempo über die mit Besuchern verstopften Straßen. Wer ein Plätzchen hat, baut seinen Klappstuhl oder Grill oder beides auf und genießt erst einmal den Rummel und die neugierigen Menschen.

Immer schön sauber bleiben

Immer schön sauber bleiben

Endgültig gerettet ist mein Tag nach Kaffee Nummer zwei, als ich Zeuge des Gesprächs zweier Mittfünfziger aus dem Rheinland werde. Sie: „Hemma, du Reinhold, hemma hiea. Wat isn das hier auf die Haube vonne fürn Pferd, wat is dat denn, sach ma?“ Reinhold entgegnet leise: „Dat isn Logo vonne Japaner, dat sind hier allet japanische Teile.“ Es ist nicht überliefert, ob die beiden das Gelände lebend verlassen haben, mir tut jedenfalls noch immer die Nase weh, weil ich da Kaffee durchgelacht habe.

Christine??? Nein, nicht ganz.

Christine??? Nein, nicht ganz.

Ein Plymouth Belvedere!!!! *hach* über ein vergleichbares Modell, den Fury, werden wir beizeiten noch einen Artikel im Magazin bringen. Eigentlich könnte man hier über jeden zweiten Wagen eine Geschichte erzählen, aber das sprengt den Rahmen doch erheblich. Aus der Ferne klingen Steel-Guitars, nanu? Wilder Westen? Hier?

Country vom Feinsten

Country vom Feinsten

Da steppt das TANZbein fast unwillkürlich. Meine Musik ist das nicht so ganz, aber sie passt hier dazu wie der Hut auf den Kopf! Und sie macht Spaß. YIIIHAAAA! Später werden noch fröhliche Damen in roten Kleidern mit schwarzen Punkten drauf den Rock’n Roll zelebrieren. Ich sag ja – für jeden was dabei. Die Jungs von Velocity haben derweil hinter dem Stand ein bisschen BossHoss lauter gemacht, sie sind wohl auch nicht so spezialisiert auf echten Country…

Lecker Grillgut?

Lecker Grillgut?

Howdy, dann können die Cowboys ja auch gleich die saftigen Steaks auf den eingebauten Grill flanken. Es ist ja immer gut, wenn man perfekt ausgestattet ist. Gibt es solche Barbecue-Anlagen auch mit NOX-Einspritzung? Ich weiß es nicht. Und auch die Händler, die fliegenden wie die festen, bieten wieder ihre Ware feil. Von der alten indianischen Volkskunst bis zum T-Shirt mit eindeutiger Botschaft quer über den Bauch gibt es alles, was das Ami-Herz begehrt.

Schöner Schmuck, direkt von der Haube

Schöner Schmuck, direkt von der Haube

Shirts für jeden Bauch

Shirts für jeden Bauch

Botschaften aus Stahl

Botschaften aus Stahl

Aber zurück zu den Autos. Und ich muss auch langsam mal wieder zurück zu unserem Stand, wahrscheinlich sind schon alle Magazine vergriffen… Interessant hier ist die Menge an Farben und Formen. Keine andere Nation auf der ganzen Welt hat glaube ich verrückte und exessivere Farben in die Cockpits fließen lassen als die Amerikaner in den 50ern und 60ern.

Candyshop de Luxe

Candyshop de Luxe

Doch wo Licht ist ist auch Schatten. Menschen sterben. Auch in den USA. Und da auf der anderen Seite des Teichs alles ein bisschen größer ist, nimmt man an dieser Stelle auch gern einen originalen Leichenwagen mit ins Programm auf. Wow.

sehr sakrale Dachbeplankungen

sehr sakrale Dachbeplankungen

Und wenn Sie noch immer nicht genug haben von ausufernden Formen in Farben, die auf der Netzhaut brennen haben wir hier noch mal zwei klassische Vertreter der Branche: Einen Ford Edsel und einen Chevy Impala. Einfach mal anders sein. Das gilt hier nicht nur für die Autos, sondern auch für die allermeisten Besucher auf dem Platz.

Edselkühler, hoch statt quer

Edselkühler, hoch statt quer

Impala-Flossen, quer statt hoch

Impala-Flossen, quer statt hoch

So, und nun atmen Sie mal durch. Die hier Anwesenden nutzen dazu die Mittagssonne, lange genug mussten wir ja auf sie warten. Schlafen im Schatten oder auf der Motorhaube, auf dem weichen Rasen oder auf dem Rücksitz – jeder wie er möchte. Mein Tag ist noch lange nicht zu Ende… Ich lerne, wo der Wagenheber unseres Verlagsponies ist (weil unser Standnachbar einen Platten hat) und sehe endlich mal die Doppelauspuffanlage im Rohzustand. Wunderbar.

Mittagsschläfchen vor der Ami-Wanne

Mittagsschläfchen vor der Ami-Wanne

Zurück bei unserem Freund in Grabber Blue. Oha. Was ist hier denn los? Wo kommen die ganzen Menschen her? Nun gilt es den Spagat zu wagen zwischen online sein und mit Menschen in Echtzeit reden. Und das als Mann. Seriell, nicht parallel. Irgendwie ging das, und schon gegen 14:00 Uhr sind sämtliche TRÄUME WAGEN Magazine an den Mann und die Frau gebracht. Es waren ja nur zwei Paletten. Man scheint uns gern zu mögen.

Andrang rund um den Mustang

Andrang rund um den Mustang

Gerangel wie mein Schlussverkauf

Gerangel wie mein Schlussverkauf

Pimp my Ride. Sie möchten sich in den Mustang gerne mal reinsetzen, und irgendwie scheinen wir die einzigen zu sein, die das erlauben. Na klar. Uns kann man anfassen, schließlich ist der kleine Dicke in Grabber Blue ein Alltagsauto. Weitestgehend. Und er macht sich ganz wunderbar neben dem Track Day Mustang von Velocity, dessen Entstehen Sie auch jeden Monat in unserer Serie nachlesen können. In Echtzeit.

Velocity Track Day Mustang

Velocity Track Day Mustang 

Na wann das mal nicht einer unserer jüngsten Leser ist. Papi sollte dann demnächst mal das Taschengeld erhöhen, damit er sich einen solchen Mustang dann mit 18 auch wirklich kaufen kann. Er wollte gar nicht mehr raus… Aber der Tag neigt sich dem Ende entgegen, die Sonne verdrückt sich langsam aber sicher und wir bauen dann mal ab. Oberhausen ist ein Treffen der ganz besonderen Art. Abwechslungsreich, riesengroß und irgendwie sympathisch.

Schon im Jugendalter kann Geschmack gebildet werden

Schon im Jugendalter kann Geschmack gebildet werden

Immer noch mit Countrymusik im Ohr gleite ich mit vollem Tank und leerem Kofferraum über die immer schlimmer verbaustellte A1 zurück nach Hamburg. Das waren zwei sehr coole Tage. Da wir hier nicht alle Bilder reinsetzen konnten, haben wir für Sie eine große Galerie auf Facebook veröffentlicht! Schauen Sie doch mal rein!

KLICK hier rauf.

Und kommen Sie gut nach Hause, wo auch immer Sie gerade sind. Wir sehen uns auf dem nächsten Treffen. Oder?

Abend wird es wieder

Abend wird es wieder

Flossen hoch!

Flossen hoch!!! Was? Noch so ein Event? Aber WAS für einer! Vom Samstag, den 21.07.2012 bis Sonntag, den 22.12.2012 sammelt sich so ziemlich alles, was jemals in Nordamerika gebaut wurde und vier oder weniger Räder hat in Oberhausen. Oberhausen ist bei Essen, Ruhrgebiet. Dr. Mustang hat gerufen, und alle sind gekommen. Gefühlt wirklich alle. Das lassen wir uns natürlich nicht entgehen, tanken unser Blaues Wunder voll und fahren da auch hin, um mit Euch und Ihnen zwei Tage voller Benzin, Chrom und V8-Geblubber zu feiern. Das hier ist Tag 1. Und ich muss ja erst einmal von Hamburg da hin…

Einmal unten durch, bitte

Urlauber kennen ihn, den Elbtunnel. Normalerweise kennen sie sogar jede einzelne Kachel, denn man steht meistens in ihm oder vor ihm. Heute nicht, vielleicht ist es auch einfach noch zu früh. Reden wir nicht darüber. Das Verlagspony, die TRÄUME WAGEN Edition in Grabber Blue, schnurrt vollgetankt unter dem großen Fluss durch in Richtung Dortmund/Essen/Oberhausen, wo angeblich schon jetzt der Bär steppt. Samstag, Geschäfte sind offen, Parkplatz für die Amis ist direkt vorm Einkaufszentrum. Na das kann ja heiter werden.

Voll ist das!

Wird es auch. Deutschland kauft ein. Und kommt anschließend zwangsläufig in so großer Passantenzahl an den Boliden Made in USA vorbei, dass ein Durchkommen schon vormittags (zumindest für die Autos) schwierig ist. Erst will man mich nicht reinlassen, weil es schon so voll ist („ich habe aber einen Platz da drüben beim Velocity-Stand…!“), dann fragt man mich, mit welchem Recht ich hier eigentlich mitten auf den Hof will („ich bin vom TRÄUME WAGEN Team…!“) und dann will man mir noch ein Goodie-Bag mit der neuen Ausgabe unseres Magazins in die Hand drücken. Das lehne ich dankend ab. Im Kofferraum habe ich noch eine Menge davon.

Jake und Elwood? 

Gut, dass die Highway Patrol für Recht und Ordnung sorgt. Auch wenn das damals ein Dodge war, es kommen zwangsläufig Gedanken an die Blues-Brothers. Die kennen Sie doch wohl hoffentlich? Wenn nicht – nachholen. Allein schon, weil so ähnliche Musik wie in dem grandiosen Film von 1980 von der Bühne durch das offene Seitenfenster schallt. Es riecht nach Brathähnchen, Bier und Auspuffgasen, teils katalysiert, größtenteils aber auch nicht.

Durchgreifen, und zwar hart.

Okay, nachdem auch die Los Angeles Police Präsenz auf ihren Motorrädern zeigt und ich mein Antlitz in der Sonnenbrille eines Officers spiegeln ließ mache ich mir keine Sorgen mehr über einen reibungslosen Verlauf des Treffens. Warum auch? Die Sonne scheint auf die unzähligen Auto-Maniacs, alle hier anwesenden sind erheblich verrückter als der durchschnittliche Reihenhaus-Ruhrpöttler und da vorne ist auch schon die allerletzte reservierte Parklücke – rein da, und Fahnen aufbauen!

Zusammen mit den Tunern

Zusammen mit den Tunern

Kaum ist das Pony eingeparkt, scharen sich die ersten Blau-begeisterten Menschen um die Sonderedition. Farben gibt es hier viele. Diese nur einmal. Bevor ich die mitgebrachten nagelneuen Ausgaben der TRÄUME WAGEN 8/2012 (gestern erst erschienen) auf die Haube legen kann verschwinden sie schon in den Händen der neuen Leserinnen und Leser. In weiteren bangen Minuten, die ich hier nicht näher erläutern will, bittet man mich insgesamt drei mal um ein Autogramm. Wie unangenehm. Es scheint an der Zeit, ein wenig zu flanieren.

Mustang hier, Mustang da

Mustang hier, Mustang da

Man möchte meinen, dass hier vor allem eine hohe Mustang-Dichte auszumachen ist. Vielleicht liegt das daran, dass Dr. Mustang eingeladen hat. Rechnete ich heute Morgen noch mit vielleicht diesem oder jenem schönen Fahrzeug, stelle ich fest, dass es HUNDERTE sind. Mustangs, so weit das Auge reicht, Und einer schöner als der andere. Von 1964 bis heute ist alles dabei, was es an Farben und Formen so gab und gibt!

Auch die 80er sind dabei

Auch die 80er sind dabei

Coupés und Fastbacks, originale und heiß gemachte, hier findet sich alles, was das Herz und der Magen begehren. Persönlich interessant finde ich die Modelle aus den 80er Jahren, die ich als Kind immer so furchtbar fand, weil sie doch in ihrer Form einem biederen Ford Escort sehr ähneln… Hier auf dem Platz bin ich schier sprachlos, welchen Charme selbst diese Autos inzwischen mit ihrem IKEA-Schrankwand-Design versprühen. Und mit wie viel Liebe zum Detail sich alle Besitzer um ihre Schätzchen kümmern!

Nicht NUR Mustang

Nicht NUR Mustang

Der Artenvielfalt wird aber in ausreichendem Maße Genüge getan. Wir treffen auch Camaros, Challenger und Charger. In allen Farben und Formen, aber das habe ich ja schon erwähnt. Es ist wirklich auffällig, aber die Fahrer von amerikanischen Autos scheinen mehr Mut zur Farbe zu haben als alle anderen. Knalliges Rot, schrilles Gelb, giftiges Grün oder breitbeiniges Blau – das finden Sie sonst an keinem japanischen Kleinwagen. Widmen wir uns am ersten Tag des Events jetzt doch mal den Highlights jenseits der Ponyherde…

Tief in den Rachen schauen

Tief in den Rachen schauen

Außergewöhnlich gut im Zustand und brutal in der Kraftentfaltung sind hier fast alle. Einige mehr, andere weniger. Sind SIE denn schon unter der Haube? Wenn nicht – wagen Sie es doch mal. Zumindest in diesem Fall hier werden Sie mit sauberen 8 Pötten belohnt, fotogener als Marilyn und verführerischer als Lola vom Hafen. Die im Übrigen gerade zu singen scheint, jedenfalls tanzen da ein paar Mädels in Petticoats, das ist lustig…

Unter die Haube

Unter die Haube

Unter die Haube, wie? Okay. Das haben die Ladies wohl gehört, „EYYY FOTOOO KOSTET EIN EURO!“, hier wird augenscheinlich einer der letzten Tage in Freiheit gefeiert. Warum auch nicht, schließlich befinden sich die Damen inmitten einer Ansammlung der herrlichsten Abwechslung der Welt: Autos. Da kann man schon mal ausgelassen sein und sich auf das vorbereiten, was IHN in ein paar Jahren vermutlich mehr interessieren wird. Hihihi… So oder so viel Glück und alles Gute!

Lang, länger, Lincoln

Lang, länger, Lincoln

Herrlich. Ein Lincoln Mark V. Eines dieser Autos, die an einem vorbeifahren und vorbeifahren und vorbeifahren….. und einfach kein Ende nehmen. Eine Motorhaube wie ein Tennisplatz, ein Kofferraum wie eine Studenten-WG und ein Innenraum dagegen wie ein Schuhkarton. Spätestens jetzt fliegen alle Sicherungen im Kopf raus, die für sinnvolle Maße zuständig sind.  Wenn Sie den Besitzer jetzt noch fragen, was der denn verbraucht outen Sie sich endgültig als jemand, der tatsächlich gerade aus dem Centro vom Shoppen kommt und hier nur aus Versehen gelandet ist, weil er seinen Opel Corsa nicht wiederfinden kann. Wahrscheinlich steckt der in einem Auto wie diesem, angesaugt beim Einparken. Und wer holt den jetzt wieder aus dem Luftfilter raus?

Chillen im Pony

Chillen im Pony

Die Damen hier jedenfalls nicht. Sie entspannen sich in ihrem Convertible, werden auch morgen am Sonntag hier sein und genießen die Wärme, die Menschenmassen und das Gefühl, kein Dach über dem Kopf zu haben. Ich hätte sie auf Thelma und Louise ansprechen sollen. Sie machen allerdings nicht den Eindruck, als würden sie planen, über irgend eine Klippe zu rasen. Nein. Mustang fahren scheint glücklich zu machen, besonders wenn ein Dachschaden quasi unmöglich wird, weil schlicht keins da ist. Hier sollten noch viel mehr Menschen ein Cabrio fahren.

Klein kaufen, was groß zu teuer ist

Klein kaufen, was groß zu teuer ist

Hier in Oberhausen kommen sogar die zum Zuge, die sich keinen amerikanischen Schlitten leisten können oder wollen. Es gibt sie alle ja auch in 1:18 (sprich Eins zu Achtzehn), die dicken Dinger. Und sie haben genau die gleichen schrillen Farben wie ihre Vorbilder, brauchen aber weder H-Kennzeichen noch Hauptuntersuchung. Verschiedene Händler bieten zu fairen Preisen Ihre Ware feil, und glauben Sie mir, es gibt wahrhaftig nicht nur Autos – sondern auch alles andere, was das die Sehnsüchte eines echten Pony-Reiters stillen kann.

Der Wilde Wilde Westen fängt gleich hinter Hamburg an...

Der Wilde Wilde Westen fängt gleich hinter Hamburg an…

Wenn schon keinen Sattel oder echte Sporen – dann zumindest einen Cowboyhut. Hey. Der sitzt eigentlich echt gut, ist weich und bequem und… nein, wenn ich jemals wieder nach Hause kommen UND reingelassen werden will lege ich den wieder weg. Schade. Der Duft der Prärie, die Kakteen, die umherwehenden Dornenbüsche…. Es donnert. Die ersten Cowboys reiten ihre Ponies schon wieder in den Samstag Abend, denn morgen soll es ja noch weitergehen. Wir packen auch alles ein. Ich kann meine losen Kisten im Stand von Velocity einschließen lassen und entspannt zu Fuß in das drei Kilometer entfernte Hotel laufen. Der Mustang schläft, wie viele andere, bewacht von Security auf dem Parkplatz. Und ich kann ein bisschen nachdenken.

Ich habe mich wohl verlaufen

Ich habe mich wohl verlaufen

Es ist schon eine echt abgefahrene Community, diese Jungs und Mädels in ihren Amischlitten. Ich mag das. Es ist so wahnsinnig fern von allem konformen Tun und Lassen, ohne dabei auch nur im Ansatz böse oder schlecht zu sein. Es ist eine eigene Welt, cool, bunt, laut und gar nicht so weit weg von den menschlichen Grundbedürfnissen. Wenn das so wäre, könnte ich mir diese Massen von Autos und Menschen hier und heute nicht erklären. Auf dem Weg zum Hotel komme ich a) an einer Kneipe vorbei, die ihren Namen nicht zurecht trägt. Vernunft geht anders. Und ich komme b) an den Bahnschienen zu einem offensichtlich recht angesagten Heavy Metal Konzert, was von der Brücke aus gut zu sehen und noch besser zu hören ist. Es gibt eine Hells Stage und eine Devil’s Stage. Das macht mir irgendwie Hunger.

Working-Dinner beim Italiener

Working-Dinner beim Italiener

Sehen Sie. Vielleicht unterscheidet das einen Autor der TRÄUME WAGEN von einem x-beliebigen anderen Redakteur. Während Tony in der „Pizzaria Elba“ die Quattro Stagioni (ohne Ei) und den Viertel-Liter Chianti Classico vorbereitet, werden Bilder bearbeitet, zugeschnitten und hochgeladen. Texte geschrieben. Und Eindrücke genossen. Was für ein cooler Tag. Ich lasse mir jetzt ein Bad ein, salbe meine durchgelatschten Füße und schlafe mich dann fit für morgen. Gutes Wetter soll es werden. Sehen wir uns? Oberhausen ist gar nicht so weit weg wie man meint…

Mehr Bilder gibt es bei uns auf Facebook!

Und mehr Custom-Teile gibt es bei Velocity!

Und hier geht es zum zweiten Tag.

Frankfurt am Main, 15. Juli 2012, in einem Sommer, der diesen Namen nicht verdient hat. Aber na und? Sie wissen doch: Wenn Engel reisen…. Deshalb ist es wohl auch einigen Engeln zu verdanken, die mit ihren Ponies hier her gereist sind, dass zur Abwechslung einmal die Sonne über der Klassikstadt scheint. Die Wild Ponies of Hanau haben zum 13. Treffen für Ford Mustangs von 1964 bis heute eingeladen, und hey Cowboys dieser Welt, dieser Event hat mal ganz entspannt den geplanten Rahmen gesprengt!

Fast 300 Fahrzeuge haben wir gezählt, die sich auf dem Gelände der Klassikstadt und rund um die Gebäude (weil einfach kein Platz mehr war) getummelt haben. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Veranstaltung haben ein Goodie Bag, einen Aufkleber und die aktuelle TRÄUME WAGEN bekommen und wurden zusammen mit den Gästen und Besuchern mit allem versorgt, was Herz und Magen begehren. Zum Beispiel mit Shelby Mustang Keksen. Wer kann das schon von sich behaupten?

Speis und Trank sei Dank konnten wir uns den ganzen Tag hier aufhalten und trotzdem nicht satt sehen. Vom originalgetreuen Klassiker bis zum breitbeinigen Muskelprotz aus 2012 sind sie alle vertreten, die sportlichen Träume aus Amerika. Und wir mit unserem Verlagspony in Grabber-Blue natürlich mitten drin, Fragen beantworten, Plaudern, gemeinsam staunen. Kein Mustang gleicht dem anderen!

Bekommen Sie aus dem Kopf, ohne Hilfen, alle Baujahre und Modellreihen exakt zusammen?

Lassen Sie sich von ein paar kommentarlosen Impressionen verzaubern. Villeicht sehen wir uns ja im nächsten Jahr bei den Wild Ponies?

 

Klar – das TRÄUME WAGEN Team war ordentlich beschäftigt mit Benzingesprächen und dem Verteilen unserer neuen Magazine – der Ford Mustang ist und bleibt ein Dauerbrenner. Auch in der neuen Ausgabe 08/2012, die heute erscheint, haben wir wieder einen ganz besonderen Gaul für Sie auf dem Titel. Aber nun erst einmal noch die anderen Bilder…

Lecken Sie langsam Blut? In der Tat – der eine oder andere Mustang stehen sogar zum Verkauf! Neben den hier zahlreich vorhandenen Teilehändlern, über die sich wunderbar Kontakte knüpfen lassen werden auch ganze Autos feil geboten. Also, treten Sie Ihren Daihatsu Cuore in die Gelbe Tonne und stellen Sie sich doch mal was Handfestes vor die Garage. Sie wissen ja, wo Sie die meisten Inserate finden…

Erkennen Sie das Design? Schauen Sie doch mal in die neue TRÄUME WAGEN…..

Wer noch nicht genug Ponies gesehen hat – ein paar Bilder kommen noch, und außerdem sind wir mit unserem Verlagspony in Grabber-Blue ab morgen schon wieder auf dem nächsten Event in Oberhausen. Vielleicht sieht man sich ja dort wieder?

Wir sagen DANKE für diesen super Event und freuen uns auf die vielen weiteren, die noch kommen werden! Das gesamte TRÄUME WAGEN Team wünscht ein schönes Wochenende, viel Sonne, viel Spaß mit der neuen Ausgabe und einen guten Sommer!

Infos und Kontakt:
http://www.klassikstadt.com/
http://www.wildponies.eu/

Liebe Autosiasten,

dass wir ein Herz für den Mustang haben, wissen Sie schon seit geraumer Zeit – diesmal haben wir auch noch ein Hertz für den Mustang. Denn Redakteur Jens Tanz hat ein ganz spezielles Exemplar aufgetan: Den Nachbau von einem besonderen Wildpferd, das vor 47 Jahren in 1.000 Exemplaren von Autovermieter Hertz angeboten wurden – mit schärferer Nocke, stärkeren Bremsen und Sonderlack (Seite 12). Das beweist wieder einmal, dass das Thema Mustang schlicht unendlich ist. Und wir haben natürlich noch weitere Mustang-Spezies im Köcher. Sie werden lesen…

Wir haben aber auch ein Herz für europäische Klassiker – wie den MGB. Das ist wohl der klassischste aller klassischen englischen Roadster, und die Ikone wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Grund genug, nicht nur drei Spiel-arten des „B“ vorzustellen, sondern auch über den Tellerrand zu blicken: So sprachen wir in China mit dem aktuellen Chefdesigner von MG, machten uns auf die Suche nach den Resten der Firma MG in England und ließen einen Fahranfänger ans Steuer eines MGB, um zu lernen, wie das ist, wenn man bislang nur moderne, frontgetriebene Kleinwagen chauffierte und dann plötzlich aller Servohilfen und Elektronik beraubt wird (ab Seite 20).

'Editorial TRÄUME WAGEN 08/2012' weiterlesen

Bis zum Horizont und zurück – Man sieht bei der Speedweek die verrücktesten Fahrzeuge, selbst gebaute Formen mit wilden Bemalungen und tollen Lackierungen. Doch jedes dieser Fahrzeuge, egal ob 2- oder 4-rädrig, verbindet eins, es muss gemäß den Regeln der Southern California Timing Association SCTA gebaut, dass heißt in erster Linie, sicher sein.

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Chef Starter Jim Jensen gibt die Strecke für den nächsten Rekordversuch frei. Derwunderschöne Lakester hält den Rekord in der Klasse A/GL mit 300,311 mph (480 km/h)

Dem Deutschen fällt fast die Nase aus dem Gesicht. Da hat er sich doch in ewig langer Heimarbeit einen Bellytank Lakester gebaut – eine pure Hochgeschwindigkeitsmaschine für die Tempohatz auf trockenen Salzseen, benannt nach den aerodynamisch gestalteten Ersatz-Benzintanks der WWII-Militärmaschinen (Bill Burke baute den ersten aus dem 165-Gallonen-Tank eines North-American P-51 Mustang-Jagdfliegers). Kutschiert Kiste und Crew nach Amerika, genauer gesagt: nach Bonneville, zur Salzwüste bei Wendover in Utah. Da findet jedes Jahr im August die Speedweek statt. Adrenalinjunkies aus aller Welt kommen her, um Rekorde aufzustellen.

Und was ist? Nix ist. Der Traum, einen Klassenrekord von 337 mph (rund 540 km/h) zu fahren, zerplatzt: Nicht sicher genug, konstatieren die Inspekteure, keine Starterlaubnis. Heftige Nacharbeiten sind nötig…

Regeln? Sicherheit? Vorschriften? Hand aufs Herz – wer all die wilden und schrägen Fahrzeuge auf dem Salzsee sieht, kommt kaum auf den Gedanken, dass es Standards gibt. Doch Bonneville und die verantwortliche Southern California Timing Association (SCTA) lässt längst nicht jeden Träumer aufs flache Parkett. Jedes Fahrzeug muss durch eine Inspektion, sogar mehrmals. Gewisse Sicherheitsstandards sind vorgeschrieben, beim Bau eines Fahrzeugs muss man diese unbedingt einhalten.

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Dieser „Saltosaurus“ frisst am liebsten Oktanhaltiges und beschützt seinen Fahrer bei Höchstgeschwindigkeiten

Und auch die Strecke wird zwei Wochen vor dem Spektakel mit Walzen, Raupen und vielen Helfern präpariert. Das Ergebnis: eine steinharte Piste, auf der Rekorde bis zu 450 mph (720 km/h) möglich sind.

Bei diesen Geschwindigkeiten reichen schon kleinste Unebenheiten, um die Raketen auf Rädern unfreiwillig aus der Linie zu katapultieren. Dann hat der Pilot so gut wie keinen Einfluss mehr auf seine Flugbahn…

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Mops „Mo“ mag das Salz nicht und bekommt Puschen an. Ein Harley-Fahrer bringt seinen Leguan mit zum Salzsee. Auch er soll die schnellsten Fahrzeuge der Welt einmal sehen

Fast forward
Trotzdem finden sich immer wieder ganze Kerle, die für Tempo ihr Leben riskieren. Hier geht es um Ruhm und Ehre, um Geschwindigkeit und Rekorde, ums Limit – das der Fahrer und das der Autos.

Das amerikanische „Saltosaurus Team“ weiß genau, worauf die Experten achten. Deren Mitglieder tummeln sich seit Jahren auf dem Salzsee und im 200-mph-Club. Jedoch wurden auch sie schon vom Salz verbannt, weil ihre Kiste keine gute Sicht aus dem Cockpit erlaubte. Aufgefallen war das, weil der Pilot die Milesmarker der Zeitnahme abräumte…

Jedes Fahrzeug muss durch die strenge Inspektion der SCTA-Prüfer. Ausserdem muss jedes Auto, dass einen neuen Rekord aufgestellt hat, sich einer zweiten Prüfung unterziehen. Damit sollen unzulässige Manipulationen ausgeschlossen werden

Dieses raketenförmige Fahrzeug rast seit 1997 über die Salzpiste. Es fährt in der Streamliner-Klasse und versucht einen Rekord von 308 mph (493 km/h) zu knacken.

Nach einem kleinen Umbau wurde das Gerät zugelassen. Seitdem röhrt der grüne Salzdino wieder über den trockenen See und versucht, den Klassen-Rekord von 280,8 mph (449 km/h) zu überbieten.

Auch das Team „The Flying Pickle“ ist schon seit Jahren Teil der Speedweek. Mit ihrem Bellytank Lakester versuchen sie, den Rekord von 263 mph (420 km/h) zu knacken. Ganz schön fix, wenn man bedenkt, dabei in einem Ersatztank eines Kampfjets zu sitzen. Ein solches Bauteil ist die Grundlage für einen Salzseerenner. In oft jahrelanger Arbeit werden daraus die schnellsten Gurken der Welt.

Die besten Teams sind meistens auch die erfahrensten – denn die richtige Aerodynamik und damit das Tempo erreicht man nur durch viele Läufe auf dem Salz. Die Bedingungen sind mit keinem anderen Renn-Event vergleichbar: Hitze, die Beschaffenheit des Untergrundes und die unglaublichen Geschwindigkeiten erfordern immenses Können – und harte „Cojones“. Wahrscheinlich schreibt deshalb Racer Charles unübersehbar in sein Cockpit: „Don´t shit in Firesuit“…

Und unser armer Deutscher? Schraubt und schweißt fünf Tage und Nächte an seinem Bellytank. Dann darf der Lakester endlich auf das heilige Salz. Der erste Test bringt ein Tempo von gerade mal 125 mph (200 km/h).  Beim Messen ist es etwas besser: 163 mph (rund 261 km/h).

Der Rekord bleibt aus. Aber der Traum, einmal in Bonneville zu starten, ging in Erfüllung…

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Wo bleibt Carlos?
Oder: Wie man vom Reporter zum Teammitglied wird

Eigentlich hatten wir einen Termin mit unserem Freund Wally, um von ihm und seinem neuen Geschoss am anderen Ende des Salzsees Fotos zu schießen. Doch dann kam alles anders.

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Wir trafen uns sehr früh an der Starting Line, um als Speedseekers-Team den neuen Rekord zu begleiten. Es ist 5 Uhr morgens, und arschkalt. Der Himmel ist von der aufgehenden Sonne am Horizont der Salzwüste knallrot. Wir stehen ziemlich weit hinten in der Warteschlange des Kurses 3. Doch schon bald werden die ersten Motoren angelassen. Carlos, Wallys Teamkollege und Fahrer des Rescue- und Tool-Trucks, ist noch nicht da. Und ohne ihn kann Wally nicht los.

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Die schnellste Gurke der Welt ist aus einem Belly Tank gebaut.
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Mops „Mo“ mag das Salz nicht und bekommt Puschen an. Ein Harley-Fahrer bringt seinen Leguan mit zum Salzsee. Auch er soll die schnellsten Fahrzeuge der Welt einmal sehen

Da, der erste Motor heult auf und donnert nach kurzer Zeit los. Nun bewegt sich die Schlange langsam nach vorn zur Starting Line. Wally wird immer nervöser, denn er möchte seinen perfekten Startplatz nicht aufgeben: „Jetzt fährt es sich auf dem Salz am besten. Frisch, noch nicht zu heiß wird es sein, wenn ich dran bin. Das perfekte Timing, um den neuen Rekord aufzustellen“.

Carlos hin, Carlos her – wir schieben Wallys neu konstruiertes und noch nie auf dem Salz erprobtes Motorrad mit Seitenwagen Richtung Start. Carlos ist noch immer nicht in Sicht. Als wir zwei Fahrzeuge entfernt vom Start stehen, macht sich Wally fertig. Er ist heiß, er will jetzt nicht mehr warten und sich endlich den nächsten Adrenalinkick geben.

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Kein Carlos – aber Wally braucht einen Fahrer für das Begleitfahrzeug. Ob wir nicht….??? Seinen Truck steuern und ihn am Ende des Tracks einsammeln? „Wichtig ist nur das ihr nicht die Route verfehlt und mich direkt aufsammelt. Wenn alles gut läuft, warte ich zwischen Meile 3 und 4 auf euch. Das heißt: Ich fahre los, dann bekommt ihr vom Starter die Erlaubnis, von der Rennstrecke Richtung Rückfahrline zu fahren. Und dort müsst ihr dann Stoff geben. Auf der Rückfahrline ist so Einiges los, also haltet euch immer rechts, bis die Abzweigung kommt. Die ist etwas unkenntlich, wenn man schnell fährt. Hier müsst ihr Richtung Track 3 fahren. Und nie zu langsam…“

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Wow – wir dürfen über das geheiligte Salz fahren und Teammitglied sein. Wie aufregend. Gleich steigt auch der eigene Adrenalin-Pegel. Wir fühlen uns zugehörig, ja sogar verantwortlich. Und Spaß´macht es auch noch… Inzwischen ist es allerdings heiß und ungemütlich. Wir bringen Wally noch ein Wasser, und die Aufregung des Fahrers geht auf uns über. Und das Wichtigste: Inzwischen hoffen wir mit Wally auf den Rekord.

Wally braust los, wir folgen. Alles läuft nach Plan, nach gefühlt unendlichem Weg mit minimalen Orientierungspunkten sehen wir ihn am Horizont stehen. Wir parken den Truck und laden das Motorrad auf. Wally hat ein gutes Gefühl, wir müssen schnell den Zeitzettel abholen, damit wir gegebenenfalls in den Inpount fahren können, um den neuen Rekord zu melden. Dafür hat man maximal eine Stunde Zeit.

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Wally hatte Recht: Er war schnell und hat den bestehenden Rekord geknackt. Im Inpount muss die Maschine  – nachdem sie von den Inspekteuren untersucht wurde – bis zum nächsten Tag bleiben. Denn dann muss Wally gemäß den Regeln ein zweites Mal den bestehenden Rekord brechen. Der Mittelwert aus beiden Zeiten bildet dann den endgültigen neuen Rekord. Das Ganze nennt man Backup.

Und dann taucht doch tatsächlich Carlos auf – angeblich hat er verschlafen. Er bedankt sich überschwänglich bei uns, dass wir ihm den Arsch gerettet haben. Und übernimmt für den morgigen Backup Run den Truck. Schade eigentlich.

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Übrigens: Wally gelingt wieder ein Super-Lauf. Jetzt hält er den neuen Rekord von 168 mph (269 km/h).

Bilder: Alexandra Lier / www.speedseekers.de
Text: Alexandra Lier / Jens Mollenhauer

avatar_6Was ist der natürliche Feind des Zombies? Natürlich ein Auto – aber nicht irgendeins. Robert Kirkman, Autor der Untoten-Serie „The Walking Dead“ kooperierte mit der Hyundai Motor Company. Heraus kam ein absolut leichensicheres Elantra GT Coupé. Alles Spinnkram? Klar.

Robert Kirkman ist ein gemütlich aussehender Mann mit einem sandfarbenen Bart. Von Autos versteht er nichts, von Zombies dafür umso mehr. Dazu ist er der lebende Beweis, dass man mit hungrigen Leichen eine ganze Menge Geld verdienen kann. Angefangen hat alles mit einem Comic, 2003 erschien die erste Ausgabe bei dem Comicverlag Image. Erzählt wird die düstere Geschichte einer kleinen Gruppe von Menschen, die nach einer Zombie-Apokalypse im zerstörten Amerika um ihr Leben kämpfen. Mal mit mehr, meistens mit weniger Erfolg – man sollte sein Herz nicht unbedingt an einzelne Figuren hängen. Das geht nur bös aus. Seit 2010 wird die Serie beim US-amerikanischen Fernsehsender AMC verfilmt, die Erst-Ausstrahlung der ersten Staffel fand im deutschen Free-TV im Mai diesen Jahres als Wochenend-Event auf RTL II statt und bescherte dem Sender traumhafte Quoten.

Was das jetzt mit Autos zu tun hat? Eine ganze Menge, denn anlässlich der 100. Ausgabe des Comics gingen Kirkman und Hyundai eine Marketing-Kooperation miteinander ein. Abgesehen von der Tatsache, dass in der zweiten Staffel der Fernsehserie plötzlich ein Tucson eine ungeheuer wichtige Rolle spielte und in der nächsten Werbepause ein Hyundai-Spot lief, baute man anlässlich der Jubiläums-Ausgabe eine ultimative Überlebens-Maschine auf vier Rädern – einen modifizierten Elantra GT. Schließlich ist der Zombie an sich tumb und träge, und das Auto verspricht Mobilität und damit Überleben.

Präsentiert wurde der „Hyundai Elantra Coupe Zombie Survival Machine“ auf der Comic Con, die vom 11. bis 15. Juli in San Diego stattfand. Natürlich ist der Wagen völlig irre. Entworfen hat ihn Kirkman, ohne einen blassen Schimmer von der Materie zu haben, wie er zugibt. Gebaut wurde er von Gary Castillo von Design Craft Fabrication, der sich in Interviews begeistert darüber auslässt, wie viele Zombies sich mit der mattgrauen und gepanzerten Kiste niedermähen lassen. Die Fenster sind bezäunt, im Inneren kann Proviant, Wasser und das Waffenarsenal gelagert werden – die Rücksitze wurden ausgebaut. Auf dem Dach wurde eine umzäunte zweitürige Luke angebracht, drei Scheinwerfer sollen Licht ins Dunkel bringen. Aus den Felgen ragen scharfe Klingen, die an einen antiken Streitwagen erinnern, die Front ist mit einer Art Schneepflug geschürzt, der mit Spießen bewehrt ist. Alles in allem also ein Wagen, den man sich für den allabendlichen Feierabendverkehr in einer normalen Großstadt wünscht.

Womit man an einem Punkt wäre, über den sich Kirkman in einem Interview auslässt. „Die Menschen,“ so sagt er, „sind viel furchteinflößender als Zombies. Sie denken und planen. Und sie sind in der Lage, viel schlimmere Dinge zu tun, als dich zu essen. “ Da hat er wohl Recht, der Mann mit dem dicken Bauch und der seltsamen Fantasie.

Mehr Informationen:
www.designcraftfab.com
www.hyundaiundead.com

Da steht er, leibhaftig

Da steht er, leibhaftig

Kryptische Titelzeilen, finden Sie? Stimmt. Finde ich auch. Ich hole kurz aus: Der kleine Jens, es wird so um 1975 herum gewesen sein, spielt mit einem blauen Matchboxauto im Sandkasten. *SCHNITT* Vor ein paar Monaten finde ich dieses Auto in einer kindheitsgeprägten Devotionalien-Kiste wieder und denke so bei mir… „So ein Auto wird es doch auch in Groß geben…?“ Gibt es. Google und die Kontakte zu ein paar autoaffinen Menschen lenken mich auf meiner Ruhrpott-Tour zu etwas ganz besonderem…

Lange Haube, böse Hutze

Lange Haube, böse Hutze

Es ist ein ganz kleines bisschen so, als würde man seine Jugendliebe wiederfinden. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Straßen auf dem Teppich im Wohnzimmer oder die Highways draußen zwischen Porree und Erdbeeren, die ich mit diesem blauen Auto abgefahren bin. Das Wohnzimmer gibt es nicht mehr, den Teppich auch nicht. Der Garten ist einer Rasenfläche gewichen, die neuen Besitzer des Hauses mögen kein Obst. Aber hier neben mir steht das gleiche Auto in Echt, zwar nicht blau, aber wahnsinnig begehrenswert. Ich streichel mit der Hand die Kurven nach und frage mich, was damals in mir vorgegangen wäre, wenn mir das jemand erzählt hätte. Wahrscheinlich nichts. Das neue YPS war wichtiger.

Gegensätze ziehen sich an

Gegensätze ziehen sich an

Ein 7 Liter großer amerikanischer Big Block in einem sagenhaft seltenen und wunderschönen italienischen Vollblut-Sportwagen. Iso Grifo. Das stand auch unten, ins blanke Metall des Matchboxautos eingegossen. Es gibt in meinen Augen kaum ein stimmigeres Coupé mit einer schöneren Linie und einem begehrenswerteren Hintern als dieses. Die hochwertigen Materialien und die nur rund 600 mal gebaute Handwerkskunst entfachen den monetären Gegenwert eines Einfamilienhauses an der Kieler Förde, was mich traurig macht. Aber man muss ja nicht alles haben. Anfassen ist auch gut…

Zu Hause angekommen

Zu Hause angekommen

Regelmäßig besuche ich die Plätze meiner Kindheit. Und jetzt fahre ich auch noch die Autos meiner Sandkiste. Wahnsinn. Kennen Sie Iso? Und speziell dieses Modell? Oder hatten Sie etwa keine Sandkiste? Emotionale Fahrbilder, traumhafte Detailaufnahmen und ein bisschen Kindheit-Flair – das alles finden Sie in einer der nächsten TRÄUME WAGEN Magazine. Ein bisschen dauert es noch, aber hier und auf Facebook lesen Sie, wann die Geschichte erscheint. Bereiten Sie sich schon mal darauf vor. Dieses Auto trifft Sie ansonsten mitten ins Herz!

Schauen Sie mal bei Facebook rein!

Wer in den Sechzigern luxuriös und sportlich reisen wollte, der landete nicht selten bei einem Buick Riviera. Zumindest die Erbauer waren von seinem mediterranem Charme überzeugt

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Mensch und Maschine: Dennis Köhlerist der stolze Besitzer des gelben Donnervogels

Wenn Dennis Köhler mit seinem Sohn Luis in seinen 1968er Buick Riviera einsteigt, dann strahlt der Kleine wie ein Honigkuchenpferd. Und das, obwohl er nur auf der Rückbank des zweisitzigen Coupés in seinem Kindersitz Platz nehmen darf. Viel sprechen kann Luis mit seinen zwei Jahren zwar noch nicht, einen Namen für den Riviera hat er dennoch schon verinnerlicht: „Donnervogel“.

Es genügt, wenn Vater Dennis diesen Namen ausspricht und Luis weiß: Es geht wieder auf große Fahrt.

Der Name ist dabei auch mehr als treffend für den Riviera, denn sein 7,1-Liter-V8 mit 365 SAS-Pferden geht mit einem mächtigen Drehmoment zu Werke, wenn man ihn lässt.

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Ein amerikanischer Kraftprotz wie der Riviera macht eben Kinder froh, und Erwachsene ebenso. Auch unser Herz schlägt höher, als der knallgelbe Riviera – begleitet von einem tiefen Grummeln – aus der Garage hinaus auf den Hof rollt. Damit der mehr als fünfeinhalb Meter lange Wagen in seine Garage passte, hat Köhler diese zusammen mit seinem Schwiegervater sogar verlängert. Ein Dickschiff macht eben erfinderisch.

Ein Yankee mit italienischem Charme

„Wouldnt you really rather drive a Buick?“ Mit dieser Frage lockten die Werber hunderttausende Kunden in die Verkaufsräume der Buick-Händler. Das klappte  auch beim Riviera. In einem Werbespot von 1966 wurde der Riviera gar als amerikanisches Luxuscoupé angepriesen, das sich auch mit italienischem Autodesign messen könne. Eine blechern klingende Stimme verkündete in einem einminütigen Spot: „Die Italiener sind bekannt für ihre schönen Autos… Jetzt haben sie einen Grund, ein ausländisches Auto zu bewundern… den  1966er Buick Riviera.“

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Die Bewunderung aus Europa blieb jedoch aus, das belegen die hiesigen Verkaufszahlen. Die Erfolgsgeschichte des Rivieras wurde einzig in Amerika geschrieben. Dort, auf den breiten Highways, fühlt sich das Luxuscoupé mit seinen Abmessungen auch erst richtig wohl. In italienischen Städten hingegen würde der Riviera vermutlich zwischen zwei Vespa-Rollern in den engen Häuserschluchten hängen bleiben. So wurden lediglich ein paar wenige Modelle im belgischen Antwerpen endgefertigt. Ein paar weitere Riviera wurden von General Motors in der Schweiz produziert. So auch das Exemplar von Köhler.

Luxus für die Masse

Doch nicht nur die schicke Coupéform war für ein amerikanisches Auto dieser Zeit revolutionär, auch mit seiner fortschrittlichen Technik lockte der nur als Zweitürer erhältliche Riviera unzählige Käufer. Denn im Gegensatz zu den luxuriösen Cadillac hatte man sich bei Buick der sportiven Fortbewegung ver-schrieben, ohne dabei auf ein Mindestmaß an Komfort zu verzichten.

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Aluminium-Bremstrommeln, Flachbandkabel und der sagenhaft kräftige V8 machten den Buick zum exzellenten Musclecar und zum Flaggschiff von General Motors. Nie wieder sollte der Riviera, der schon damals fast als Marke innerhalb der Marke gilt, solch einen Charme versprühen wie damals in den 1960 und 1970er Jahren. Bereits die dritte Baureihe mit dem spitz zulaufenden Boattail-Heck stieß auf ein geteiltes Echo. Die folgenden Baureihen   verkamen in den 80ern optisch zunehmend  – und das Design erreichte in den 90er Jahren bis hin zur Einstellung 1998 seinen endgültigen Tiefpunkt.

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Der Riviera ist somit auch ein weiterer tragischer Beweis dafür, dass neu längst nicht immer besser oder gar schöner ist.

Drehen wir die Zeit also wieder zurück ins Jahr 1968. Alleine von der zweiten Generation des Riviera zwischen 1966 bis 1970 wurden mehr als 227.000 Exemplare gebaut, doppelt so viele wie bei der ersten Generation. Der Riviera wurde somit ein Luxuscoupé für die Masse. Und auch Jahrzehnte später zieht der Spruch noch immer Interessenten von Musclecars an. Das macht die Preise, die für einen gut erhaltenen Riviera gezahlt werden, sehr variabel.

Ein echter Grand Tourismo

Die schicke Coupéform, die atemberaubende Heckansicht, der vulominöse und komfortable Innenraum und die geschickt im Kühlergrill integrierten Frontscheinwerfer wären nichts ohne den kräftigen V8-Motor, der unter der knapp drei Quadratmeter messenden Motorhaube beheimatet ist. Zusammen mit dem Super-Turbine-Automatikgetriebe verdient der Riviera die Bezeichnung Gran Turismo zu Recht. Drückt man das Gaspedal durch, schießt der Muskelprotz – trotz seines Kampfgewichtes von gut 1.900 Kilogramm – in knapp acht Sekunden von 0 auf 60 Meilen (0-96 km/h) – begleitet von einem mächtigen Drehmoment von 655 Newtonmetern, welches er aus seinen 7,1 Litern Hubraum schöpft.

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Kraftwerk: Der 7,1 Liter V8 Motor beschert dem Buick Riviera 655 Nm Drehmoment und eine Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen in knapp 8 Sekunden

Wem jetzt und angesichts dieser perfekten Mischung aus Fahrspaß und Sportlich- keit das Grinsen noch nicht ins Gesicht geschrieben steht, dem ist nicht mehr zu helfen.
Luis hat das schon längst verstanden.

BUICK RIVIERA 1968
Motor: V8
Hubraum: 7,1 Liter
max. Drehmoment: 655 Nm
Getriebe: Automatik
Leergewicht: 1.900 kg
Höchstgeschwindigkeit: ca. 200 km/h
Beschleunigung: 0-96 km/h in knapp 8 Sekunden
Leistung: 365 PS (SAE)
L/B/H: 5.466/2.002/1.351 mm
Antrieb: Hinterrad
Besonderheiten: Historische Buick GSX-Lackierung, in der Schweiz gebaut
Bilder: Malte Ruhnke